Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2007: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2007?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2007 auf der Nippon 2007 in Yokohama statt.

Toastmaster: George Takei & Nozomi Ohmori

Novel

Vernor Vinge: Rainbows End

(2006 bei Tor; dt. Das Ende des Regenbogens, Cross Cult)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Im Gegensatz zu den früheren mit dem Hugo ausgezeichneten Romanen Vinges spielt Rainbows End in der nahen Zukunft, nämlich im Jahr 2025 in San Diego, Kalifornien, und zwar in derselben Welt wie die bereits 2002 mit dem Hugo ausgezeichnete Novella »Fast Times at Fairmont High«. Hauptfigur ist der fünfundsiebzigjährige ehemalige Literaturprofessor und Poet Robert Gu, der dank modernster Medizin nicht nur von Alzheimer geheilt, sondern obendrein auch noch deutlich verjüngt werden konnte. Allerdings muss er sich erst wieder langsam an die moderne Welt gewöhnen, zumal er den neuen technischen Möglichkeiten sehr misstrauisch und desinteressiert gegenübersteht. Es stellt sich schnell heraus, dass er zwar ein weltberühmter Dichter war, jedoch keinesfalls ein freundlicher Mensch, und auch jetzt macht er sich durch seine Unbeherrschtheit viele Feinde, sogar in der eigenen Familie. Unglücklicherweise stehen ihm kaum finanzielle Mittel zur Verfügung, weshalb er sein Leben quasi von vorn beginnen muss. Gemeinsam mit anderen geheilten Alten und einigen Jugendlichen besucht er die Schule von Fairmont High, um Anschluss an die sich rasant entwickelnde Technologie zu finden.

Parallel zu dieser Handlung versuchen drei Agenten unterschiedlicher Geheimdienste in ein Forschungszentrum in San Diego einzubrechen. Sie vermuten, dass dort eine Technologie entwickelt wird, mit der man Menschen massiv beeinflussen kann. Eine vierte Partei wird durch einen Avatar in Form eines niedlichen Kaninchens repräsentiert, ohne dass die Agenten wissen, wer tatsächlich dahintersteckt. Schließlich werden auch Robert Gu, einige seiner Bekannten und Kommilitonen sowie seine Familie in den Angriff verwickelt, wobei sogar ihr Leben in Gefahr gerät.

Vinge würzt seinen Roman mit der Darstellung allerlei moderner Technologien. So spielt die ›Augmented Reality‹ eine maßgebliche Rolle. Viele Menschen reichern ihre Umgebung mithilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Technik mit virtuellen Szenarios an. Smarte Kleidung unterstützt dabei die Steuerung, hoch entwickelte Kontaktlinsen können die Realität mit Computergrafiken überlagern, und selbst haptische Feedbacks sind möglich. Dadurch entstehen vollkommen neuartige Computerspiele, zu denen die Menschen über das Cheapnet kostenfreien Zutritt erhalten. Die Art der Kommunikation hat sich ebenfalls grundlegend gewandelt, und die User können zwischen unterschiedlichen, ihrem Geschmack entsprechenden virtuellen Welten wählen, die zum Teil auf fiktiven Entwürfen von Künstlern wie H. P. Lovecraft, Terry Pratchett, M. C. Escher oder auch »SpielbergRowling« basieren.

Trotz zahlreicher weiterer Gimmicks und Ideen wirkt die Geschichte insgesamt an den Haaren herbeigezogen. Der Roman ist vermutlich der schwächste Hugo-Gewinner des Jahrzehnts, was Vernor Vinges Unvermögen geschuldet ist, interessante Figuren und eine überzeugende Handlung zu ersinnen.

Allerdings hat Vernor Vinge für seinen Roman neben dem Hugo auch den Locus Award gewonnen und war für den John W. Campbell Memorial Award nominiert. Bedauerlicherweise muss man die deutsche Übersetzung als missglückt bezeichnen, was sich bei Weitem nicht nur im verfehlten deutschen Buchtitel widerspiegelt.

Weitere Nominierungen:

Charles Stross: Glasshouse

(2006 bei Ace; dt. Glashaus, H 52360)

Naomi Novik: His Majesty’s Dragon

(2006 bei Voyager und Del Rey; dt. Drachenbrut, Bertelsmann cbt Fantasy 30410)

Michael Flynn: Eifelheim

(2006 bei Tor; nicht auf Deutsch)

Peter Watts: Blindsight

(2006 bei Tor; dt. Blindflug, H 52364)

Novella

Robert Reed: »A Billion Eves«

(Oktober/November 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Thema dieser langen Erzählung ist die Existenz von Paralleluniversen, die immer wieder zufällig entstehen und Kopien der Ursprungsuniversen darstellen. Es gibt eine Maschine, die Ripper genannt wird und die in der Lage ist, Personen oder Gegenstände von einer der parallelen Erden zur anderen zu transportieren. Allerdings weichen die Lebensbedingungen der unterschiedlichen Erden zum Teil erheblich voneinander ab: Einige sind unbewohnbar, andere haben aufgrund einer anderen evolutionären Entwicklung lebensfeindliche Umweltbedingungen, wieder andere haben durch eine verschobene Position in der Milchstraße sogar abweichende kosmische Voraussetzungen.

Ripper kann zufällig ein Paralleluniversum lokalisieren, die Lebensbedingungen auf der dortigen Erde analysieren und so frühzeitig feststellen, ob die jeweilige Erde bewohnbar ist oder nicht. Sollte sie unbewohnbar sein, so wählt er das nächste Universum aus. Das Problem dabei ist allerdings, dass er nicht zurückkehren kann, was wiederum bedeutet, dass kein Reisender seine Heimat je wiedersieht.

Ein Mann namens Owen benutzt einen Ripper, um aus unterschiedlichen Welten Frauen zu entführen und sich einen persönlichen Harem aufzubauen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht jedoch die anfangs elfjährige Kala, deren Leben über zwei Jahrzehnte verfolgt wird.

Der Autor thematisiert in seiner Erzählung nicht nur die Idee der Parallelwelten, sondern auch Geschlechterrollen, ökologische Themen und Religion. Vielleicht ist der Text kein Meilenstein in der Geschichte der Science Fiction, lesenswert ist er aber allemal.

Der US-Amerikaner Robert Reed (*1956) ist hierzulande weitgehend unbekannt. Zwar ist ein Dutzend seiner rund 250 Erzählungen in unterschiedlichen Anthologien auf Deutsch erschienen, jedoch keiner seiner Romane. Er studierte Biologie in Nebraska und ist seit 1987 hauptberuflich Schriftsteller. Neben den zahlreichen Erzählungen verfasste er auch ein Dutzend Romane. Seit 1991 war Reed achtmal für den Hugo nominiert.

Weitere Nominierungen:

Michael Swanwick: »Lord Weary’s Empire«

(Dezember 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Robert Charles Wilson: Julian: A Christmas Story

(2006 bei PS Publishing; nicht auf Deutsch)

Paul Melko: »The Walls of the Universe«

(April/Mai 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

William Shunn: »Inclination«

(April/Mai 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Novelette

Ian McDonald: »The Djinn’s Wife«

(Juli 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Die Erzählung spielt im selben Umfeld wie der Roman River of Gods (2004 bei Simon & Schuster UK; dt. Cyberabad) und die Erzählung »The Little Goddess« (Juni 2005 in ASIMOV’S; dt. »Die Kindgöttin« in PANDORA 2).

In einem Delhi der Zukunft teilen die Menschen die Stadt mit den Djinn, künstlichen Intelligenzen auf Nanobot-Basis, die oftmals menschliche Gestalt annehmen, Namen tragen und bestimmten Tätigkeiten nachgehen. Hauptfigur der Geschichte ist Esha, eine traditionelle Tänzerin, die einen der Djinns namens A. J. kennenlernt und schließlich sogar heiratet. Doch schon bald kommen auf die junge Frau große Probleme zu, denn mit einem Djinn zusammenzuleben ist nicht einfach, bis sie sich sogar gegen ihn wendet und ein Komplott schmiedet …

Es ist ganz offensichtlich, dass es dem Autor gar nicht vordringlich um die Sorgen und Probleme seiner Hauptfigur ging, sondern vielmehr um die detaillierte Schilderung einer exotischen Zukunftswelt voller fremdartiger Wörter und Orte, deren Bedeutung dem Leser oftmals verborgen bleiben. Diese Fremdartigkeit gilt leider auch für die handelnden Figuren, deren Motivation sich nicht immer nachvollziehen lassen und deren Schicksale daher auch nur von geringem Interesse für den Leser bleiben. Dennoch hat McDonald mit seinem Indien-Zyklus ein sehr eigenständiges Werk geschaffen, in dem er eindrucksvoll zeigt, dass die interessanteren Entwicklungen in der Zukunft nicht unbedingt in den USA stattfinden. Neben dem Roman River of Gods gehören sieben weitere Erzählungen zu dem Zyklus, die in Cyberabad Days (2009 bei Pyr/Prometheus) gesammelt wurden.

Der britische Autor Ian McDonald (*1960) debütierte 1983 und hat seither knapp 20 Romane und rund 80 Erzählungen veröffentlicht, in denen er sich oft politischer und ökologischer Themen annimmt. Trotz zahlreicher Ehrungen und insgesamt sieben Hugo-Nominierungen ist »The Djinn’s Wife« bisher sein einziger Hugo-Gewinner.

Weitere Nominierungen:

Geoff Ryman: »Pol Pot’s Beautiful Daughter«

(Oktober 2006 in F&SF; dt. »Pol Pots wunderschöne Tochter« in Ryman: Pol Pots wunderschöne Tochter, Golkonda)

Michael F. Flynn: »Dawn, and Sunset, and the Colours of the Earth«

(Oktober/November 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »All the Things You Are«

(2006 in Flint [Hrsg.]: Jim Baens Universe; nicht auf Deutsch)

Paolo Bacigalupi: »Yellow Card Man«

(Dezember 2006 in ASIMOV’S; dt. »Yellow Cards« in Bacigalupi: Der Spieler, Golkonda)

Short Story

Tim Pratt: »Impossible Dreams«

(Juli 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Pete ist ein großer Filmfan, der sehr sparsam lebt und alles Geld in seine Leidenschaft investiert. Daher ist er umso überraschter, als er auf dem Heimweg eine Videothek entdeckt, die er noch nie zuvor gesehen hat, »Impossible Dreams Video«. Neugierig betritt er den Laden und betrachtet das Klassiker-Regal, denn er ist der Meinung, dass man die Kompetenz einer Videothek nach der Qualität ihrer Klassikerauswahl beurteilen kann. Und dort glaubt er seinen Augen nicht zu trauen, als er den eigentlich verschollenen Director’s Cut von Orson Welles’ The Magnificent Ambersons entdeckt. Auch Harlan Ellisons Adaption von Isaac Asimovs I, Robot, Tim Burtons The Death of Superman mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, Total Recall von David Cronenberg sowie einige andere eigentlich nicht existierende Filme sind zu finden. Pete ist ganz aufgeregt und will so viele DVDs wie möglich ausleihen, doch die Angestellte akzeptiert seine VISA-Karte nicht und hat noch nie etwas von VISA gehört. Sein Bargeld bezeichnet sie als Fälschung, da es die ihrer Meinung nach falschen Abbildungen zeigt. Pete ist überzeugt, dass er durch die Tür des Ladens eine Parallelwelt betreten hat. Es stellt sich heraus, dass der Laden kurze Zeit später auch wieder verschwunden ist, nur in der Zeit zwischen 21 und 22 Uhr taucht er wieder auf. Als Pete schließlich doch Filme ausleihen kann, ist es nicht möglich, sie daheim abzuspielen, da die Daten auf den DVDs anders codiert sind als in seiner Realität. Noch nicht einmal der ausgeliehene DVD-Player funktioniert. Pete freundet sich mit der Videothekenangestellten namens Ally an, die ein ebenso großer Filmfan ist wie er. Er kann sie überzeugen, dass er aus einer anderen Welt stammt. Am Ende verlieben sich die beiden ineinander, und Ally wechselt in Petes Welt über, um mit ihm zusammenzuleben – ein hollywoodreifes Happy End.

Im Laufe der Geschichte werden noch viele weitere Filme erwähnt, die es sich anzuschauen lohnen würde, wenn es sie denn gäbe, zum Beispiel Jason and the Argonauts von Orson Welles oder Return of the Jedi von David Lynch.

2011 gab es tatsächlich eine israelische Verfilmung dieser Kurzgeschichte in hebräischer Sprache als Kurzfilm, der auf dem Jerusalem Film Festival gezeigt wurde.

Der US-amerikanische Autor und Dichter Tim Pratt (*1976) studierte englische Sprache und Literatur und schreibt nicht ausschließlich Science Fiction. Er ist seit 2001 einer der Herausgeber des Magazins LOCUS. Seit Ende der 1990er-Jahre hat er rund zwanzig Romane, vier Erzählungsbände, weit über hundert Erzählungen und zahllose Gedichte veröffentlicht. Seine Erzählungssammlung Hart & Boot & Other Stories (2007 bei Night Shade Books) wurde für den World Fantasy Award nominiert.

Weitere Nominierungen:

Neil Gaiman: »How to Talk to Girls at Parties«

(2006 in Gaiman: Fragile Things, William Morrow; dt. »Wie man auf Partys Mädchen anspricht« in Gaiman: Zerbrechliche Dinge, Klett-Cotta)

Robert Reed: »Eight Episodes«

(Juni 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Bruce McAllister: »Kin«

(Februar 2006 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Benjamin Rosenbaum: »The House Beyond Your Sky«

(September 2006 in STRANGE HORIZONS; nicht auf Deutsch)

Related Book

Julie Phillips: James Tiptree, Jr. – The Double Life of Alice B Sheldon

(2006 bei St. Martin’s Press; dt. James Tiptree jr. – Das Doppelleben der Alice B. Sheldon, Septime)

Julie Phillips erzählte 2014 bei ihrem Besuch in Deutschland, dass ihr ein unglaublicher Glücksfall widerfahren ist: Als sie mit ihren Recherchen für die Tiptree-Biografie begann, erhielt sie mehrere Umzugskartons mit unsortierten handschriftlichen Notizen, Briefen und anderen Dokumenten von Alice Sheldon. Ihre Hauptaufgabe als Biografin bestand also weniger in der Informationsbeschaffung als vielmehr im Ordnen, Sortieren und Strukturieren der vorhandenen Informationen. Herausgekommen ist dabei eine der besten Autorenbiografien, die jemals über einen SF-Autor verfasst wurden und die sich weit spannender liest als ein Roman. Die US-Amerikanerin Alice B. Sheldon (1915–1987) war die Tochter der Reiseschriftstellerin Mary Hastings Bradley und des Afrika- und Naturforschers Herbert Bradley. Als Kind begleitete sie ihre Eltern auf Reisen nach Afrika, Indien und Asien. Bereits mit 19 Jahren heiratete sie, ließ sich bald darauf aber wieder scheiden, war künstlerisch tätig, arbeitete für die Army und für den Geheimdienst American Intelligence, heiratete schließlich Huntington Sheldon und half beim Aufbau der CIA. Mitte der 1950er-Jahre studierte sie Psychologie und war danach als Psychologin tätig. Parallel dazu schrieb sie aber auch SF-Erzählungen und wurde unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree jr. zu einem der bedeutendsten SF-Autoren der 1970er-Jahre. Besonders interessant und aufschlussreich sind die zahlreichen Briefwechsel mit Autorinnen wie Joanna Russ und Ursula K. Le Guin.

Die US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Julie Phillips gewann mit dieser Biografie nicht nur den Hugo, sondern auch den National Book Critics Circle Award und den Washington State Book Award for History/Biography.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick & Joe Siclari (Hrsg.): Worldcon Guest of Honor Speeches

(2006 bei ISFiC Press; nicht auf Deutsch)

Joseph T. Major: Heinlein’s Children: The Juveniles

(2006 bei Advent Publishing; nicht auf Deutsch)

Samuel R. Delany: About Writing: Seven Essays, Four Letters, and Five Interviews

(2006 bei Wesleyan University Press; nicht auf Deutsch)

John Picacio: Cover Story: The Art of John Picacio

(2006 bei MonkeyBrain Books; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation, Long Form

Pan’s Labyrinth

(Picturehouse; spanischer Originaltitel: El laberinto del fauno; Drehbuch und Regie Guillermo del Toro; dt. Pans Labyrinth)

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro (*1964) wurde schon zuvor mit Hollywood-Filmen wie The Devil’s Backbone (2001), Blade II (2002) und Hellboy (2004) bekannt und zeigte dabei bereits eine sehr eigenständige Handschrift. Pan’s Labyrinth ist eine spanisch-mexikanische Co-Produktion, bei der del Toro nicht nur produzierte und Regie führte, sondern für die er auch das Originaldrehbuch geschrieben hat.

Erzählt wird die Geschichte des Mädchens Ofelia, das sich im Jahr 1944 nach dem überstandenen spanischen Bürgerkrieg während des faschistischen Franco-Regimes in eine Traumwelt flüchtet. Das Mädchen findet in einem alten Mauerwerk ein Tor, das sie in ein steinernes Labyrinth führt. Pan taucht auf und offenbart Ofelia, dass sie eine wiedergeborene Prinzessin sei, die ihre wahre Identität vergessen habe. Ofelias Aufgabe besteht nun darin, Prüfungen zu bestehen, um der dahinsiechenden magischen Welt zu neuem Leben zu verhelfen.

Das Lexikon des internationalen Films kommentierte: »Der bildgewaltige phantastische Film bietet in Form einer phantasmagorischen Genre-Melange eine Gegenwelt für den ›Horror Wirklichkeit‹. Der zweite Teil der ›Spanischen Trilogie‹ des Regisseurs ist gewiss kein Kinderfilm, steckt voller filmischer Reverenzen und scheut auch vor Grausamkeiten nicht zurück, um eine bittere Betrachtung der spanischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts zu kreieren.«

Dabei war Pan’s Labyrinth nicht nur ein Höhepunkt des phantastischen Films, sondern des gesamten Kinojahres 2006 und erhielt drei Oscars.

Weitere Nominierungen:

Children of Men

(Universal Pictures; Drehbuch Alfonso Cuaron & Timothy J. Sexton & David Arata & Mark Fergus & Hawk Ostby; Regie Alfonso Cuaron; basiert auf dem gleichnamigen Roman von P. D. James; dt. Children of Men)

The Prestige

(Touchstone Pictures; Drehbuch Jonathan Nolan & Christopher Nolan; Regie Christopher Nolan; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Priest; dt. Prestige – Die Meister der Magie)

V for Vendetta

(Warner Bros.; Drehbuch The Wachowski Brothers; Regie James McTeigue; basiert auf der Graphic Novel von Alan Moore & David Lloyd; dt. V wie Vendetta)

A Scanner Darkly

(Warner Independent Pictures; Drehbuch und Regie Richard Linklater; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick; dt. A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm)

Dramatic Presentation, Short Form

DOCTOR WHO: »Girl in the Fireplace«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Steven Moffat; Regie Euros Lyn; dt. Das Mädchen im Kamin)

Der zweite Hugo für die britische Fernsehserie DOCTOR WHO ging an die vierte Folge der zweiten Staffel. Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen, was mit einem Timelord als Hauptfigur nicht weiter verwunderlich ist. Zunächst reist der Doktor mit seinen Begleitern ins 51. Jahrhundert zu einem havarierten, verlassenen Raumschiff und entdeckt ein Zeitfenster ins Jahr 1727. Dort wiederum lebt das Mädchen Reinette, und als der Doktor durch das Zeitfenster steigt, entdeckt er in Reinettes Zimmer eine maskierte Gestalt, bei der es sich um einen mechanischen Androiden handelt, der nichts Gutes im Schilde führt. Erst viel später wird klar, dass Reinette die spätere Madame de Pompadour ist, eine Mätresse von König Ludwig XV. Die außerirdischen Androiden sind in der Zukunft mit ihrem Raumschiff in einen Ionensturm geraten und haben die biologische Besatzung des Schiffes getötet, um ihre Körper und Organe als Ersatzteile zu benutzen. Nun benötigen sie das Gehirn der 37-jährigen Madame de Pompadour, um den Bordcomputer ihres Schiffes zu ersetzen. Daraus entspinnt sich selbst für die Verhältnisse von DOCTOR WHO eine überaus handlungsreiche und leider nicht in jedem Detail logische Geschichte, die durch Raum und Zeit führt und in der sich Madame de Pompadour in den Doktor verliebt.

Die schönste Dialogpassage ist zweifellos, als Reinette den Doktor fragt: »Wovon träumen Monster, wenn sie Albträume haben?« Der Doktor antwortet: »Von mir.«

Wie beliebt die Serie im Jahr 2006 war, kann man daran ablesen, dass DOCTOR WHO gleich dreimal für den Hugo nominiert war.

Weitere Nominierungen:

DOCTOR WHO: »Army of Ghosts« und »Doomsday«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Russell T. Davies; Regie Graeme Harper; dt. »Die Armee der Geister« und »Weltuntergang«)

BATTLESTAR GALACTICA: »Downloaded«

(NBC Universal/British Sky Broadcasting; Drehbuch Bradley Thompson & David Weddle; Regie Jeff Woolnough; dt. »Download«)

DOCTOR WHO: »School Reunion«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Toby Whithouse; Regie James Hawes; dt. »Klassentreffen«)

STARGATE SG-1: »200«

(Double Secret Productions/NBC Universal; Drehbuch Brad Wright & Robert C. Cooper & Joseph Mallozzi & Paul Mullie & Carl Binder & Martin Gero & Alan McCullough; Regie Martin Wood; dt. »200«)

Editor, Short Form

Gordon Van Gelder

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Gordon Van Gelder (*1966) begann seine professionelle Karriere 1988 als Lektoratsassistent bei St. Martin’s Press, bis er im Januar 1997 Herausgeber von THE MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION wurde, das er von Kristine Kathryn Rusch übernahm und bis 2015 betreute. 2000 kaufte er das Magazin und ist noch immer Inhaber und Verleger.

Nachdem er bereits neunmal für den Hugo nominiert war, gewann er ihn nun zum ersten Mal, obwohl ASIMOV’S, zumindest laut den Nominierungslisten des Hugo, noch immer weiter oben in der Gunst der Fans stand. 2006 brachte F&SF eine zweiteilige Serie von Terry Bisson, Erzählungen von Bruce McAllister, Robert Reed, David Gerrold, Daryl Gregory, Gene Wolfe, Steven Utley, Terry Bisson, Gardner Dozois, Laird Barron, Peter S. Beagle, Paolo Bacigalupi, Susanna Clarke und einigen unbekannten Autoren sowie die für den Hugo nominierte Erzählung »Pol Pot’s Beautiful Daughter« (dt. »Pol Pots wunderschöne Tochter«) von Geoff Ryman.

Weitere Nominierungen:

Sheila Williams | Stanley Schmidt | Gardner Dozois | David G. Hartwell

Professional Artist

Donato Giancola

Den zweiten Hugo in Folge als bester Künstler hatte Giancola seinen aufwendigen Titelbildern zu verdanken. 2006 erschienen sechszehn Bücher mit seinem Artwork, darunter auch eine ganze Reihe Neuausgaben von Klassikern. Besonders zu erwähnen sind Pretender von C. J. Cherryh, Giant Lizards from Another Star von Ken MacLeod, die minimalistischen Cover zur Heinlein-Neuausgabe mit I Will Fear No Evil, Time Enough for Love, Starship Troopers, For Us, The Living und The Door into Summer sowie die Magazincover zu REALMS OF FANTASY (Februar 2006) und ASIMOV’S (September 2006).

Weitere Nominierungen:

Bob Eggleton | John Picacio | Stephan Martiniere | John Jude Palencar

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown, Kirsten Gong-Wong and Liza Groen Trombi)

2006 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 72 bis 88 Seiten. Interviewt wurden Geoff Ryman, S. M. Stirling, Dave Duncan, Neil Gaiman, Terry Pratchett, Robert Jordan, Harry Harrison, Justina Robson, Elizabeth Bear, Scott Westerfeld, Kenneth Oppel, Holly Black, Christopher Priest, Jay Lake, Peter Straub, Joe Hill, Ian McDonald, John C. Wright, James Patrick Kelly, Ken MacLeod, Paul Park, Mary Anne Mohanraj, China Miéville und James Morrow. Neben den aktuellen Convention- und Marktberichten aus den USA gab es Informationen über SF in England, Mexiko, Australien und Brasilien. Umfangreichere Nachrufe würdigten Robert Sheckley, Kenneth Bulmer, Octavia E. Butler, Stanisław Lem, John Morressy, Angus Wells, Jim Baen, David Gemmell, Charles L. Grant, Wilson »Bob« Tucker, Nelson Bond und Jack Williamson. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden von Gary K. Wolfe, Faren Miller, Russell Letson, Damien Broderick, Nick Gevers, Carolyn Cushman, Karen Haber und Tim Pratt verfasst.

Weitere Nominierungen:

INTERZONE (Andy Cox)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
ANSIBLE (Dave Langford)
LADY CHURCHILL’S ROSEBUD WRISTLET (Gavin Grant & Kelly Link)

Fanzine

SCIENCE-FICTION FIVE-YEARLY (Lee Hoffman, Geri Sullivan & Randy Byers)

Das US-amerikanische Fanzine SCIENCE-FICTION FIVE-YEARLY ist eine echte Kuriosität. Von 1951 bis 2006 erschienen zwölf Ausgaben, und zwar, wie es der Titel vermuten lässt, alle fünf Jahre eine. Anfangs war Lee Hoffman (1932–2007) alleiniger Herausgeber, ab 1971 gab es auch »Gastherausgeber«. Das Fanzine war humorvoll und eine typische Fanpublikation. Über mehrere Ausgaben erschienen zum Beispiel Serien von Parodien von Harlan Ellison (unter dem Pseudonym Nalrah Nosille) und Robert Silverberg (unter dem Pseudonym Calvin Aaargh). Weitere Autoren waren Robert Bloch, Arthur C. Clarke, David Langford, Wilson Tucker, Ted White und Walt Willis. Der Herausgeber Lee Hoffman starb im Februar 2007, ein halbes Jahr vor der Hugo-Verleihung.

Weitere Nominierungen:

CHALLENGER (Guy H. Lillian III)
PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)
BANANA WINGS (Claire Brialey & Mark Plummer)
THE DRINK TANK (Chris Garcia)

Fan Writer

Dave Langford

2007 erhielt Dave Langford seinen achtundzwanzigsten Hugo und damit den bislang letzten in der Kategorie ›Best Fan Writer‹. 1979 war er zum ersten Mal nominiert worden, 1985 hatte er den ersten Hugo verliehen bekommen. ANSIBLE erscheint bis heute regelmäßig, ebenso seine Kolumnen und zahlreiche Rezensionen. Außerdem ist Langford Mitarbeiter an mehreren Nachschlagewerken, so vor allem auch an der Encyclopedia of Science Fiction. Seine Arbeit ist aus dem Fandom kaum wegzudenken.

Weitere Nominierungen:

John Scalzi | John Hertz | Steven H Silver | Chris Garcia

Fan Artist

Frank Wu

Nach 2004 und 2006 erhielt Wu bereits den dritten Hugo. Seine Bilder erschienen zunehmend in Internetmagazinen und Online-Fanzines, wie zum Beispiel THE DRINK TANK.

Weitere Nominierungen:

Sue Mason | Brad W. Foster | Teddy Harvia | Steve Stiles

John W. Campbell Award

Naomi Novik

Die 1973 geborene US-Amerikanerin Naomi Novik studierte englische Literatur und erwarb einen Master in Informatik. Seit 1994 war sie im Online-Fandom sehr aktiv, publizierte zahlreiche Texte und Videos und initiierte eine ganze Reihe von Online-Projekten. Ihr Debüt als professionelle Autorin gab sie mit dem Roman His Majesty’s Dragon (2006 bei Voyager und Del Rey; dt. Drachenbrut), dem ersten Band der Serie DIE FEUERREITER SEINER MAJESTÄT, der in über 20 Sprachen übersetzt wurde. Bis 2015 erschienen acht weitere Bände der Serie, die auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Neben dem Campbell Award erhielt sie für His Majesty’s Dragon auch den Locus Award als bestes Erstlingswerk.

Weitere Nominierungen:

Sarah Monette | Scott Lynch | Brandon Sanderson | Lawrence M. Schoen

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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