Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

© Disney / Pixar

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2009: Das waren die Gewinner


Das Sachbuch „Die Hugo Awards 20012017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2009?  

Die Verleihung der Hugo Awards fand 2009 auf der Anticipation in Montreal statt.

Toastmaster: Julie Czerneda

Novel

Neil Gaiman: The Graveyard Book

(2008 bei HarperCollins und Hodder Headline; dt. Das Graveyard-Buch, Arena)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Für dieses Buch erhielt Gaiman bereits den vierten Hugo, und wie schon bei Coraline (siehe 2003) handelt es sich um einen Fantasyroman für Kinder und Jugendliche.

Dabei beginnt er recht brutal, denn gleich in der ersten Szene bringt ein Mann namens Jack eine ganze Familie um, mit Ausnahme des eineinhalb Jahre alten Sohnes, der im Obergeschoss des Hauses geschlafen hatte, vom Lärm geweckt wurde und aus seinem Bettchen geklettert ist. Auf der Suche nach Hilfe ist der Kleine aus dem Haus und die Straße hinuntergelaufen. Jack will auch das Kleinkind töten, kann es jedoch nicht finden. Der Junge gelangt zu einem nahe gelegenen Friedhof und wird von den dort hausenden Geistern gefunden, die zunächst beratschlagen, was mit dem Jungen passieren soll. Man entschließt sich, sich um ihn zu kümmern, und der Geist von Mrs. Owens nimmt ihn an Sohnes statt an. Da niemand den Namen des Jungen kennt, wird er schließlich Nobody Owens genannt, woraus später der Rufname Bod wird. Silas wird Bods Vormund und ein guter Freund. Silas ist einer der wenigen, die nicht räumlich an die Grabstätten gebunden sind und daher den Friedhof verlassen können. Er sorgt für die Lebensmittel und andere Dinge, die der Junge benötigt. Es wird zwar im Buch nicht erwähnt, aber vermutlich ist Silas kein Geist, sondern ein Vampir. Der alte Friedhof ist sehr groß und umfasst rund zehntausend Gräber. Nachdem vor dreißig Jahren die letzte Beerdigung stattgefunden hat, wurde der Friedhof zum Naturschutzgebiet erklärt, sodass er nur selten von Menschen besucht wird.

Die folgenden Kapitel erzählen, wie Bod in den nächsten Jahren auf dem Friedhof aufwächst und von den Geistern erzogen und unterrichtet wird. Mit fünf Jahren schließt er Freundschaft mit einem gleichaltrigen Mädchen namens Scarlett, das mit ihrer Mutter gelegentlich den Friedhof besucht. Die Mutter bekommt Bod nie zu Gesicht, sodass sie glaubt, dass Scarlett den Jungen als »imaginären Freund« erfunden hat. Zusammen mit Scarlett entdeckt Bod eine Kreatur namens Sleer, die seit Jahrtausenden auf ihren »Meister« wartet. Nachdem Scarlett bei diesem Abenteuer einige Zeit verschwunden war, entscheiden ihre Eltern, dass sie den Friedhof nicht mehr besuchen darf, und ziehen schließlich sogar aus der Stadt weg.

Später lernt Bod noch weitere Bewohner des Friedhofs kennen, wie zum Beispiel die Werwölfin Miss Lupescu und die freundliche Hexe Elizabeth Hempstock, die in ungeweihtem Boden begraben ist und daher auch den Friedhof verlassen kann. Bod lernt einige magische Techniken, wie zum Beispiel das Traumwandeln und das Unsichtbarmachen, und öffnet einmal sogar versehentlich die Ghulpforte, wobei er nur mit Not einer hinterlistigen Falle der Ghule entkommt. Jahre später findet Bod sogar eine Möglichkeit, nahezu unbelästigt auf eine Schule für Menschenkinder zu gehen, weil er mehr über die Welt außerhalb des Friedhofs erfahren will, was jedoch zu einigen Verwicklungen führt. Als Bod bei einem Pfandleiher eine alte Brosche versetzen möchte, um für die Hexe Elizabeth Hempstock einen Grabstein kaufen zu können, kommt es zu einem Zwischenfall, durch den der Mörder Jack auf ihn aufmerksam wird. Einige Jahre später, Bod ist inzwischen vierzehn Jahre alt, trifft er seine Kinderfreundin Scarlett wieder und durch sie schließlich auch Jack und dessen Verbündete. Es stellt sich heraus, dass Jack ihm immer noch nach dem Leben trachtet und einer weltweiten Organisation angehört. Er erfährt auch, warum seine Familie getötet wurde.

Neil Gaiman schrieb mit diesem Buch eine wundervoll erzählte Geschichte, der man anmerkt, dass der Autor die Traditionen des Genres verinnerlicht hat und daraus etwas Neues schaffen kann. An einigen Stellen erinnert das Buch auf sehr angenehme Weise an Ray Bradburys From the Dust Returned (1994; dt. Vom Staub kehrst du zurück). Gaiman selbst berichtete, dass er die Idee bereits 1985 hatte, als sein zweijähriger Sohn mit seinem BMX-Rad auf einem Friedhof herumfuhr, und etwas Ähnliches schreiben wollte wie Kiplings Dschungelbuch, das auf einem Friedhof spielt.

Gaiman gewann die britische Carnegie Medal und die US-amerikanische Newbery Medal, die für das beste Kinderbuch des Jahres verliehen wird. Und neben dem Hugo erhielt er obendrein den Locus Award für das beste Jugendbuch des Jahres.

Weitere Nominierungen:

Cory Doctorow: Little Brother

(2008 bei Tor Teen und HarperVoyager UK; dt. Little Brother, rororo 21550)

Neal Stephenson: Anathem

(2008 bei Morrow und Atlantic UK; dt. Anathem, Goldmann Manhattan 54660)

Charles Stross: Saturn’s Children

(2008 bei Ace und Orbit UK; dt. Die Kinder des Saturn, H 52578)

John Scalzi: Zoe’s Tale

(2008 bei Tor; dt. Zwischen den Sternen, H 52561)

Novella

Nancy Kress: »The Erdmann Nexus«

(Oktober/November 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Die Hauptfigur der Geschichte ist der neunzigjährige Physikprofessor Henry Erdmann, der in einem Altenheim lebt. Offenbar teilt er bestimmte Erinnerungen mit anderen Bewohnern des Heims; oder sind es vielleicht gar keine Erinnerungen, die die Leute zunehmend verwirren? Währenddessen nähert sich ein außerirdisches Raumschiff, und der Halsschmuck einer Balletttänzerin rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Erst nach und nach wird klar, in welchem Zusammenhang die gemeinsamen Erlebnisse der alten Leute mit dem Raumfahrzeug der Außerirdischen stehen. Nancy Kress erhielt für die Erzählung nach »Beggars in Spain« (1992) ihren zweiten Hugo. »The Erdmann Nexus« wurde in The Year’s Best Science Fiction (hrsg. von Gardner Dozois) aufgenommen und schließlich zusammen mit acht weiteren Geschichten in Kress’ Erzählungsband Fountains of Age (2012 bei Small Beer Press) veröffentlicht.

Weitere Nominierungen:

Robert Reed: »Truth«

(Oktober/November 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Ian McDonald: »The Tear«

(2008 in Dozois [Hrsg.]: Galactic Empires, SFBC; nicht auf Deutsch)

Benjamin Rosenbaum & Cory Doctorow: »True Names«

(2008 in Anders [Hrsg.]: Fast Forward 2, Pyr; nicht auf Deutsch)

Charles Coleman Finlay: »The Political Prisoner«

(August 2008 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Novelette

Elizabeth Bear: »Shoggoths in Bloom«

(März 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Elizabeth Bear hatte bereits im Vorjahr einen Hugo für eine Erzählung gewonnen. Mit »Shoggoths in Bloom« begibt sie sich diesmal in die fiktionale Welt von H. P. Lovecraft. Die Geschichte spielt im kalten und windigen New England des Jahres 1938. Eine grundlegende Änderung gegenüber den Geschichten des Horror-Altmeisters ist jedoch, dass der Protagonist der Geschichte, Professor Paul Harding, schwarz ist. Harding kommt in ein Dorf an der Küste, um die wilden Shoggothen – lat. Oracupoda horribilis – und deren Lebenszyklus zu studieren. Bisher weiß man nicht viel über die riesigen, gelatineartigen Lebewesen, nur dass sie in der Tiefsee leben, gelegentlich die steinige Küste New Englands aufsuchen und unsterblich zu sein scheinen. Die Shoggothen erreichen eine Größe von fünfzehn bis zwanzig Fuß im Durchmesser und wiegen bis zu acht Tonnen. Schließlich gelingt es Harding sogar, auf gewisse Weise mit den fremdartigen Wesen zu kommunizieren, und ihm wird am Ende der Geschichte klar, dass sie nicht durch Evolution entstanden sind, sondern von einer unbekannten Macht erschaffen wurden.

Zum Verständnis der Erzählung ist es hilfreich, das Werk von Lovecraft halbwegs zu kennen. Die Großen Alten, die als Schöpfer der Shoggothen gemeint sind, werden nicht namentlich genannt. Auch sonst gibt es einige Anspielungen und Insider-Gags, die mit Lovecrafts Werk in Zusammenhang stehen. Leider sind das aber nur wenige Höhepunkte innerhalb der ansonsten eher handlungsarmen Geschichte.

Weitere Nominierungen:

John Kessel: »Pride and Prometheus«

(Januar 2008 in F&SF; nicht auf Deutsch)

James Alan Gardner: »The Ray-Gun: A Love Story«

(Februar 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Paolo Bacigalupi: »The Gambler«

(2008 in Anders [Hrsg.]: Fast Forward 2, Pyr; dt. »Der Spieler« in Bacigalupi: Der Spieler, Golkonda)

Mike Resnick: »Alastair Baffle’s Emporium of Wonders«

(Januar 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Short Story

Ted Chiang: »Exhalation«

(2008 in Strahan [Hrsg.]: Eclipse Two, Night Shade Books; dt. »Ausatmung« in Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes, Golkonda)

Diese außergewöhnliche Kurzgeschichte bescherte Ted Chiang bereits den dritten Hugo Award. Es handelt sich um den Bericht eines Wissenschaftlers, der in einer sehr fremdartigen Hohlwelt voller künstlicher Menschen lebt. Wie alle Wissenschaftler versucht der Erzähler das Wesen seines Universums zu begreifen und erforscht sein Spezialgebiet, die Anatomie. Die Körper der Wesen funktionieren auf ungewöhnliche Weise: So muss man täglich die leeren Lungen durch frisch gefüllte austauschen, um den Körper am Leben zu erhalten. Der Erzähler hat sich vorgenommen, die Funktionsweise des Gehirns zu erforschen und herauszufinden, auf welche Weise Erinnerungen aufgezeichnet werden. Es gibt jedoch keine Toten, die er untersuchen kann, und so konstruiert er einen komplizierten Mechanismus, um sich selbst zu operieren und sein eigenes Gehirn zu öffnen. Dabei macht er die erstaunliche Entdeckung, dass sein Gehirn offenbar auf mechanische Weise funktioniert, angetrieben durch winzige Luftströme. Gleichzeitig macht er die Entdeckung, dass die großen Turmuhren anscheinend schneller laufen, als man es gewohnt ist. Durch logische Schlussfolgerungen kommt der Erzähler jedoch darauf, dass die Uhren mit unveränderter Geschwindigkeit laufen müssen, aber stattdessen die Gehirne und damit ihre Wahrnehmung langsamer funktionieren. Das wiederum muss mit dem Druck der Luftquelle zusammenhängen, woraus folgt, dass das ganze dem Erzähler bekannte Universum seinem Ende entgegengeht und irgendwann erstarren wird. Am Ende seines Berichtes wendet er sich an die Bewohner eines anderen Universums, das vielleicht außerhalb des seinen existiert, um seine Erkenntnisse zu teilen.

Chiang gelingt es in der Erzählung auf wenigen Seiten mühelos, eine völlig in sich abgeschlossene Welt mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zu schildern und mit großer Empathie die Sorgen und Ängste des Protagonisten zu vermitteln. Meisterhaft.

Weitere Nominierungen:

Kij Johnson: »26 Monkeys, Also the Abyss«

(März 2008 in ASIMOV’S; dt. »26 Affen, und auch der Abgrund« in Johnson: Pinselstriche auf glattem Reispapier, Golkonda)

Michael Swanwick: »From Babel’s Fall’n Glory We Fled«

(Februar 2008 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Mary Robinette Kowal: »Evil Robot Monkey«

(2008 in Mann [Hrsg.]: The Solaris Book of New Science Fiction, Volume Two, Solaris; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »Article of Faith«

(2008 in Flint/Resnick [Hrsg.]: Baen’s Universe October 2008, Baen; nicht auf Deutsch)

Related Book

John Scalzi: Your Hate Mail Will be Graded: A Decade of Whatever, 1998–2008

(2008 bei Subterranean Press; nicht auf Deutsch)

John Scalzi war bereits ein bekannter Bestsellerautor und hatte 2006 den Campbell Award als bester neuer Autor erhalten (siehe dort). Im Jahr zuvor wurde er auch als ›Best Fan Writer‹ ausgezeichnet, und zwar für die Texte auf seinem Blog WHATEVER (whatever.scalzi.com), das seit dem 13. September 1998 im Internet zu finden ist und auch nach zwei Jahrzehnten bis heute weitergeführt wird. Das Buch versammelt Texte aus der ersten Dekade des Blogs, die sich bei Weitem nicht nur mit Science Fiction beschäfigen, sondern ebenso mit Religion, Politik, Fernsehen, Wissenschaft, Philosophie, dem Leben an sich und zahlreichen anderen Themen. Dabei sind Scalzis Texte teils lustig, teils nachdenklich, oft auch provokant und pointiert, und er scheut sich nicht, seine Meinung zu sagen und eindeutig Stellung zu beziehen. Das Vorwort zum Buch stammt übrigens von dem Schauspieler und Bloggerkollegen Wil Wheaton.

Weitere Nominierungen:

Farah Mendlesohn: Rhetorics of Fantasy

(2008 bei Wesleyan University Press; nicht auf Deutsch)

Paul Kincaid: What It Is We Do When We Read Science Fiction

(2008 bei Beccon Publications; nicht auf Deutsch)

Lillian Stewart Carl & John Helfers (Hrsg.): The Vorkosigan Companion: The Universe of Lois McMaster Bujold

(2008 bei Baen; nicht auf Deutsch)

Cathy & Arnie Fenner (Hrsg.): Spectrum 15: The Best in Contemporary Fantastic Art

(2008 bei Underwood Books; nicht auf Deutsch)

Graphic Story

GIRL GENIUS, Volume 8: Agatha Heterodyne and the Chapel of Bones

(Autoren Kaja & Phil Foglio, Zeichnungen Phil Foglio, Farben Cheyenne Wright, Airship Entertainment)

Die Serie GIRL GENIUS startete im Januar 2001 mit einer ersten gedruckten Ausgabe und kann seit 2005 als Webcomic unter der Adresse www.girlgeniusonline.com gelesen werden.

Die breit angelegte Handlung spielt in einer Steampunk-Alternativwelt, in der der verrückte Wissenschaftler Sparks während der industriellen Revolution einen Krieg angezettelt hat, der ganz Europa verwüstet. Hauptfigur der Geschichte ist die junge Agatha Clay, das titelgebende geniale Mädchen. Sie verfügt über ein besonderes Talent zur Konstruktion und Reparatur elektrischer und mechanischer Geräte und Maschinen. Im Laufe der Geschichte findet sie Details über ihre Herkunft und ihre Eltern heraus, wodurch sich vieles in ihrem Leben ändert.

Kaja Foglio bezeichnete ihre Schöpfung als »Gaslicht-Fantasy«, um die phantastischen Aspekte der Geschichte zu betonen. Bereits im Jahr 2005 wurde Phil Foglio für den renommierten Eisner Award nominiert, und im Jahr 2007 folgte eine Eisner-Award-Nominierung als ›Best Digital Comic‹.

Nachdem Phil Fogio bereits 1977 und 1978 einen Hugo als ›Best Fan Artist‹ gewinnen konnte, erhielt er nun erstmals einen ›Profi‹-Hugo für den 8. Band der Comic-Serie.

Weitere Nominierungen:

SERENITY: Better Days

(Autoren Joss Whedon & Brett Matthews, Zeichnungen Will Conrad, Farben Michelle Madsen, Umschlag Jo Chen; Dark Horse Comics; dt. Serenity: Bessere Zeiten, Panini)

THE DRESDEN FILES: Welcome to the Jungle

(Autor Jim Butcher, Zeichnungen Ardian Syaf; Del Rey/Dabel Brothers Publishing)

FABLES: War and Pieces

(Autor Bill Willingham, Zeichnungen Mark Buckingham, Steve Leialoha & Andrew Pepoy, Farben Lee Loughridge, Lettering Todd Klein; DC/Vertigo Comics; dt. Fables: Krieg und andere Kleinigkeiten, Panini)

Y: THE LAST MAN, Volume 10: Whys and Wherefores

(Autor Brian K. Vaughan, Zeichnungen Pia Guerra, & José Marzan, Jr.; DC/Vertigo Comics; dt. Y: The Last Man, Band 10: Warum und weshalb, Panini)

SCHLOCK MERCENARY: The Body Politic

(Text und Zeichnungen Howard Tayler; The Tayler Corporation)

Dramatic Presentation, Long Form

WALL·E

(Pixar/Walt Disney; Story Andrew Stanton & Pete Docter; Drehbuch Andrew Stanton & Jim Reardon; Regie Andrew Stanton; dt. WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf)

Nach acht computeranimierten Spielfilmen mit zum Teil phantastischen Inhalten ist WALL·E der erste Science-Fiction-Film, den Pixar produzierte.

Die titelgebende Hauptfigur ist ein kleiner (und natürlich sehr niedlicher) Roboter, der die undankbare Aufgabe hat, auf der völlig heruntergewirtschafteten und verschmutzten Erde den Müll zu sortieren. Der Name WALL·E steht für »Waste Allocation Load Lifter – Earth-Class«. Und weil die Erde durch Umweltverschmutzung unbewohnbar geworden ist, haben die Menschen schon vor Jahrhunderten ihren Planeten verlassen, um in großen, autarken Raumschiffen ein bequemes Leben zu führen. WALL·E ist nach 700 Jahren der einzige verbliebene, noch funktionstüchtige Aufräumroboter auf der Erde. In der langen Zeit hat er ein eigenes Bewusstsein entwickelt und sammelt während seiner Arbeit besondere Gegenstände, die seine Aufmerksamkeit wecken. Und so findet er eines Tages eine kleine Pflanze, die er in seine Sammlung aufnimmt und pflegt. Als eines Tages ein Raumschiff landet, lernt WALL·E die Roboterdame EVE kennen und verliebt sich in sie. EVEs Aufgabe ist es jedoch nur, auf der Erde nach organischem Leben zu suchen. Sie entdeckt die kleine Pflanze, stellt sie als Beweisstück sicher und wird schließlich wieder abgeholt. WALL·E folgt EVE und gelangt so auf das Raumschiff Axiom, auf dem eine große Anzahl fauler, fettleibiger Menschen lebt. Der Kapitän der Axiom will zur Erde zurückkehren, weil er überzeugt ist, dass sie wieder durch Menschen besiedelbar ist, doch der Schiffscomputer Otto hat ursprünglich andere Befehle erhalten und versucht das Unterfangen zu verhindern.

Das Thema Umweltschutz und Rettung der ökologischen Ressourcen der Erde zahlte sich für Pixar tatsächlich aus. Bei einem Budget von 180 Millionen Dollar spielte der Film über 500 Millionen Dollar ein. Und das, obwohl die ersten 40 Minuten des Films nahezu ohne Sprache auskommen. Die liebevollen und ironischen Details des Films machen WALL·E zu einem Meisterwerk, das die ebenfalls nominierten Superheldenfilme locker in den Schatten stellt.

Weitere Nominierungen:

The Dark Knight

(Warner Brothers; Story: Christopher Nolan & David S. Goyer; Drehbuch: Jonathan Nolan and Christopher Nolan; Regie Christopher Nolan; basiert auf den Comicfiguren von Bob Kane; dt. The Dark Knight)

Iron Man

(Paramount, Marvel Studios; Drehbuch Mark Fergus & Hawk Ostby & Art Marcum & Matt Holloway; Regie Jon Favreau; basiert auf den Comicfiguren von Stan Lee & Don Heck & Larry Lieber & Jack Kirby; dt. Iron Man)

Hellboy II: The Golden Army

(Dark Horse, Universal; Story Guillermo del Toro & Mike Mignola; Drehbuch und Regie Guillermo del Toro; basiert auf dem Comic von Mike Mignola; dt. Hellboy – Die goldene Armee)

METAtropolis

(Hörbuch; Audible Inc; herausgegeben von John Scalzi, Autoren Elizabeth Bear, Jay Lake, Tobias Buckell & Karl Schroeder; dt. nur als Buch: Metatropolis, H 52684)

Dramatic Presentation, Short Form

Doctor Horrible’s Sing-Along Blog

(Internet-Kurzfilm; Mutant Enemy; Drehbuch Joss Whedon & Zack Whedon & Jed Whedon & Maurissa Tancharoen; Regie Joss Whedon; nicht auf Deutsch)

BUFFY- und FIREFLY-Schöpfer Joss Whedon hat es wieder einmal geschafft, die Fans zu begeistern, und das diesmal mit einer Webserie. Doctor Horrible’s Sing-Along Blog ist ein dreiteiliges, insgesamt nur 43-minütiges Musical über den Superschurken Dr. Horrible, der in die Liga der Superschurken aufgenommen werden will, dabei jedoch in die schöne Penny verliebt ist und an seinem Gegenspieler Captain Hammer scheitert.

Joss Whedon konnte die Miniserie aufgrund der geringen Produktionskosten selbst und unabhängig produzieren, sodass es quasi eine Art Familienfilm wurde, bei dem auch seine Brüder Zach Whedon und Jed Whedon mitarbeiteten. Zu sehen war die Serie zunächst auf der Homepage www.drhorrible.com, die bis heute noch online ist, später dann über iTunes und auf DVD.

Weitere Nominierungen:

DOCTOR WHO: »Silence in the Library« & »Forest of the Dead«

(BBC; Drehbuch Steven Moffat; Regie Euros Lyn; dt. »Tödliche Stille« und »Wald der Toten«)

DOCTOR WHO: »Turn Left«

(BBC; Drehbuch Russell T. Davies; Regie Graeme Harper; dt. »Reise rückwärts«)

BATTLESTAR GALACTICA: »Revelations«

(NBC Universal; Drehbuch Bradley Thompson & David Weddle; Regie Michael Rymer; dt. »Zur Erde!«)

LOST: »The Constant«

(Bad Robot/ABC Studios; Drehbuch Carlton Cuse & Damon Lindelof; Regie Jack Bender; dt. »Die Konstante«)

Editor, Long Form

David G. Hartwell

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Und wieder konnte David G. Hartwell mit dem inzwischen umfangreichsten SF-Buchprogramm der USA bei Tor Books überzeugen. Unter den Nominierten für den besten Roman des Jahres waren wiederum John Scalzi, diesmal mit Zoe’s Tale (dt. Zwischen den Sternen) und Cory Doctorow mit Little Brother (dt. Little Brother). Darüber hinaus brachte Tor mehr als 220 Bücher heraus, die das ganze Spektrum der phantastischen Literatur abdecken. Darunter neue Dune-Romane von Brian Herbert und Kevin J. Anderson, The SFWA European Hall of Fame, herausgegeben von James und Kathryn Morrow, Half a Crown von Jo Walton, weitere Non-SF-Romane von Philip K. Dick, einige Klassiker von Isaac Asimov, The Risen Empire von Scott Westerfeld, weitere Ender-Romane von Orson Scott Card, von George R. R. Martin herausgegebene WILD CARDS-Anthologien und eine mehrbändige Ausgabe der Romane von Richard Matheson.

Außerdem startete Tor unter der Regie von Patrick Nielsen Hayden im Juli 2008 das Internetmagazin TOR.COM.

Weitere Nominierungen:

Patrick Nielsen Hayden | Lou Anders & Beth Meacham (punktgleich) | Ginjer Buchanan

Editor, Short Form

Ellen Datlow

Ellen Datlow stellte 2008 zwei bedeutende Anthologien zusammen. Die erste war The Year’s Best Fantasy & Horror 2008: Twenty-First Annual Collection (St. Martin’s Griffin, gemeinsam mit Kelly Link und Gavin J. Grant). Sie enthält auf über 500 Seiten unter anderem Erzählungen von Karen Joy Fowler, Delia Sherman, Elizabeth Hand, Jeffrey Ford, Laird Barron, Ted Chiang, Joyce Carol Oates, Tanith Lee und Kij Johnson.

Während die Year’s Best-Anthologie Nachdrucke aus Magazinen und anderen Publikationen enthält, sind in der zweiten Originalbeiträge gesammelt. The Del Rey Book of Science Fiction and Fantasy: Sixteen Original Works by Speculative Fiction’s Finest Voices (Del Rey/Ballantine) umfasst mehr als 400 Seiten und präsentiert u. a. Autoren wie Maureen F. McHugh, Lavie Tidhar, Barry N. Malzberg, Laird Barron, Jeffrey Ford, Pat Cadigan, Paul J. McAuley und Kim Newman.

Weitere Nominierungen:

Gordon Van Gelder | Sheila Williams | Stanley Schmidt | Jonathan Strahan

Professional Artist

Donato Giancola

2008 erschienen nur acht neue Bücher mit Titelbildern von Giancola, doch die Wähler des Hugo waren überzeugt, dass er der beste Künstler des Jahres sei. Sehr gelungen sind die Titelbilder zu The Golden Rose von Kathleen Bryan, The Stars Down Under von Sandra McDonald und Fortune and Fate von Sharon Shinn. Außerdem sind die Titelbilder zu ASIMOV’S (Juli 2007) und The Year’s Best Science Fiction: Twenty-Fifth Annual Collection (herausgegeben von Gardner Dozois) von ihm.

Weitere Nominierungen:

John Picacio | Bob Eggleton | Shaun Tan | Daniel Dos Santos

Semiprozine

WEIRD TALES (Ann VanderMeer & Stephen H. Segal)

WEIRD TALES war ein legendäres Magazin für phantastische Literatur, das von 1923 bis 1954 mit 279 Ausgaben erschien. Zu den wichtigsten Autoren der damaligen Zeit gehörten H. P. Lovecraft, Robert E. Howard, Clark Ashton Smith, Edmond Hamilton, Jack Williamson und Henry Kuttner. Nach der Einstellung gab es immer wieder Versuche, das Magazin neu aufleben zu lassen. 1973/1974 erschienen vier Ausgaben, herausgegeben von Sam Moskowitz. Von 1980 bis 1983 erschienen vier Ausgaben im Paperbackformat, die von Lin Carter herausgegeben wurden, und 1984/1985 gab es zwei weitere Ausgaben in einem Kleinverlag.

Die aktuelle Version des Magazins startete im Frühjahr 1988 mit der Nummer 290, zunächst unter den Herausgebern George H. Scithers, Darrell Schweitzer und John Gregory Betancourt, die abwechselnd bis 2007 WEIRD TALES betreuten. Der Inhalt bestand nun zum überwiegenden Teil aus Horror- und Fantasyerzählungen sowie wenigen und kurzen Sachtexten. Prominente Autoren dieser Zeit waren unter anderem Gene Wolfe, Tanith Lee, Brian Lumley, Jonathan Carroll, Robert Bloch, John Brunner, F. Paul Wilson und Ian Watson. 1992 gewann das Magazin einen Sonderpreis des World Fantasy Award. Im Herbst 2007 wurde Ann VanderMeer Herausgeberin und änderte das inhaltliche Konzept. Sie veröffentlichte hauptsächlich sehr moderne Texte des »New Weird« von Autoren der neuen Generation wie Barth Anderson, Ian Creasey, Jeffrey Ford, Jay Lake, Holly Phillips und Rachel Swirsky.

Im für den Hugo maßgeblichen Jahr 2008 erschienen fünf Ausgaben mit einem Umfang von 100 bis 132 Seiten, die neben dem überwiegenden Teil an Erzählungen auch Essays, Rezensionen und einige Interviews – zum Beispiel mit James Morrow, China Miéville, Mike Mignola und Neil Gaiman – enthielten. Höhepunkte der Ausgaben waren eine neue ELRIC-Story von Michael Moorcock, der mehrteilige Essay »Lost in Lovecraft: A Guided Tour of the Dark Master’s World« von Kenneth Hite, ein »Steampunk spectacular« sowie die von zahlreichen Autoren gemeinsam verfasste Liste »The 85 Weirdest Storytellers of the Past 85 Years«.

Leider geriet das Magazin 2009 in finanzielle Schwierigkeiten, sodass seither nur noch ein bis zwei Ausgaben pro Jahr erscheinen. 2012 wechselte der Besitzer von WEIRD TALES, derzeitiger Herausgeber ist Marvin Kaye.

Weitere Nominierungen:

THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, Kris Dikeman, David G. Hartwell, & Kevin J. Maroney)
INTERZONE (Andy Cox)
LOCUS (Charles N. Brown, Kirsten Gong-Wong & Liza Groen Trombi)
CLARKESWORLD MAGAZINE (Neil Clarke, Nick Mamatas & Sean Wallace)

Fanzine

ELECTRIC VELOCIPEDE (John Klima)

Das US-amerikanische Amateurmagazin ELECTRIC VELOCIPEDE erscheint seit Herbst 2001 zweimal pro Jahr. Seit Ausgabe 10 (Frühjahr 2006) zahlte der Herausgeber John Klima seinen Autoren ein geringes Honorar, weshalb ELECTRIC VELOCIPEDE eigentlich als Semiprozine hätte nominiert werden müssen.

ELECTRIC VELOCIPEDE enthält außergewöhnliche und oft surreale Texte quer durch die phantastischen Genres und hat durchaus große Namen vorzuweisen, zum Beispiel Neal Barrett jr., Paul Di Filippo, Charles Coleman Finlay, Jay Lake, Hal Duncan und Jeff VanderMeer.

2008 erschienen die Ausgaben 14 (Frühjahr) und 15/16 (Herbst), letztere mit einem Umfang von 164 Seiten.

Seit Winter 2011 (Ausgabe 23) erscheint das Magazin ausschließlich online unter www.electricvelocipede.com.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
THE DRINK TANK (Chris Garcia)
ARGENTUS (Steven H Silver)
CHALLENGER (Guy H. Lillian III)
BANANA WINGS (Claire Brialey & Mark Plummer)

Fan Writer

Cheryl Morgan

Die Britin Cheryl Morgan hatte von 1995 bis 2006 das Fanzine EMERALD CITY herausgegeben und dafür 2004 einen Hugo erhalten. Von 2009 bis 2011 war Morgan Redakteurin für Sachtexte beim Magazin CLARKESWORLD. Ihre Kritiken, Aufsätze und Artikel sind außerdem in LOCUS, THE SFWA BULLETIN, INTERZONE, WOMEN DESTROY SCIENCE FICTION und FOUNDATION erschienen. 2004, 2005, 2006 und 2008 war sie bereits als ›Best Fan Writer‹ nominiert und hat jeweils den zweiten (2004–2006) bzw. dritten Platz (2008) belegt. Cheryl Morgan ist übrigens die erste Transgender-Person, die den Hugo gewonnen hat.

Weitere Nominierungen:

Dave Langford | Chris Garcia | Steven H Silver | John Hertz

Fan Artist

Frank Wu

Frank Wu erhielt bereits den vierten Hugo (siehe 2004, 2006 und 2007), nachdem er im Vorjahr seine Nominierung selbst zurückgezogen hatte. 2008 erschien die Anthologie The Exquisite Corpuscle, die Wu zusammen mit Jay Lake herausgab. Auf seiner Homepage frankwu.com sind Dutzende seiner Bilder zu bewundern. Außerdem half er bei der Gestaltung des Computerspiels Revolution 60, das seine Frau Brianna W. Wu entwickelt hat.

Weitere Nominierungen:

Sue Mason | Brad W. Foster | Taral Wayne | Alan F. Beck

John W. Campbell Award

David Anthony Durham

Der US-Amerikaner David Anthony Durham (*1969) veröffentlichte von 2001 bis 2005 drei historische Romane und wechselte danach zur Fantasy. Der erste Roman der ACACIA-Trilogie, Acacia: The War with the Mein (2007 bei Doubleday; dt. Macht und Verrat) sorgte auf Anhieb für so viel Aufmerksamkeit, dass Durham mit dem Campbell Award ausgezeichnet wurde. Inzwischen sind auch der zweite und dritte Band der Trilogie erschienen: The Other Lands (2009 bei Doubleday; dt. Die fernen Lande) und The Sacred Band (2011 bei Doubleday; dt. Reiche Ernte).

Weitere Nominierungen:

Aliette de Bodard | Tony Pi | Gord Sellar | Felix Gilman

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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