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INTERVIEW

Interview mit Susanne Pavlovic


Susanne Pavlovic ist unter Kennern bekannt für ihre Feuerjäger-Reihe rund um die Kriegerin Krona. Eine Reihe, in der sowohl Frauen, ihre gesellschaftliche Rolle und ihre Sexualität wichtige Bestandteile sind. Obwohl sich das eine oder andere Thema auch in ihrem neuen Werk wiederfindet, hat dieses eine ganz andere Ausrichtung. Sie traf sich virtuell zu einem Werkstattgespräch mit Stefan Cernohuby.

Stefan Cernohuby: Von einer mächtigen, alternden Kriegerin wechselst du in „Krieg und Kröten“ zu einem ebenfalls nicht mehr ganz jungen Protagonisten. Dieser ist allerdings ein äußerst egozentrischer magisch begabter Zeitgenosse. Wie bist du an ihn gekommen?

Susanne Pavlovic: Ursprünglich war Yuri ein dicker, gemütlicher Russe mit Knastvergangenheit. Ich habe lange nach der richtigen Geschichte für diese Figur gesucht, aber dann wollte er doch ein Zauberer sein, und was der Herr will, das kriegt er. Und weil wir beide keine halben Sachen machen, wurde aus ihm ein Zauberer mit richtig Wumms. Das wiederum brachte eine ganz neue Herausforderung mit sich: Yuriko ist kein Kämpfer, kein Stratege, aber er kann, wenn ihm ein Zauber aus der Hand gerät, locker mal einen Landstrich verwüsten. Für ihn Action zu entwickeln, ohne dass jedes Mal danach ein Dorf brennt, war eine Herausforderung.

Dass er ein Ü50-Held ist wie Krona, war keine bewusste Entscheidung – er brachte sein Alter schon mit. Ich denke, ich schreibe einfach gerne ältere Figuren, weil die wirklich potent sein können, ohne Wunderkinder sein zu müssen. Und männliche Hauptfiguren schreibe ich eh gerne. Das ist nur nach 2000 Seiten Krona etwas aus dem Fokus geraten.

Yuriko Mandorak Doragon Frost, Meister der Siegel, Kötenflüsterer, Feuerbeschwörer, Windreiter, Bezwinger der Schicksalsschlange und fliehender Ehemann von einer unbekannten Zahl an Frauen hat eine Kröte als Tiergefährten. Wieso eine Kröte?

Die Kröte ist geklaut Mein Sohn hat mich während der Konzeption des Romans, ich hatte vielleicht so 20, 30 Seiten geschrieben, mit dem Anime / Manga „Naruto“ angesteckt. Dort gibt es eine Figur, Jiraiya, einen alten, schrulligen Lehrmeister, der einige Parallelen zu Yuri hat. Oh boy, die beiden könnten eine Party schmeißen. Die Figur Jiraiya bringt das Krötenmotiv mit, und Padda (Yuris Begleiter) war zuerst nur ein Gimmick, eine Jiraiya-Gedenk-Kröte, ich hatte mich schon drauf eingestellt, die wieder rauszuschreiben, wenn mir zu ihr nichts einfiele. Aber dann hat Padda sich doch zu einer respektablen Persönlichkeit entwickelt, bekam Plotrelevanz und war sehr schnell nicht mehr wegzudenken. Padda zeigt Yuris zärtliche, verwundbare Seite und ist eine Figur, die zwischen Tiefgründigkeit und Humor schwankt. Und er war eine Herausforderung beim Schreiben – kann nicht sprechen, will aber trotzdem immer im Bild sein.

Im übrigen legt Yuriko Wert darauf, nur eine Frau geheiratet zu haben, und die auch nur versehentlich.

Frost-Chroniken
Rückkehr der Kriegerin
Das Schwert der Königin

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Der Altersunterschied in deiner Heldengruppe ist auffällig. Zu dem über 50jährigen Yuriko kommt die 18jährige Galina, seine talentlose Schülerin. Wieso hast du dich für diese Konstellation entschieden?

Wir haben es ja gerade in der Phantastik oft mit sehr jungen, völlig auf sich gestellten Hauptfiguren zu tun. Eltern tot, Dorf abgebrannt. Ein Hintergedanke ist offenbar, dass diese Isolation nötig ist, damit die Jungen einen Reifeschritt vollenden können. Deshalb sterben den jungen Held*innen immer die erwachsenen Bezugspersonen weg (man denke nur an Harry Potter). Ich als eine „der Alten“ sehe in diesem Bild aber immer auch eine Menge nicht gestorbener Erwachsener, die keine Lust haben, diese Lücke zu füllen, die die jugendlichen Held*innen einfach so vor sich hin wurschteln lassen. Ich mag diese „unvorhandene“ ältere Generation nicht. Ich bin ein großer Fan davon, füreinander einzustehen. Galina genießt unter Fantasy-Heldenfiguren den Vorteil, dass sie Rückhalt in der älteren Generation hat (auch wenn Yuriko in diese Rolle erst hineinwachsen muss). Sie kann sich ausprobieren, ihren Weg finden, und genießt Schutz, so lange sie ihn braucht. Und diese Solidarität ist keine Einbahnstraße; sie ist wechselseitig und reicht auch bis in die Großeltern-Generation.

Neben deinem Buch erscheint im März noch ein zweites bei Amrûn zu dieser speziellen Tiergattung. Kann man ihn als Verlag der Kröten bezeichnen?

Faye Hells „Zeitalter der Kröten“ ist ein völlig anderes Kröten-Kaliber – düster, gruselig, dystopischer Horror um einen totalitären Staat, in dem alle Bücher bis auf eines verboten sind. Großartig und nichts für schwache Nerven. Wenn Amrûn der Krötenverlag ist, dann insofern, als dass mit diesen beiden Kröten die große Programmvielfalt und auch der Mut zu Neuem sichtbar werden.

In Japan und China gelten Kröten als Glücksbringer, was das Finanzielle betrifft. Wer 2019 die Ereignisse in der Verlagsszene verfolgt hat, weiß, dass wir alle gerade ein bisschen Krötenglück gut gebrauchen können.

Dein Protagonist ist diesmal ein Held wider Willen – und das ziemlich intensiv. Muss man Charaktere manchmal zu ihrem Glück zwingen?

Na ja, das erste Mal ist immer am schwersten. Krona hatte zum Beginn von Feuerjäger ja schon ihr gerüttelt Maß an Heldentaten vollbracht, die wollte endlich ihre Ruhe. Yuriko hat sich zu Beginn der Frost-Chroniken noch nicht so als Held hervorgetan. Er hat ein bisschen die Welt bereist und sich ansonsten ein bequemes Leben gemacht. Er hat nichts gegen die gute Sache – solange sich andere drum kümmern. Und – er wurde gerade von einer Frau erhört, die er seit Kindertagen verehrt. Es fällt ihm nicht im Traum ein, die jetzt wegen irgendeiner guten Sache sitzenzulassen. Deshalb ist es ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Autorin und einer Handvoll Figuren, ihn ins Abenteuer zu bekommen. Und die erste Hälfte davon will er eigentlich nur heim und fühlt sich fürchterlich ungerecht behandelt.

Wie würdest du deinen neuen Roman einem Leser mit einem Satz schmackhaft machen?

Du solltest ihn lesen, wenn High Fantasy gerade begonnen hat, dich zu langweilen.

Welche ungewöhnlichen Tiere würdest du irgendwann in Romanen einbauen?

Ich finde ja Schnabeltiere sehr toll, aber aktuell fehlt mir da noch die zündende Idee. Und nachdem sich Band 2 der FROST-Chroniken schon anbahnt, werde ich wohl noch ein Weilchen bei Kröten bleiben.

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