Fantasybuchtipps Otherland Oktober 2020

BUCH

Fantasy-Neuerscheinungen: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder Büchernachschub aus der Fantasy. Hier sind die aktuellen Lesetipps von der Berliner Fantasy- und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland.

Samantha Shannon | Der Orden des geheimen Baumes #1: Die Magierin

Nicola Griffith schreibt über Der Orden des geheimen Baumes: "Das platonische Ideal eines Fantasy-Romans", und besser lässt es sich nicht auf den Punkt bringen. Die Elemente sind hinlänglich bekannt: Die drohende Rückkehr eines uralten Übels, gefährliche Missionen in Reiche des Bösen, seit Jahrtausenden gehütete geheime Zauberkräfte, mörderische Intrigenspiele, Prophezeiungen und ja: Drachenreiterinnen!

Nur macht Samantha Shannon mit diesen Bausteinen einfach alles richtig - und das liegt vor allen Dingen an ihren unglaublich virtuos gezeichneten Figuren. Was mit platteren Gestalten eine Klischeeparade wäre, gewinnt bei ihr mythische und psychologische Tiefe. Das fängt mit der Liebesgeschichte zwischen Königin Sabran und ihrer heimlichen Leibwächterin Ead an (Chemie: 1+!), bei der die Hindernisse und emotionalen Verwicklungen absolut plausibel sind und beide Protagonistinnen wie erwachsene Menschen handeln, setzt sich in der Darstellung der verbohrten Ehrenhuberei der jungen Drachenreiterin Tané fort und findet seinen Höhepunkt im Leidensweg des alten Gelehrten Niclays Roos, der seine große Liebe verloren hat und seitdem von Schicksalsschlägen gebeutelt immer mehr falsche Entscheidungen trifft

... besonders Roos hat es mir als Figur angetan, so sehr, dass ich teilweise kurz davor war, das Buch wütend in die Ecke zu schmeißen, wegen dem, was es ihm antut. Wenn es euch genauso geht, lest weiter, und denkt daran: Wenn es eine Figur in diesem Roman gibt, die niemandem aus Gründen der Ehre oder der Religion ein Haar krümmen würde, dann ist es Roos - ja, er ist definitiv einer von den Guten!

Auf halber Strecke leistet der (auf Deutsch übrigens in zwei Bände aufgeteilte) Roman sich für meinen Geschmack ein paar kleine Fehltritte; da werden relativ plötzlich Rätsel und Prophezeiungen aus dem Hut gezaubert, und innerhalb kurzer Zeit treten gleich zwei Gegenspielerinnen ans Licht, die jede für sich hochinteressant, einander aber in Motivation und Verhalten einfach zu ähnlich sind. Dafür wird man im letzten Drittel aber dann noch mal mit einem richtig fetten Twist in der Fantasy-Mythologie vom Orden des geheimen Baumes entschädigt. Unterm Strich eine klare Empfehlung für eine der besterzählten, intelligentesten und mitreißendsten High-Fantasy-Geschichten der letzten Jahre, die noch dazu in einem Band (bzw. auf deutsch in zweien) abgeschlossen ist! (geschrieben von Jakob)

Camilla Bruce | Pepper-Man

Obwohl der Schauplatz für diese düstere, zutiefst erschütternde Geschichte die nordische Folklore ist, ist die Mythologie doch etwas unterschiedlicher, als manch einer es in Erinnerung haben mag. So sind Feen nicht die grazilen, zauberhaft hübschen Fliegewesen, die wir uns vorzustellen pflegen – sie sind uralt, bösartig, rachsüchtig, übergriffig, blutdürstig und oft auch noch hässlich und gruselig dazu. Außerdem sind sie fester Bestandteil von Cassandras Leben. Cassandras vermeintlicher Tod (denn eigentlich ist sie ja nur verschwunden) und ihr Erbe, der Brief indem sie ihr Erbe an ihre Nichte und ihren Neffen verkündet, bilden die Rahmengeschichte für You Let Me In (dt. Pepper-Man). Mehr sollte ich eigentlich auch gar nicht verraten über ihr Abenteuer - denn dies ist eins der Bücher, die nach und nach ihren bittersüßen Geschmack entfalten, Seite für Seite, Kapitel für Kapitel von Lesern selbst entdeckt werden sollten. Geduldig sollten diese Leser sein, und eine gewisse Toleranz für nicht-absolute Geschichten haben, ein Gefallen an unklaren Grenzen zwischen real und erdacht und Lust, ein wahrhaftig außerordentliches Köpfchen zu erkunden. (geschrieben von Inci)

Jenn Lyons | Drachengesänge #2: Der Name aller Dinge

Ich lese gerade den ersten Drachengesänge-Band Untergang der Könige und stelle fest, dass er mir ziemlich gut gefällt. Bei Cover und Titel denkt man: "Yet another epic fantasy saga", aber Lyons hat eine ganze Menge darüber hinaus zu bieten. Vor allem spannend ist die Erzählstruktur, denn es wird abwechselnd aus der Sicht des versklavten Straßenjungen Krähe und der seiner Kerkermeisterin erzählt - einer Dämonin, die Zugriff auf die Erinnerung zahlreicher von ihr berührter und verschlungener Geister hat. Oft ironisch kommentiert wird das ganze von Fußnoten eines weiteren Erzählers, der die Berichte gesichtet hat. Ein guter Kniff, um gleichzeitig sehr dicht an der Hauptfigur zu bleiben und sie doch von vielen Seiten zu beleuchten.

Trotz des klaren Fokus auf einer Hauptfigur klotzt Lyons in vieler Hinsicht, anstatt zu kleckern: So wird Krähe für eine unvorstellbare Summe von den unsterblichen Vana gekauft, es wird gezaubert, was das Zeug hält, und bei der Fantasy-Mythologie muss man auch als Genre-Leser ganz schön auf Zack zu sein, um zu kapieren, welche Arten von Magie, welche Götter und welche Welten hinter den Schleiern es so gibt. Die Rezensionen der englischsprachigen Originalausgaben deuten darauf hin, dass es in Band 2 und 3 der auf vier Bände angelegten Reihe gerade in dieser Hinsicht noch sehr viel spannender wird und Lyons das Inventar epischer Fantasy gehörig durchschüttelt. Für mich jedenfalls Grund genug, mir auch die bereits erschienen Folgebände schon mal bereitzustellen! (geschrieben von Jakob)

Der Orden des geheimen Baumes
Pepper Man
Der Name aller Dinge

Luke Arnold | Der letzte Held von Sunder City

Bei diesem Buch hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl: Klappentext, Cover - sehr ansprechend. Von unserem Helden Fetch Phillips erfahren wir erstmal nur, dass er sich für ganz unterschiedliche Aufgaben anheuern lässt, dem Alkohol nicht abgetan ist und in der Vergangenheit irgendwas Schlimmes angestellt hat. Sehr abgefahren die magische Welt, in der das ganze stattfindet, oder besser postmagisch, denn als die Menschen die Magie entdeckten und für sich erobern wollten, haben sie sie dummerweise irgendwie kaputtgemacht und seit diesem Ereignis, der Coda, können Zauberer nicht mehr zaubern, sind Vampire nicht mehr unsterblich, können Feen nicht mehr fliegen – ich glaube, ihr seid im Bilde.

Nach einem lockeren Reinlesen von vier Kapiteln, hier die drei Punkte, die ein Weiterlesen dringend anraten: der lakonische Tonfall von Fetch, der uns seine Geschichte erzählt, macht richtig Spaß, dann die Spannung - man bekommt die Beschreibung der Welt und welche unrühmliche Rolle unser Protagonist beim Untergang der Magie gespielt hat, nur häppchenweise präsentiert und will schon zu gern wissen, was da los war, außerdem hangelt sich die Erzählung an einem Fall entlang, den Fetch detektivisch lösen soll, und zu guter Letzt sind da die vielen kleinen großartigen Ideen und Einfälle, mit denen das Buch gespickt ist (zum Beispiel kümmert sich eine Zeitlang ein Mann um Sunder City, der die Stadt eher wie ein Unternehmen anpackt und verkaufen will. Seine erste Tat: eine neue Karte! Nur ein Kontinent ist darauf zu sehen, als gäbe es den Rest der Welt nicht und Sunder City wurde zentral in den Mittelpunkt gerückt. Was machen nun die Bewohner von Sunder City mit diesem Stück Propaganda? – Sie hängen die Karte kurzerhand in den Bars als Dartscheibe auf, mit Sunder City als Bullseye. Die Städte der Umgebung bescheren weniger Punkte, Null Punkte, wer ins Meer trifft. Hausregeln unterscheiden sich je nach Bar. Im Graben zum Beispiel gibt es Sonderpunkte für Skiros, die Hauptstadt der Banshees, weil Boris, der Barkeeper, ein Banshee ist (seit der Coda nicht mehr heulend versteht sich).

Absolut geeignet für Urban-Fantasy-Fans, die gerne Die Flüsse von London, Harry Dresden und so Sachen lesen. Auch für alle, die auf eine gekonnt lustig-lässige Erzählart abfahren. Bin sehr gespannt, wie es weitergeht, und melde mich wahrscheinlich im nächsten Newsletter nochmal mit einem Fazit. (geschrieben von Caro)

Anthony Ryan | Rabenklinge #1: Das Lied des Wolfes

Nach seinem Exkurs ins Drachenland kehrt Ryan wieder ins Reich des Lied des Blutes zurück - Das Lied des Wolfes ist der erste Teil der neuen Rabenklingen-Trilogie. Der gute alte Vaelin al Sorna ist ein Held, aber an dem Ruhm wollte er nicht Teil haben und er zog sich nach seinem Sieg in den Norden zurück. Und selbst als die Stählernen Horden über das Land ziehen, will er nicht kämpfen. Bis diese seine alte Liebe Sherin in ihre Gewalt bringen. Wie das eben so ist: Er kann dann nicht anders und greift wieder zum Schwert.

Ryan macht was Ryan macht: bratzig, mit breiten Großformatbildern hämmert er einem die Worte auf die Augen, bis sie im Hirn widerhallen. Gutes Kopfkino. (geschrieben von Wolf)

Brent Weeks | Licht-Saga #6: Brennende Spiegel

Also, hm, na gut. Wenigstens haben sie den letzten Teil der Licht-Saga nun doch übersetzt - sah zuerst so aus, als würde der nicht erscheinen. Passiert, wenn sich die Teile davor nicht gut verkaufen. Dann entscheiden Zahlen, nicht Leser oder Buchhändler.

Aber nun doch. Wer sich nun fragt, welcher Teil, wie und was? Hier: 1. Schwarzes Prisma, 2. Die blendende Klinge, 3. Sphären der Macht, 4. Schattenblender 5. Düsterer Ruhm, 6. Brennende Spiegel, 7. Lichtbringer (erscheint am 16 November 2020).

(geschrieben von Wolf)

Der letzte Held von Sunder City
Das Lied des Wolfes
Brennende Spiegel

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