KOLUMNE

Die Hugo Awards 2005: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2005?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2005 auf der Interaction in Glasgow statt.

Toastmaster: Paul McAuley & Kim Newman

Novel

Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr Norrell

(2004 bei Bloomsbury; dt. Jonathan Strange & Mr. Norrell, Bloomsbury) 

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Der opulente Roman erzählt die Geschichte von der Rückkehr der Magie nach England im 19. Jahrhundert während der Napoleonischen Kriege. Ausschlaggebend dabei sind die beiden titelgebenden Personen Jonathan Strange und Gilbert Norrell.

Die Handlung beginnt im Herbst 1806. In England gibt es schon seit Jahrhunderten keine echte Magie mehr, aber eine Gruppe von Männern, die sich die »Learned Society of York Magicians« nennt, versucht das theoretische Wissen zusammenzutragen. Außerdem gibt es den einsiedlerischen Mr. Gilbert Norrell, der eine große Sammlung magischer Bücher besitzt und verhindern möchte, dass die Magie allzu große Popularität erlangt. Dieser Plan misslingt allerdings, als Mr. Norrell öffentlich aufgefordert wird, seine Fähigkeiten zu beweisen. Mr. Norrell lässt steinerne Statuen in der Kathedrale von York sprechen, und die Kunde von diesem Ereignis dringt nach London, woraufhin Mr. Norrell eingeladen wird, sich der Londoner Gesellschaft vorzustellen. Natürlich gibt es in der Hauptstadt viele Skeptiker, die Magie für unmöglich halten. Mr. Norrell lernt Sir Walter Pole kennen, der eine hohe politische Position innehat, und erweckt dessen gerade verstorbene Verlobte Emma Wintertowne mittels seiner magischen Fähigkeiten wieder zum Leben. Doch diese Magie hat ihren Preis, denn Norrell musste für die Wundertat einen Handel mit einem Elfen eingehen, der das Recht fordert, die junge Dame ihr halbes Leben für sich zu beanspruchen. Emma, die nach ihrer Wiedererweckung sehr verändert ist, muss nun Nacht für Nacht im Feenreich verbringen.

Zu dieser Zeit taucht in London ein junger Mann namens Jonathan Strange auf, der keineswegs über Bildung zur Geschichte der Magie verfügt, aber offensichtlich ein natürliches Talent hat, Magie zu wirken. Norrell und Strange treffen aufeinander, und Norrell erkennt das Talent des jungen Mannes. Die beiden freunden sich an, und Strange wird Norrells Schüler. Doch schon bald kommt es zu Differenzen über die Ausrichtung der Studien. Während Norrell zur Vorsicht rät und insgeheim die Gefahren durch das Feenland erkannt zu haben glaubt, macht Strange sehr offensiv praktische Experimente und forscht nach John Uskglass, dem legendären Rabenkönig, der offenbar im Mittelalter ein Meister der Magie war. Obendrein will Strange die Feenwesen für seine Zwecke nutzen.

Die beiden Magier entzweien sich endgültig, als die Regierung um Hilfe beim Krieg gegen Napoleon bittet. Jonathan Strange stimmt sofort zu und begibt sich nach Spanien, um mit seinen Fähigkeiten das Kriegsgeschehen zu beeinflussen. Er ist inzwischen in der Lage, das Wetter sowie den Verlauf von Flüssen und die Lage von Städten zu verändern, und hilft schließlich, Napoleon in der Schlacht von Waterloo zu besiegen.

Im dritten Teil des Buches sind inzwischen zehn Jahre seit Beginn der Handlung vergangen. Der Leser erfährt, welche Rolle der Rabenkönig John Uskglass spielt, wie sich Emma Wintertowne, die jetzige Lady Pole, gegen das Feenreich wehrt und welche Auswüchse die Feindschaft zwischen Jonathan Strange und Gilbert Norrell hervorbringt.

Der über tausendseitige Roman, der in seiner Erzählweise an die Werke von Jane Austen und Charles Dickens erinnert, vermischt auf wunderbare Weise historische Ereignisse und phantastische Ideen, wobei die Autorin durch rund zweihundert Fußnoten Fakten über die Geschichte Englands und über die Magie hinzufügt.

Die britische Autorin Susanna Clarke (*1959) hat gut zehn Jahre benötigt, um ihren Roman zu schreiben. Vor Erscheinen des Buches war sie nahezu unbekannt, lediglich ein halbes Dutzend Kurzgeschichten, die 2006 in dem Band The Ladies of Grace Adieu and Other Stories (dt. Die Damen von Grace Adieu) gesammelt wurden, war in Anthologien verstreut erschienen. Dennoch war der britische Verlag Bloomsbury so überzeugt von Jonathan Strange und Mr. Norrell, dass er der Autorin eine Million Pfund Vorschuss zahlte und den Roman mit einer Viertelmillion Exemplaren gleichzeitig in den USA, Großbritannien und Deutschland veröffentlichte, begleitet von einer der größten Marketingkampagnen in der Geschichte des Verlagswesens. Kritiker wie Neil Gaiman und John Clute lobten das Werk als einen der besten britischen phantastischen Romane der letzten siebzig Jahre. Der Roman wurde für ein Dutzend Literaturpreise nominiert und gewann nicht nur den Hugo, sondern auch den World Fantasy Award, den Locus Award, den Mythopoeic Award for Adult Literature und den British Book Award und wurde zur ›Time’s Best Novel of the Year‹ gekürt.

Überaus sehenswert ist übrigens die gleichnamige sechsteilige Fernsehserie, die von der BBC produziert wurde.

Weitere Nominierungen:

Ian McDonald: River of Gods

(2004 bei Simon & Schuster UK; dt. Cyberabad, H 52973)

Iain M. Banks: The Algebraist

(2004 bei Orbit; dt. Der Algebraist, H 52201)

China Miéville: Iron Council

(2004 bei Del Rey/Macmillan UK; dt. Der Eiserne Rat, B 24344)

Charles Stross: Iron Sunrise

(2004 bei Ace; dt. Supernova, H 52052)

Novella

Charles Stross: »The Concrete Jungle«

(2004 in Stross: The Atrocity Archives, Golden Gryphon Press ; dt. »Der Beton-Dschungel« in Stross: Dämonentor, H 52313)

Bob Howard, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, ist für eine Sonderabteilung des britischen Geheimdienstes tätig, die ›Laundry‹ (Wäscherei) genannt wird und die dafür zuständig ist, Angriffe okkulter Mächte abzuwehren. Er wird zu einem Sondereinsatz nach Milton Keynes geschickt, um die Umstände des Todes einiger Kühe zu untersuchen. Bob untersucht eine der Kühe, die fast verkohlt ist und den Eindruck erweckt, als wäre sie von einem Blitz getroffen worden. Tatsächlich steht der Zwischenfall aber mit Phänomenen des Gorgonismus in Zusammenhang, und die Kuh scheint vom Blick eines Basilisken getötet worden zu sein.

Doch ein Basilisk war an dem Zwischenfall nicht beteiligt, sondern vielmehr eine gefährliche Software, die in ein Netz von Überwachungskameras eingeschleust wurde. Die spätere Analyse führt zu der Schlussfolgerung: »Also kam irgendein kluger Kopf auf die Idee, die Gehirnfresser mithilfe von vernetzten Videoüberwachungssystemen zu vernichten, die sich dank einer speziellen Software-Emulation aus dem Gehirn eines Basilisken in eine allgegenwärtige Tötungsmaschine verwandeln. Und das, obwohl wir nicht genau wissen, wie der Medusa-Effekt funktioniert – außer vielleicht, dass er auf einem merkwürdigen Quanten-Tunnel basiert, der durch Blickkontakt hergestellt wird. Es kommt also zu einem Zusammenbruch der Wellenfunktion. Ungefähr ein Prozent der Kohlenstoffatome des Zielobjekts werden in Silikon ungewandelt, ohne dass dabei ersichtliche Energie zugeführt wird.«

An dieser Stelle geht die reichlich überdrehte Handlung jedoch erst los, denn es gilt, den Urheber der Zwischenfälle zu ermitteln und so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.

»The Concrete Jungle« erschien zusammen mit »The Atrocity Archives« in dem Band The Atrocity Archives, dem bis 2017 sieben weitere Bücher um die Fälle der Laundry folgten, in denen der Autor in Form von durch Lovecraft inspirierten Spionagethrillern eine geheime Geschichte des 20. Jahrhunderts ausbreitet, in der durch Computertechnik und höhere Mathematik Tore in andere Dimensionen geöffnet werden. Dabei kommen satirische Seitenhiebe auf die britische Bürokratie nicht zu kurz. Die literarischen Vorbilder für seine Geschichten benennt Stross selbst in einer Danksagung: H. P. Lovecraft, Neal Stephenson und Len Deighton, wobei James Bond für die Hauptfigur Bob Howard vermutlich ebenfalls Pate gestanden haben dürfte.

Der Brite Charles Stross (*1964) war ursprünglich Apotheker, machte jedoch einen zweiten Abschluss als Informatiker. Er debütierte bereits Mitte der 1980er-Jahre mit ersten Erzählungen (u. a. in INTERZONE). Mit »The Concrete Jungle« gewann er seinen ersten Hugo, obwohl er zuvor bereits den weithin beachteten Roman Singularity Sky (2003 bei Ace; dt. Singularität) veröffentlicht hatte, der bei der Hugo-Verleihung 2004 den dritten Platz belegte.

Weitere Nominierungen:

Bradley Denton: »Sergeant Chip«

(September 2004 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Charles Stross: »Elector«

(September 2004 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Lois McMaster Bujold: »Winterfair Gifts«

(2004 in Asaro [Hrsg.]: Irresistible Forces, NAL; dt. »Geschenke zum Winterfest« in Bujold: Botschafter des Imperiums, H 52127)

Michael A. Burstein: »Time Ablaze«

(Juni 2004 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Novelette

Kelly Link: »The Faery Handbag«

(2004 in Windling/Datlow [Hrsg.]: The Faery Reel: Tales from the Twilight Realm, Viking; dt. »Die Elbenhandtasche« in Link: Die Elbenhandtasche, H  52276)

Man kann den Eindruck gewinnen, dass der Begriff »Magischer Realismus« extra für Kelly Links Novelette erfunden wurde. Die Erzählerin dieser Fantasy-Geschichte ist ein junges Mädchen namens Genevieve, das über ihre exzentrische Großmutter Zofia und deren Handtasche berichtet. Zofia, mit der Genevieve häufig Scrabble spielt, behauptet, aus einem Land namens Baldeziwurlekistan zu stammen. Sie hatte dort eine schwere Zeit durchlebt, und die Bewohner ihres Dorfes packten bei der Ankunft feindlicher Horden all ihre Habseligkeiten zusammen und zogen in die Handtasche, die aus Hundeleder besteht. Zofias Ehemann, ein junger und sehr schöner Exilrusse, lebt angeblich auch in der Handtasche, und eines Tages begegnet Genevieve ihm sogar, als er die Handtasche verlässt, um in einem Laden Süßigkeiten zu besorgen.

Genevieve verliebt sich in ihren Freund Jake und begeht die Dummheit, ihm von dem Geheimnis der Handtasche zu erzählen. Jake, der schon immer aufgeweckt und neugierig war, will genau herausfinden, was es mit der Tasche auf sich hat, trickst die Großmutter aus und springt in die Tasche. Genevieve ist bestürzt und fordert von Zofia, dass sie sie Jake folgen lässt, doch schließlich geht die Tasche bei einem tragischen Zwischenfall verloren …

Die fabelhaft erzählte Geschichte sprüht vor Ideen und magischen Momenten und zeigt das überragende Talent einer herausragenden Erzählerin. Der Text ist nicht nur in der Anthologie The Faery Reel erschienen, sondern auch in zahlreichen weiteren Anthologien und 2005 in Links Erzählungssammlung Magic for Beginners, die der Heyne-Verlag auf Deutsch leider nicht unter dem schönen Titel Magie für Anfänger herausbrachte.

Kelly Link (*1969) debütierte 1995 und hat seither rund fünfzig Erzählungen veröffentlicht, die in vier Büchern gesammelt wurden. Für »The Faery Handbag« wurde sie nicht nur mit dem Hugo ausgezeichnet, sondern auch mit dem Nebula, dem World Fantasy und dem Locus Award.

Weitere Nominierungen:

Michael F. Flynn: »The Clapping Hands of God«

(Juli/August 2004 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Paolo Bacigalupi: »The People of Sand and Slag«

(Februar 2004 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Benjamin Rosenbaum: »Biographical Notes to ›A Discourse on the Nature of Causality, with Air-Planes‹ by Benjamin Rosenbaum«

(2004 in Moles/Lake [Hrsg.]: All-Star Zeppelin Adventure Stories, Wheatland Press & All-Star Stories; nicht auf Deutsch)

Christopher Rowe: »The Voluntary State«

(5. Mai 2004 in SCI FICTION; nicht auf Deutsch)

Short Story

Mike Resnick: »Travels with My Cats«

(Februar 2004 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Der elfjährige Erzähler Ethan Owens entdeckt beim Trödelverkauf eines Nachbarn das Buch Travels with my Cats von einer gewissen Miss Priscilla Wallace. Es ist das einzige Buch, das er sich von seinem Taschengeld leisten kann. Auch wenn der Junge zunächst der Meinung ist, dass es eher ein Buch für Mädchen sei, so wird er doch neugierig, als er feststellt, dass es in nur einer kleinen Auflage von 200 Exemplaren gedruckt wurde. Und das Buch ist interessanter als gedacht, denn es erzählt von Reisen in ferne Länder wie Kenia, Siam und an den Amazonas. Ethan liest es immer und immer wieder. Als er heranwächst, vergisst er das Buch und entdeckt es erst dreißig Jahre später, im Jahr 2004, wieder. Neugierig geworden sucht er nach Informationen über die Autorin, findet jedoch nur heraus, dass sie 1892 geboren wurde, 1926 starb und dass sie nur dieses eine Buch verfasst hat. Nachdem der allein lebende Ethan das Buch ein weiteres Mal auf seiner Veranda gelesen hat, taucht die Autorin plötzlich neben ihm auf. Ein sehr interessantes Gespräch entwickelt sich, genauso wie an den folgenden Abenden. Ethan verliebt sich in Priscilla, wagt es aber nicht, sie zu berühren, weil er fürchtet, dass sie nur ein Phantom ist, eine Einbildung seiner überspannten Phantasie. Als er eines Tages von der Arbeit zurückkehrt, haben Waschbären auf der Suche nach Futter sein Haus verwüstet und dabei das geliebte Buch zerstört. Danach taucht Priscilla nie wieder auf, und Ethan verbringt den Rest seines Lebens damit, nach einem weiteren Exemplar des Buches zu suchen.

Es ist schwierig, diese traurige, wunderschöne Liebesgeschichte einzuordnen. In gewisser Weise handelt es sich um eine Geistergeschichte, auch wenn die schöne Priscilla kein Geist zu sein scheint. In jedem Fall hat Mike Resnick mit dieser Erzählung der Liebe der Leser zu Büchern und deren Autoren ein Denkmal gesetzt und dafür seinen inzwischen fünften Hugo Award erhalten.

Weitere Nominierungen:

James Patrick Kelly: »The Best Christmas Ever«

(26. Mai 2004 in SCI FICTION; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »A Princess of Earth«

(Dezember 2004 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Robert J. Sawyer: »Shed Skin«

(Januar/Februar 2004 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Michael A. Burstein: »Decisions«

(Januar/Februar 2004 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Related Book

Edward James & Farah Mendlesohn [Hrsg.]: The Cambridge Companion to Science Fiction

(2004 bei Cambridge University Press; nicht auf Deutsch)

Diese eher wissenschaftlich orientierte Sammlung von Aufsätzen widmet sich der Geschichte und einzelnen Aspekten der Science Fiction. Im ersten Teil zur Geschichte der SF schreiben Autoren wie Brian Stableford, Damien Broderick, John Clute oder Gary K. Wolfe u. a. über Science Fiction vor der Entstehung des Genres, die Magazin-Ära, die Zeit der New Wave, gegenwärtige SF, Film und Fernsehen und die Herausgeber der SF-Literatur. Im zweiten Teil geht es um eine kritische Annäherung an das Genre, wobei sich die Autoren mit Marxismus, Feminismus, Postmoderne und der Queer Theory beschäftigen. Im dritten Teil des Buches schreiben u. a. Gwyneth Jones, Katherine Kramer, Andy Duncan, Ken MacLeod und Farah Mendlesohn über Themen der SF, so zum Beispiel über Wissenschaft, Space Operas, alternative Geschichte, Utopien, Politik, Rassismus und Religion. Durch den eher wissenschaftlichen Ansatz der Texte gewinnt der Leser Erkenntnisse, die die SF in Relation zur allgemeinen Literatur setzen und sie als ernst zu nehmendes Genre erfahrbar machen.

Weitere Nominierungen:

Peter Weston: With Stars in My Eyes: My Adventures in British Fandom

(2004 bei NESFA Press; nicht auf Deutsch)

David A. Hardy & Patrick Moore: Futures: 50 Years in Space: The Challenge of the Stars

(2004 bei Harper Design International; nicht auf Deutsch)

William Tenn: Dancing Naked: The Unexpurgated William Tenn

(2004 bei NESFA Press; nicht auf Deutsch)

Pat Lupoff & Dick Lupoff: The Best of Xero

(2004 bei Tachyon Publications; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation: Long Form

The Incredibles

(Walt Disney Pictures / Pixar Animation Studios; Drehbuch und Regie Brad Bird; dt. Die Unglaublichen)

Nach zuvor produzierten Niedlichkeiten wie Toy Story, Die Monster AG oder Findet Nemo nahmen sich die Pixar-Studios in ihrem sechsten Kinofilm das Thema Superhelden vor.

In der gelungenen, actionreichen Persiflage gibt es zwar keine direkten Anspielungen, aber doch einige Ähnlichkeiten zu den Marvel-Figuren Die Fantastischen Vier sowie zu den Watchmen.

Die Handlung beginnt Mitte der 1950er-Jahre. Nach einer Klagewelle gegen Superhelden muss die Regierung für die entstandenen Schäden aufkommen und verbietet die Einsätze der Superhelden. Den Helden werden neue Identitäten verschafft, und sie werden als »normale Bürger« in die Gesellschaft integriert. Im Mittelpunkt der Haupthandlung, die fünfzehn Jahre später spielt, steht die Familie von Mr. Incredible und Elastigirl, die mit ihren drei Kindern, die ebenfalls über Superkräfte verfügen, in Metroville leben. Mr. Incredible erhält einen geheimen Auftrag und findet heraus, dass ein Superschurke mithilfe eines »Omnidroid« genannten Kampfroboters die inkognito lebenden Superhelden vernichten will. Schließlich wird die gesamte Familie von Mr. Incredible in die Handlung verwickelt und muss all ihre sehr unterschiedlichen Kräfte einsetzen, um am Ende sogar ihre ganze Stadt zu retten.

Der Film ist ein amüsanter Spaß für alle Superhelden-Fans und lohnt auch ein wiederholtes Anschauen. Übrigens erhielt The Incredibles vier Oscar-Nominierungen, unter anderem in der Kategorie ›Bestes Originaldrehbuch‹, und wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet.

Weitere Nominierungen:

Eternal Sunshine of the Spotless Mind

(Focus Features; Drehbuch Charlie Kaufman; Story Charlie Kaufman & Michael Gondry & Pierre Bismuth; Regie Michael Gondry; dt. Vergiss mein nicht!)

Spider-Man 2

(Sony Pictures/Columbia; Drehbuch Alvin Sargent; Story Alfred Gough & Miles Millar & Michael Chabon; Regie Sam Raimi; basiert auf der Comicfigur von Stan Lee & Steve Ditko; dt. Spider-Man 2)

Sky Captain and The World of Tomorrow

(Paramount; Drehbuch und Regie Kerry Conran; dt. Sky Captain and the World of Tomorrow)

Harry Potter and the Prisoner of Azkaban

(Warner Brothers; Drehbuch Steve Kloves; Regie Alfonso Cuarón; basiert auf dem gleichnamigen Roman von J. K. Rowling; dt. Harry Potter und der Gefangene von Askaban)

Dramatic Presentation: Short Form

BATTLESTAR GALACTICA: »33«

(NBC Universal/Sci Fi Channel; Drehbuch Ronald D. Moore; Regie Michael Rymer; dt. »33 Minuten«)

Die Serie BATTLESTAR GALACTICA war die Neuauflage der gleichnamigen, reichlich trashigen Fernsehserie (dt. KAMPFSTERN GALACTICA) von Glen A. Larson aus dem Jahr 1978, die nach dem Erfolg von Star Wars entstand. Die Produzenten der neuen Serie, die von 2003 (Pilotfilm-Miniserie) bis 2009 (4. Staffel) im US-amerikanischen Fernsehen lief, übernahmen das Grundkonzept und einige Namen von Hauptfiguren aus der Vorlage, änderten jedoch wesentliche Handlungsstränge und Details. So haben die gegnerischen Zylonen, die in der Vorlage ausschließlich Roboter waren, nun auch zum Teil menschliche Gestalt. BATTLESTAR GALACTICA zeigte in einer Science-Fiction-Serie nie gesehene visuelle Effekte und beeindruckende Weltraumkampfszenen. Der größte Teil der Handlung wurde mit einer Handkamera aufgenommen, was einen quasi-dokumentarischen Effekt erzielt und dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, unmittelbar an der Handlung beteiligt zu sein. Nach längerem Zuschauen hat man allerdings leider den Eindruck, als hätte der Kameramann unter der Parkinsonschen Krankheit gelitten. Die Drehbücher geben der psychologischen Entwicklung der Hauptfiguren ungewöhnlich viel Raum, was sich auf das Erzähltempo der äußeren Handlung auswirkt. Besonderes Augenmerk liegt auf den Ängsten vor der Unterwanderung der Menschen durch menschlich aussehende zylonische Feinde.

Bei der mit dem Hugo ausgezeichneten Folge handelt es sich um den Start der ersten Staffel. Die Flotte der Menschen, bestehend aus mehreren großen Raumkreuzern, befindet sich auf der Flucht vor den überlegenen zylonischen Raumschiffen. Nach jedem Hyperraumsprung der Flotte vergehen genau 33 Minuten, bis die Zylonen auftauchen und zum Angriff übergehen, sodass man den nächsten Raumsprung vornehmen muss. Die Besatzungen der Schiffe sind völlig übermüdet, weil die Verfolgungsjagd bereits mehrere Tage andauert. Man fürchtet sich nicht nur vor den feindlichen Raumschiffen, sondern auch vor eigenen Fehlern, die aufgrund des Erschöpfungszustandes der Besatzungen unweigerlich passieren müssen. Als ein Schiff der Flotte abhandenkommt, betrauert man den Verlust von über 1500 Zivilisten. Nicht lange danach taucht das Schiff wieder auf, antwortet jedoch nicht auf Funksprüche. Als man feststellt, dass das Schiff atomare Waffen an Bord hat, vermutet man eine List der Zylonen. Die Präsidentin und der Commander entscheiden, das Schiff anzugreifen und zu vernichten, obwohl sie nicht wissen, ob die Zivilisten noch an Bord sind.

Ein gelungener Auftakt für eine Serie, die in kurzer Zeit sehr viele Anhänger und Fans gefunden hat, vielleicht weil es sich um eine der wenigen Fernsehserien handelt, die der seit Anfang der 2000er-Jahre sehr beliebten Military-SF zuzurechnen sind.

Weitere Nominierungen:

ANGEL: »Smile Time«

(20th Century Fox/Mutant Enemy; Drehbuch Ben Edlund; Story Joss Whedon & Ben Edlund; Regie Ben Edlund; dt. »Angriff der Mörderpuppen«)

STARGATE SG-1: »Heroes Part I & II«

(MGM/Sci Fi Channel; Drehbuch Robert C. Cooper; Regie Andy Mikita; dt. »Helden, Teil 1 & 2«)

ANGEL: »Not Fade Away«

(20th Century Fox/Mutant Enemy; Drehbuch Jeffrey Bell & Joss Whedon; Regie Jeffrey Bell; dt. »Die letzte Schlacht«)

LOST: »Pilot Episode«

(Touchstone/Bad Robot; Drehbuch J. J. Abrams & Damon Lindelof; Story Jeffrey Lieber & J. J. Abrams & Damon Lindelof; Regie J. J. Abrams; dt. »Gestrandet«)

Professional Editor

Ellen Datlow

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Ellen Datlow hat im Jahr 2004 das Online-Magazin SCI FICTION auf SciFi.com betreut. Sie brachte zu 44 Terminen jeweils Erzählungen von Autoren wie Bruce Sterling, Elizabeth Bear, Carol Emshwiller, Kit Reed, Mary Rosenblum, Laird Barron, Howard Waldrop und Terry Bisson, aber auch einige ältere Geschichten u. a. von Robert Sheckley, Manly Wade Wellman und Theodore Sturgeon. Außerdem stellte sie gemeinsam mit Gavin J. Grant und Kelly Link den Band The Year’s Best Fantasy & Horror: Seventeenth Annual Collection (St. Martin’s Griffin) zusammen, in dem rund 40 Erzählungen und eine Handvoll Gedichte von Autoren wie Kij Johnson, Lucius Shepard, Laird Barron, Neil Gaiman, Stephen King, Ursula K. Le Guin, Kelly Link, Michael Swanwick, Paolo Bacigalupi, Michael Marshall Smith, Thomas Ligotti und Maureen F. McHugh zu finden sind.

Mit Terri Windling gab sie bei Viking die Anthologie The Faery Reel: Tales from the Twilight Realm heraus, die sich eher an junge Leser wendet und die auch für den World Fantasy Award nominiert wurde.

Weitere Nominierungen:

Gardner Dozois | David G. Hartwell | Gordon Van Gelder | Stanley Schmidt

Professional Artist

Jim Burns

Nach 1987 und 1995 erhielt Burns seinen dritten Hugo. 2005 war sein fünfter Bildband mit dem Titel Imago erschienen, der auf 80 Seiten im Hardcover neuere Arbeiten des Künstlers zeigt.

Burns war nun seit rund dreißig Jahren im Geschäft und malte nach wie vor hochwertige Titelbilder. 2004 erschienen Burns’ Bilder auf Romanen von Peter F. Hamilton, Andreas Eschbach, Neal Asher, Nancy Kress, Timothy Zahn und anderen.

Weitere Nominierungen:

Donato Giancola | Frank Kelly Freas | Bob Eggleton | John Picacio

Semiprozine

ANSIBLE (David Langford)

Der Newsletter ANSIBLE von Dave Langford hatte bereits mehrere Hugos erhalten, allerdings bisher immer in der Kategorie ›Best Fanzine‹. Seit 2003 wurde ANSIBLE nun jedoch in der Kategorie ›Best Semiprozine‹ nominiert, was auf die hohe Zahl der Abonnenten, an die Langford den Newsletter per E-Mail verschickte, zurückzuführen ist. 2004 erschienen wie sonst auch zwölf Ausgaben (Nummer 198 bis 209) mit den gewohnten Nachrichten, Con-Terminen und Neuigkeiten zu SF-Preisen. Die Ausgabe 202 (Mai 2004) brachte zusätzlich einen ausführlichen Bericht vom EasterCon und eine Ehrengastrede von Christopher Priest.

Weitere Nominierungen:

INTERZONE (David Pringle & Andy Cox)
LOCUS (Charles N. Brown)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
THE THIRD ALTERNATIVE (Andy Cox)

Fanzine

PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)

PLOKTA ist ein britisches Fanzine, das seit Mai 1996 erscheint. Der Titel ist die Abkürzung von »Press Lots Of Keys To Abort«, und der Untertitel des Fanzines lautet »The Journal of Superfluous Technology«. Zu den Herausgebern und Autoren gehören Alison Scott, Steve Davies, Mike Scott alias Dr. Plokta, Sue Mason, Giulia de Cesare, Steven und Marianne Cain, Jonathan Cain und Flick. Insgesamt wurde Plokta neunmal für den Hugo nominiert. Für das Fanzine nutzte man die Möglichkeiten des farbigen Digitaldrucks, um hochaufgelöste Farbgrafiken abzudrucken, oftmals auch mit satirischen Inhalten.

Neben dem gedruckten Fanzine gab es von 2001 bis 2009 auch das PNN (Plokta News Network), ein Online-Newsmagazin im Internet.

Weitere Nominierungen:

EMERALD CITY (Cheryl Morgan)
BANANA WINGS (Claire Brialey & Mark Plummer)
CHUNGA (Randy Byers, Andy Hooper & Carl Juarez)
CHALLENGER (Guy H. Lillian III)

Fan Writer

David Langford

Für die in den vorangegangenen Jahren genannten Rubriken und die Herausgabe von ANSIBLE wurde Langford von den Fans weiterhin hoch geschätzt. Außerdem erschien der Band Different Kinds of Darkness (2004 bei Cosmos Books/Wildside Press), der 36 Erzählungen Langfords aus den Jahren 1975 bis 2000 enthält.

Weitere Nominierungen:

Cheryl Morgan | Claire Brialey | Steven H Silver | Bob Devney

Fan Artist

Sue Mason

Sue Mason erhielt in diesem Jahr den zweiten Hugo (siehe 2003) für ihre Illustrationen in zahlreichen Fanzines. 2004 zeichnete sie besonders viele Bilder für das Con-Zine Noreascon 4: The 62nd World Science Fiction Convention.

Weitere Nominierungen:

Frank Wu | Steve Stiles | Brad Foster | Teddy Harvia

Web Site

SCI FICTION (www.scifi.com/scifiction), Ellen Datlow

Das Internetmagazin SCI FICTION wurde vom 1992 auf Sendung gegangenen Sci Fi Channel (heute SyFy) gegründet. Es wurde ab Mai 2000 auf der Homepage des Fernsehsenders Scifi.com veröffentlicht, als Herausgeberin verpflichtete man Ellen Datlow, die bereits Erfahrungen mit den Online-Magazinen OMNI und EVENT HORIZON gesammelt hatte. Der erste Achtungserfolg war die Erzählung »Goddesses« von Linda Nagata (5. Juli 2000), die den Nebula Award in der Kategorie ›Best Novella‹ gewann. Weitere Preise sollten folgen. Datlow veröffentlichte anfangs wöchentlich eine, später meist zwei Erzählungen, wobei es sich bei den Zweitgeschichten um Wiederveröffentlichungen älterer Erzählungen handelte.

Autoren der neuen Texte waren zum Beispiel Ursula K. Le Guin, Jeffrey Ford, Lucius Shepard, Kim Newman, Karen Joy Fowler und James P. Blaylock. Die »Classics« wiederum stammten aus allen Jahrzehnten, beginnend bei den 1930er-Jahren.

Im Dezember 2005 wurde das Magazin eingestellt. Die Texte waren noch einige Jahre abrufbar, sind aber inzwischen nicht mehr verfügbar.

Weitere Nominierungen:

LOCUS ONLINE (www.locusmag.com), Mark R. Kelly
EMERALD CITY (www.emcit.com), Cheryl Morgan
STRANGE HORIZONS (www.strangehorizons.com), Susan Marie Groppi
EFANZINES (www.efanzines.com), Bill Burns

John W. Campbell Award

Elizabeth Bear

Die US-Amerikanerin Sarah Bear Elizabeth Wishnevsky (*1971) debütierte nach einigen Fanveröffentlichungen mit dem Gedicht »ee ›doc‹ cummings« (2003 in F&SF). In kurzer Folge erschienen weitere Kurzgeschichten, die die Aufmerksamkeit der Leser und Hugo-Wähler auf sie zogen. Bis heute schrieb sie mehr als achtzig Erzählungen.

Für die Erzählungen »Tideline« (Juni 2007 in ASIMOV’S) und »Shoggoths in Bloom« (März 2008 in ASIMOV’S) erhielt sie jeweils einen Hugo Award.

Seit 2005 veröffentlicht Bear auch Romane. Beliebt ist dabei die Military-SF-Serie um den Cyborg JENNY CASEY, zu der es drei Bände gibt: Hammered, Scardown und Worldwired (alle drei 2005 bei Bantam Spectra), für die sie den Locus Award erhalten hat. Neben drei Einzelromanen schrieb sie seither zwanzig weitere Romane, die jeweils zu den Trilogien oder Serien COMPANION TO WOLVES (gemeinsam mit Sarah Monette), JACOB’S LADDER, NEW AMSTERDAM, THE EDDA OF BURDENS, THE ETERNAL SKY und THE PROMETHEAN AGE gehören.

Im Fandom ist sie als eine von mehreren Redakteuren des Podcasts SF SQUEECAST tätig, der 2012 und 2013 einen Hugo in der Kategorie ›Best Fancast‹ erhalten hat.

Weitere Nominierungen:

Steph Swainston | K. J. Bishop | Chris Roberson | David Moles

Special Award

David Pringle – Special Committee Award for his work on INTERZONE

Das Magazin INTERZONE war bereits 1995 als bestes semiprofessionelles Magazin mit einem Hugo ausgezeichnet worden (siehe dort) und hatte sich auch in den nachfolgenden Jahren zum führenden britischen SF-Magazin entwickelt, was zu einem großen Teil der Arbeit des Mitgründers und Herausgebers David Pringle zu verdanken war. Anfang 2004 beendete Pringle seine Herausgeberschaft mit Ausgabe 193 und übergab sie an Andy Cox. Aus diesem Grund wurde Pringles zweiundzwanzigjährige Arbeit an INTERZONE mit einem Sonderpreis geehrt.

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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