Mikkel Robrahn Interview

BUCH

„Ein Kaufhaus für alles Phantastische“: Interview mit Mikkel Robrahn


Mit seinem Urban-Fantasy-Roman „Hidden Worlds – Der Kompass im Nebel“ hat der Gamer Mikkel Robrahn eine Welt voller merkwürdiger Fabelwesen und witziger Abenteuer geschaffen. Im Interview spricht der Autor über die Entstehung des Buches, die Parallelen zwischen Games und Büchern und die neue Weltordnung der Katzen.

TOR ONLINE: „Hidden Worlds – Der Kompass im Nebel“. Klingt ja ziemlich mysteriös. Für alle von uns, die nicht erst nach dem Klappentext googeln wollen: Um was geht’s, ganz knapp in einem Satz?

MIKKEL ROBRAHN: Um Elliot Craig, der dringend einen neuen Job braucht, und im Merlin-Center, dem Kaufhaus für alles Phantastische, landet. Schnell kommt er dem Geheimnis um seine verschwundene Mutter auf die Spur, und dann ist auch noch die Inquisition plötzlich hinter ihm her. Natürlich sind auch jede Menge Fabelwesen im Spiel.

Schottland – ein Sehnsuchtsort. Warum spielt deine Geschichte ausgerechnet dort?

Auf mich hatte Schottland schon immer eine magische Anziehungskraft. Das historische Edinburgh, die wilden Highlands. Es braucht nicht viel Phantasie, dass es dort von phantastischen Wesen nur so wimmelt.

In „Hidden Worlds“ kommen viele Fabelwesen vor. Einige, wie Nixen und Drachen, sind Fantasy-Leser*innen wohlbekannt. Aber man findet bei dir auch Gnolle, Bergklammeraffen und Zweikopfziegen, um nur ein paar der ungewöhnlichen Kreaturen zu nennen. Wie sind die entstanden?

Jetzt würde ich gerne eine kluge Antwort geben, dass ich Folianten gewälzt und Bibliotheken durchsucht habe. Aber eigentlich saß ich nur auf meinem Hintern und habe auf meinen Bildschirm gestarrt. Das ist ja das Schöne an Urban Fantasy: Man kann Bekanntes mit der eigenen Vorstellungskraft vermischen und zu etwas Eigenem machen.

Was rätst du uns zu tun, wenn wir plötzlich, wie die Protagonisten in „Hidden Worlds“, einem Gargoyle gegenüberstehen?

Das ist auf jeden Fall der falsche Zeitpunkt, um herauszufinden, was aus den drei Stunden Judo-Kurs, die man als Kleinkind gemacht hat, noch hängengeblieben ist. Eure Debattier-Skills sind auch echt nutzlos. Ich sag es mal mit den Worten eines weisen, alten Mannes: „Flieht, ihr Narren!“

Was ist dein Lieblingsfabelwesen?

Der Drache. Ich habe schon so viel über ihn gelesen, gehört und gesehen, und ich finde ihn trotzdem nicht langweilig. Drachen sind zwar immer die geflügelten Echsen, aber unterscheiden sich dennoch in ihrem Gemüt. Mal böse und gierig, mal gutherzig und empathisch. Ich möchte eine Lanze für Drachen brechen (im Zweifel auch die Lanze des heranstürmenden Ritters)!

Du selbst bist als Teil des PietSmiet-Teams und Organisator von „Friendly Fire“ bestens in der Gaming-Szene vernetzt. Digitales Gaming und analoge Bücher – wie passt das zusammen?

Das passt perfekt zusammen! In Videospielen geht es, genau wie in Büchern, um das Erzählen von Geschichten und Eskapismus. Das Abtauchen in fremde Welten und andere Leben. Ich würde mir mehr Austausch und Zusammenarbeit zwischen den Branchen wünschen, da können alle nur von gewinnen.

Wie kam es, dass du dich entschieden hast, einen Urban-Fantasy-Roman zu schreiben?

Alle meine Geschichten basieren auf einer Idee, die mir plötzlich in den Kopf schießt wie der Schmerz, wenn man sich den kleinen Zeh stößt. In diesem Fall war es das Merlin-Center, das Kaufhaus für alles Phantastische. Ein Ort, an dem es all die Dinge zu kaufen gibt, die uns Online-Marktplätze verwehren: Tränke, Zauberrollen, magische Artefakte und auch Fabelwesen. Die Geschichte hat sich dann sehr schnell aufgetan. Vielleicht hatte ich auch keine Lust, gleich eine komplett neue Welt aus dem Boden zu stampfen. Das mag ich an Urban Fantasy!

Was hat dir am Schreiben von „Hidden Worlds – Der Kompass im Nebel“ am meisten Spaß gemacht? Und wo gab es Schwierigkeiten?

Am meisten Spaß hat mir der Clash der beiden Welten gemacht: Elliot, für den Drachen und Elfen nur in Büchern und Filmen existierten, trifft auf eine Parallelwelt, in der das alles ganz normal ist. Da fallen viele Sätze und Sprüche, bei denen Elliot nicht mehr weiß, ob das nun ein Spaß oder Ernst ist.

Schwierigkeiten machte mir, nicht durcheinanderzubringen, was in welcher Etage des Merlin-Centers verkauft wird. Beim nächsten Projekt werde ich mir für solche Kleinigkeiten auf jeden Fall Notizen machen.

Welcher Protagonist oder welches Wesen ist dir deiner Meinung nach am besten gelungen?

Eindeutig Mr. Hurley! Mr. Hurley ist ein dicker Kater mit smaragdgrünen Augen, der sich seiner Existenz als Kater sehr bewusst ist. Katzen sind für mich real existierende Fabelwesen (widerspricht sich irgendwie, aber egal). Ich habe noch keine Katze kennengelernt, die mal Danke oder Bitte gesagt hat. Sie blicken vom Bücherregal auf uns hinab wie römische Imperatoren, die mit einem Fingerzeig über Leben und Tod entscheiden. Trotzdem tun wir alles, um ihre Anerkennung und ihr Wohlwollen zu erhalten. Wenn irgendjemand an einer New World Order arbeitet, dann sind es nicht Echsenmenschen, sondern Katzen – und Mr. Hurley sitzt an der Spitze dieser neuen Regierung!

Wenn du für einen Tag dein Leben gegen das von Elliot Craig austauschen könntest – was würdest du tun?

Mir einen Stapel Schnellreisetickets organisieren und eine kleine Weltreise machen! Das spart nicht nur Zeit, sondern ist auch umweltfreundlich.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei dir aus? Irgendwie musst du Schreiben und „Brotjob“ koordinieren ...

Wenn ich das jetzt verrate, mache ich mich wahrscheinlich unbeliebt. Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die mich für meine Disziplin hassen. Aber egal: Ich stehe um 06.00 Uhr auf und gehe mit dem Mops vor die Tür. Dann setze ich mich bis 08.00 Uhr an den Rechner und schreibe. Das funktioniert wunderbar, weil alle noch mit ihrem Kaffee und Wachwerden beschäftigt sind. Keine Whatsapp-Nachrichten, keine E-Mails, nur ich und das Manuskript. Ab 08.00 Uhr mache ich noch eine Stunde Sport, dann geht es unter die Dusche, und nach einem Frühstück beginnt der Brotjob. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich so diszipliniert am besten funktioniere.

Du bist als hervorragender Netzwerker bekannt. Magst du uns einen Tipp für gelingendes Networking mit auf den Weg geben?

Wenn die Leute nicht wissen, dass ihr existiert, können sie euch auch nicht kennenlernen! Perfekt, um mit Menschen ins Gespräch zukommen, ist Twitter. Da kann man erste Kontakte aufbauen und diese auf Messen und Konferenzen ins echte Leben übersetzen. Und habt etwas zu erzählen. Ich sehe unglaublich viele Social-Media-Profile von Autor*innen, die fast ausschließlich über ihr aktuelles Buchprojekt twittern. Das ist in einem gewissen Rahmen sinnvoll, aber wird schnell öde. Lasst mich an eurem Leben teilhaben! Noch eine Sache, die mir immer auffällt: Soziale Medien sind keine Einbahnstraßen. Also beteiligt euch an Gesprächen, antwortet und interagiert.

Abschließende Frage: Dürfen wir gespannt auf eine Fortsetzung von „Hidden Worlds“ warten?

Wunderbare Frage. Absolutes Kopfkino, rein theoretisch, wenn ein Band 2 kommen würde, würde er wahrscheinlich „Hidden Worlds – Die Krone des Erben“ heißen und bereits im Frühjahr 2021 erscheinen. [[Update: "Hidden Worlds – Die Krone des Erben erscheint tatsächlich, und zwar am 10.3.2021! – Anm. d. Red.]] Ich würde einfach mal meinen Instagram-Kanal im Auge behalten, da bekommt man es auf jeden Fall mit!

Vielen Dank!

Über den Autor

Mikkel Robrahn

© Philip Tappert

Mikkel Robrahn, geboren 1991 in Norddeutschland, ist Chief Operating Officer bei der PietSmiet UG & Co. KG. Die PietSmiet UG gehört zu den größten YouTube-Gaming-Kanälen in Deutschland und erreicht jeden Tag Hunderttausende Menschen. Er ist der organisatorische Kopf hinter der kreativen Truppe und bekam von der Community schnell den Spitznamen „Mikkel machts“, weil er Dinge zuverlässig anpackt und umsetzt.

Auf Instagram findet ihr ihn unter @mikkelmachts!

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