Interview Simon Stålenhag

© Fredrik Bernholm

INTERVIEW

"Das Wichtigste ist die Geschichte": Interview mit Simon Stålenhag


Das neue Werk "Tales from the Loop" von Autor und Illustrator Simon Stålenhag verbindet atemberaubende Kunst und faszinierende Texte. Im Interview spricht Stålenhag über die Hintergründe seines innovativen Text-Bild-Projekts.

Tor Online: Was kam bei dir zuerst: der Text oder die Bilder?

Simon Stålenhag: Die Bilder. Angefangen hat es eigentlich damit, dass ich Freunde von früher getroffen und mit ihnen alte Erinnerungen ausgetauscht habe. So ist das Format dieser Bücher überhaupt erst entstanden: im Gespräch darüber, wie es damals war, als wir aufgewachsen sind. Und wir haben die alten Märchen von früher wieder aufgewärmt. Auch dieses Element wollte ich in die Bücher integrieren. Und als dann die Bilder im Internet, auf Twitter viral gingen, schrieben die Leute dazu, was sie selber darin sahen. Da tauchten noch weitere Interpretationen auf. Darüber habe ich mich gefreut, aber für mich ist das auch ein wichtiger Vorgang. Im Unterschied zu normalen oder „richtigen“ Bildkünstlern ist für mich das Wichtigste am Ende die Geschichte dazu.

Wie viel von dir selbst steckt in dem Jungen, der die Geschichte in „Tales from the Loop“ und „Things from the Flood“ erzählt?

Ziemlich viel. Das bin zwar nicht exakt ich, aber vieles davon stamm aus meiner eigenen Lebenserfahrung. Nicht die konkreten Details. Aber die Figuren, die dort beschrieben werden, die Atmosphäre, die Situationen, das Thema Scheidungen, Freunde mit irgendwelchen Problemen, das habe ich alles selbst erlebt. Anders kann ich fast gar nicht schreiben. Sonst schreibt man ja nur darüber, was man im Fernsehen gesehen oder in anderen Büchern gelesen hat.

Simon Stålenhag - The Electric State
Simon Stålenhag - Tales from the Loop

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Die beiden Bände bestehen aus vielen unterschiedlichen Dokumente wie Anekdoten, Laborberichten, Flugblättern und so weiter. Wie hast du deine Auswahl dabei getroffen?

Ich hätte am liebsten noch viel mehr solcher Materialien dabei gehabt. Richtig cool wäre eine Luxusausgabe mit richtig vielen solcher Dokumente gewesen. Aber es kostet wahnsinnig viel Zeit, sie anzufertigen. Das ist echter Fummelkram, die benötigen einfach extrem viele Arbeitsgänge. Also habe ich mich mit dem zufriedengeben, was jetzt vorliegt.

Gerade entsteht aus den beiden Büchern die Amazon-Serie „Tales from the Loop“. Wie fühlt es sich an, dass deine Kunst und deine Ideen dort lebendig werden?

Die Filmbranche hat mich schon immer ziemlich fasziniert. Ich war nicht bloß Filmfan, sondern habe schon als kleiner Junge dieses Hinter-den-Kulissen-Material geliebt, Dokumentationen über Filme und das Making-of. Daher hat es mir großen Spaß gemacht, selbst hinter die Kulissen gehen zu dürfen und die Menschen zu treffen, die genau damit arbeiten. Ich hatte das Ganze nicht erwartet, aber als es dann passiert ist, fühlte ich mich sehr gut darauf vorbereitet. Bei den Aufnahmen für die Serie wurde ich selbst richtig zum Fan. Das waren ja genau die Berufsgruppen, zu denen ich immer aufgeschaut habe.

Worin besteht für dich der größte Unterschied zwischen den Büchern und der Serie?

Zunächst einmal spielt die Serie nicht in Schweden, sondern in den USA. Durch diesen grundlegenden Unterschied verschwinden ganz viele schwedische Details aus der Geschichte. Aber dafür wird das Ganze größer. Dadurch, dass die Geschichte amerikanischer wird, wird sie gleichzeitig breiter, allgemeingültiger.

Dankeschön!

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