#Bücherhamstern Leipziger Buchmesse 2020

BUCH

#bücherhamstern: Kauft lieber neuen tollen Lesestoff statt Klopapier


Die Leipziger Buchmesse fällt bekanntlich in diesem Jahr aufgrund der Corona-Prävention ins Wasser. Vor allem Kleinverlage trifft dies hart, so auch in der Phantastik. Wir geben euch einen Überblick, warum die Messe für die Phantastikszene so wichtig ist, was es mit dem Hashtag #bücherhamstern auf sich hat und auf welchen Wegen ihr euch über die besten Neuerscheinungen informieren könnt.

Die Absage der Messe ist verständlich, der Schlag ins Kontor dennoch hart: Kleinverlage (nicht nur in der Phantastik) generieren einen erheblichen Teil ihres Jahresumsatzes auf der Leipziger Buchmesse. Durch den Direktverkauf und den unmittelbaren Kontakt mit Leser*innen können dabei auch Bücher abseits des Mainstreams abgesetzt werden, die im Restjahr in den Lagern schlummern und nur tröpfchenweise nachgefragt werden. Gleichzeitig suchen Fans und Buchliebhaber*innen auf der Messe nach genau diesen Werken, auf die sie online vielleicht nie aufmerksam geworden wären.

Dieser Bücherverkauf bewegt sich im Vergleich zu Publikumsverlagen innerhalb sehr überschaubarer Zahlen, sorgt aber oft dafür, dass es sich für einen Kleinverlag überhaupt lohnt, ein Buch zu veröffentlichen. Manche Buchauflagen wären ohne die Erwartung der Messeverkäufe sicherlich anders kalkuliert worden.

Gleichzeitig werden durch diese Einnahmen die Kosten für den Messeauftritt finanziert oder zumindest ein wenig kompensiert. Abseits von Standmieten, Anfahrtskosten und Hotelaufenthalten wird allerdings mit der Absage der Messe auch die wochenlange Vorbereitung zur Bestückung des Stands, zur Planung von Lesungen, Signierstunden und anderen Aktionen obsolet. Viele Verleger*innen leisten diese Arbeit neben ihrem Brotjob, denn von einem Kleinverlag kann meistens niemand leben. Events wie die Leipziger Buchmesse sorgen in diesem Zusammenhang also auch dafür, einen Sinn in einer Tätigkeit zu sehen, die im vergangenen Jahr ohnehin harten Prüfungen ausgesetzt gewesen ist – an dieser Stelle sei nur mal an die Pleite des Großhändlers KNV, die Auslistung vieler Kleinverlage durch Libri oder die Insolvenz namhafter Szeneverlage erinnert.

Black Heart
Dämonensaat
Das Zeitalter der Kröte

Leipzig als Markt der Begegnungen

Doch es geht beim Ausfall der Buchmesse nicht bloß um den Kostenfaktor. Leipzig stellt sicher den größten Treffpunkt der Phantastikszene innerhalb des Kalenderjahrs dar, allenfalls der Buchmesse Convent im Umfeld der Frankfurter Buchmesse ist damit ansatzweise vergleichbar. In Leipzig bekommen die Phantast*innen noch einen erheblich größeren Stellenwert zugestanden. Auch Kleinstverlage sind dort in der Lage, einen Stand zu mieten und ihre Veröffentlichungen einem größeren Publikum zu präsentieren. Die Fantasy-Leseinsel in Halle 2 dient als zentraler Treffpunkt sowie vielen Debüt- und Bestseller-Autor*innen als Bühne, die die meisten von ihnen sonst nirgends erhalten. Zudem wird dort der Literaturpreis Seraph verliehen, ebenfalls ein wichtiger Termin im Jahr. Daneben dient der Stand des Branchenvereins PAN e.V. (Phantastik-Autoren-Netzwerk) als Anlaufstelle im Gewusel der Messehallen, und Fans können ihren Lieblingsautor*innen dort so nahe kommen wie nie zuvor.

Vor allem fällt für viele Verlage durch den Ausfall der Messe eine wichtige Säule der öffentlichen Wahrnehmung weg: Nur an wenigen Tagen im Jahr können Kleinverlage so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie auf der LBM, natürlich durch spannende Aktionen und Präsentationen am Stand, aber vor allem durch die unzähligen Begegnungen mit Journalist*innen, Blogger*innen, neuen und alten Autor*innen sowie der gesamten Branche. Innerhalb der Unterhaltungsliteratur wird die Phantastik oft marginalisiert, der Buchhandel nimmt selbst die Veröffentlichungen großer Verlage abseits der Bestseller nur zögernd auf, doch in Leipzig können auch wir Phantasten uns als Teil von etwas Größerem fühlen – und der Zuspruch der Messebesucher*innen bestätigt Verlage wie Schreibende gleichermaßen darin, trotz aller Widrigkeiten an dem festzuhalten, was sie begeistert.

Die Erben Abaddons: Nimmerland
Drachenlachen
Hunting Hope

Leipzig ist – vielleicht für die kontaktfreudige und kollegiale Phantastikliteraturszene noch mehr als für andere Branchen – in erster Linie ein Ort der Begegnung, der sich weit über die Messehallen hinaus erstreckt, nicht zuletzt garniert durch die vielen Lesungen und Veranstaltungen von „Leipzig liest“.

Auch aus Autor*innensicht ist der Ausfall sehr enttäuschend. Für viele ist die Leipziger Buchmesse ein Highlight im Jahr, an dem sie nicht nur viele geschätzte Menschen treffen, sondern auch die Gelegenheit erhalten, für die eigene Veröffentlichung viel mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, als dies in ihrem alltäglichen Umfeld der Fall ist – besonders, wenn man nicht in einem großen Publikumsverlag veröffentlicht und kaum Präsenz im stationären Buchhandel besitzt.

Sie alle – Autor*innen und Verlage – werden durch den Ausfall der Leipziger Buchmesse einer ihrer wenigen größeren Bühnen beraubt, was letztlich viel schwerer wiegt als die finanziellen Einbußen, die damit einhergehen.

Grit Richter
© David Knospe

#bücherhamstern

Vielleicht ist er euch schon irgendwo begegnet: Um den Ausfall an Umsatz und Aufmerksamkeit ein wenig zu kompensieren, hat Verlegerin Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten den Hashtag #bücherhamstern in Umlauf gebracht. Wir haben für euch nachgefragt, was es damit auf sich hat. In ihren eigenen Worten: „Nachdem bekanntgegeben wurde, dass die LBM nicht stattfinden wird, habe ich in unserer PAN-Gruppe auf Slack nachgefragt, was wir tun sollen. Diese Niederlage in etwas Positives zu wandeln, war mein Anliegen. Da sich nichts so schnell verbreitet wie ein Hashtag, kam der Vorschlag, einen zu kreieren und zu verteilen, damit Verlage und Selfpublisher die Möglichkeit bekommen, ihre Werke trotzdem vorzustellen. Von der Autorin Sabrina Železný kam schließlich der Vorschlag #bücherhamstern, der sofort umgesetzt wurde. Nach diesem Anstoß hat sich der Hashtag dann sehr schnell verbreitet.

#bücherhamstern soll die Möglichkeit bieten, Leser*innen mit Verlagen und Selfpublisher*innen zusammenzubringen. Unter dem Hashtag können Verlage, Autor*innen und Selfpublisher*innen ihre Bücher vorstellen (vor allem die Neuheiten, die auf der LBM erschienen wären) und damit lässt sich gezielt nach Büchern abseits der Großverlage suchen. Es ist wie ein gemütliches Stöbern in der Online-Buchhandlung, ganz ohne Corona-Virus!“

Wir haben für euch eine Auswahl interessanter Programme von Kleinverlagen zusammengestellt, in denen ihr herumstöbern und Bücher aller Phantastikgenres hamstern könnt – das ist viel besser, als Nudeln, Konserven und Klopapier zu bunkern!

... und natürlich dürft ihr euch auch gerne bei uns umschauen!

Vielleicht habt ihr weitere Tipps für Kleinverlage mit interessanten Neuheiten – schreibt sie uns in die Kommentare!

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