Phillip P. Peterson Interview

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INTERVIEW

"Die ferne Zukunft unseres Kosmos ist alles andere als sicher": Interview mit Phillip P. Peterson


Gerade ist Phillip P. Petersons neuer SF-Roman "Universum" erschienen. Im Interview spricht er mit uns über Hard-SF, Weltraumtoursimus und natürlich Universen …

TOR ONLINE: Erzählst du uns kurz, worum es in "Universum" geht?

Phillip P. Peterson: Es geht um die Besatzung eines Raumschiffes, die sich plötzlich in einer Extremsituation wiederfindet. Der Antrieb hat einen Defekt und das Schiff rast mit unfassbarer Geschwindigkeit durch Raum und Zeit. An Bord sind dabei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich zusammenraufen müssen, um ihr Überleben zu sichern.

Die Passagiere des Raumschiffs sind ja aus unterschiedlichen Gründen auf dem Weg, um einen fernen Planeten zu besiedeln. Doch schon während der Reise geraten sie in eine Notlage. Dabei treffen sehr unterschiedliche Figuren aufeinander. Welche deiner Figuren liegt dir besonders am Herzen?

Einem Autor liegen natürlich die Hauptpersonen einer Geschichte sehr am Herzen, hat er doch Monate mit ihnen gemeinsam durchlebt. "Universum" hat zwei Hauptfiguren, einen ehemaligen Bomberpiloten, der lernen muss mit einer riesigen Schuld zu leben und eine schrullige Raumschiffkommandantin, die eigentlich gar keine Lust mehr an ihren Job hat. Ich mag beide sehr gerne.

Der Titel verrät es ja schon ein wenig, Universen spielen eine wichtige Rolle in deinem Roman. Was fasziniert dich an der Idee, dass es nicht nur unser Universum geben könnte?

Es hat mich schon immer fasziniert, nachts in den Sternenhimmel zu schauen und darüber nachzudenken, was jenseits des kosmischen Horizontes liegt. Wenn man sich ein wenig mit der Fachliteratur beschäftigt, fällt sofort auf, wie wenig wir über die tatsächliche Struktur des Universums wissen. Es könnte sein, dass das Universum unendlich ist oder tatsächlich irgendwo eine Grenze hat. Man weiß es einfach nicht. Auch die ferne Zukunft unseres Kosmos ist alles andere als sicher. Die Theorie, dass es mehr als ein Universum geben könnte – vielleicht sogar unendlich viele – ist dabei sehr faszinierend. Wer weiß, vielleicht können wir irgendwann einmal tatsächlich neue Universen herstellen, womöglich mit anderen Naturgesetzen. Physikalisch ist das nicht unmöglich.

Gerade in der Hard-SF sind Fakten und die naturwissenschaftlichen Grundlagen wichtig für die Konstruktion eines Romans. Wie sah deine Recherche in diesem Fall aus? Ganz einfach ist die Thematik ja nicht, mit Überlichtgeschwindigkeitsflügen, Wurmlöchern usw.

Ich kenne viele physikalische Grundlagen schon aus dem Studium. Wir hatten sowohl die Relativitätstheorie als auch Quantentheorie als Lernstoff. Diese Themen interessieren mich ohnehin sehr und daher habe ich etliche sehr gute Bücher darüber. Die Recherche soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich mir im Interesse der Spannung auch künstlerische Freiheiten nehme und mir aus der Vielzahl an Theorien diejenigen heraussuche, die der Geschichte am meisten nützen.

Immer mehr Privatleute fliegen ins All. Wie lange gibst du uns, bis wir wie Mike und seine Familie einen Planeten wie Omicron 3 besiedeln?

Dabei reden wir von interstellarer Raumfahrt. Das ist etwas anderes als die orbitalen und suborbitalen Flüge, die von Touristen in den letzten Wochen und Monaten unternommen wurde. Die Planeten unseres Sonnensystems werden vielleicht in den nächsten hundert Jahren von Menschen besucht werden. Wenn wir aber nicht noch weltbewegende Entdeckungen machen, wird die Reise zu anderen Sternen nur Robotern oder Generationenraumschiffen vorbehalten sein, die tausende Jahre für eine solche Reise brauchen werden.

Was hältst du persönlich vom Weltraumtourismus?

Ich finde es gut, wenn Reisen in den Weltraum nach und nach zur Normalität gehören werden. Ziolkowski hat damals gesagt, dass die Erde die Wiege der Menschheit sei, diese aber nicht für immer in der Wiege bleiben dürfe. Was die ökologischen Effekte solcher Reisen angeht, bin ich mir sicher, dass die Raumfahrt der Erde auf lange Sicht helfen kann, indem man zum Beispiel Schwerindustrie oder Rohstoff- und Energiegewinnung in den Weltraum verlegt. Nach und nach wird das Sonnensystem zu einem Wirtschaftsraum, in dem natürlich auch der Tourismus seinen Platz hat und die Erde den Status eines Naturreservats erhält, das es zu erhalten gilt.

Verrätst du uns, was dich über die Coronazeit gebracht hat?
Neben guten Essen und gutem Wein natürlich die Familie – ganz klar. Ich muss mich aber auch mal bei der Landesregierung von NRW bedanken, die mutig genug war, die Kindergärten im letzten Winter offen zu halten. Sowohl für meine Arbeit als auch die Entwicklung meines Sohnes war das essentiell. Ich hoffe im Sinne der Kinder, das Schul- und Kitaschließungen nun endlich passé sind. 

Und worauf können sich deine Leser*innen als nächstes freuen?

Ich schreibe gerade an einem Science-Thriller, der nächstes Jahr bei FISCHER Tor erscheint. Der spielt dann nicht mehr in der fernen Zukunft im Weltraum, sondern morgen in Deutschland und beschäftigt sich mit einem wissenschaftlichen Experiment, das entsetzlich schiefläuft und unser aller Leben bedroht.

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