Comic: Dragon Age - Magekiller von Gred Rucka und Carmen Carnero

Dragon Age © 2015, 2016 EA International (Studio and Publishing) Ltd.

COMIC

Dragon Age: Magekiller



Der preisgekrönte Comic-Autor Greg Rucka („Gotham Central“, „Wonder Woman“) schildert im Fantasy-Universum der Videogame-Reihe „Dragon Age“ die Abenteuer zweier Söldner, die sich darauf spezialisiert haben, Magier und Magierinnen umzubringen.

Aus der kanadischen Videogame-Schmiede BioWare stammen nicht nur die Spiele „Baldur’s Gate“, „Mass Effect“ und „Star Wars: Knights of the Old Republic“. 2009 schickte BioWare außerdem das Fantasy-Rollenspiel „Dragon Age: Origins“ ins Rennen, dem 2011 „Dragon Age II“ und 2014 „Dragon Age: Inquisition“ folgten. Autor Greg Rucka, der „Batman“, „Gotham Central“ und „Queen & Country“ in seinem riesigen Comic-Portfolio hat, ist ein großer Fan der BioWare-Titel und insbesondere der „Dragon Age“-Reihe. Letztes Jahr schrieb er daher den Comic „Dragon Age: Magekiller“, der bei Cross Cult gerade auf Deutsch erschienen ist.

Ausschnitt aus dem Comicbuch "Dragon Age: Magekiller

Dragon Age © 2015, 2016 EA International (Studio and Publishing) Ltd.

Referenzen ohne Folgen

Die Comic-Miniserie setzt nach den Ereignissen in „Dragon Age II“ und noch vor den Geschehnissen in „Dragon Age: Inquisitor“ ein. Der ehemalige Sklave Marius, der zum Töten von Magiern ausgebildet wurde, und seine Gehilfin, das adelige Problemkind Tessa, sind als Söldner auf dem Kontinent Thedas unterwegs. Gegen Geld killen die beiden als Magekiller Zauberer und Magier, von denen es in der Fantasy-Welt von „Dragon Age“ viele gibt, die Unschuldige opfern, Dämonen beschwören oder sonst etwas Sinisteres tun. Ein neuer Auftrag konfrontiert das durchsetzungsfähige Duo mit Marius’ Vergangenheit im Tevinter-Imperium, in dem Magier das Sagen haben und von der einstigen Größe ihres Reiches träumen.

Dann treffen die Ereignisse des dritten „Dragon Age“-Games den Comic und verändern seinen Hintergrund spürbar, indem sie Wellen durch Story und Setting schicken. Am Ende mischen Marius und Tessa in den Kämpfen ums große Ganze mit. Wer das Game kennt, darf sich auf einige visuelle Referenzen an die umfangreiche Welt und ein Wiedersehen mit Leliana und Dorian freuen – Mr. Rucka, der mit Renee Montoya und Kate Kane aus Batmans Umfeld zwei beliebte lesbische Figuren im DC-Universum etablierte, lässt Tessa sogar mit der Elfin Charter anbandeln. 

Ausschnitt aus dem Comicbuch "Dragon Age: Magekiller von Gred Rucka und Carmen Carnero

Dragon Age © 2015, 2016 EA International (Studio and Publishing) Ltd.

Fantastische Frauenfiguren

Greg Rucka steht zu Recht in dem Ruf, glaubhafte, ebenso starke wie kaputte Frauenfiguren inszenieren zu können. Die eben angesprochene Renée Montoya im Cop-Drama „Gotham Central“, Tara Chace im Spionage-Hit „Queen & Country“, Carrie Stetko im verfilmten polaren Panel-Krimi „Whiteout“ und Dex Parios in der Hardboiled-Ongoing „Stumptown“ sind lediglich vier Beispiele für Ruckas Protagonistinnen, zumal der Amerikaner auch schon die Superheldinnen Wonder Woman und Elektra schrieb und zudem großartige, wichtige weibliche Figuren in die Abenteuer der Marvel-Machos Wolverine und Punisher integrierte. Selbst in seiner vorherigen ‚Franchise-Auftragsarbeit’, dem gelungenen „Star Wars: Imperium in Trümmern“, legte der Fußballfan aus Portland den Fokus auf die Mutter von Poe Dameron aus „Das Erwachen der Macht“, die als Rebellen-Pilotin mit Leia, Luke, Han und Co. interagiert. Rucka-Follower dürfte es daher wenig überraschen, dass er seine Fantasy-Geschichte im genretypischen Kosmos von „Dragon Age“ mit der sympathischen, modernen und frechen Erzählstimme von Tessa begleitet.

Dennoch ist Rucka, der für sein Comic-Schaffen mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde und ‚nebenbei’ fast 20 Romane geschrieben hat, ein ungemein respektvoller Franchise-Autor, der „Star Wars“ und „Dragon Age“ als fremde Sandkästen anerkennt, in denen es um Möglichkeiten, jedoch nie um Grenzüberschreitungen geht. Und natürlich hat der Mann nach all den Geschichten über Batman und Co. genügend Erfahrung mit Corporate-Charakteren. Vielleicht liegt es an der angezogenen Handbremse des Fans und Profis, dass „Dragon Age: Mage Killer“ zwar über weite Strecken funktionierende, aber eben doch ziemlich generische und oberflächliche Fantasy darstellt. Die Handlung verläuft episodenhaft bis zum Endgegner, was Gamern und Superhelden-Fans vermutlich weniger stört. Glücklicherweise schimmern Ruckas handwerkliches Können, sein Händchen für Frauenfiguren und Figurenbeziehungen sowie sein Humor zwischendurch spürbar durch. Deshalb ist die Story der Magiermörder besser als andere Werke, die fantastische Videogame-Universen in Panels oder Prosa kleiden.

Einer von den Guten

Die zeichnerische Gestaltung übernahm Carmen Carnero. Die Spanierin arbeitete in den letzten Jahren für diverse US-Verlage und realisierte Geschichten um Supergirl, Swamp Thing, die aberwitzigen Superior Foes of Spider-Man und Lara Croft. Mit Rucka arbeitete Carnero überdies bereits an dessen Marvel-Serien „Cyclops“ und „Punisher“ zusammen. Ihr Artwork sieht auch in „Dragon Age: Magekiller“ halbwegs solide aus, ohne für Begeisterungsstürme zu sorgen – das muss Rucka mit Tessas Erzählstimme und den recht süß gemachten Charaktermomenten und Gags hinbekommen. Dafür sind die Cover-Illustrationen von Sachin Teng auf und im Band eine echte Augenweide.

Der ist alles in allem niemals große Comic- oder Fantasy-Literatur, aber größtenteils ganz unterhaltsame Schwert-und-Magie-Kost mit ein paar richtig netten Momenten – und mit Game-Bezügen, die „Dragon Age“-Meisterzocker und -Novizen gleichermaßen verdauen können. Für einen Comic zu einem bekannten Fantasy-Videospiel ist das gar keine so üble Leistung. Greg Rucka ist eben selbst auf Sparflamme einer von den Guten.

 

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