Interview mit Kira Jane Buxton

© SusuMa/Pixabay

INTERVIEW

Die Komplexität einer Krähe: Interview mit Kira Jane Buxton


Mit ihrem Debütroman „Hollow Kingdom“ hat Kira Jane Buxton eine Liebeserklärung an die Natur geschrieben – in Form einer Zombie-Apokalypse. Im Interview spricht die Autorin über unseren Umgang mit der Natur, Krähtagonisten und narzisstische Katzen.

 

TOR ONLINE: Hallo, Kira! Könntest du einmal kurz beschreiben, wer Kira Jane Buxton ist? Was müssen wir vor allem über dich wissen?

Kira Jane Buxton: Hi! Ich bin eine Autorin und Humoristin aus Seattle. Ich denke, man muss vor allem über mich wissen, dass ich eine leidenschaftliche Naturliebhaberin bin und mich für den Naturschutz einsetze.

Wenn du „Hollow Kingdom“ in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde er lauten?

„Hollow Kingdom“ ist eine humorvolle und tief empfundene Liebeserklärung an die Natur, erzählt von einer schnippischen Amerikanerkrähe.

Bei der Lektüre deines Buches fühlt man sich an Stephen Kings „Puls“, an „Pets“ oder auch an „The Walking Dead“ erinnert. Was hat dich zu diesem Roman inspiriert? Wie hat sich die Idee zu diesem Buch entwickelt?

Krähen haben mich schon immer fasziniert, und nachdem ich nach Seattle gezogen war (auch liebevoll Welthauptstadt der Krähenvögel genannt), kam es wiederholt zu Begegnungen mit ihnen. Das Ende vom Lied war, dass ich mich mit zwei wilden Krähen anfreundete, mit denen ich bis heute täglich Zeit verbringe. Sie sind ein Pärchen, und das Weibchen hat mich zu vielen Kapriolen meines Krähtagonisten inspiriert. Ich hatte jahrelang vor, über Krähen zu schreiben, wusste aber nicht, wie ich das anfangen sollte. Es sind hochintelligente Vögel, die mich ständig von neuem faszinieren. Eines Tages, ich war mit dem Auto unterwegs, dachte ich: „Was, wenn eine Krähe unsere Geschichte erzählen würde, die Geschichte der Menschheit? Und was, wenn eine Krähe die Geschichte unserer Auslöschung erzählen würde?“ Ich raste sofort nach Hause und trat die sehr vergnügliche Reise in die Welt von „Hollow Kingdom“ an.

Die Frage mag auf der Hand liegen, aber: Könntest du schildern, wie deine persönliche Beziehung zu Tieren aussieht und welche Ursachen sie hat?

Meinen ersten Job (ich war damals zwölf, es war also kein echter Job) hatte ich in einem Zoo in Indonesien. Ich lief dort viel herum und freundete mich mit Wärtern an, und so kam es zu vielen hautnahen Begegnungen mit den unglaublichsten Geschöpfen. Ich durfte ein Sumatra-Nashorn aus der Hand füttern, die Zunge eines Flusspferds schrubben, eine Kobra halten, und einmal biss mich ein kleiner, weißer Bengal-Tiger in den Po. Die unmittelbare Begegnung mit einem Tier, ob Kobra oder Raubkatze, verändert dein Leben. Wenn man aus nächster Nähe erlebt hat, wie phänomenal diese Tiere sind, dann weckt das Mitgefühl und führt einem vor Augen, welchen Platz man auf dieser Welt einnimmt. Ich hatte ständig die Sehnsucht, mit Tieren zusammen zu sein und mich für sie einzusetzen. Man versackt leicht im anthropozentrischen Dasein und vergisst darüber, dass auch wir ein Bestandteil der Natur sind, nicht ihre Herren.

Du hast beschlossen, deine Story von einer Krähe erzählen zu lassen. War das eine Herausforderung für dich und wenn ja, in welcher Hinsicht?

Es hat in erster Linie Spaß gemacht. Ich fand es unglaublich aufregend, buchstäblich aus der Vogelperspektive auf die Welt zu schauen. Die größte Herausforderung war mein Anliegen, die Komplexität einer Krähe überzeugend zu vermitteln. Ich habe zur Flora und Fauna, die im Roman eine Rolle spielt, viel recherchiert, und fand es herrlich, alles über Krähen zu lesen, was ich finden konnte. Ich stand ja auch unter Druck, weil ich meine zwei Krähen-Freunde nicht enttäuschen durfte!

Findest du nicht auch, dass Katzen – ich denke da vor allem an Dschingis Kater in deinem Roman – eine leichte narzisstische Persönlichkeitsstörung haben?

Ich würde sagen, dass sie in ihrem Wesen genauso unterschiedlich sind wie wir, aber es stimmt schon, sie scheinen eine Neigung zum Narzissmus zu haben, und wieso auch nicht? Sie sind umwerfend, und das wissen sie. Dschingis Kater hat eine meiner eigenen Katzen zum Vorbild, nur habe ich ihren Namen geändert, damit sie mir keine Verleumdungsklage anhängt. Sie ist die Herrin im Haus, und ich vergöttere ihren rotzfrechen Charakter. Sie erlaubt mir nicht mal, daheim zu singen. Wenn ich es versuche, fällt sie über mich her. Keine Ahnung, was das über meine Stimme aussagt! Das Leben mit einer Katze zu teilen, ist ein großes Privileg.  

Zurzeit stecken wir mitten in einer globalen Pandemie, von der natürlich niemand etwas geahnt hat, als du deinen Roman über eine Epidemie und den Klimawandel geschrieben hast. Wie ist es jetzt für dich, darüber geschrieben zu haben? Hat die Arbeit an dem Buch deine Einstellung zum Leben, zum Menschen und zur Natur verändert?

Ja, ich erhalte viele E-Mails wegen der Parallelen und gewisser Aspekte des Romans, die dies und das vorweggenommen haben. Ich habe über eine Pandemie und den Klimawandel geschrieben, weil diese Dinge so auf den Nägeln brennen. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, über die Erderwärmung zu schreiben, ohne anzuklagen oder zu beschuldigen, wie es ja oft passiert. Viele ansteckende Krankheiten entstammen dem Tierreich und haben sich verbreitet, weil wir die Natur und die Tiere missbrauchen, mit denen wir diese Welt teilen. Meine jetzigen Gefühle sind genauso intensiv wie zu der Zeit, als ich „Hollow Kingdom“ schrieb – jede Entscheidung, die wir treffen, hat Auswirkungen auf die Umwelt und zu guter Letzt auch auf uns. Wir müssen unsere Gesellschaft dahingehend umbauen, dass der Schutz unserer empfindlichen Ökosysteme Vorrang genießt.

Welches Tier im Roman ist dir am liebsten – und wieso?

Heikle Frage! Ich liebe sie alle, und es fällt mir schwer, mich auf ein bestimmtes Tier festzulegen. Ich bin im Nahen Osten und in Asien aufgewachsen, und deshalb finde ich Orang-Utans und Kamele besonders toll (aus diesem Grund sind sie natürlich auch im Buch gelandet). Unter dem Strich sind Krähen wohl meine wichtigsten Musen, und weil ich durch meine Krähen-Freundin zu S. T., der Krähe, inspiriert wurde, muss ich zugeben, dass er mir am liebsten ist. Aber verratet das bitte nicht Dschingis Kater!

Und abschließend die Frage, was du als Nächstes schreiben wirst?

Ich habe eine Fortsetzung von „Hollow Kingdom“ geschrieben, die ich unglaublich gern mit der Welt teilen würde. Ich möchte weiter Genres verschmelzen und auf allegorische Art und mit Humor Schlaglichter auf wichtige Themen werfen, und wenn ich Glück habe, bleibt mir die Muse gewogen!

Vielen Dank!

 

Aus dem Englischen übersetzt von Henning Ahrens

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