Der Lovecraft-Mythos

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BUCH

Der Lovecraft-Mythos


Andreas Fliedner
24.09.2020

H. P. Lovecrafts Einfluss auf die moderne Popkultur ist mittlerweile unumstritten. Doch schon zu Lebzeiten trat er als faszinierende Gestalt auf, die selbst einem Horrorroman entstiegen schien. Lovecraft-Experte Andreas Fliedner über das vielschichtige Phänomen des Mythos um diesen Kult-Autor.


Fällt im Zusammenhang mit H. P. Lovecraft und seinem Werk das Wort "Mythos", so denkt man zunächst sicherlich an den "Cthulhu-Mythos", also an jenes Geflecht zweifelhafter "Götter" und nicht-menschlicher Wesenheiten, das in seinen Erzählungen aufgeboten wird und das seine Nachfolger zu einem mehr oder weniger zusammenhängenden Pantheon zusammengefügt haben. Es gibt jedoch noch einen anderen Sinn, in dem sich in Bezug auf Lovecraft mit einem gewissen Recht von einem Mythos sprechen lässt, und das ist seine Person selbst.

"Lovecrafts Gestalt", so diagnostiziert der Lovecraft-Bewunderer Michel Houellebecq, "ist mittlerweile ebenso mythisch wie seine Schöpfungen." Und wie es für Mythen charakteristisch ist, so möchte man hinzufügen, bleibt diese Feststellung davon, dass Lovecrafts Leben heute in fast allen Einzelheiten erforscht und dokumentiert ist, merkwürdig unberührt. Seine tatsächliche Biographie und sein Werk, so scheint es, reagieren vielmehr miteinander wie zwei chemische Substanzen, wobei eine Art halb-legendarische Figur entsteht, und es ist dabei manchmal schwer zu entscheiden, ob der "reale" oder der "mythische" Lovecraft den größeren Anspruch auf Wahrheit erheben kann.

Wollte man die kürzeste Formel für diese chemische Reaktion finden, so könnte man auf die Überschrift eines der ersten Texte zurückgreifen, der über Lovecraft und sein Werk geschrieben wurde: Als August Derleth 1939, zwei Jahre nach Lovecrafts Tod, die erste Sammlung seiner Erzählungen in Buchform zusammenstellte, gab er der Einleitung den Titel "H. P. Lovecraft: Outsider". Lovecraft, so wird nahegelegt, war ein Außenseiter der Literatur und ein Außenseiter der Gesellschaft; vor allem aber wird suggeriert, dass eine mehr oder weniger große Ähnlichkeit zwischen Lovecraft und dem "Außenseiter" seiner berühmten gleichnamigen Erzählung besteht, jenem in Isolation aufgewachsenen Wesen, für das die Begegnung mit der menschlichen Gesellschaft und der Anblick des eigenen Spiegelbilds zur Lebenskatastrophe werden. 

Eremit und Monstrum

In den folgenden Jahrzehnten, in denen zuverlässige biographische Informationen über Lovecraft rar waren, entstand jenes Bild des "Einsiedlers von Providence", das bis heute nachwirkt: Lovecraft als der menschenscheue, ja menschenfeindliche Eremit, der, vergraben in seinen Büchern, ein Leben führt, das überschattet ist vom Wahnsinn der Eltern, der auch irgendwo im Sohn lauert. "Ein ausgemergelter, prophetenhafter Hohepriester dunkler Riten und noch dunklerer Zeiten, der, gekleidet in Begräbnis-Gewänder und mit Grabesmiene, mit unterdrücktem Hass auf eine große neue Welt starrte", wie es ein Fanzine-Autor schon wenige Jahre nach Lovecrafts Tod recht phantasievoll formuliert. Gelegentlich nimmt dieses Lovecraft-Bild geradezu absurde Züge an, so wenn Colin Wilson, ein damals durchaus erfolgreicher populärphilosophischer Autor, 1962 Lovecrafts Geistesverfassung mit der eines Serienmörders vergleicht: "die Gestalt, der er am nächsten steht, ist Peter Kürten, der Vampir von Düsseldorf … Lovecraft hat sich vollständig zurückgezogen; er hat die 'Wirklichkeit' verworfen." Die Tendenz, Lovecraft als menschliches Monstrum und sein Verhältnis zur Welt als krankhaft zu begreifen, ist jedoch keineswegs auf derartige rhetorische Überspitzungen beschränkt. Sie prägt die erste umfangreiche Lovecraft-Biographie, die der Science-Fiction- und Fantasy-Autor L. Sprague de Camp 1972 vorlegte, und noch Michel Houellebecq steht in mancher Hinsicht in dieser Tradition, wie schon der Untertitel seines Lovecraft-Buches – "Gegen die Welt, gegen das Leben" – signalisiert.

Outsider und Insider

Man geht sicherlich nicht fehl in der Annahme, dass eine der entscheidenden Triebkräfte hinter der jahrzehntelangen Arbeit, die Lovecrafts bisher letzter Biograph, S. T. Joshi, seinem Gegenstand gewidmet hat, der Impuls war, dieses "mythische" Lovecraft-Bild zu korrigieren.  Dass es in Lovecrafts Persönlichkeit monströse Züge gab – der von heute aus gesehen monströseste darunter ist wohl sein notorischer Rassismus – und dass sein Leben in mancher Hinsicht – man denke nur an seine frühen Erwachsenenjahre, die er an der Seite seiner langsam in geistige Umnachtung verfallenden Mutter in fast völliger sozialer Isolation verbrachte, oder an seine mehr als bruchstückhafte "Erwerbsbiographie" – Züge einer Outsider-Existenz aufwies, daran besteht wohl kein Zweifel. Zugleich war Lovecraft jedoch über weite Strecken alles andere als ein Einsiedler, sondern eine überaus kommunikative, ja gesellige Persönlichkeit mit einem enorm weit verzweigten Kreis von Freunden und Korrespondenten – angesichts seines Zehn- wenn nicht Hunderttausende von Seiten umfassenden Briefwechsels könnte man eher von einem monströsen Kommunikationsbedürfnis sprechen.

Der Lovecraft, den Joshi schildert, ist zudem weit davon entfernt, in einem grundsätzlich ablehnenden Verhältnis zu seiner persönlichen oder gesellschaftlichen Umwelt zu stehen. Er erscheint Freunden gegenüber, denen er oft über Jahrzehnte verbunden bleibt, als unfehlbar loyal und nimmt regen Anteil an den Entwicklungen der modernen Gesellschaft, sei es in Wissenschaft, Kunst oder Politik. Was man in seiner Weltanschauung als Menschenfeindlichkeit oder Weltablehnung auslegen könnte, erscheint bei näherer Betrachtung als eine Perspektive, die weit eher an eine Ethik des Mitleids im Sinne Schopenhauers oder an ein Ideal der Affektkontrolle in der Tradition der von Lovecraft bewunderten antiken Philosophie denken lässt. 

Seine eigene phantastischste Schöpfung

Es gibt allerdings einen Zug in Lovecrafts Persönlichkeit, der, jenseits der Frage, ob er nun ein "Outsider" oder, wie Alan Moore es provokant formulierte, "in seinen Befürchtungen und Ängsten … ein vollkommener gesellschaftlicher Insider" war, darauf hindeutet, dass er selbst möglicherweise nicht ganz unschuldig am Entstehen eines "Lovecraft-Mythos" war. So bemerkt einer seiner Briefpartner, der Literaturkritiker Vincent Starrett: "Er [Lovecraft] war seine eigene phantastischste Schöpfung … ein Exzentriker, ein Dilettant und ein Poseur par excellence." Mit anderen Worten: Der Horror-Großmeister aus Providence war auch ein Meister der Selbstinszenierung, jemand der es hervorragend verstand – und zweifellos eine gewisse Freude daran hatte –, ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln. Die Tatsache, dass er Freund- und Bekanntschaften über weite Strecken brieflich pflegte, scheint dabei eine durchaus hilfreiche Rolle gespielt zu haben.

Als Lovecraft um die Mitte der 1910er Jahre aus der Isolation seiner frühen Erwachsenenjahre heraustrat und im Rahmen der Amateurjournalismusbewegung begann, wieder soziale Kontakte zu knüpfen, legte er großen Wert darauf, seine Briefpartner davon zu überzeugen, dass sie es mit einem körperlich und nervlich kranken Mann zu tun hatten, der selbst einfachen Verrichtungen des Alltags, geschweige denn einer kontinuierlichen geistigen oder körperlichen Tätigkeit nicht gewachsen war: "Ich werde mich nicht dazu herablassen zu erklären, dass ich ein Invalide bin, der selbstverständlich unter dem Union Jack kämpfen würde, wenn er körperlich dazu in der Lage wäre", verkündet der Anglophile Lovecraft zu Beginn des Ersten Weltkriegs etwas melodramatisch einem seiner Korrespondenten. Einem anderen gegenüber klagt er: "Ich bin nur etwa zur Hälfte lebendig – aufrecht zu sitzen oder zu gehen verschlingt schon einen großen Teil meiner Kraft."

Dass Lovecraft in seiner Kindheit und Jugend von psychosomatischen Leiden geplagt war, kann als gesichert gelten: Er erlebte eine Folge von "Zusammenbrüchen", die nicht zuletzt dafür verantwortlich waren, dass er nie einen regulären Highschool-Abschluss erwarb, und seine Einberufung zur Nationalgarde scheiterte tatsächlich daran, dass er aus medizinischen Gründen für untauglich befunden wurde. Das Bild des nervenleidenden Invaliden, das er zu jener Zeit von sich zeichnete, scheint dennoch nur sehr begrenzt der Realität entsprochen zu haben: Einer seiner Korrespondenten berichtet von seiner Überraschung, als er Lovecraft schließlich persönlich kennenlernte und einem vitalen jungen Mann von eindrucksvoller Statur gegenüberstand.

H. P. Lovecraft - Leben und Werk 1
H. P. Lovecraft - Leben und Werk 1

Ein alter Mann von dreißig Jahren

Lovecraft selbst bekannte, dass sich sein gesundheitlicher Zustand Anfang der 1920er Jahre, nach dem Tod seiner psychisch kranken Mutter, mit der ihn ein symbiotisches Verhältnis verband, schlagartig verbesserte. Ob aus diesem Grund oder weil sich die Pose des Invaliden angesichts enger werdender persönlicher Kontakte nicht mehr aufrechterhalten ließ, jedenfalls gab Lovecraft sie um diese Zeit auf, nicht jedoch, ohne sogleich eine neue an ihre Stelle treten zu lassen: Der Anfang Dreißigjährige erklärte sich halb-ironisch zum "Großpapa Theobald", ein Pseudonym, das er sich von Lewis Theobald Jr. entlieh, einem Autor des 18. Jahrhunderts, den Alexander Pope in seinem satirischen Großgedicht Dunciade als Prototyp des pedantischen, inspirationslosen Schreiberlings verspottet hatte. Von nun an stilisierte sich Lovecraft, vorzugsweise in seinen Briefen an jüngere Schriftstellerkollegen und Freunde wie den angehenden Science-Fiction-Autor Frank Belknap Long oder seinen späteren jugendlichen Protegé R. H. Barlow, zum vom sich selbst in der dritten Person sprechenden "Grandpa", der seinen Schützlingen mehr oder weniger ernstgemeinte gute Ratschläge gibt. Allerdings deutet auch Lovecrafts Ehefrau Sonia Greene an, dass Lovecraft während ihres kurzen Zusammenlebens ihr gegenüber gelegentlich in die Rolle des "Großpapa Theobald" schlüpfte – obwohl sie immerhin sieben Jahre älter war als er. Natürlich macht sich Lovecraft mit dieser Selbstvergreisung nicht zuletzt über seinen eigenen, fast alle Lebensbereiche umfassenden Konservativismus lustig. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass ihm die Maske des "Grandpa" noch zu etwas anderem dient: sie ermöglicht ihm, das verminte Gelände von Erotik und Sexualität zu umschiffen – sei es im Verhältnis zum anderen, sei es zum eigenen Geschlecht. 

Ein Fremder in diesem Jahrhundert

Diejenige von Lovecrafts "Posen", die für die Legendenbildung um seine Gestalt vielleicht am folgenreichsten war, ist jedoch die des "Gentleman des 18. Jahrhunderts": Von Jugend an war Lovecraft fasziniert von der englischen intellektuellen Kultur der Epoche Jonathan Swifts, Alexander Popes und Samuel Johnsons. Er entwickelte sich nicht nur zum intimen Kenner der Literatur der sogenannten "georgianischen Zeit", sondern verstand es auch virtuos, ihre sprachlichen Formen nachzuahmen. Sowohl in seinen Briefen, als auch in unheimlich-phantastischen Texten wie "Die Gruft" (1917) und "Der Fall Charles Dexter Ward" (1927) gibt er zahlreiche Kostproben dieses Talents. Bezeichnenderweise handeln beide Erzählungen von Menschen, die in einem Maße in den Bann der Vergangenheit geraten, das in der Gegenwart zu einem Persönlichkeitsverlust führt. Und auch in Bezug auf sich selbst betont Lovecraft immer wieder, dass sein Verhältnis zur Vergangenheit mehr ist als bloße Begeisterung für eine vergangene Epoche und Kultur: Das 18. Jahrhundert ist seine wahre geistige Heimat, die Zeit, in der er eigentlich zu Hause ist: "Wahrlich, ich sollte ein gepuderte Perücke und Kniehosen tragen", ruft er  schon 1914 gegenüber einem seiner ersten regelmäßigen Korrespondenten aus der Amateurjournalismusbewegung aus, und noch gut fünfzehn Jahre später bekennt er halb scherzhaft in einem Brief an August Derleth: "Ich bin vielleicht der einzige lebende Mensch, dessen Muttersprache in Prosa und Versen das alte Englisch des 18. Jahrhunderts ist." Der Gedanke, dass Lovecraft für sich selbst sprach, wenn er seinen "Außenseiter" ausrufen ließ, er werde immer "ein Fremder in diesem Jahrhundert" bleiben, war also durchaus naheliegend. Und als der Weird Tales-Illustrator Virgil Finlay 1937, unmittelbar nach Lovecrafts Tod, ein posthumes Porträt von ihm anfertigte, stellte er ihn mit gepuderter Perücke und Halsbinde dar.

Vor und hinter der Maske

Lässt man Lovecrafts unterschiedliche "Posen" noch einmal Revue passieren, so folgen sie stets einem ähnlichen Muster: Ausgehend von einem tatsächlichen Aspekt seiner Persönlichkeit – seinen psychosomatischen Leiden, der Tatsache, dass er intensive Freundschaften zu  jüngeren Männern pflegte, oder seiner Vorliebe für die Kultur des 18. Jahrhunderts –, schafft er halb spielerisch-ironisch, halb ernst eine Figur, in deren Maske er seinen Korrespondenten gegenübertritt. Was dabei immer im Spiel zu sein scheint, ist ein Element des Selbstschutzes: Als Invalide hält er sich eine Rückzugsmöglichkeit gegenüber Forderungen sozialer oder persönlicher Art offen, denen er nicht nachkommen will oder kann. Als Großpapa Theobald kann er sich Frauen wie Männern gegenüber als erotischer Akteur aus dem Spiel nehmen, wenn ihm dieses Spiel zu verfänglich wird. Und als Gentleman des 18. Jahrhunderts entzieht er sich den Ansprüchen eines modernen Männlichkeitsbildes, das von ihm einen beruflichen und sozialen Erfolg verlangt, zu dem er sich nicht in der Lage sieht.

Zwar kann man davon ausgehen, dass Lovecraft, anders als der Protagonist seiner Erzählung "Er" (1925), nicht des Nachts in ein "altertümliches Cape" gehüllt, unter dem sich "Rüschenkragen, Kniehosen und Schnallenschuhe" verbargen, durch New York oder Providence streifte, doch war er bei sich bietender Gelegenheit durchaus bereit, nicht nur auf dem Papier die Image-Erwartungen zu erfüllen, die man an einen Verfasser unheimlich-phantastischer Geschichten haben mag: Helen V. Sully, die Lovecraft Anfang der 1930er Jahre in Providence besuchte, berichtet von einem gemeinsamen abendlichen Friedhofsspaziergang:

Es war dunkel, und er begann, mir mit Grabesstimme seltsame, unheimliche Geschichten zu erzählen, und obwohl ich ein sehr nüchterner Mensch bin, war da etwas in seinem Betragen, der Dunkelheit und einer Art von gespenstischem Licht, das über den Grabsteinen zu schweben schien, das mich so durcheinanderbrachte, dass ich vom Friedhof wegrannte, er mir dicht auf den Fersen, mit dem einen Gedanken, dass ich die Straße erreichen musste, bevor er oder was auch immer mich zu fassen bekam. Ich erreichte eine Straßenlaterne, zitternd, keuchend, den Tränen nahe, und auf seinem Gesicht lag ein äußerst merkwürdiger Ausdruck, fast so etwas wie Triumph. Es fiel kein einziges Wort.

Der freundschaftlichen Beziehung zwischen Sully und Lovecraft tat diese Episode übrigens keinen Abbruch. 

Seelische Autobiographie

Dass Lovecraft tatsächlich ein Talent dazu hatte – und Vergnügen daran fand –, sich selbst in unterschiedlichen Posen in Szene zu setzen, ist offenkundig. Es wäre jedoch sicherlich zu kurz gegriffen, den "Lovecraft-Mythos" allein auf seine unterschiedlichen Selbstinszenierungen zurückführen zu wollen. Ebenso wenig befriedigt die Erklärung, dass sowohl seine Verehrer wie seine Verächter aus jeweils unterschiedlichen Gründen ein Interesse daran haben, ihn larger than life zu zeichnen – als eine Gestalt, die ihrerseits einer Horrorgeschichte entsprungen sein könnte. Vielleicht sollte man daher noch einmal zu jener chemischen Reaktion zurückkehren, die zwischen seinen Erzählungen und seinem Leben stattfindet: dass diese Erzählungen nicht in einem buchstäblichen Sinne autobiographisch sind, also weder seine eigene Lebensgeschichte erzählen, noch ein in einem konventionellen Verständnis "realistisches" Selbstporträt ihres Autors bieten, ist schon angesichts ihrer Zugehörigkeit zum Genre der unheimlichen Phantastik eine einigermaßen triviale Feststellung. Dennoch entsteht bei ihrer Lektüre das schwer erklärliche, aber umso unmittelbarere und unabweisbare Gefühl der Authentizität, der Eindruck, dass hier jemand über seine eigenen Ängste, Eindrücke und Empfindungen schreibt.

Die Schriftstellerin Joyce Carol Oates spricht in Bezug auf Lovecraft von "seelischer Autobiographie", und der Horror-Autor Thomas Ligotti – den man in dieser Hinsicht unter den Schriftstellern des 20. und 21. Jahrhunderts wohl mit dem größten Recht als Lovecrafts Nachfolger bezeichnen kann – konstatiert, dass "Lovecraft sich selbst auf jede Seite seines Werkes bringt". Wenn Lovecraft letztlich also doch über sich selbst schreibt, dann erklärt dies, warum die Versuchung so groß ist, den Schöpfer mit den monströsen Zügen seiner Geschöpfe auszustatten, und warum darin – jenseits jeder biographischen Korrektheit – auch eine Art von Wahrheit liegen kann.

 

Bibliographische Anmerkung

Alle Zitate von und über Lovecraft sind entnommen aus: S. T. Joshi, H. P. Lovecraft. Leben und Werk, 2 Bände (München: Golkonda, 2017 / 2020). Michel Houellebecqs Lovecraft-Essay, das man in dem oben skizzierten Sinn durchaus als eine Fortschreibung des Lovecraft-Mythos lesen kann, ist auf Deutsch erschienen als Gegen die Welt. Gegen das Leben: H. P. Lovecraft (Köln: DuMont, 2002).

Über den Autor

Andreas Fliedner, geboren 1966, arbeitete zunächst beim Theater und studierte dann in Berlin Religionswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaft. Er übersetzt aus dem Englischen und Französischen, wobei Werk und Umfeld H. P. Lovecrafts in den letzten Jahren einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten.

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