Neuerscheinungen Science Fiction Februar

BUCH

Neuerscheinungen Science Fiction: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder Büchernachschub aus der Science Fiction. Hier sind die aktuellen Lesetipps von der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland.

O. Westin - Micro Science Fiction

Science-Fiction-Kürzest-Geschichten von Twitter-Länge! Ich war auch erst skeptisch, ist aber einfach der Hammer, was uns der ominöse Autor O. Westin (außer Namenskürzel und Beruf - IT-Spezialist - ist nichts bekannt) da hinwirft. Selten so gelacht, geweint, gewundert. Kostprobe?

„Kleingeld, Sir?“ Irritiert brach er mit seiner Gewohnheit und sah den Bettler an.
"Nein! Geh arbeiten … Himmel! Du bist ein Roboter?“
„Die Menschen wurden ersetzt.“
05/06/2017 17:54:15

Auf dem Türschild stand: „Alles, was man braucht, um ein Held zu sein“. Viele öffneten sie, aber wichen zurück, als sie keine Ausrüstung fanden, nur schreckliche Situationen.
09/10/2017 18:44:53

„Auto, bring mich…“ Er dachte nach. Sein Zuhause, das war es nicht mehr.
„Dahin, wo ich sein sollte.“
Er sprach nie von dieser Reise, aber er kam als besserer Mensch zurück.
13/03/2015 13:48:49
(geschrieben von Caro)

John Marrs - The One

Die Idee hinter dem Thriller The One is einfach: per Gentest findet jeder seinen perfekten Lebenspartner. Bumm. Alles gut, alle glücklich und keine Fragen mehr. Eigentlich der Tod eines jeden Thrillers... aber wie es eben so ist mit der perfekten Welt, klappt es nicht.
Marrs erzählt aus den Perspektiven von fünf Personen, die ihr genetisches Gegenstück gefunden haben - entweder stecken sie bereits in Beziehungen (ohne genetisches Gegenstück) oder sie haben nun endlich jemanden gefunden. Und immer die Frage beim Lesen: wie würde man sich selbst entscheiden?
John Marrs hat mit The One einen Blick auf unsere nach Optimierung strebende Gesellschaft geworfen, die nach Garantie und Absicherung giert, um bloß keinen Fehler zu machen - das klingt lehrmeisterhaft und langweilig, ist aber tatsächlich sauspannend und unterhaltsam fesselnd. Ein tiefer Blick in unsere Abgründe und unsere zweifelhaften Werte. (geschrieben von Wolf)

Bernd Perplies - Am Abgrund der Unendlichkeit

Jenseits der Planeten, die sich zum Domenaion zusammengeschlossen haben, befindet sich Dunkelheit, das Nichts, der Abgrund – ein Feld ewiger Spekulation. Dann taucht tatsächlich eine Bedrohung aus diesem Dunkel und beginnt, Planeten auszulöschen. Ein interessanter Kniff von Perplies, nun gleich zwei Raumschiffcaptains, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, in die Schlacht gegen den unbekannten Feind zu werfen! Das Buch kann mit toll ausgedachten Alien-Spezies und einer überraschenden Antwort, um was es sich bei der Bedrohung handelt und wie man ihr begegnet, aufwarten! [geschrieben von Caro]

Micro Science Fictions
The One
Am Abgrund der Unendlichkeit

Sabrina Železný - Feuerschwingen

Inka im Weltraum? Mit Iberern als Konkurrenz? Auf der Suche nach El Dorado? Uh…? Was Sabrina Železný da probiert, hätte schnell in überflüssiger Langeweile enden können, aber dank eines Alternativ-Zeit-Twists, in dem die Menschen schon zur Zeit der Inka in den Weltraum aufbrachen, bekommt die Weltraumoper einen charmanten Dreh, den sie geschickt mit dem Schicksal zweier Männer, einem Inka und einem Iberer verbindet. Relativ wenig Technik, aber eine Geschichte, die angenehm ungewöhnlich ist und deren Abenteuercharakter Spaß beim Lesen macht. (geschrieben von Wolf)

Kir Bulytschow - Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes

Vorweg: Ich habs noch nicht gelesen (So viele Bücher! So wenig Zeit!). Aber ich finde ja sowjetische Literatur insgesamt und deren Vorstellungen von Zukunft im Besonderen prinzipiell erstmal faszinierend, also wirds bestimmt noch dazu kommen.
Was ich dem Klappentext und dem persönlichen Gespräch mit Herausgeber Hardy Kettlitz entnehmen kann, klingt jedenfalls hinreichend interessant, um den “zu Lesen”-Stapel um weitere 304 Seiten anwachsen zu lassen: Kir Bulytschow war in der Sowjetunion ähnlich beliebt wie die Strugatzki-Brüder, aber ähnlich wie diese konnte er vor dem Beginn der Gorbatschow-Periode nicht alles veröffentlichen, was er so geschrieben hatte. Dazu zählt die Titel-Erzählung dieses Bandes, in der die Menschheit der frühen 1980er von Außerirdischen das Angebot erhält, jede Nation der Erde dürfe einen ihrer Verstorbenen wieder auferstehen lassen.

Wer wird das sein, wenn die Wahl auf dem einheitlichen Willen des gesamten Sowjetvolkes beruhen muss - Lenin? Stalin? Der irre Ziolkowski? Und welche Propagandamaschinerie wird die Sowjetregierung auffahren, um diesen einheitlichen Willen überhaupt herzustellen? Ich hab keine Ahnung, aber ich bin gespannt. Außerdem finden sich im dem Band noch drei weitere Erzählungen, alle vier erscheinen erstmals auf Deutsch.
Bulytschow ist mir jedenfalls beim Rumräumen in unserem Antiquariat schon öfter in die Hände gefallen. Wers noch nicht weiß: Wir haben da mehrere Kisten mit in der DDR erschienener SF rumstehen, in denen sich ungeahnte Schätze verbergen. Nein, die sind ungeordnet und nicht irgendwo online erfasst - wer sich dafür interessiert, muss selbst den Weg in die Untiefen des Otherland antreten, oder den Buchhändlerinnen eine nette Mail mit euren Wünschen schreiben und hoffen, dass sie Zeit haben, in die Papierberge einzutauchen und historische Schätze für euch zu bergen. Oder sich halt auf Neuerscheinungen von altem Kram, wie die hier besprochene freuen, von denen es beim neuen Memoranda-Verlag hoffentlich noch eine ganze Reihe geben wird. (geschrieben von Sarah)

Tade Thompson - Rosewater
Der erste Teil der Wormwood-Trilogy ist, nach mehreren Verschiebungen, jetzt endlich bei Golkonda erschienen und sofort habe ich mir das vor ein paar Tagen im Laden eingetrudelte Leseexemplar geschnappt. Zwei Kapitel gelesen und ich bin angefixt: Wir sind im Jahr 2066 in Nigeria, wo elf Jahre zuvor eine mysteriöse Kuppel aufgetaucht ist, irgendwie außerirdisch, unverständlich, hermetisch abgeschlossen, außer an einem einzigen Tag des Jahres. Wenn sie sich öffnet, das haben die Menschen schnell spitzgekriegt, setzt sie mikroskopische xenobiologische Partikel frei, die körperliche und geistige Gebrechen heilen können (anscheinend geht das allerdings auch manchmal schief, aber wie und warum wurde bisher noch nicht erklärt) - weshalb um die Kuppel herum denn auch innerhalb eines Jahrzehnts eine Stadt, eben Rosewater, entstanden ist, und der jährliche Öffnungstag ein Event für Kranke, Gläubige, Verzweifelte jeglicher Herkunft und Weltanschauung geworden ist.

Der Erzähler, Kaaro, ist nach eigener Angabe der einzige, der die Kuppel jemals betreten hat. Er ist außerdem ein “Empfänger” mit Zugang zur “Xenosphäre” - einer Art telepathischem Netzwerk von Gedanken, Empfindungen und Erinnerungen, in dem sich alle möglichen Agenten tummeln: Kleinkriminelle und Hacker zum Beispiel, gegen die Kaaro und seine Kollegen aus der Bank Firewalls aus klassischer Literatur (Platon, Tolstoi, Dumas) errichten und die, zumindest die geschulten und geschickten von ihnen, nicht in ihrer körperlichen Gestalt auftreten, sondern in allen möglichen Avataren. Kaaro ist außerdem, illegalerweise, für die lokale Sicherheitsbehörde tätig, für die er über die Xenosphäre die Erinnerungen von Verdächtigen analysiert.
Das Ganze erinnert ein bißchen an Otherland (die Avatare, das unwillkürliche Abrutschen Kaaros in die Xenosphäre), aber auch an Picknick am Wegesrand (die unerklärliche außerirdische Präsenz, die scheinbar völlig unmotiviert heilbringende Wirkung hat, wobei darum herum das profane Leben mit Banken, Arbeit, Kapitalismus ganz normal weitergeht). Das Ganze in einem nigerianische Setting, das dem Autor aus seiner Kindheit und Jugend vertraut ist, ergibt eine aufregend eigene Mischung, auf die ich sehr gespannt bin.

Noch ein Wort zur Übersetzung: Die hat unser lieber Kollege Jakob gemacht und bisher finde ich sie, ohne mit dem Original abgeglichen zu haben, ausgesprochen gut zu lesen. Wenn dieser Newsletter erscheint, dürften die Verkaufsexemplare von Rosewater auch endlich im Otherland eingetroffen sein. Teil 2 und 3 sind auf Englisch bereits erschienen. Wer will, dass die Trilogie auch auf Deutsch weitergeführt wird, sollte also schnell vorbeikommen und ein Exemplar erwerben! (geschrieben von Sarah)

Feuerschwingen
Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes
Rosewater

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