Die Angst vor dem Nichts: Interview mit Phillip P. Peterson

INTERVIEW

Die Angst vor dem Nichts: Interview mit Phillip P. Peterson


Mit „Transport“ hatte Phillip P. Peterson seinen großen Durchbruch. Sein neuester Streich, der SF-Roman „Vakuum“, sagt ein definitives und plötzliches Ende unseres Universums voraus. Im Interview spricht der Autor über Raumschiffe, Aliens und das große Nichts.

Erzähl mal, wer steckt eigentlich hinter Phillip P. Peterson?

Hinter dem amerikanisch klingenden Pseudonym steckt ein 43 Jahre alter deutscher Autor, der früher als Ingenieur in der Raumfahrt- und Nukleartechnik seine Brötchen verdient hat, bevor er vor fünf Jahren, nach dem unerwarteten Erfolg eines Hobbyprojekts mit dem Titel „Transport“, hauptberuflich Autor wurde.

Wie würde dein Drei-Satz-Pitch für „Vakuum“ lauten?

Heute rast eine kosmische Katastrophe auf uns zu, die von der Erde nichts übrig lassen wird. Letzte Chance ist eine monströse Arche, die Tausende Menschen tief in den Weltraum bringen soll. Doch politische, persönliche und militärische Konflikte stellen sich diesem letzten Ausweg entgegen.

Schon mit deinen Bestsellern der „Transport“-Reihe und „Paradox“ hast du härtere Science Fiction vorgelegt. Aber wie bist du eigentlich zum Genre gekommen? 

Ich habe immer schon am liebsten Science-Fiction-Literatur gelesen. Als Junge waren meine Lieblingsautoren Jules Verne, H. G. Wells, Isaac Asimov, Arthur C. Clarke und Larry Niven. Daran hat sich nicht viel geändert. Obwohl ich heute Literatur aus allen Genres lese, begeistert mich Science Fiction einfach am meisten.

Und inwiefern kommt dir dein Fachwissen als Raumfahrt- und Nuklearingenieur beim Schreiben zugute? Wie wichtig ist es dir, dass die Fakten in deinen Romanen stimmen, die Szenarien wissenschaftlich nachvollziehbar bleiben?

Das Fachwissen kommt mir natürlich sowohl bei der Ausgestaltung der Handlung als auch bei den Charakterentwürfen entgegen. So habe ich im Zuge meiner Arbeit Astronauten und andere Menschen in der Branche kennengelernt und weiß, wie diese ticken. Vieles, was heute als Science Fiction verkauft wird, ist eigentlich Science Fantasy, erzählt also einfach irgendwelche Abenteuer im Weltraum, wo man merkt, dass die Realität für die Autor*innen keine Rolle gespielt hat. Solche Geschichten habe ich nie sonderlich gemocht. Zu guter Science Fiction gehören eine gute Recherche und eine realistische Welt einfach mit dazu.

In deinem neuen Roman „Vakuum“ droht ein ebensolches, unser Universum zu verschlucken. Woher kommt diese Idee?

Ich habe von diesem Prozess zum ersten Mal in einem wissenschaftlichen Bericht vor zwanzig Jahren gelesen. Die Vorstellung, dass das ganze Weltall plötzlich vernichtet werden könnte, hat mich zutiefst erschreckt und nicht wieder losgelassen.

Und wie wahrscheinlich ist es, dass uns tatsächlich so ein Schicksal ereilt?

Das versuchen Forscher im Moment tatsächlich herauszufinden. Die Masse des Higgs-Bosons, das man vor einigen Jahren in den Teilchenbeschleunigern am CERN nachweisen konnte, spielt eine große Rolle dabei. Es könnte sein, dass unser Universum als Ganzes instabil ist und plötzlich in einen neuen Aggregatzustand übergeht, in dem keine Materie mehr existieren kann. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass so etwas in der näheren Zukunft geschieht, aber ausschließen kann man es nicht. Das erschreckende daran ist, dass wir so gut wie keine Vorwarnzeit hätten. Von einem auf den anderen Augenblick könnte alles weg sein. Wir Menschen, die Erde und alles, was wir je erschaffen haben.

Auch Außerirdische spielen eine Rolle in deinem Roman: Glaubst du an unbekanntes Leben im All?

Da bin ich hier sehr zwiegespalten. Einerseits ist allein unsere Galaxis so riesig, dass es eigentlich überall zur Entstehung von Leben und Zivilisation kommen kann. Andererseits ist die Galaxis im Gegensatz zur Erde so alt, dass ältere Zivilisationen schon die gesamte Milchstraße hätten kolonialisieren müssen – inklusive unseres Sonnensystems. Und dennoch sehen wir keine Spur von ihnen. Es ist das klassische Fermi-Paradoxon. Ich habe leider auch keine Antwort darauf.

Dein Roman hat mehrere Handlungsstränge – im gefühlten Jetzt, in der das Vakuum entdeckt wird, aber auch in der Zukunft, nachdem das Vakuum zugeschlagen hat. Wo waren die Schwierigkeiten beim Schreiben, was hat dir besonders viel Spaß gemacht?

Die Beschreibungen der Raumschiffe und das Austüfteln der zukünftigen Welt liegen mir und haben mir sehr viel Spaß gemacht. Aber die Beschreibung der Emotionen der Figuren in einer solchen Ausnahmesituation ist eine Herausforderung, wenn man glaubhafte Reaktionen beschreiben möchte.

Du kommst ursprünglich aus dem Selfpublishing-Bereich, sagst aber, du möchtest in Zukunft zweigleisig fahren. Welche Art von Roman ist deiner Meinung nach besonders geeignet, um im Verlag publiziert zu werden, welche eher, um sie selbst auf den Markt zu bringen?

Na ja, eher simple Actionromane, die auf Spannung abzielen, kann man sehr gut und lukrativ als Selfpublisher veröffentlichen. Vielschichtige, komplexere Werke mit mehreren Handlungsebenen sind bei einem klassischen Verlag und als Printexemplar in der Buchhandlung besser aufgehoben. Ich denke schon, dass beide Veröffentlichungsformen unterschiedliche Kunden ansprechen. Im Idealfall hat man als Autor*in Fans in beiden Bereichen.

Verrätst du uns, woran du gerade arbeitest und worauf sich deine Leser*innen freuen können?

Ja, im Moment arbeite ich am 7. Teil meiner „Transport“-Reihe, die rechtzeitig zu Weihnachten erscheinen soll, und bereite schon das nächste Buch für FISCHER Tor vor, das wahrscheinlich nächsten Herbst in die Buchhandlungen kommt. Dabei geht es für den Leser in die allerfernste Zukunft unseres Weltalls.

Das klingt spannend! Danke schön!

 

Das Interview führte Melanie Wylutzki.

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