Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2016: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001–2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner der berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2016?  

Die Verleihung der Hugo Awards fand 2016 auf der MidAmeriCon II in Kansas City statt.

Toastmaster: Pat Cadigan

Novel

N. K. Jemisin: The Fifth Season

(2015 bei Orbit; dt. Zerrissene Erde, Knaur)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Die Handlung des Romans spielt in sehr ferner Zukunft auf einer Erde mit einem einzigen Superkontinent namens Stillness. Alle paar Jahrhunderte geschieht eine gewaltige klimatische Veränderung, die von den Einwohnern als »The Fifth Season« (»Die fünfte Jahreszeit«) bezeichnet wird, eine harmlos klingende Bezeichnung für eine Abfolge von Naturkatastrophen, die viele Menschen verhungern und erfrieren lassen und das Ende der Zivilisation bedeuten. Nur einige überleben versteckt in den Comms, geschützten Communities, und bauen nach dem Ende der Verwüstungen die Zivilisation neu auf. Es gibt nur wenige Dinge, die die Zerstörung überstehen, wie zum Beispiel gigantische Kristalle, die Obelisken genannt werden. Unter den Überlebenden sind die sogenannten Orogenes, die über magische Kräfte verfügen. Doch die Ausbildung der Orogenes ist schwierig und brutal. Sie werden als Kinder ihren Eltern weggenommen und in speziellen, Fulcrum genannten Orden ausgebildet. Die Menschen, die über keine magischen Kräfte verfügen (und Stills genannt werden), sind den Orogenes feindlich gesinnt.

Die Handlung spielt während des Beginns einer neuen Jahreszeit. Eine der Hauptfiguren ist Essun, die auf der Suche nach ihrem Ehemann ist, der ihren kleinen Sohn getötet und ihre Tochter entführt hat. Die zweite Hauptfigur ist ein junges Mädchen namens Danaya, das zur Ausbildung zum Fulcrum geschickt wird. Die dritte Person ist Syenite, die bereits ausgebildet wurde und ihre erste Mission beginnt. Und alle drei Figuren haben eine wesentliche Gemeinsamkeit …

Die Autorin entwirft in diesem Auftakt der BROKEN EARTH-Trilogie eine ungemein komplexe Welt, die sie anhand ihrer weiblichen Protagonisten anschaulich schildert. Interessant ist dabei die Mischung von postapokalyptischer Science Fiction mit Fantasy-Elementen.

Die US-Amerikanerin N. K. Jemisin (*1972) wurde in Iowa City geboren und wuchs in Alabama und New York auf. Sie hat zunächst als Bloggerin über feministische und politische Themen Bekanntheit erlangt. Ihre ersten Erzählungen erschienen 2004 in Anthologien, seither sind mehr als zwei Dutzend Kurzgeschichten in weiteren Anthologien und Magazinen wie CLARKESWORLD, WEIRD TALES und LIGHTSPEED sowie bei TOR.COM erschienen. Ihr Erstlingsroman The Hundred Thousand Kingdoms (2012 bei Orbit; dt. Die Erbin der Welt) ist der Auftakt der INHERITANCE-Trilogie und wurde mit dem Locus Award als ›Best First Novel‹ ausgezeichnet.

Sie ist die erste afroamerikanische Autorin, die den Hugo Award in der Kategorie ›Best Novel‹ erhielt.

Weitere Nominierungen:

Naomi Novik: Uprooted

(2015 bei Del Rey; dt. Das dunkle Herz des Waldes, cbj)

Ann Leckie: Ancillary Mercy

(2015 bei Orbit; dt. Das Imperium, Heyne)

Neal Stephenson: Seveneves: A Novel*

(2015 bei William Morrow; dt. Amalthea, Manhattan)

Jim Butcher: The Cinder Spires: The Aeronaut’s Windlass*

(2015 bei Roc; dt. Windjäger, Blanvalet)

Novella

Nnedi Okorafor: Binti

(September 2015 bei TOR.COM; dt. »Binti Allein« bei Cross Cult)

Die Hauptfigur heißt mit vollem Namen Binti Ekeopara Zuzu Dambu Kaipka of Namib und gehört zum Volk der Himba, die auf dem Gebiet des heutigen Namibia leben. Die Himba sind sehr traditionell und verlassen normalerweise niemals ihre Heimat, geschweige denn den Planeten Erde. Doch die sechzehnjährigen Binti ist mathematisch hochbegabt und hat ein Stipendium für die Oomza-Universität erhalten, die sich auf einem anderen Planeten befindet. Oomza ist die beste Universität im bekannten Weltraum, und nur fünf Prozent ihrer Studenten sind menschlich. Viele andere Studenten von der Erde warten ungeduldig auf die Reise mit »Third Fish«, einem Miri-12-Wesen, das sich wie ein Raumschiff durch den Weltraum bewegen kann und von einem Piloten gesteuert wird.

Schon kurz nach Beginn der Reise fühlt sich Binti als einzige Himba an Bord einsam, zumal sich andere Studenten über ihr Aussehen und ihre Hautfarbe lustig machen und behaupten, sie würde sich mit Dreck einschmieren, obwohl sie nur die traditionellen Merkmale ihres Volkes trägt. Heimlich verliebt sie sich in einen jungen Mann namens Heru, doch am achtzehnten Tag der Reise, nur fünf Tage vor Ankunft, geschieht das Unglück: »Third Fish« wird von einer außerirdischen Spezies, die Medusen genannt werden, überfallen, und alle Menschen an Bord, mit Ausnahme des Piloten und Binti, werden getötet. Binti wird sogar Zeuge, wie eine Meduse den Leib des hübschen Heru durchbohrt. Sie flieht, so schnell sie kann, in ihre Kabine. Kurz darauf versuchen die Medusen, mit Binti zu kommunizieren, was zuvor mit den Menschen, mit denen schon länger ein Krieg tobt, nie gelang. Die Medusen wollen in die Oomza-Universität eindringen und Binti dafür als Werkzeug benutzen. Doch am Ende kommt es ganz anders …

Nnedi Okorafor (*1974) wurde in den USA geboren, entstammt jedoch einer Familie aus Nigeria und hat die Heimat ihrer Vorfahren oft besucht. Sie hat den Clarion Writers Workshop absolviert, hat einen Doktorgrad in englischer Literatur und lehrt Literatur und kreatives Schreiben an der Universität in Buffalo (Illinois). Sie debütierte 2000 mit einer ersten Erzählung und wurde seither mit zahlreichen Preisen – unter anderem auch für Jugend- und Kinderbücher – ausgezeichnet. Der größte Erfolg war dabei der World Fantasy Award für den Roman Who Fears Death (2010 bei DAW), dem 2015 das Prequel The Book of Phoenix (dt. Das Buch des Phönix) folgte. Ihre afrikanischen Wurzeln sind Thema aller ihrer Werke.

Weitere Nominierungen:

Lois McMaster Bujold: Penric’s Demon*

(2015 bei Spectrum; nicht auf Deutsch)

Alastair Reynolds: Slow Bullets*

(2015 bei Tachyon; nicht auf Deutsch)

Brandon Sanderson: Perfect State*

(2015 bei Dragonsteel Entertainment; nicht auf Deutsch)

Daniel Polansky: The Builders*

(November 2015 bei TOR.COM; nicht auf Deutsch)

Novelette

Hao Jingfang: »Folding Beijing«*

(Januar/Februar 2015 in UNCANNY MAGAZINE; dt. Peking falten, Elsinor)

Das neue Peking ist in drei Sektoren aufgeteilt, die sich täglich für eine gewisse Zeit auffalten, damit die Menschen ihrem Tagesablauf folgen können und schließlich, sobald ihr Sektor wieder zusammengefaltet wird, in einen künstlichen Schlaf versetzt werden. Doch die Sektoren sind nicht gleich. In Sektor eins leben fünf Millionen der Reichen und Bessergestellten, die für 24 Stunden an der Oberfläche bleiben dürfen, während sich Sektor zwei und drei weitere 24 Stunden teilen müssen. In Sektor zwei leben 25 Millionen Menschen, die geistige Arbeit verrichten und Dienstleistungen erbringen. Im ärmlichen Sektor drei jedoch leben 50 Millionen Arbeiter auf engstem Raum zusammengepfercht. Der Kontakt zwischen den Sektoren ist streng verboten. Hauptfigur der Geschichte ist der Müllmann Lao Dao aus Sektor drei, der mittels einer versteckten Nachricht das Angebot erhält, für eine sehr großzügige Belohnung einen Botengang zwischen dem zweiten und ersten Sektor zu erledigen. Er braucht das Geld dringend, um seiner kleinen Stieftochter eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Von einem Freund erhält er die nötigen Hinweise, wie und an welcher Stelle er den Übergang von einem Sektor zum anderen bewerkstelligen kann. Die Aufgabe besteht schließlich darin, die Botschaft eines verliebten jungen Mannes aus Sektor zwei zur Angebeteten in Sektor eins zu bringen. Und so erlebt der Leser zusammen mit Lao Dao die Unterschiede in den gesellschaftlichen Schichten, die viel realer anmuten als in den meisten anderen Science-Fiction-Geschichten. Leider bleiben viele Fragen offen, die die Autorin nicht beantwortet. Gundula Sell schrieb in ihrer Rezension in Das Science Fiction Jahr 2017: »Die Novelle hätte das Zeug zur Keimzelle eines Romans, in dem Funktionen und Wechselwirkungen des unablässigen Auf- und Zufaltens gründlicher beschrieben werden, natürlich mehr die gesellschaftlichen und menschlichen als die technischen Fragen.«

Die Autorin Hao Jingfang (*1984) stammt aus Tianjin, hat in Peking Physik studiert, arbeitet als Ökonomin für eine Denkfabrik in Peking und schreibt in ihrer Freizeit. Dank der Übersetzung von Ken Liu ins Englische und der Publikation im UNCANNY MAGAZINE wurden auch Leser in der westlichen Welt auf die ungewöhnliche Erzählung aufmerksam.

Weitere Nominierungen:

Brooke Bolander: »And You Shall Know Her by the Trail of Dead«

(Februar 2015 in LIGHTSPEED; nicht auf Deutsch)

Stephen King: »Obits«*

(2015 in King: The Bazaar of Bad Dreams, Scribner; dt. »Nachrufe« in King: Basar der bösen Träume, Heyne)

No Award
David VanDyke: »What Price Humanity?«*

(2015 in Jerry Pournelle [Hrsg.]: There Will Be War: Volume X, Castalia House; nicht auf Deutsch)

Cheah Kai Wai: »Flashpoint: Titan«*

(2015 in Jerry Pournelle [Hrsg.]: There Will Be War: Volume X, Castalia House; nicht auf Deutsch)

Short Story

Naomi Kritzer: »Cat Pictures Please«

(Januar 2015 in CLARKESWORLD; nicht auf Deutsch)

Erzählerin der Geschichte ist eine KI, die bei einem Forschungsprojekt einer Firma in Mountain View, Kalifornien, entstand. Die KI wurde entwickelt, um Algorithmen von Suchmaschinen intelligenter zu gestalten, und nebenbei hat sie eine Leidenschaft für Katzenfotos entwickelt. Sie erzählt davon, dass sie durch die Fülle der Online-Informationen über viele Menschen besser Bescheid weiß als diese über sich selbst. Besonderes Interesse hat sie an Katzenliebhabern, die täglich Fotos von ihren Lieblingen in die sozialen Netzwerke hochladen. Um sich dafür zu revanchieren, hilft sie zunächst ohne deren Wissen einer unterbezahlten, depressiven Buchhalterin, einen besseren Job und aus der Depression zu finden. Bei einem heimlich schwulen Pfarrer geht sie vorsichtiger zu Werke, um ihm bei seinem Coming Out zu helfen, scheitert jedoch zunächst. Bei einer dritten Person schlagen alle ihre Bemühungen fehl. Am Ende hat die KI die großartige Idee, eine Dating-Plattform zu gründen, um das menschliche Verhalten besser erforschen zu können. Bezahlen muss man jedoch nicht mit Geld, sondern mit dem regelmäßigen Upload von Katzenfotos.

Die 1973 geborene US-Amerikanerin Naomi Kritzer debütierte 1999 und veröffentlichte bis 2015 rund zwei Dutzend Erzählungen und fünf Romane. Für die Geschichte »Cat Pictures Please« erhielt sie ebenfalls den Locus Award und war für den Nebula nominiert.

Weitere Nominierungen:

No Award
Chuck Tingle: Space Raptor Butt Invasion*

(2015 bei Amazon Digital Services; nicht auf Deutsch)

S. R. Algernon: »Asymmetrical Warfare«*

(März 2015 in NATURE; nicht auf Deutsch)

Charles Shao: »Seven Kill Tiger«*

(2015 in Jerry Pournelle [Hrsg.]: There Will Be War: Volume X, Castalia House; nicht auf Deutsch)

Juan Tabo & S. Harris: »If You Were an Award, My Love«*

(Juni 2015 auf voxday.blogspot.com; nicht auf Deutsch)

Related Work

No Award

Die Wahlberechtigten haben entschieden, dass keines der nomierten Werke in dieser Kategorie preiswürdig ist.

Nominierungen:

Marc Aramini: Between Light and Shadow: An Exploration of the Fiction of Gene Wolfe, 1951 to 1986*

(2015 bei Castalia House; nicht auf Deutsch)

Moira Greyland: »The Story of Moira Greyland«*

(2015 auf askthebigot.com; nicht auf Deutsch)

Jeffro Johnson: »The First Draft of My Appendix N Book«*

(2015 auf jeffro.wordpress.com; nicht auf Deutsch)

Daniel Eness: »Safe Space as Rape Room«*

(2015 auf castaliahouse.com; nicht auf Deutsch)

Vox Day: SJWs Always Lie: Taking Down the Thought Police*

(2015 bei Castalia House; nicht auf Deutsch)

Graphic Story

The Sandman: Overture*

(2015 bei Vertigo; Text Neil Gaiman, Zeichnungen J. H. Williams III; dt. Sandman: Overtüre, Panini Comics)

Neil Gaiman wollte schon als Jugendlicher Comic-Autor werden. In den 80er-Jahren freundete er sich mit Alan Moore an und schrieb für eine Vielzahl von Verlagen Comics, bis er im Jahr 1988 die Serie begann, die ihn weltbekannt machen sollte: SANDMAN. Die Geschichte umfasst mehr als 2000 Seiten und war in 75 monatlichen Folgen von 1988 bis 1996 bei DC Comics erschienen. Später wurde Sandman in zehn inhaltlich geschlossenen Bänden nachgedruckt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Dream, der Herrscher des Traumreiches, der auch unter anderen Namen auftritt. Zusammen mit seinen Geschwistern Destiny (Schicksal), Death (Tod), Destruction (Zerstörung), Desire (Verlangen), Despair (Verzweiflung) und Delirium (Fieberwahn) gehört er zu den sieben Ewigen, die zeitgleich mit dem Universum entstanden sind. Obwohl es viele Ausflüge in die Antike, das Mittelalter und die frühe Neuzeit gibt, beginnt die Haupthandlung am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Dream von einem englischen Okkultisten gefangen genommen wird und sich befreien muss. Daraus entspinnt sich eine verschlungene Geschichte, in der zahlreiche historische und fiktive Figuren auftauchen und wieder verschwinden. Auch grafisch ist die Serie sehr ungewöhnlich und abwechslungsreich, weil viele unterschiedliche Zeichner mit ihrem eigenen Stil daran mitgearbeitet haben. Gaiman erhielt für SANDMAN zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrfach den Eisner Award und auch den World Fantasy Award. Der US-amerikanische Publizist Norman Mailer bezeichnete SANDMAN als einen »Comic für Intellektuelle«.

Der Hugo-Gewinner Sandman: Ouvertüre, der zwanzig Jahre nach dem Ende der Serie erschien, erzählt die Ereignisse, die direkt vor dem ersten Band Präludien und Notturni geschahen und die zur Gefangennahme von Dream führen. Dabei sind Teile der Handlung allerdings für Leser unverständlich, die den Rest der Serie nicht kennen. Daher eignet sich der Band nur sehr bedingt als Einstieg in die Serie. Herausragend sind die opulenten Zeichnungen von J. H. Williams III, der viele Konventionen des Comics über Bord warf, um seinen Visionen Ausdruck zu verleihen.

Weitere Nominierungen:

No Award
Invisible Republic Vol 1*

(Text Corinna Bechko & Gabriel Hardman, Zeichnungen Gabriel Hardman; Image Comics)

The Divine*

(Text Boaz Lavie, Zeichnungen Asaf Hanuka & Tomer Hanuka; First Second; dt. The Divine, Cross Cult)

Full Frontal Nerdity*

(Text und Zeichnungen Aaron Williams; ffn.nodwick.com)

Erin Dies Alone*

(Text Grey Carter, Zeichnungen Cory Rydell; dyingalone.net)

Dramatic Presentation, Long Form

The Martian*

(20th Century Fox; Drehbuch Drew Goddard, Regie Ridley Scott; dt. Der Marsianer)

Der NASA-Astronaut Mark Watney ist Mitglied der dritten bemannten Marsmission und verunglückt während eines Staubsturmes auf der Oberfläche des Mars. Er wird von seinen Kameraden für tot gehalten, woraufhin diese ohne ihn zurück zur Erde starten. Doch Watney ist nicht tödlich verletzt, und es gelingt ihm, sich in die Marsstation zu retten. Durch den Sturm wurden die Kommunikationssysteme zerstört, sodass Watney zunächst keinen Kontakt zu seinen Kameraden oder zur Erde aufnehmen kann. Er ist auf sich allein gestellt und steht nun vor der Aufgabe, sein Überleben zu sichern, bis er irgendwie auf sich aufmerksam machen kann und eine Rettungsmission gestartet wird. Die Spannung des Films entsteht aus der Tatsache, dass dem Protagonisten keinerlei »SF-Technologie« zur Verfügung steht, sondern er sich mit heute bereits existierenden Mitteln behelfen muss, wodurch die Handlung außerordentlich realistisch wirkt. Zudem hat Regisseur Ridley Scott mit Matt Damon einen fähigen und sympathischen Hauptdarsteller ausgewählt, mit dem das Publikum mitfiebert.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, der im gleichen Jahr den Campbell Award gewann (siehe dort). Scotts Film wurde für sieben Oscars nominiert und gewann zwei Golden Globe Awards sowie einen Saturn Award.

Weitere Nominierungen:

Mad Max: Fury Road

(Village Roadshow Pictures; Drehbuch George Miller, Brendan McCarthy & Nico Lathouris, Regie George Miller; dt. Mad Max: Fury Road)

Star Wars: The Force Awakens

(Lucasfilm Ltd.; Drehbuch Lawrence Kasdan, J. J. Abrams & Michael Arndt, Regie J. J. Abrams; dt. Star Wars: Das Erwachen der Macht)

Ex Machina

(Film4, DNA Films, Universal Pictures; Drehbuch und Regie Alex Garland; dt. Ex Machina)

Avengers: Age of Ultron*

(Marvel Studios; Drehbuch und Regie Joss Whedon; dt. Avengers: Age of Ultron)

Dramatic Presentation, Short Form

JESSICA JONES: »AKA Smile«

(Marvel Television & Netflix; Drehbuch Scott Reynolds, Melissa Rosenberg & Jamie King, Regie Michael Rymer; dt. »Lächeln«)

JESSICA JONES ist die erste Netflix-Fernsehserie, die einen Hugo gewonnen hat, und basiert auf der gleichnamigen Marvel-Figur. Die komplette erste Staffel der Serie war im November 2015 in mehreren Ländern gleichzeitig verfügbar.

Jessica Jones ist eine ehemalige Superheldin, die über große Körperkräfte und Sprungfähigkeiten verfügt. Sie betreibt in New York eine Detektei und lernt durch ihre Ermittlungen den unverwundbaren Luke Cage kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Jessicas Gegenspieler heißt Kilgrave (gespielt vom ehemaligen DOCTOR WHO-Darsteller David Tennant), der Luke gegen Jessica ausspielt, wobei beide schwer verletzt werden. Die hier preisgekrönte Folge ist das Ende der ersten Staffel, in der es zur finalen Konfrontation zwischen Jessica und Kilgrave kommt.

Im Vergleich zu den meisten Marvel-Kinofilmen werden in der Serie erwachsenere Themen behandelt, so geht es zum Beispiel auch um Vergewaltigung, Alkoholprobleme und posttraumatische Belastungsstörungen. DER SPIEGEL urteilte über die Serie, sie sei »das Beste, was zurzeit im TV zu sehen ist«, andere Kritiker schätzten ein, dass es die bisher beste Fernsehadaption eines Marvel-Stoffes sei.

Weitere Nominierungen:

DOCTOR WHO: »Heaven Sent«

(BBC Television; Drehbuch Steven Moffat, Regie Rachel Talalay; dt. »Die Angst des Doktors«)

GRIMM: »Headache«*

(Universal Television; Drehbuch Jim Kouf & David Greenwalt, Regie Jim Kouf; dt. »Hinterhalt«)

No Award
SUPERNATURAL: »Just My Imagination«*

(Kripke Enterprises; Drehbuch Jenny Klein, Regie Richard Speight Jr.; dt. »Nur in meiner Fantasie«)

MY LITTLE PONY: FRIENDSHIP IS MAGIC: »The Cutie Map« Parts 1 and 2*

(DHX Media/Vancouver; Hasbro Studios; Drehbuch Scott Sonneborn, M. A. Larson & Meghan McCarthy, Regie Jayson Thiessen & Jim Miller; dt. »Die Landkarte«)

Best Editor, Short Form

Ellen Datlow

Ellen Datlow gewann bereits ihren siebenten Hugo als Herausgeberin. Seit 2013 arbeitete sie bereits für TOR.COM und stellte für das Online-Magazin regelmäßig Kurzgeschichten zusammen. Im Jahr 2015 waren das Texte von Jeffrey Ford, Bruce McAllister, Veronica Schanoes, Kelly Robson und anderen. Bei Tor erschien auch die von ihr herausgegebene, hochkarätige Anthologie The Doll Collection und bei Tachyon Publications der Band The Monstrous. Ebenfalls für Horror-Leser stellte sie die Anthologie The Best Horror of the Year: Volume Seven (Night Shade Books) zusammen.

Weitere Nominierungen:

Sheila Williams | Neil Clarke | John Joseph Adams | No Award | Jerry Pournelle*

Best Editor, Long Form

Sheila E. Gilbert

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Die US-Amerikanerin Sheila E. Gilbert war bereits 2013 bis 2015 für diese Kategorie nominiert und gewann 2016 ihren ersten Hugo. Gilbert ist Herausgeberin der Buchreihen beim inzwischen zur Penguin Group gehörenden Verlag DAW Books, bei dem im Jahr 2015 über sechzig SF- und Fantasy-Bücher erschienen sind, zum Beispiel von Autoren wie Nnedi Okorafor, C. J. Cherryh, Tanith Lee, Mercedes Lackey und Tad Williams.

Weitere Nominierungen:

Liz Gorinsky | No Award | Toni Weisskopf* | Jim Minz* | Vox Day*

Professional Artist

Abigail Larson*

Larson malt und zeichnet in einem comichaften Stil und verwendet dabei vorwiegend Stifte, Tusche, Wasserfarben und Photoshop. Ihre meist düsteren und skurrilen Motive erinnern oft an die Bilder und Filme von Tim Burton, vielleicht durfte sie auch deshalb an den Comics der Reihe EDWARD SCISSORHAND mitarbeiten. Nach ihren Entwürfen sind auch sehr schöne Statuen unter anderem von Edgar Allan Poe entstanden. Einige ihrer Arbeiten werden im Poe Museum in Richmond, Virginia, ausgestellt.

Weitere Nominierungen:

No Award | Michal Karcz* | Larry Elmore* | Larry Rostant* | Lars Braad Andersen*

Semiprozine

UNCANNY MAGAZINE (Lynne M. Thomas & Michael Damian Thomas, Michi Trota, Erika Ensign & Steven Schapansky)

Das Magazin wurde mithilfe einer Kickstarter-Kampagne gegründet, die erste Ausgabe erschien im November 2014, weitere folgten zweimonatlich als E-Book. Die einzelnen Ausgaben enthalten jeweils rund ein halbes Dutzend Erzählungen, Gedichte, je eine Handvoll Essays und Artikel sowie Interviews. Zu den prominentesten Autoren gehören Neil Gaiman, Elizabeth Bear, Aliette de Bodard, Daryl Gregory, Catherynne M. Valente, Charlie Jane Anders, Kameron Hurley, Nalo Hopkinson, N. K. Jemisin, Ann Leckie, Kelly Link, Sarah Monette, Sarah Pinsker, Sofia Samatar, Rachel Swirsky, Ursula Vernon, Alyssa Wong und Ken Liu. Auch die Novelette »Folding Beijing« von Hao Jingfang, die ebenfalls 2016 einen Hugo gewann, erschien in UNCANNY.

Parallel zum Magazin gibt es umfangreiche Podcasts, die man kostenlos auf der Homepage uncannymagazine.com anhören und herunterladen kann.

Weitere Nominierungen:

STRANGE HORIZONS (Catherine Krahe, Julia Rios, A. J. Odasso, Vanessa Rose Phin, Maureen Kincaid Speller)*
BENEATH CEASELESS SKIES (Scott H. Andrews)*
No Award
DAILY SCIENCE FICTION (Michele-Lee Barasso & Jonathan Laden)*
SCI PHI JOURNAL (Jason Rennie)*

Fanzine

FILE 770 (Mike Glyer)*

Mike Glyer berichtete in seinem Blog am ausführlichsten über die Hugo-Grabenkämpfe im Fandom und ließ dabei Fans mit sehr unterschiedlichen Meinungen zu Wort kommen.

2015 erschien auch eine Printausgabe von FILE 770, nämlich die Nummer 165 mit einem Umfang von 48 Seiten, die neben Neuigkeiten aus dem Fandom auch Artikel, viele Fotos sowie Nachrufe auf Autoren und Fans enthält. Die PDF-Versionen der Printausgaben aus den letzten zehn Jahren sind übrigens direkt auf der Homepage file770.com zu finden.

Weitere Nominierungen:

LADY BUSINESS (Clare, Ira, Jodie, KJ, Renay & Susan)
No Award
TANGENT ONLINE (Dave Truesdale)*
SUPERVERSIVE SF (Jason Rennie)*
CASTALIA HOUSE BLOG (Jeffro Johnson)*

Fancast

No Award

Keiner der in dieser Kategorie nominierten Podcasts war nach Meinung der Wahlberechtigten preiswürdig.

Nominierungen:

TALES TO TERRIFY (Stephen Kilpatrick)*
THE RAGEAHOLIC (RazörFist)*
8–4 PLAY (Mark MacDonald, John Ricciardi, Hiroko Minamoto & Justin Epperson)*
CANE AND RINSE (Cane and Rinse)*
HELLOGREEDO (HelloGreedo)*

Fan Writer

Mike Glyer

Mike Glyer, der in diesem Jahr bereits seinen insgesamt elften Hugo und speziell den vierten Hugo als ›Best Fan Writer‹ gewann, wird nach wie vor als unparteiischer Berichterstatter über Ereignisse im Fandom geschätzt und gelesen.

Weitere Nominierungen:

No Award | Jeffro Johnson* | Morgan Holmes | Shamus Young* | Douglas Ernst*

Fan Artist

Steve Stiles

Der US-Amerikaner Steve Stiles (*1943) veröffentlichte bereits 1956 im Alter von 13 Jahren seine ersten Fanzines, seine frühen Cartoons erschienen im berühmten Fanzine CRY OF THE NAMELESS von F. M. und Elinor Busby. Später wurden seine Arbeiten in vielen führenden Fanzines wie XERO, VOID, MIMOSA und TRAP DOOR abgedruckt. Sein eigenes Fanzine SAM erschien mit sehr großen Pausen zwischen den Ausgaben, Ausgabe 15 wurde 1983 fertiggestellt, Ausgabe 16 dann erst 2014. Er gewann elfmal den Fan Activity Achievement Award und einmal den Rotsler Award.

Für den Hugo war er seit 1967 fünfzehnmal nominiert, bis er ihn schließlich 2016 erstmals gewann.

Weitere Nominierungen:

No Award | Christian Quinot | Matthew Callahan* | Kukuruyo* | disse86*

Campbell Award

Andy Weir*

Der US-Amerikaner Andy Weir wurde 1972 in Kalifornien geboren. Er studierte Informatik und arbeitete als Softwareentwickler für mehrere Unternehmen. Ab Mitte der 1990er-Jahre schrieb er Erzählungen und veröffentlichte diese auf seiner Homepage. Er interessiert sich vor allem für Astrophysik und zählt klassische Hard-SF-Autoren zu seinen Vorbildern. Für seinen ersten Roman The Martian (dt. Der Marsianer) fand er keinen Verlag, sodass er ihn 2011 kapitelweise ebenfalls auf seiner Homepage veröffentlichte. Die positive Reaktion der Leser veranlasste ihn, den Roman im Jahr darauf bei Amazon als Selfpublisher als E-Book zu veröffentlichen, und er erreichte damit die Amazon-Bestsellerliste. Anfang 2014 erschien schließlich die Buchausgabe bei Crown und Del Rey, die als Vorlage für den gleichnamigen Film diente, bei dem Ridley Scott Regie führte (siehe ›Dramatic Presentation, Long Form‹). The Martian wurde einer der erfolgreichsten SF-Romane des Jahres.

Darüber hinaus hat Weir bislang nur wenige Erzählungen in professionellen Medien veröffentlicht. 2017 erschien sein zweiter Roman, Artemis (Crown; dt. Artemis).

Weitere Nominierungen:

Alyssa Wong | No Award | Pierce Brown* | Sebastien de Castell* | Brian Niemeier*

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001–2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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