Zehn phantastische Phänomene im Weltall, die es wirklich gibt

© comfreak/pixabay

NERD-WISSEN

10 phantastische Phänomene im Weltall, die es wirklich gibt


Brandon Q. Morris ist nicht nur Autor von Hard-SF-Romanen wie "Die Störung", sondern auch Physiker, der sich im Weltall besonders gut auskennt. Für uns hat er 10 phantastische Phänomene herausgesucht, die selbst die Vorstellungskraft der kreativsten SF-Autor*innen beinahe sprengen.

Zu verrückt, um wahr zu sein? Das Universum beweist eine Menge Phantasie und kennt Objekte, die direkt einem SF-Roman entsprungen sein könnten.

1. Ein Planet, schwärzer als Kohle

Der dunkelste Planet, den Astronomen je gefunden haben, heißt TrES-2 b und ist 700 Lichtjahre von der Erde entfernt. TrES-2 b reflektiert weniger Licht als Kohle. Es handelt sich überraschenderweise aber nicht um einen Gesteinsplaneten wie Amphitrite, der Star meines gleichnamigen Buches (https://hardsf.de/links/1305827), sondern um einen Gasriesen wie Jupiter. Warum er so dunkel ist, ist nicht ganz klar. Möglicherweise liegt es daran, dass seine Atmosphäre, die so heiß ist wie Lava, anders als bei Jupiter keine das Licht reflektierenden Wolken enthält. Außerdem gibt es in seiner Hülle relativ viel Natrium und Kalium in gasförmigem Zustand – diese Atome schlucken Licht.

2. Ein Stern, auf dessen Oberfläche man friert

Mit -48 °C kann es auf der Oberfläche von WISE J085510.83-071442.5 ziemlich kalt werden. Gut, das Objekt mit dem langen Namen ist kein Stern im engeren Sinn, sondern wird als Brauner Zwerg eingeordnet. Braune Zwerge sind Himmelsobjekte, die in ihrem Wachstum im Zentrum einer protostellaren Wolke nicht genügend Material mitbekommen haben, um zu einem echten Stern zu werden. Sie können sich trotzdem auf hunderte Grad aufheizen, doch bei WISE J085510.83-071442.5, auch kurz WISE 0855-0714 genannt, kam es nie dazu. Der Braune Zwerg befindet sich etwa sieben Lichtjahre von der Erde entfernt und bildet damit das uns viertnächste System.

3. Eine riesige Wolke. Aus Alkohol.

Das ist kein Fiebertraum eines durstigen SF-Schriftstellers, sondern die Realität von Sagittarius B2, einer gigantischen Molekülwolke, die etwa 390 Lichtjahre vom Kern der Milchstraße entfernt ist. Sgr B2 hat eine Masse von drei Millionen Sonnen und durchmisst 150 Lichtjahre. In ihr hat man bereits zahlreiche komplexe organische Moleküle entdeckt, unter anderem Ethanol, Ethenol und Methanol, aber auch Ameisensäureethylester, ein Aromastoff, der in vielen Pflanzen vorkommt, so auch in Himbeeren. Ein Extrakt aus Sgr B2 könnte also nach Himbeerschnaps schmecken – wäre aber wegen des Methanols giftig.

4. Ein Stern, älter als das Universum

Der im Sternbild Waage befindliche Untergigant HD 140283 trägt nicht zu unrecht den Spitznamen »Methusalem«. Sein Alter schätzen die Astronomen nämlich auf 14,46 Milliarden Jahre, womit er älter als das Universum (13,8 Milliarden Jahre) wäre. Allerdings liegt die Unsicherheit dieses Wertes bei plus/minus 800 Millionen Jahren. Methusalem ist auf jeden Fall sehr alt, was die Astronomen daran erkennen, dass er fast keine schweren Elemente wie Eisen enthält. Trotzdem gehört er offenbar nicht zu den allerersten Sternen, die sich im noch jungen Universum gebildet haben – er könnte aber deren direkter Nachfahr sein.

5. Eine Galaxie in Form einer Schlange

Die »kosmische Schlange« hat von den Astronomen, das ist ungewöhnlich, bisher nur den Spitznamen »cosmic snake« bekommen. Sie wurde unter anderem vom Hubble-Weltraumteleskop beobachtet und scheint in der Form einer Schlange oder eines Wurms durch das All zu kriechen. Allerdings handelt es sich dabei um eine optische Täuschung, verursacht von der Masse des Galaxienhaufens MACSJ1206.2-0847. Die Gravitation dieses riesigen, 4,5 Milliarden Lichtjahre entfernten Objekts verfälscht das Licht der noch weit dahinter befindlichen kosmischen Schlange wie in einem Zerrspiegel derart, dass wir ihre Originalform nicht mehr wahrnehmen können.

Cosmic snake pregnant with stars

© ESA/Hubble, NASA

6. Ein Stern, jünger als die meisten Leser dieses Artikels

Astronomen sehen Himmelsobjekten sehr gern bei ihrer Geburt zu. Bei NS 1987A hatten sie besonderes Glück, denn ein kosmisches Leuchtfeuer, eine Supernova-Explosion namens SN 1987A (die Namensähnlichkeit ist kein Zufall) machte sie auf die Geburtswehen dieses Neutronensterns aufmerksam. Die Explosion fand in der Großen Magellanschen Wolke statt. NS 1987A trägt sein Geburtsjahr im Namen. Allerdings liegt seine Heimat genau genommen über 150.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das heißt, wir sehen zwar gerade sein 30-jähriges Ich, aber in diesem Moment hat NS 1987A bereits 150.000 und 30 Jahre auf dem Buckel. Sein Vorgängerobjekt war ein etwa 17 Sonnenmassen schwerer Blauer Riese mit dem Namen Sanduleak -69° 202.

7. Gaswolken, die sich wie Kaugummi dehnen

Mal verhalten sie sich wie eine Gaswolke, dann werden sie wieder zum fast gewöhnlichen Stern: Die sogenannten »G-Objekte« lassen sich schlecht in eine Kategorie pressen. Sechs dieser Objekte haben Astronomen bereits identifiziert. Sie befinden sich alle in unmittelbarer Nähe des Zentrums unserer Milchstraße – im Orbit des supermassiven Schwarzen Loch Sagittarius A*. Diese Gemeinsamkeit ist es wohl auch, die zu ihrem seltsamen Verhalten beiträgt. G1 bis G6 haben Orbits, die sie in 100 bis 1000 Jahren einmal um das Schwarze Loch führen. Immer, wenn sie ihm dabei zu nahe kommen, werden sie von dessen Anziehungskraft wie ein Kaugummi gedehnt, danach ziehen sie sich scheinbar wieder zusammen. Vermutlich handelt es sich um ehemalige Binärsysteme, Systeme aus zwei Sternen also, die unter dem Einfluss von Sagittarius A* irgendwann verschmolzen sind. Aber dieser Prozess ist noch nicht vorüber. Während sie sich in ihrem Vereinigungstanz dem Schwarzen Loch nähern, zerrt dieses die beiden Komponenten auseinander. Mit größerem Abstand finden sie durch die eigene Anziehungskraft wieder zusammen.

8. Ein Planet aus Zuckerwatte

HIP 41378 f ist der fünfte, äußerste Planet des sonnenähnlichen Sterns HIP 41378. Er hat den neunfachen Radius der Erde, ist aber nur zwölfmal so schwer – zum Vergleich: Unser nur wenig größerer Gasriese Jupiter ist 318 mal so schwer wie die Erde. Wenn die Astronomen sich nicht irren, müsste HIP 41378 f aus einem Material bestehen, das leichter als Zuckerwatte ist. Bewohnbar wäre der Planet damit nicht, obwohl er sich in der bewohnbaren Zone seines Sterns befindet. Bewohner eines eventuell in seinem Orbit befindlichen Mondes hätten aber sicher einen schönen Ausblick.

9. Ein Stern voller exotischer und radioaktiver Elemente

1961 entdeckte der polnisch-australische Astronom Antoni Przybylski im Licht des Sterns HD 101065 eine große Anzahl von ungewöhnlichen Elementen wie Strontium, Holmium, Niob, Scandium, Yttrium, Cäsium, Neodym, Praseodym, Thorium, Ytterbium und Uran. Das auch »Przybylskis Stern« genannte Objekt enthält zudem auch viele verschiedene kurzlebige, also radioaktive Elemente, wobei Aktinium, Protactinium, Neptunium, Plutonium, Americium, Curium, Berkelium, Californium und Einsteinium nachgewiesen wurden. Zu den merkwürdigen Eigenschaften dieses Sterns gibt es zahlreiche Hypothesen. Der Stern könnte zum Beispiel einige langlebige Nuklide von der Insel der Stabilität (wie etwa 298 Flerovium) enthalten; was Przybylski gemessen hat, wären dann Abfallprodukte. Oder, und das ist die bisher nirgends vertretene Theorie des Autors, HD 101065 wird von einer benachbarten Zivilisation als Endlager für radioaktiven Müll benutzt.

10. Ein Mond wie eine Walnuss

Der Saturnmond Iapetus sieht auf Fotos aus wie eine Walnuss. Das liegt an seinem größten Rätsel: einer Bergkette, die exakt entlang seines Äquators verläuft. Dieser äquatoriale Rücken ist etwa 1.300 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Seine Gipfel erheben sich mehr als 20 Kilometer über die umliegenden Ebenen und gehören damit zu den höchsten Bergen des Sonnensystems. In hellen Regionen des Mondes gibt es keinen Bergrücken, aber dafür eine Reihe isolierter, 10 Kilometer hoher Gipfel entlang des Äquators. Das Rückensystem ist stark kraterbehaftet, was darauf hindeutet, dass es uralt ist. Es ist nicht klar, wie der Bergrücken entstanden ist, geschweige denn warum er fast perfekt dem Äquator folgt. Es gibt mindestens vier aktuelle Hypothesen, aber keine von ihnen erklärt all seine Eigenschaften.

Iapetus

© NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

Brandon Q. Morris

© Birgit-Cathrin Duval

Über den Autor

Brandon Q. Morris ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit Weltraum-Themen. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten.

Patreon: https://www.patreon.com/hardsf

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