The Flash Sammelband Mark Millar Grant Morrison

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COMIC

The Flash (Grant Morrison und Mark Millar): Flash trifft Doctor Who



Mark Millar (
Kick-Ass, Civil War) und Grant Morrison (All-Star Superman, Multiversity) gehören zu den erfolgreichsten Comic-Autoren der englischsprachigen Szene. Vor fast zwanzig Jahren arbeiteten sie sogar gemeinsam an einigen Helden-Titeln. Jetzt ist erstmals ein englischsprachiger Sammelband mit all ihren Geschichten um Flash erschienen, den schnellsten Mann der Welt.

 

Der Rote Blitz von Mark Millar und Grant Morrison


Der schottische Comic-Autor Grant Morrison wurde Ende der 80er durch seine Arbeit an Animal Man, Doom Patrol und Batman: Arkham Asylum zum Superstar – Animal Man durchbrach die vierte Wand zwischen Fiktion und Realität, Doom Patrol war herrlich surrealistischer Weird-Fiction-Stoff, und Arkham Asylum ein Graphic-Novel-Bestseller. In den letzten Jahren definierte der 1960 geborene Morrison Superman und Batman neu, führte das DC-Universum in die Final Crisis und schrieb eine Menge abgefahrener Science-Fiction-Comics wie The Filth oder Multiversity, in denen er mit etablierten Konzepten wie dem Multiversum und seinen Parallelwelten spielte. Ende der 80er ließ Morrison sich außerdem von einem gewissen Mark Millar interviewen und nahm seinen fast zehn Jahre jüngeren Landsmann anschließend für mehrere Jahre unter seine Fittiche. 

Anfang der 90er arbeiteten Millar und Morrison für ein Serial im legendären britischen SF-Comic-Magazin „2000 AD“ erstmals als Co-Autoren zusammen. Als im Zuge der so genannten britischen Invasion immer mehr Kreative Alan „Watchmen“ Moore und Neil „Sandman“ Gaiman über den großen Teich folgten und auf den US-Markt drängten, gab Morrison seinem Zögling Millar in Übersee bereitwillig Starthilfe und arbeitete mit ihm an einer Geschichte für die fantastische Horror-Serie „Swamp Thing“ zusammen, die Millar danach alleine weiterschrieb. Gemeinsam verfassten die beiden Schotten zudem Aztek – The Ultimate Man und Vampirella.


Der Rest der Geschichte ist bekannt: Mark Millar ist seit über zehn Jahren der gefragteste Comic-Autor in Hollywood. Millar, der als Warren Ellis’ Nachfolger am Science-Fiction-Highlight The Authority bei DC und mit seiner radikalen Avengers-Neuinterpretation in Die Ultimativen bei Marvel selbst zum Top-Autor wurde, hat es praktisch zum Geschäftsmodell erhoben, Comics zu schreiben, die sich prima verfilmen lassen. So gut wie jeder seiner neuen, eigenständigen Comics unter dem Millarworld-Label wird sofort bei Erscheinen von einem Studio optioniert, nachdem Wanted, Kick-Ass und Kingsman: The Secret Service erfolgreich ins Kino importiert worden sind. Selbst die Comic-Hauptserie zu Marvels Crossover-Spektakel Civil War, das dieses Jahr mit Captain America und Co. auf der Leinwand krachte, wurde 2006 von Millar geschrieben. Auf Deutsch erschien zuletzt Millars MPH – Schnelle Pillen, das einen millar-typischen Blick auf das Konzept der Raser unter den Superhelden wirft. Da passt es gut, dass in den USA kürzlich ein dicker Sammelband veröffentlicht wurde, der Millars und Morrisons kompletten Run als Autoren von The Flash zusammenfasst. 

 

Tödlicher Dress


Dank der sympathischen neuen TV-Serie The Flash mit Hauptdarsteller Grant Gustin wissen heute wohl mehr Menschen denn je, dass Batmans und Supermans Kollege Flash alias Barry Allen der schnellste Mann der Welt ist. Mitte der 80er-Jahre hatte Barry in den Comics jedoch das Zeitliche gesegnet – erst ein knappes Vierteljahrhundert später kehrte er als Roter Blitz ins Leben zurück. In der Zwischenzeit wurde Wally West, als Kid Flash ewig und drei Tage Barrys jugendlicher Sidekick, zum neuen Flash und ferner einem absoluten Publikumsliebling. Als Morrison und Millar 1997 antraten, um ein Jahr lang die Abenteuer des Superrasers zu schreiben, hatte Wally seine große Liebe und sein Tempo als Roter Blitz gefunden. Grund genug für die schottischen Schreiber, Wally mit einigen ungewöhnlichen Herausforderungen zu konfrontieren.

Zu Beginn des Sammelbandes, der über weite Strecken elegant von Paul Ryan und Ron Wagner gezeichnet wurde, muss Wally es mit einem symbiontischen Superschurken-Kostüm aufnehmen, das die Lebensenergie seines Trägers nach und nach aufzehrt. Zum Glück wird Flash von anderen Speedstern unterstützt, die wie er auf die Speed Force zugreifen können, die Quelle ihres übermenschlichen Tempos: Von Max Mercury, dem Zen-Meister der Geschwindigkeit, dem Nachwuchshelden Impulse aus dem 30. Jahrhundert, und von Jay Garrick, dem ersten, in die Jahre gekommenen Flash des Goldenen Zeitalters. Morrison und Millar nutzen das generationenüberbrückende Personal, um geschickt mit der Flash-Mythologie zu spielen und eine Beziehung zu all diesen Charakteren herzustellen. Am Ende muss es allerdings eine ziemlich komplizierte Zeitreise richten, die wie einer dieser Momente aus der BBC-Kultserie Doctor Who wirkt, in denen es nur so im erzählerischen Logik-Getriebe knirscht.

 

Wettrennen mit Aliens und dem Tod


Später steht ein Crossover mit Green Lantern und Green Arrow an, die damals nicht Hal Jordan und Oliver Queen waren, sondern Kyle Rayner und Connor Hawke – in den 90ern befand sich in der Hinsicht vieles in Bewegung. Zwei Teile der serienübergreifenden Story mit dem Justice-League-Dreigestirn auf Kreuzfahrt und vor Gericht hat damals Vielschreiber Chuck Dixon getextet, und im direkten Vergleich fällt schon auf, dass Millar und Morrison eine eigene, andere Vorstellung davon hatten, wie ihre Superhelden-Geschichten ticken und wirken sollten.

Da wundert es dann auch nicht, dass sie Wally mit seinem vermeintlich imaginären Freund aus Kindheitstagen zu einem außerirdischen Wettrennen antreten lassen, in dem das Schicksal ihrer jeweiligen Heimatplaneten auf dem Spiel steht. Hier gehen Millar und Morrison wieder an die Grenze der Seltsamkeit und setzen voll und ganz auf die Science-Fiction-Affinität ihres Titelhelden und ihrer Leser. Schließlich bewegt ein Schicksalsschlag Wally dazu, sein Kostüm abzulegen. Dem Black Flash, der als Tod die Klauen nach dem zurückgetretenen Recken ausstreckt, ist das dummerweise herzlich egal ...

Zwei echte, kleine Highlights verstecken sich noch im Sammelband: Eine gefühlvolle Story, in der Morrison und Millar einen Tag im Leben des verheirateten Flash-Veteranen Jay Garrick beschreiben, der einem alten, im Sterben liegenden Feind zu helfen versucht. Und eine Meta-Story, in der Millar in einer Bar auf den Flash trifft und ihn nach einer Idee für eine Geschichte fragt.

Ein spezieller Flash für alle


Für über ein Dutzend US-Hefte ist das viel Stoff zwischen Superhelden-Action und Science-Fiction, doch vermutlich ist genau das die große Stärke dieses Bandes, der nie langweilig wird, selbst in seinen logikunfreundlichsten Momenten noch eine Menge Spaß macht und obendrein für jeden zugänglich ist. Dabei präsentiert sich der recht spezielle Flash von Mr. Millar und Mr. Morrison wesentlich unterhaltsamer und schwungvoller als etwa der viel gelobte Run von Flash-Ikone Geoff Johns, der in den Staaten derzeit ebenfalls in Sammelbandform nachgedruckt wird. Mit The Flash by Grant Morrison und Mark Millar machen also weder Fans mit Lücken in der Sammlung, noch Neuleser auf der Suche nach lesenswerten Einzelbänden etwas falsch. Da darf man schon mal wie der Blitz zum Comicshop rasen ... 

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