Last Of Us: Part II

© Naughty Dog

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Books & Games: Postapokalyptische Büchertipps für Fans von "The Last of Us Part II"


Computerspielfans haben es herbeigesehnt, nun ist es endlich erschienen: das Endzeit-Game "The Last of Us Part II". Von welchen Büchern und Filmen wurden die Macher inspiriert?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieses Spiel gerade jetzt erscheint – mitten in einer realen Pandemie. "The Last of Us Part II" (Playstation 4, 70 Euro, USK 18) ist der wohl wichtigste Release des ersten Halbjahres 2020 – und ein Spiel, das die Folgen einer weltweiten Seuche in ungewöhnlicher Intensität inszeniert. "The Last of Us Part II" hat dieselbe Ausgangslage wie Teil 1 von 2013: Ein Großteil der Menschheit ist von einem parasitären Pilz in kannibalistische Kreaturen verwandelt worden. Die wenigen noch nicht infizierten Menschen kämpfen verbissen um die zusehends knapper werdenden Ressourcen.

Im ersten Teil ziehen der Schmuggler Joel und die junge Ellie gemeinsam durch die postapokalyptischen USA – die Geschichte eines höchst ungleichen Duos, in dem der seelisch zerrüttete Joel zu neuer Menschlichkeit findet. Das Sequel spielt vier Jahre später und rückt die nunmehr erwachsene Ellie in den Mittelpunkt der Handlung. Viel mehr wollen wir von Teil 2 nicht verraten. Die Mehrzahl der RezensentInnen jedenfalls sieht "The Last of Us Part II" als erzählerischen Triumph, dessen exzessive Gewaltdarstellung allerdings auch abstoßen kann, ja: soll. Als ein Spiel, das eine Zombie-Kulisse wählt, um "die endlosen, zerstörerischen Vergeltungskreisläufe von Menschen oder ganzen Völker zu hinterfragen" (The Guardian). Und darüber nachzudenken, wie man diese Kreisläufe durchbrechen kann.

The Last of Us Part 2 - Official Launch Trailer

Endzeit en masse

Uns interessiert hier vor allem, welche literarischen Vorlagen und Einflüsse die Spieleserie hat. Natürlich ist "The Last of Us" keineswegs das einzige Gaming-Franchise, das gekonnt mit Elementen des postapokalyptischen Horrors jongliert. Auch Serien wie "Half-Life", "Wasteland", "Fallout", "Metro", "Bioshock", "S.T.A.L.K.E.R." und "The Walking Dead" bieten packende Endzeit-Szenarien, die sich aus einer Vielzahl literarischer Quellen bedienen – bei "Metro" ja sogar "offiziell" aus der "Metro"-Trilogie von Dmitri Glukhovsky.

Kaum ein Spiel verdichtet diese Einflüsse aber so geschickt zu einer eigenständigen Erzählung wie "The Last of Us". Die Story des ersten Teils stammt von den damaligen Naughty-Dog-Mitarbeitern Bruce Straley (Game Director) und Neil Druckmann (Creative Director). In einem Interview mit Venturebeat sprachen Straley und Druckmann 2013 über die literarischen und filmischen Einflüsse, die sie im Spiel verarbeitet haben. Druckmann erwähnt, den historischen Roman "Stadt der Diebe" von David Benioff ("Game of Thrones") gelesen zu haben. "Stadt der Diebe" schildert die Geschichte zweier ungleicher junger Männer, die während des Zweiten Weltkriegs im eingekesselten Leningrad ums Überleben kämpfen. Als Plünderer zum Tode verurteilt, dürfen sie nur auf Begnadigung hoffen, wenn sie – binnen einer Woche – ein Dutzend Eier für einem russischen Militärkommandanten besorgen. "Obwohl sie Kannibalen und anderen schrecklichen Menschen begegnen, ist die Geschichte immer noch humorvoll", sagt Druckmann. "Diese beiden Charaktere, die einander eigentlich hassen, gehen eine echte Bindung ein. Das war sehr gut gemacht."

Stadt der Diebe
Die Straße
Am Ende aller Zeiten

McCarthys Fußabdrücke

Als weitere Inspirationsquelle nennt Bruce Straley "Die Straße" von Cormac McCarthy. Das ist keine Überraschung, wenn man sich die Parallelen zu "The Last of Us" anschaut: Hier wie dort kämpfen sich ein Mann und ein Kind durch ein zerstörtes Amerika, von einer Gefahr in die nächste taumelnd. McCarthys Werk, das ja auch großartig verfilmt wurde, behandelt ganz ähnliche Themen wie "The Last of Us": die dünne zivilisatorische Schicht, unter der Barbarei lauert. Der beständige Kampf gegen den Verlust der eigenen Menschlichkeit. Und vor allem: Liebe und Fürsorglichkeit als permanenter Quell von Hoffnung – auch wenn die äußeren Bedingungen hoffnungslos erscheinen. McCarthy hat übrigens noch weitere Spuren in "The Last of Us" hinterlassen: Druckmann und Straley nennen die Verfilmung von "No Country for Old Men" als Musterbeispiel dafür, wie sich Spannung durch Auslassung bestimmter Details erzeugen lässt. "Darin gibt es fast keine Musik – und auch so gut wie keine Kämpfe", sagt Druckmann. "Wenn die zwei Hauptfiguren einander gegenübertreten, herrscht enorme Spannung."

"Wie weit würdest du gehen für die, die du liebst?" Diese Frage taucht in postapocalyptic fiction immer wieder auf. Auch Adrian J Walker hat sie in seinem Roman "Am Ende aller Zeiten" gestellt, der 2016 bei FISCHER Tor erschien. Das Setting ist hier keine Pandemie, sondern eine Reihe von Asteroideneinschlägen auf den Britischen Inseln. Der Protagonist – Angestellter, Familienvater, Eigenheimbesitzer – wird durch die Apokalypse aus einem Stadium tiefer Unzufriedenheit gerissen, bevor er im Kampf um seine Familie über sich hinauswächst. Als eine seiner Inspirationsquellen nennt Walker "The Last of Us" – allerdings bezieht er sich auf einen Roman von Rob Ewing, nicht auf das Computerspiel. Wobei auch Ewing wieder die grundlegenden Endzeitthemen verhandelt, wenn er fünf Kinder auf einer entlegenen schottischen Insel ums Überleben kämpfen lässt – nachdem alle Erwachsenen von einer Seuche dahingerafft wurden.

Last Of Us: Part II

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Wandernder Pilz-Topos

In "The Last of Us" befällt ein mutierter Pilz die Gehirne der Menschen – und verwandelt sie in kannibalistische Monstern. Die Idee stammt aus einer Planet-Earth-Folge mit David Attenborough: Sie zeigt, wie sich verschiedene Varianten der Pilzgattung Cordyceps als Parasiten in Insektenarten einnisten – und sie schließlich dazu bringen, die Pilzsporen über den Dschungel zu verteilen. Diese "Horrorzutat" wurde zunächst in einer Folge der britischen Science-Fiction-Serie "Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster" verarbeitet. Als ein Naughty-Dog-Mitarbeiter die Serienfolge sah, hatte er die Idee für die Pilz-Zombies. In "The Last of Us" gibt es drei Arten von Infizierten, deren Fähigkeiten sich nach dem Inkubationsgrad richten: Runner, Stalker und Clicker. Dass die Cordyceps-Idee aber noch in einem anderen Werk sehr effektvoll verarbeitet wurde, ist längst nicht allen TLoU-Fans bekannt. In seinem Roman "Die Berufene" schildert der britische Autor M. R. Carey ebenfalls eine Pilzparasiten-Pandemie. Mit dem Unterschied, dass die Hauptfigur Melanie selbst infiziert ist: Wissenschaftler haben das Mädchen seinen Zombie-Eltern entrissen und in eine Militärbasis gebracht, wo Kinder als Forschungsobjekte im Kampf gegen die Seuche dienen – und notfalls auch kaltblütig für die Forschung geopfert werden. Melanie selbst hat nicht nur kannibalische Instinkte, sondern auch einen scharfen Verstand und große Empathie. Neben diesem originellen Setting ist es vor allem die Erzählkraft des Autors, die das Buch zu einem Muss für Fans postapokalyptischer Literatur macht.

Cordyceps: attack of the killer fungi - Planet Earth Attenborough BBC wildlife

Es lassen sich noch viele weitere Bücher nennen, die "The Last of Us" mittel- oder unmittelbar beeinflusst haben. Explizit genannt hat Neil Druckmann "Der Übergang" von Justin Cronin und "Leben ohne Ende" von George R. Stewart. Aber natürlich dürften auch Richard Mathesons "Ich bin Legende" und Max Brooks' "Operation Zombie" ihre Spuren in dem Spiel hinterlassen haben. Übrigens haben Neil Druckmann und die Zeichnerin Faith Erin Hicks auch einen Comic herausgebracht: "The Last of Us: American Dreams" erschien im selben Jahr wie der erste Teil des Spiels und erzählt als Prequel Ellies Vorgeschichte.

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