BUCH

Von Posthumanismus und Biopunk: Das Science Fiction Jahr 2019


Dank Crowdfunding, neuem Verlag und die Treue der Mitwirkenden und Leser kann das Buchprojekt DAS SCIENCE FICTION JAHR weiterhin erscheinen. Melanie Wylutzki, die das Buch gemeinsam mit Hardy Kettlitz herausgibt, erklärt, was hinter dem Projekt steckt.

DAS SCIENCE FICTION JAHR ist ein ganz besonderes Buchprojekt: Es handelt sich um eine Art Jahresrückblick in Buchform und spezialisiert sich dabei auf das Genre der Science Fiction – betrachtet es aber medienübergreifend. Der Almanach schaut zurück auf die Entwicklungen in Buch, Film, Computer- und Rollenspiel, Comics und den Medien für die Ohren.

Ein Stück Literaturgeschichte

Ins Leben gerufen wurde DAS SCIENCE FICTION JAHR bereits 1986 von Wolfgang Jeschke, der das Genre im deutschsprachigen Raum wie wohl kein anderer in seiner Funktion als Herausgeber und Lektor im Heyne Verlag geprägt hat. Seither ist es in ununterbrochener Reihenfolge erschienen: Nachdem Heyne den Stab abgegeben hat, übernahm Hannes Riffel das Prestigeprojekt im Golkonda Verlag. Als nun 2019 auch der Golkonda Verlag das Handtuch warf, fand es ein neues und hoffentlich langfristiges Zuhause im Hirnkost Verlag. – Und Fans anderer Genres, beispielsweise die Krimi-Leser, beneiden uns um diesen jährlichen “Snapshot” der SF-Landschaft.

Das Besondere an der Ausgabe 2019 ist nicht nur, dass wir sie (und hoffentlich viele weitere) Dank vieler Unterstützer über eine Crowdfunding-Kampagne retten konnten, sondern auch dass wir seit langem einmal wieder ein Schwerpunktthema eingeführt haben: Posthumanismus.

Melanie Wylutzki und Hardy Kettlitz

Warum Posthumanismus?

Posthumanismus – also das Überdenken und die Neudefinition des Konzepts Menschsein – faszinierte Schriftsteller und Denker schon seit jeher. Immer wieder fragt man sich: Was kommt nach dem Menschen, nach dem Humanismus. Wenn man etwas freier und weiter in Richtung Transhumanismus denkt, verlagert sich die Frage hin zum: Wie lässt sich der Mensch optimieren? Wie kann er über sich hinauswachsen und wie spielen technische Entwicklungen hinein.

Wir widmen Das Science Fiction Jahr 2019 genau diesem Thema, da es das Genre und seine Entwicklung seit jeher stark geprägt hat.

Schließlich kann man schon einen der Ur-Texte der Science Fiction, nämlich Mary Shelleys Frankenstein (1818) als posthumanistischen Roman bezeichnen, setzt sich doch Viktor Frankenstein bei der Erschaffung seines Monsters über die Natur hinweg.  Auch H.G. Wells spielt in Die Insel des Doktor Moreau mit diesen Motiven, wie viel andere Werke des Genres auch. Ein richtiger Hype entwickelte sich In den späten 1970er und 1980er Jahren um den Cyberpunk, ein Begriff, den Gardner Dozois einführte, um William Gibsons Neuromancer-Trilogie einzuordnen. In dieser Tradition standen auch Autoren wie Philip K. Dick, Harlan Ellison oder Neal Stephenson. Das besondere am Cyberpunk: Zwar werden lebende Organismen mithilfe der Hochtechnologie getunt, doch das geschieht nicht zwangsläufig zum Wohle der Menschen. Vielmehr wird genau diese Entwicklung infrage gestellt.

Heute, in den 2020ern ist das Thema präsenter denn je: Künstliche Intelligenzen begleiten uns im Alltag, wir sprechen mit Siri und Cortana und irgendwelche Algorithmen suchen für uns den best-matchende*n Partner*in aus irgendwelchen Datenbanken. Mit Einschränkungen wie schlechter Sehfähigkeit, muss man schon lange nicht mehr leben. Und generell streben wir im ständigen Social-Media-Vergleich immer nach dem Besten, Schönsten, Tollsten - ob es nun um unsere Intelligenz, unseren Körper oder unsere Erfahrungen geht. Manch einer strebt zuletzt auch danach, die Sterblichkeit überwinden zu können - nun, immerhin haben wir es geschafft, immer Älter zu werden, und - abgesehen von Corona und Krebs - die meisten unserer gesundheitlichen Feinde relativ erfolgreich in Schach zu halten.

Natürlich begegnen diese Themen uns auch heute in Literatur, Film, Serie, Comic und Co. - man denke zum Beispiel an Altered Carbon als Buch von Richard Morgan wie als Serie auf Netflix, Die Optimierer von Theresa Hannig, Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky oder Rosewater von Tade Thompson. Und es gibt noch so viel mehr.

Wir freuen uns, dass wir für Das Science Fiction Jahr 2019 Autor*innen wie Lars Schmeink, Dierk Spreen, Lena Richter, Judith Vogt, Georg Seeßlen, Sabrina Mittermeier und Mareike Spychala gewinnen konnten, um verschiedene Aspekte des Posthumanismus zu betrachten. Von der historischen Entwicklung über gewisse Kernthemen wie den Biopunk, Cyberpunk, die Beziehungen zwischen Trans- und Posthumanismus, wie Darstellungen in Film und TV unsere Wahrnehmung verändern, bis hin zu einem Blick auf posthumanistische Aspekte, die unser tägliches Leben beeinflussen.

Doch auch darüber hinaus hat DAS SCIENCE FICTION JAHR traditionell viel zu bieten - denn was wäre ein Jahrbuch, wenn es nicht zurückblicken würde? So lassen wir beispielsweise Revue passieren, was sich 2019 im Bereich Computerspiele, Film, TV und Streaming getan hat. Zudem beschäftigen wir uns mit Comics, Podcasts und einigen Autoren im Speziellen. Doch unser Fokus liegt traditionsgemäß auf dem Buch. So gibt es einen Spaziergang durch die deutsche Science Fiction des vergangenen Jahres, einen Blick in die Spezialbuchhandlung Otherland und den großen Hauptteil bilden die Buchrezensionen. Abgerundet wird der Almanach mit einem Überblick über die verliehenen SF-Preise, einem Nekrolog sowie einer Bibliographie der deutschsprachigen Neuerscheinungen.

  • Das Science Fiction Jahr 2019

Was erwartet uns 2020

Auch die nächste Ausgabe von DAS SCIENCE FICTION JAHR, die Dank des Hirnkost Verlags und der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne entstehen kann, wird sich rund um ein Schwerpunktthema drehen, eines, das uns in Zeiten der noch immer teilweise mangelnden Offenheit, Gleichberechtigung und Akzeptanz besonders wichtig erscheint und auch in der Science Fiction immer gegenwärtiger wird: Gender, Queer, Diversity.

Dabei ist das primäre Ziel, unseren Autor*innen eine Plattform zu geben, um unterschiedliche Facetten des Themas zu beleuchten. Lassen wir uns überraschen, was dabei herauskommt.

Weitere Links:

https://www.facebook.com/ScienceFictionJahr

https://shop.hirnkost.de/produkt/das-science-fiction-jahr-2019/

Über die Autorin

 

Melanie Wylutzki ist so alt wie das Buchprojekt DAS SCIENCE FICTION JAHR selbst, begleitet die Buchreihe seit nunmehr vier Ausgaben, zunächst als Redakteurin für das Gesamtwerk, jetzt als Herausgeberin. Früher war ihr gar nicht so bewusst, wie viel Science Fiction und Phantastik im Allgemeinen sie las, doch nach und nach kristallisierte sich heraus, dass ein kleiner Nerd in ihr schlummert. Nachdem sie bei FISCHER Tor den Beginn des Verlags mitbekommen hat, wechselte sie zum Golkonda Verlag, wo sie bis zuletzt das Programm verantwortete.

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