Spin

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2006: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2006?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2006 auf der L. A.con IV in Anaheim statt.

Toastmaster: Connie Willis

Novel

Robert Charles Wilson: Spin

(2005 bei Tor; dt. Spin, H 52200; enthalten in: Spin – Die Trilogie, H 31719)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Mit seinem möglicherweise besten Roman Spin setzte sich Wilson bei der Hugo-Wahl gegen so namhafte Konkurrenz wie George R. R. Martin und John Scalzi durch.

Eines Nachts im 21. Jahrhundert beobachten der junge Tyler Dupree und seine Freunde, die Zwillinge Diane und Jason Lawton, wie unvermittelt die Sterne vom Himmel verschwinden. Wie sich herausstellt, hat eine unbekannte außerirdische Macht, die später als »die Hypothetischen« bezeichnet wird, eine Membran um die Erde gelegt, die für sämtliche Strahlung von außen, also nicht nur für das Licht der Sterne, sondern auch für das der Sonne, undurchdringlich ist. Dass das Leben auf der Erde nicht sofort erlischt, liegt daran, dass eine Art Ersatz-Sonne erscheint. Als weitere Folge der Membran bricht die auf Satelliten beruhende moderne Telekommunikation zusammen. Zwar findet man für letztere eine neue technologische Lösung, doch sind die Auswirkungen auf die Menschheit enorm. So werden überall mehr oder weniger obskure Sekten und Kulte gegründet, welche die bevorstehende Apokalypse verkünden. Während Jason sein Leben der Erforschung des bald als Spin bezeichneten Phänomens widmet, wird Tyler, aus dessen Sicht das Geschehen geschildert wird, sein Leibarzt. Diane hingegen, mit der Tyler eine eigenartige Liebesbeziehung verbindet, schließt sich einer der neuen Sekten an. Als sich herausstellt, dass die Zeitabläufe innerhalb und außerhalb des Spins unterschiedlich sind, scheinen die religiösen Fanatiker recht zu bekommen. Die Zeit auf der Erde ist, im Vergleich zum restlichen Universum, um den Faktor von mehreren Millionen verlangsamt, sodass die Eruption der Sonne nicht in ferner Zukunft stattfinden wird, sondern noch zu Lebzeiten der Protagonisten. Trotz dieser hoffnungslos erscheinenden Situation nutzt man das Phänomen dazu, den Mars zu terraformen und schließlich auch zu besiedeln. Immerhin lässt die Membran Raumschiffe hindurch, die dann in den wesentlich schnelleren Zeitablauf, der auch für den Mars gilt, »eintauchen«. Der langwierige Prozess der Umgestaltung unseres Nachbarplaneten wird damit aus subjektiver Erd-Sicht buchstäblich millionenfach beschleunigt. Innerhalb von wenigen irdischen Monaten ist der Mars zu einer blühenden Welt geworden, auf dem sich eine ebenfalls technisch hoch entwickelte Zivilisation etabliert hat. Gerade als die Hypothetischen um den Mars eine weitere Membran legen, schaffen die Marsianer es, ein Raumschiff mit einem Botschafter zur Erde zu schicken. Dieser bringt neben allerlei anderen fremdartig erscheinenden Technologien auch den Plan und das Equipment mit, mittels einer Art vernetzter Bakterien die Galaxis zu erforschen. Dies soll dazu dienen, das Geheimnis der Hypothetischen zu entschlüsseln und sie gegebenenfalls zu bekämpfen.

Als die Hypothetischen schließlich die Membran wieder auflösen, scheint das Ende der Welt tatsächlich nahe zu sein, da die Sonne entsprechend gealtert ist und als orangefarbener Gigant den Himmel beherrscht. Doch die Aliens haben der Menschheit ein Geschenk in Form eines Tores zu einer fremden, lebensfreundlichen Welt hinterlassen.

Wilson schafft es, seine atemberaubenden Visionen glaubhaft zu vermitteln, da er konsequent bei der Person seines Protagonisten Tyler Dupree bleibt. Tyler erlebt nicht nur die gigantischen Umwälzungen von kosmischem Format, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Folgen aus der Sicht eines ganz normalen Menschen. Besonders die Beziehung zwischen den Freunden Tyler, Diane und Jason erscheint stets ebenso wichtig wie die Ereignisse um den Spin.

Spin wartet nicht nur mit großartigen Ideen auf, sondern zeichnet sich durch einen glänzenden, unaufgeregten Stil und die hervorragende Charakterisierung seiner Protagonisten aus. Wilson zeigt sich als großer Humanist, der besonders in Bezug auf sinnlos erscheinende Religionen und Machtpolitik sehr kritisch ist. Mit Axis (2007; dt. Axis) und Vortex (2011; dt. Vortex) legte er zwei Fortsetzungen vor.

Spin gewann nicht nur den Hugo, sondern auch den französischen Grand Prix de l’Imaginaire. Zudem wurde er für mehrere andere Genre-Preise nominiert, wie etwa den Campbell Memorial Award und die kanadischen Preise Sunburst Award und Prix Aurora. Außerdem wurde der Roman als bestes ausländisches Werk mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

Weitere Nominierungen:

Charles Stross: Accelerando

(2005 bei Ace; dt. Accelerando, H 52195)

John Scalzi: Old Man’s War

(2005 bei Tor; dt. Krieg der Klone, H 52267)

Ken MacLeod: Learning the World

(2005 bei Tor; nicht auf Deutsch)

George R. R. Martin: A Feast for Crows

(2005 bei Voyager und Bantam Spectra; dt. in zwei Bänden: Zeit der Krähen, BV 24350, BV 26859 und Die dunkle Königin, BV 24416, BV 26860; in einem Band: Krähenfest, FanPro; Hoch hinaus, Panhaligon)

Novella

Connie Willis: »Inside Job«

(Januar 2005 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Connie Willis erhielt für diese lange Erzählung bereits ihren neunten Hugo. Es geht darin um zwei Journalisten, Rob und Kildy, die für ihre Zeitschrift THE JAUNDICED EYE Reportagen über esoterische Scharlatane verfassen und immer auf der Suche nach neuen Betrügern sind, die dem gutgläubigen Publikum das Geld aus der Tasche ziehen. Und so nehmen sie an der Vorstellung eines Mediums namens Ariaura Keller für den überteuerten Eintrittspreis von 750 Dollar pro Person teil. Geld spielt für beide keine allzu große Rolle, denn sie kommen aus wohlhabenden Familien, die ihr Geld in Hollywood verdienen. Während der Vorstellung mimt das Medium Ariaura auf recht klägliche Weise den großen Isus, den Hohepriester von Atlantis, der vor 80.000 Jahren gelebt haben soll und angeblich das hohe Alter von 300 Jahren erreichte. Nach der Vorstellung taucht Ariaura bei Rob und Kildy auf und beschimpft die beiden. Dabei scheint sie plötzlich Kontakt mit einem anderen Toten zu haben, und zwar ausgerechnet mit H. L. Mencken, dem bedeutenden Journalisten, Schriftsteller und Satiriker, der von 1880 bis 1956 lebte. Als Ariaura wieder verschwunden ist, wundern sich die beiden Journalisten über alle Maßen, denn eine solche Manifestation ist mehr als untypisch. Mit dem Kontakt zu einer Person wie Mencken, der zeit seines Lebens ein Spötter und Skeptiker war, lässt sich kaum ein gutgläubiges Publikum beeindrucken – vermutlich kennen die meisten New-Age-Freunde Mencken noch nicht einmal.

In den folgenden Wochen versuchen Rob und Kildy, das Medium des Betrugs zu überführen, wobei Ariaura sogar bereitwillig mitarbeitet und die beiden mehrfach trifft. Die Journalisten recherchieren alle möglichen unbekannten Details aus Menckens Leben, über die Ariaura jeweils Auskunft zu geben weiß. Hat sie nur ausgiebig recherchiert, oder besteht vielleicht doch die Möglichkeit, dass sie mit Menckens Geist Kontakt hat?

Willis nutzt die sehr unterhaltsame Geschichte, um alle möglichen Details über den wohl sehr beeindruckenden Mencken zu erzählen und gleichzeitig die Machenschaften von New-Age-Betrügern zu entlarven.

Willis wurde nicht nur mit dem Hugo ausgezeichnet, sondern auch von zahlreichen Kritikern für diese Geschichte gelobt. Im Mai 2005 erschien eine signierte und auf 500 Exemplare limitierte Sonderausgabe der Erzählung bei Subterranean Press.

Weitere Nominierungen:

Kelly Link: »Magic for Beginners«

(September 2005 in F&SF und 2005 in Link: Magic for Beginners, Small Beer Press; dt. »Magie für Anfänger« in Link: Die Elbenhandtasche, H 52276)

James Patrick Kelly: Burn

(2005 bei Tachyon Publications; dt. in 2 Teilen: »Flammen« in Riffel/Schmidt [Hrsg.]: Pandora 3, Shayol, und Riffel/Schmidt [Hrsg.]: Pandora 4, Shayol)

Ian McDonald: »The Little Goddess«

(Juni 2005 in ASIMOV’S; dt. »Die Kindgöttin« in Riffel [Hrsg.]: Pandora 2, Shayol)

Robert J. Sawyer: »Identity Theft«

(2005 in Resnick [Hrsg.]: Down These Dark Spaceways, SFBC; nicht auf Deutsch)

Novelette

Peter S. Beagle: »Two Hearts«

(Oktober/November 2005 in F&SF; dt. »Zwei Herzen« in Beagle: Das letzte Einhorn und Zwei Herzen, Klett-Cotta)

Peter S. Beagles Fantasy-Roman The Last Unicorn (1968; dt. Das letzte Einhorn) gehört zu den zeitlosen Fantasy-Klassikern, die immer wieder neu aufgelegt werden. Die Erzählung »Two Hearts« ist in gewisser Weise sowohl eine Fortsetzung als auch ein neues Ende des Romans, denn es gibt nicht nur neue Figuren, sondern auch ein Wiedersehen mit den bisher bekannten.

Das neunjährige Mädchen Sooz lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe des Waldes Midwood, in dem sich ein gefährlicher Greif eingenistet hat. Zunächst frisst der Greif nur Tiere, doch eines Tages fängt er auch an, die Kinder des Dorfes zu holen und zu verschlingen. Der König entsendet einen Ritter, um den Greif zu töten, doch der Ritter kehrt nicht aus Midwood zurück. Beim zweiten Mal schickt der König fünf Ritter und beim dritten Mal ein ganzes Geschwader, doch ohne Erfolg. Als der Greif schließlich auch Felicitas, die beste Freundin von Sooz holt, macht sich die kleine Sooz auf den Weg zum König. Unterwegs trifft sie auf den Zauberer Schmendrick und seine Begleiterin Molly Grue, die wir bereits aus The Last Unicorn kennen. Die beiden bringen Sooz zum Königshof, doch der König Lír ist inzwischen schon alt und etwas verwirrt. Trotzdem beschließt er sofort, Sooz zu begleiten, um den Greif persönlich zu bezwingen. Während der Reise und im Dorf verbirgt der König jedoch seine Identität und zieht schließlich in den Kampf gegen das Ungeheuer. Es kommt zu einer dramatischen Auseinandersetzung, bei der sogar das Einhorn Amalthea auftaucht und die entscheidende Wende herbeiführt.

Der Titel der Geschichte bezieht sich darauf, dass ein Greif zur Hälfte Löwe und zur Hälfte Adler ist und daher zwei Herzen hat, die durchbohrt werden müssen, um das Ungeheuer zu töten.

Peter S. Beagle (*1939) debütierte bereits Ende der 1950er-Jahre mit einigen Erzählungen. Sein erster Roman hieß A Fine and Private Place (1960; dt. He! Rebeck!), dem bis heute drei Dutzend Bücher folgten, darunter auch Reportagen, Sachbücher, Reiseerlebnisse und biografische Werke. Ins Deutsche wurden vor allem seine Fantasy-Romane übersetzt, wie zum Beispiel The Last Unicorn (1968; dt. Das letzte Einhorn), The Folk of the Air (1975; dt. Das Volk der Lüfte), The Innkeeper’s Song (1993; dt. Es kamen drei Damen im Abendrot) oder The Unicorn Sonata (1996; dt. Die Sonate des Einhorns).

Weitere Nominierungen:

Cory Doctorow: »I, Robot«

(15. Februar 2005 in THE INFINITE MATRIX; nicht auf Deutsch)

Howard Waldrop: »The King of Where-I-Go«

(7. Dezember 2005 in SCI FICTION; nicht auf Deutsch)

Paolo Bacigalupi: »The Calorie Man«

(Oktober/November 2005 in F&SF; dt. »Der Kalorienmann« in Bacigalupi: Der Spieler, Golkonda)

Michael A. Burstein: »TelePresence«

(Juli/August 2005 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Short Story

David D. Levine: »Tk’tk’tk«

(März 2005 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Walker ist so etwas wie ein Handelsvertreter auf einem Alienplaneten und versucht Software an die dort ansässige Spezies zu verkaufen. Leider ist er dabei nicht sehr erfolgreich und daher inzwischen pleite. Die großen Insektenwesen versuchen ihrerseits, alles Mögliche an Walker zu verkaufen, das er sich aber gar nicht leisten kann. Ihm bleibt nichs weiter übrig, als nach und nach seine eigene Ausrüstung zu versetzen, und als sich Fthshpk, ein religiöser Feiertag, nähert, steigen die Hotelpreise, sodass Walker am Ende sogar seine Computersysteme verkaufen will. Doch daran sind die Insektenwesen gar nicht interessiert. Am Ende der Geschichte findet Walker ein außergewöhnliches, spirituelles Restaurant, das sein Leben verändert.

Der US-amerikanische Autor David D. Levine (*1961) ist seit vielen Jahren im Fandom aktiv und gab zusammen mit seiner Frau das Fanzine BENTO heraus. Sein Debüt in einer professionellen Publikation erschien 2001. Seither hat er rund 60 Erzählungen veröffentlicht, von denen 15 in dem Band Space Magic (2008 bei Wheatland Press) gesammelt wurden. Er war als Autor auch an George R. R. Martins Serie Wild Cards beteiligt. Erst 2016 erschien sein erster Roman, Arabella of Mars (Tor), der den Andre Norton Award 2017 gewann.

Weitere Nominierungen:

Dominic Green: »The Clockwork Atom Bomb«

(Mai/Juni 2005 in INTERZONE #198; nicht auf Deutsch)

Margo Lanagan: »Singing My Sister Down«

(2005 in Lanagan: Black Juice, Allen & Unwin; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »Down Memory Lane«

(April/Mai 2005 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Michael A. Burstein: »Seventy-Five Years«

(Januar/Februar 2005 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Related Book

Kate Wilhelm: Storyteller: Writing Lessons and More from 27 Years of the Clarion Writers’ Workshop

(2005 bei Small Beer Press; nicht auf Deutsch)

Bei diesem Buch handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um ein Sachbuch, eine Biografie oder eine Anleitung für zukünftige Schriftsteller, sondern vielmehr um eine ausführliche Plauderei über einige wichtige Momente in der Geschichte der US-amerikanischen Science Fiction, an denen Kate Wilhelm und ihr Ehemann Damon Knight maßgeblich beteiligt waren. Bereits Mitte der 1950er-Jahre hatte Knight den Milford Writer’s Workshop gegründet, dessen Name auf die Stadt Milford zurückgeht, in der die Autoren Damon Knight, Kate Wilhelm und James Blish damals lebten. Teilnehmen durften an diesem Workshop nur Autoren, die bereits mindestens eine professionelle Veröffentlichung vorzuweisen hatten, und während der Konferenz wurden gemeinsam Texte der Teilnehmer analysiert und diskutiert. Aus diesem Workshop entstand 1968 am Clarion State College in Pennsylvania der jeweils sechswöchige Clarion Workshop für Nachwuchsautoren, zu dessen ersten Dozenten ebenfalls Damon Knight und Kate Wilhelm gehörten.

In ihrem Buch lässt Kate Wilhelm den Leser an Erinnerungen und Anekdoten teilhaben, erzählt von Zusammentreffen mit anderen Schriftstellern und Schülern und gibt den einen oder anderen Tipp, worauf man beim Schreiben von SF-Storys achten sollte. Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin war die US-Amerikanerin Kate Wilhelm (1928–2018) Autorin von knapp vierzig Romanen, einem Dutzend Erzählungsbänden und unzähligen Kurzgeschichten, von denen rund die Hälfte auch auf Deutsch erschienen sind. Für ihren Roman Where Late the Sweet Birds Sang (1976 bei Harper & Row; dt. Hier sangen früher Vögel) erhielt sie 1977 den Hugo.

Weitere Nominierungen:

Mike Ashley: Transformations: The Story of the Science-Fiction Magazines from 1950 to 1970

(2005 bei Liverpool; nicht auf Deutsch)

David Langford: SEX Column and Other Misprints

(2005 bei Cosmos; nicht auf Deutsch)

Gary K. Wolfe: Soundings: Reviews 1992–1996

(2005 bei Beccon; nicht auf Deutsch)

Gary Westfahl: Science Fiction Quotations

(2005 bei Yale; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation: Long Form

Serenity

(Universal Pictures/Mutant Enemy, Inc.; Drehbuch und Regie Joss Whedon; dt. Serenity – Flucht in neue Welten)

Joss Whedons Fernsehserie FIREFLY (dt. FIREFLY – DER AUFBRUCH DER SERENITY), deren Pilotfolge auch für den Hugo nominiert war, erreichte leider nicht ausreichend viele Fernsehzuschauer und wurde bereits nach 11 Folgen abgesetzt. Kurz darauf erschien allerdings die DVD-Box mit allen 14 bereits fertigen Folgen und verkaufte sich binnen kurzer Zeit so gut, dass Whedon die Universal Studios überzeugen konnte, einen Kinofilm zu produzieren, der zwar die Handlung der Serie zu Ende führt, jedoch auch ohne Kenntnis der Serie verstanden werden kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen das Raumschiff Serenity und seine Besatzung, die sich mit teils legalen, teils illegalen Transportaufträgen und gelegentlichen Diebstählen den Lebensunterhalt verdient. Captain Malcolm Reynolds kämpfte früher zusammen mit einem weiteren Besatzungsmitglied im verlorenen Unabhängigkeitskrieg gegen die Allianz, die die besiedelten Welten beherrscht. Daher muss sich Reynolds immer wieder dem Zugriff der Allianz entziehen. Als er die aus einem parapsychologischen Labor der Allianz geflohene siebzehnjährige River Tam und ihren Bruder an Bord nimmt, beginnt eine gefährliche Verfolgung durch einen Agenten der Allianz. Die verstörte River ist im Besitz von Informationen, die zum Planeten Miranda führen, wo die Besatzung der Serenity auf ein Geheimnis trifft, das die ganze Allianz erschüttern kann.

Die Besonderheit der Fernsehserie und auch des Spielfilms ist nicht nur die Kombination von Science-Fiction- und Westernmotiven, sondern auch die Frische und Unbeschwertheit der Erzählweise. Eher ungewöhnlich für ein Weltraumepos sind dabei die intelligenten Dialoge und die ambivalenten Figuren. Dietmar Dath schrieb in der FAZ über den Film: »Serenity ist […] zugleich ein neuer Fixstern des Genrekinos wie ein seltenes Glühwürmchen fürs Lehrbuch der futuristischen Insektenkunde: flink, warm, funkenschlagend, tänzerisch, lustig, politisch klug.«

Übrigens gab es schon weit früher Serien, die Western mit SF kombinierten, zum Beispiel das Kinoserial THE PHANTOM EMPIRE mit dem singenden Cowboy Gene Autry (1935) oder die Fernsehserie THE WILD WILD WEST (1965–1969).

Weitere Nominierungen:

Batman Begins

(Warner Bros.; Story David S. Goyer; Drehbuch Christopher Nolan & David S. Goye; Regie Christopher Nolan; basiert auf der Figur von Bob Kane; dt. Batman Begins)

Wallace & Gromit in the Curse of the Were-Rabbit

(Dreamworks Animation/Aardman Animation; Drehbuch Steve Box & Nick Park & Bob Baker & Mark Burton; Regie Nick Park & Steve Box; dt. Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen)

Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe

(Walt Disney Pictures/Walden Media; Drehbuch Ann Peacock & Andrew Adamson & Christopher Markus & Stephen McFeely; Regie Andrew Adamsom; basiert auf dem gleichnamigen Roman von C. S. Lewis; dt. Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia)

Harry Potter and the Goblet of Fire

(Warner Bros.; Drehbuch Steven Kloves; Regie Mike Newell; basiert auf dem gleichnamigen Roman von J. K. Rowling; dt. Harry Potter und der Feuerkelch)

Dramatic Presentation: Short Form

DOCTOR WHO: »The Empty Child« & »The Doctor Dances«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Steven Moffat; Regie James Hawes; dt. »Das leere Kind« & »Der Doktor tanzt«)

Der spektakuläre Neustart der britischen Fernsehserie DOCTOR WHO hat 2005 weltweit SF-Fans beeindruckt und begeistert. DOCTOR WHO startete ursprünglich im November 1963 und erzählte über 26 Staffeln mit insgesamt 700 Folgen bis zum Jahr 1989 die Abenteuer des Doktors und seiner Begleiter in Raum und Zeit. Obwohl die Serie Kult und Bestandteil der britischen Popkultur war, kannte sie außerhalb Großbritanniens kaum jemand. Im März 2005 schließlich startete die Serie mit Christopher Eccleston in der Hauptrolle als neuntem Doktor erneut und wurde diesmal international vermarktet. Die tatsächlich beeindruckende Tricktechnik ist jedoch nicht der Auslöser für die Begeisterung der Fans, sondern vielmehr die phantasievollen Drehbücher und der erfrischende britische Witz der Figuren. Bei dem Doktor handelt es sich um einen unsterblichen Timelord, den es mit seinem Raumschiff TARDIS und seiner menschlichen Begleiterin in die unterschiedlichsten Gegenden von Raum und Zeit verschlägt. Dabei werden auch immer wieder Themen und Figuren aufgegriffen, die es bereits in den alten Folgen der Serie gab, wie zum Beispiel die Daleks oder die Cybermen.

In der neunten und zehnten Folge der ersten neuen Staffel taucht zum ersten Mal der ehemalige Zeitagent Captain Jack Harkness auf, der als zeitreisender Ganove versucht, andere Zeitagenten übers Ohr zu hauen. So lässt er mitten in London im Jahr 1941 während der Fliegerangriffe der Deutschen ein anscheinend harmloses Alienraumschiff abstürzen und will es als angeblich wertvolles Kriegsschiff an Zeitagenten verkaufen. Sein Plan ist es, die Prämie zu kassieren, woraufhin eine der Nazibomben das Schiff zerstört und damit die Spuren des Bluffs vernichten soll. Doch der charmante Harkness gerät an den Doktor statt an einen Zeitagenten, und das Alienschiff stellt sich als weit weniger harmlos heraus als gedacht. Es hatte Nanogene an Bord, die außer Kontrolle geraten, wobei Menschen in zombieähnliche Wesen mit Gasmaskengesichtern verwandelt werden. Zum Glück kann der Doktor in der zweiten Hälfte der Doppelfolge das Unheil abwenden und die Menschheit retten.

Auch die anderen beiden nominierten Folgen »Dalek« und »Vatertag«, die den zweiten und dritten Platz bei der Hugo-Verleihung belegten, wären durchaus preiswürdig gewesen, doch die von John Barrowman verkörperte Figur des Captain Jack Harkness hat wohl die überwiegende Zahl der Fans begeistert. So taucht Harkness noch mehrfach in späteren Folgen auf und erhielt schließlich von 2006 bis 2011 sogar eine eigene Serie mit 41 Folgen in vier Staffeln, nämlich den DOCTOR WHO-Ableger TORCHWOOD.

Weitere Nominierungen:

DOCTOR WHO: »Dalek«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Robert Shearman; Regie Joe Ahearne; dt. »Dalek«)

DOCTOR WHO: »Father’s Day«

(BBC Wales/BBC1; Drehbuch Paul Cornell; Regie Joe Ahearne; dt. »Vatertag«)

BATTLESTAR GALACTICA: »Pegasus«

(NBC Universal/British Sky Broadcasting; Drehbuch Anne Cofell Saunders; Regie Michael Rymer; dt. »Pegasus«)

»Jack-Jack Attack«

(Walt Disney Pictures/Pixar Animation; Drehbuch und Regie Brad Bird; dt. Jack-Jack Superbaby)

»Prix Victor Hugo Awards Ceremony«

(Opening Speech and Framing Device; geschrieben und vorgetragen von Paul McAuley & Kim Newman; Regie Mike & Debby Moir)

»Lucas Back in Anger«

(Reductio Ad Absurdum Productions; Drehbuch Phil Raines & Ian Sorensen; Regie Phil Raines)

Professional Editor

David G. Hartwell

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

David G. Hartwell (1941–2016) hatte sich bereits seit 1971 als Lektor verdient gemacht. Er arbeitete für die Verlage Signet (1971–1973), Berkley Putnam (1973–1978), Pocket (1980–1985, wo er das Imprint Timescape und die STAR TREK-Taschenbuchreihe begründete), und für Tor Books (1984). Ab 1995 war er »Senior Editor« bei Tor Books. Außerdem gab er zahllose Anthologien heraus, von denen die wichtigsten die beiden Reihen YEAR’S BEST SF (1996 bis 2016, seit 2002 zusammen mit Kathryn Cramer) und YEAR’S BEST FANTASY (2001 bis 2009, zusammen mit Kathryn Cramer) sind. Darüber hinaus war er ab 1988 Mitherausgeber von THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION.

Im Jahr 2005 war er verantwortlich für Year’s Best SF 10 und Year’s Best Fantasy 5 (beide bei Eos/HarperCollins, gemeinsam mit Kathryn Cramer). Und natürlich für das Programm von Tor Books.

Weitere Nominierungen:

Ellen Datlow | Gordon Van Gelder | Sheila Williams | Stanley Schmidt

Professional Artist

Donato Giancola

Der Wandel in der Gestaltung der Buchcover hat bewirkt, dass neue Künstler die Wähler des Hugo begeisterten. Rund zwei Jahrzehnte hatten Michael Whelan, Bob Eggleton und Jim Burns gewonnen, allerdings unterscheidet sich Giancola stilistisch nur geringfügig von seinen Kollegen.

Der US-Amerikaner Donato Giancola (*1967) wollte zunächst Elektroingenieur werden, wechselte 1989 jedoch an die Syracuse University in New York, um Malerei zu studieren. Nach seinem Abschluss im Jahr 1992 begann er für große Verlage wie Ace, Bantam und NAL Titelbilder zu gestalten. Außerdem malte er zahlreiche Motive für das Sammelkartenspiel MAGIC: THE GATHERING.

2005 erschien ein gutes Dutzend Titelbilder von Giancola auf Buchumschlägen, zum Beispiel auf Old Man’s War von John Scalzi, The Year’s Best Science Fiction and Fantasy for Teens: First Annual Collection, ASIMOV’S (September 2005), Against the Fall of Night von Arthur C. Clarke und auf dem Sachbuch Fantasy of the 20th Century: An Illustrated History.

Weitere Nominierungen:

Michael Whelan | Bob Eggleton | Jim Burns | John Picacio | Stephan Martiniere

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown, Kirsten Gong-Wong & Liza Groen Trombi)

Nachdem 2005 ANSIBLE ausgezeichnet wurde, konnte LOCUS den Hugo wieder an sich reißen. Auch 2005 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 72 bis 88 Seiten. Interviewt wurden unter anderem Charles Stross, Cory Doctorow, Neil Gaiman, Clive Barker, Sean Stewart, Margo Lanagan, Lois McMaster Bujold, Rudy Rucker, Damien Broderick, Jack McDevitt, George R. R. Martin, Robin Hobb und Paul McAuley. Neben den aktuellen Convention- und Marktberichten aus den USA gab es Informationen über SF in England, Deutschland, Brasilien und Israel. Ursula K. Le Guin, Walter Jon Williams und Terry Bisson schrieben Beiträge, und umfangreichere Nachrufe würdigten Stieg Larsson, Frank Kelly Freas, Will Eisner, Jack L. Chalker, Walter Ernsting, Andre Norton, F. M. Busby, Josef Nesvadba, Philip Klass, Charles L. Harness, Byron Preiss, Chris Bunch und andere. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden hauptsächlich von Gary K. Wolfe, Faren Miller, Russell Letson, Damien Broderick, Carolyn Cushman, Tim Pratt und Karen Haber verfasst.

Weitere Nominierungen:

THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
ANSIBLE (David Langford)
EMERALD CITY (Cheryl Morgan)
INTERZONE (Andy Cox)

Fanzine

PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)

Zum zweiten Mal in Folge konnte PLOKTA die Fans von seinen Qualitäten überzeugen (siehe 2005).

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
CHALLENGER (Guy H. Lillian III)
BANANA WINGS (Claire Brialey & Mark Plummer)
CHUNGA (Andy Hooper, Randy Byers & Carl Juarez)

Fan Writer

Dave Langford

Während Langford weiterhin fleißig ANSIBLE produzierte und seine seit Jahren bekannten Kolumnen und Rezensionen verfasste, fand er sogar noch Zeit, gemeinsam mit John Grant einen Roman zu schreiben. Guts: A Comedy of Manners (2005 bei Wildside Press) ist sein fünfter, als eigenständige Publikation veröffentlichter langer Text.

Weitere Nominierungen:

Cheryl Morgan | John Hertz | Steven H Silver | Claire Brialey

Fan Artist

Frank Wu

Frank Wu erhielt bereits den zweiten Hugo (siehe 2004) und mauserte sich zu einem der beliebtesten Fankünstler. 2005 erschien in der Anthologie Daikaiju! Giant Monster Tales seine Erzählung »The Tragical History of Guidolon, the Giant Space Chicken«, aus der Wu 2007 den Animationsfilm Guidolon the Giant Space Chicken entwickelte.

Weitere Nominierungen:

Steve Stiles | Sue Mason | Teddy Harvia | Brad Foster

John W. Campbell Award

John Scalzi

Der 1969 in Kalifornien geborene US-Amerikaner John Scalzi studierte an der Universität von Chicago und wurde zunächst Journalist. Erste Aufmerksamkeit zog er durch sein Blog WHATEVER auf sich, das er seit September 1998 regelmäßig mit Kommentaren zur Science Fiction und anderen Themen füllt. Sein Debüt als SF-Autor war die Erzählung »Alien Animal Encounters« (15. Oktober 2001 in STRANGE HORIZONS). Im Dezember 2002 veröffentlichte er seinen ersten Roman Old Man’s War (dt. Krieg der Klone, H 52267) auf seiner eigenen Homepage, was dazu führte, dass Patrick Nielsen Hayden das Buch für Tor Books ankaufte, wo es 2005 als Hardcover erschien; 2006 wurde es für den Hugo nominiert. Der Roman wurde zum Bestseller, sodass ihm weitere Bände folgten: The Ghost Brigades (2006; dt. Geisterbrigaden), The Last Colony (2007; dt. Die letzte Kolonie), Zoe’s Tale (2008; dt. Zwischen den Sternen) und The Human Division (2013; dt. Die letzte Einheit).

Ebenfalls 2005 erschien der vergnügliche Einzelroman Agent to the Stars (2005; dt. Agent der Sterne), doch mit Sicherheit hat Scalzi den Campbell Award dem Military-SF-Roman Old Man’s War zu verdanken.

Seither sind auch einige weitere Romane erschienen, die nicht zu der erfolgreichen Romanserie gehören. The Android’s Dream (2006; dt. Androidenträume) wurde mit dem Kurd Laßwitz Preis als bestes ausländisches Werk ausgezeichnet. Mit Fuzzy Nation (2011; dt. Der wilde Planet) unternahm er den gelungenen Versuch, einen klassischen SF-Roman, nämlich Little Fuzzy (1962; dt. Der kleine Fuzzy) von H. Beam Piper, neu zu erzählen. Mit Redshirts (2012; dt. Redshirts) gewann er den Hugo Award (siehe 2013), ebenso mit seinem auf seinem Blog WHATEVER basierenden Sammelband Your Hate Mail Will Be Graded (siehe 2009).

Von 2010 bis 2013 war Scalzi Präsident der Science Fiction and Fantasy Writers of America.

Weitere Nominierungen:

Sarah Monette | Chris Roberson | Steph Swainston | K. J. Bishop | Brandon Sanderson

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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