Nimona von Noelle Stevenson

© 2015 by Noelle Stevenson

COMIC

Nimona: Sidekick eines ritterlichen Superschurken


Das Setting von Noelle Stevensons Comic Nimona muss man einfach lieben: Eine mittelalterliche Fantasy-Umgebung mit Magie und Monstern, die durch Klonlabors, Pizzalieferdienste, Strahlenkanonen, Fernseher und Bildtelefone zu einer wunderbar anachronistischen Science-Fantasy-Welt wird. Hier kämpft Ballister Blackheart als berufsmäßiger, geradezu klassischer Superschurke mit den Allüren eines verrückten Wissenschaftlers gegen das Institut, das die politische und militärische Macht im Königreich verkörpert. Blackhearts Weg und Rolle schienen vorgezeichnet, da der edle Sir Goldenloin ihm in jungen Jahren bei einem Turnierkampf den Arm wegschoss, weshalb der aus den Reihen der Guten ausgeschiedene Blackheart eine Cyber-Prothese trägt und zum Bösen wurde. Trotz allem weiß der aufrechte Blackheart, was sich gehört, dass es Regeln gibt und wo die Grenzen liegen. Blackheart, einfach unverbesserlich, sozusagen.

Die Werte und Statuten seines Jobs versucht er auch dem übereifrigen Mädchen Nimona zu vermitteln, das als Sidekick in seine Dienste tritt. Nimona ist eine unglaublich mächtige und selbstbewusste Gestaltwandlerin, die sich in einen Hai genauso verwandeln kann wie in einen Drachen, einen Tintenfisch, eine Katze oder einen Dinosaurier. Gemeinsam nutzen sie ihre Fähigkeiten und ihre sich zum innigen Vertrauensverhältnis entwickelnde Freundschaft, um dem Volk vor Augen zu führen, dass das Institut und seine skrupellose Chefin die Bewohner des Königreichs manipulieren, belügen und in Gefahr bringen. Allerdings zahlen Blackheart und Nimona einen hohen Preis für ihre Taten ...  

Nimona: Sidekick eines ritterlichen Superschurken

© 2015 by Noelle Stevenson

Vom Webcomic zum Bestseller

Wie Noelle Stevenson mit den Konventionen und Stereotypen der Fantasy spielt, die ihr selbst vor Nimona z. B. beim Cosplay begegneten, ist nicht nur sehr geschickt, sondern sorgt obendrein für eine packende Story, die abwechselnd humorvoll, fantasiereich, herzerwärmend, düster oder dramatisch ist. Man schließt ihr ungewöhnliches Gespann schnell ins Herz, während die 1991 geborene Autorin und Zeichnerin auf angenehm unaufgeregte Art und Weise mit Genre-Grenzen und den Geschlechterrollen innerhalb der Fantastik bricht und sogar eine homosexuelle Liebesgeschichte einbaut, die sich in ihrer Subtilität selbst erklärt. Zeichnerisch setzt die Amerikanerin auf klare Linien und flächige Farben aus dem Computer, was natürlich der Entwicklung von Nimona geschuldet ist.

Der Comic, der später für den Eisner Award ebenso nominiert war wie für den National Book Award, begann ursprünglich nämlich als eines von Stevensons Uniprojekten am Maryland Institute College of Art und als in Eigenregie veröffentlichter Webcomic, und da sind visuelle Einfachheit und Klarheit schlichtweg unverzichtbar – umso besser, wenn Stil und Storytelling zur Geschichte passen und jederzeit prima funktionieren. 2015 wurde im englischsprachigen Original von HarperCollins dann ein Sammelband des abgeschlossenen Webcomics veröffentlicht, der deshalb aus dem Netz genommen wurde und den Splitter unter dem neuen Minisplitt-Imprint nun erstmals auf Deutsch zugänglich gemacht hat. Außerdem sicherte sich 20th Century Fox die Rechte, um aus Nimona einen Animationsfilm zu machen, auf den man sich schon jetzt freuen darf, selbst wenn der Zeichenstil vermutlich verändert werden dürfte. 

Nimona: Sidekick eines ritterlichen Superschurken

© 2015 by Noelle Stevenson

Und Noelle Stevenson? Als eine der Künstlerinnen hinter dem preisgekrönten Comic-Bestseller Lumberjanes über die wahrlich fantastischen Abenteuer einer Pfadfinderinnen-Truppe feierte sie in der Zwischenzeit weitere Erfolge, indem sie Genre-Tropen nach wie vor gegen den Strich bürstet und auf Heldinnen setzt, die letztlich Leser jeden Geschlechts und Alters begeistern können. Davon kann es aber auch nie genug geben. Nimona ist jedenfalls so eine Heldin und ferner ein Musterbeispiel für einen ‚jungen’ Comic, der Fantasy und Science-Fiction durchschaut und ein Stück weiterbringt.

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