Brandon Q. Morris im Interview

INTERVIEW

"Der Astronaut, der ich nie sein konnte": Interview mit Brandon Q. Morris


Hard SF ist das Genre, in dem sich Autor Brandon Q. Morris am wohlsten fühlt. Fakten sind dem Vielschreiber wichtig in seinen Romanen, wie er uns im Interview zu seinem neuesten Roman "Die Störung" berichtet.

TOR ONLINE: Hallo Brandon, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Zunächst einmal: Würdest du uns kurz zusammenfassen, wer Brandon Q. Morris ist und was wir unbedingt über ihn wissen sollten?

Brandon Q. Morris: Brandon Q. Morris ist der Astronaut, der ich aus verschiedenen Gründen nie sein konnte. Er fliegt für mich durch unser Sonnensystem und seine Umgebung, entdeckt ferne Welten, versucht, auf dem Mars zu überleben, oder findet Spuren von Leben in den Ozeanen des Saturnmonds Enceladus oder in den Wolken der Venus. Letzteres übrigens vor dem tatsächlichen Fund von Phosphin. Das liegt daran, dass ich ihn als Physiker nie etwas entdecken oder machen lassen würde, was die Physik für prinzipiell unmöglich erachtet, und dass ich gleichzeitig versuche, aktuelle Entwicklungen möglichst gut zu extrapolieren.

Okay, das war nicht kurz. Brandon Q. Morris ist ein Physiker, der spannende Zukunftsgeschichten schreibt, die irgendwann genau so passieren könnten. Besser so?

Wenn du "Die Störung" in einem Satz pitchen müsstest – wie würde er lauten?

»Die Störung« fragt, ob wirklich jede Frage eine Antwort braucht, am Beispiel der Suche nach dem Anfang von allem und jedem – und nach dem Beginn des Universums.

In "Die Störung" schickst du eine vierköpfige Crew auf eine beeindruckende Mission. Sie sollen den Ursprung des Universums erforschen. Ein hehres Ziel. Glaubst du, die Menschheit könnte mit einem solchen Wissen umgehen?

Nein, das glaube ich nicht, aber ich müsste spoilern, wenn ich das begründen müsste.

Die Crew der Shepherd-1 wird ja mit einer seltsamen Störung konfrontiert, nach der der Roman benannt ist. Kannst du uns etwas darüber verraten, worauf die Störung basiert, woher du die Idee genommen hast?

Ich bin bei einer anderen Recherche auf die Idee der Solaren Gravitationslinse gestoßen. Dabei benutzt man die Schwerkraft der Sonne, um Licht fernster Welten wie bei einer Linse zu bündeln. Allerdings bildet eine solche Linse erst in enormer Entfernung scharf ab. Ich habe mich dann gefragt, welcher Motivation wohl ein Mensch bedarf, um freiwillig auf so eine Reise zu gehen, die höchstwahrscheinlich das ganze Leben kostet.

Deine Romane lassen sich der Hard SF zu ordnen. Warum gerade dieses Subgenre der SF?

Mich fasziniert das »Was wäre wenn«. Ich stelle mir eine Situation vor. Beispiel: Ein Schwarzes Loch bedroht die Erde. Was würde das für uns bedeuten? Daraus entwickelt sich dann die Geschichte. Und das tut sie, wie das richtige Leben, eben nach den herrschenden physikalischen Gesetzen. Dadurch bleibt für mich alles viel realer. Ich weiß, es könnte genau so passieren. Dabei lese und sehe ich auch gern »phantastische« SF à la Star Wars. Denn ist völlig klar, dass daran nichts realistisch ist, und niemand sagt, das wäre unsere Zukunft. Die Geschichte spielt »vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie«. Ärgern muss ich mich bloß, wenn ein realistischer Anspruch behauptet, aber nicht umgesetzt wird.

Du hast ja einen enormen Output an Romanen. Und teilweise sind diese sogar miteinander verwoben. Wie arbeitest du und wie behältst du einen Überblick über Figuren und Handlungen?

Ich bin ein »Discovery Writer« (»Entdeckungsschreiber«). Den englischen Begriff mag ich sehr, weil er genau sagt, wie ich schreibe. Ich entdecke die Handlung gemeinsam mit meinen Heldinnen und Helden. Es gibt keinen vorgegebenen Plot. Am Anfang versetze ich sie in eine unangenehme Lage, und dann versuchen wir gemeinsam, da wieder herauszukommen. Dadurch bleibt der Schreibprozess für mich immer spannend. Die Figuren gewinne ich dabei meist lieb, natürlich auch die Antagonist*innen. Und da ich diese Erfahrung auch als Leser kenne, lasse ich sie in anderen Büchern gern erneut auftreten. Technisch hilft, dass ich mir die wesentlichen Eckdaten aufschreibe.

Kannst du uns verraten, wie es bei dir weitergeht, woran du momentan arbeitest?

Mein neuestes Projekt schickt meine Held*innen sehr, sehr weit hinaus ins All. Sie sind auf einem Planeten unterwegs in Richtung Andromeda-Galaxie, schon seit Millionen Jahren. Andromeda ist ihr Ziel und auch ihr Kult. Seit uralten Zeiten ist ihre bescheidene Zivilisation auf diesem Weg. Niemand stellt das Ziel infrage. Es berührt auch ihr tägliches, schweres Leben nicht. Doch dann ändert sich alles. Der Planet schlägt einen Orbit ein, statt sich weiter in Richtung Andromeda zu bewegen. Die lange Reise ist zu Ende. Die Zivilisation verliert ihren Sinn. Besonders schmerzlich ist: Im Mittelpunkt des Orbits ist – nichts. Und dann beginnen die Botschaften.

Vielen Dank!

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