Die Hugo Awards 2002: Das waren die Gewinner

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KOLUMNE

Die Hugo Awards 2002: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2002?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2002 auf der ConJosé in San José statt.

Toastmaster: Tad Williams

Novel

Neil Gaiman: American Gods

(2001 bei Morrow; dt. American Gods, Heyne Hardcover, H 87422; überarbeitete Neuausgabe bei Eichborn)

Die Hugo Awards 2002: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2002: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2002: Das waren die Gewinner

Der britische Autor Neil Gaiman (*1960) war in Deutschland bis 2002 vor allem durch den gemeinsam mit Terry Pratchett verfassten Roman Good Omens (1990; dt. Ein gutes Omen) und durch seine Kurzgeschichten aufgefallen, gesammelt in dem Band Smoke and Mirrors (1998; dt. Die Messerkönigin). Auch dort ging es zum Teil um US-amerikanische Mythologie, doch nun legte Gaiman ein Werk von ganz anderem Kaliber vor. In American Gods geht es um die alten Götter, die von den Einwanderern nach Nordamerika mitgebracht wurden – und das buchstäblich. Diese alten Götter müssen sich gegen neue durchsetzen, und zwar gegen die Götter der Technologie und der modernen Kultur. – Protagonist des umfangreichen Buches ist Shadow, der zu Beginn nach einer dreijährigen Haftstrafe vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird und erfahren muss, dass seine geliebte Frau und sein bester Freund gerade bei einem Autounfall gestorben sind. Auf dem Flug in seine Heimatstadt lernt er einen seltsamen Fremden kennen, der ihn als Leibwächter anheuert. Der Fremde nennt sich Mr. Wednesday, und bald stellt sich heraus, dass es sich bei ihm um den Gott Odin handelt, der die alten Götter versammelt, um sich gegen die neuen Götter zu verteidigen, die nach und nach die Welt übernehmen wollen. Im Laufe der Handlung treten zahlreiche übernatürliche Wesen auf, denen Shadow und Mr. Wednesday auf ihrer Reise begegnen.

In vielen Zwischenkapiteln über die Besiedelung Amerikas wird der Weg der Götter in die neue Welt beschrieben. Wer nun aber einen handlungsreichen Götterkrieg erwartet, wird zunächst schwer enttäuscht. Stattdessen erinnert der Roman eher an ein Roadmovie, in dem die ruhelosen Protagonisten von einem Ort zum anderen ziehen, bis schließlich die Zahl der auftretenden Figuren fast unübersichtlich wird.

Die Götter und mythischen Kreaturen existieren nur so lange, wie die Menschen an sie glauben. Daher gewinnen die neuen Götter, wie zum Beispiel die Medien, das Internet oder das Börsenkapital, immer mehr an Macht, während die alten Götter immer schwächer werden. Zumal Mr. Wednesday zunehmend Schwierigkeiten hat, sie zu aktivieren, denn die alten Götter sind träge geworden. Erst als Mr. Wednesday von den neuen Göttern erschossen wird, rüttelt das einige wach. Shadow hält die Totenwache für Wednesday, was zu einer großen Herausforderung wird, bei der Shadow stirbt. Im Jenseits wiegt Anubis seine Seele, und Shadow erfährt schließlich, dass er der Sohn von Wednesday ist.

Wednesdays Tod war ein raffinierter Plan, den dieser zusammen mit Loki ausgeheckt hat, um den Götterkrieg in Gang zu setzen. Der Tod der anderen Götter hätte Odin gestärkt zurückgebracht und Loki mit Chaosenergie versorgt. Durch ein Ritual wird Shadow ins Leben zurückgerufen und er begibt sich nach Rock City.

In der verschlungenen und prachtvollen Erzählung tauchen übrigens auch gelegentlich Figuren aus Gaimans Comic-Roman Sandman auf.

Der Kritiker Denis Scheck bezeichnete American Gods in seiner Fernsehsendung DRUCKFRISCH als »Ausnahmeroman der phantastischen Literatur, der seit seinem ersten Erscheinen 2001 bereits den Status eines legendenumrankten Meisterwerks erlangt hat«.

Im Jahr 2011 erschien eine um 12.000 Wörter erweiterte Fassung des Romans bei William Morrow, die in neuer Übersetzung von Hannes Riffel auf Deutsch erschienen ist. Der Roman wurde von Bryan Fuller und Michael Green als Fernsehserie umgesetzt, deren erste Staffel 2017 auch in Deutschland zu sehen war.

Gaiman hat für dieses Buch nicht nur den Hugo Award, sondern auch den Bram Stoker Award und den Nebula Award erhalten und war damit außerdem für den BSFA Award nominiert.

Weitere Nominierungen:

Lois McMaster Bujold: The Curse of Chalion

(2001 bei HarperCollins/Eos; dt. Chalions Fluch, B 20486)

Connie Willis: Passage

(2001 bei Bantam; nicht auf Deutsch)

China Miéville: Perdido Street Station

(2001 bei Macmillan und Del Rey; dt. in zwei Bänden: Die Falter, B 23245, Die Weber, B 24298; in einem Band Perdido Street Station, Amazon und H 31539)

Robert Charles Wilson: The Chronoliths

(2001 bei Tor; dt. Die Chronolithen, H 52105)

Ken MacLeod: Cosmonaut Keep

(2001 bei Orbit und Tor; nicht auf Deutsch)

Novella

Vernor Vinge: »Fast Times at Fairmont High«

(The Collected Stories of Vernor Vinge, Tor; nicht auf Deutsch)

Im Gegensatz zu den beiden mit dem Hugo ausgezeichneten Romanen A Fire Upon the Deep und A Deepness in the Sky spielt diese lange Erzählung nicht in ferner Zukunft in den Weiten des Universums, sondern auf der Erde in naher Zukunft. Die neuen Computertechnologien ermöglichen es den Leuten, eine erweiterte Realität wahrzunehmen, die »Augmented Reality«. Außerdem können sie sich selbst überall dort als Hologramm erscheinen lassen, wo ein Knoten des Netzwerkes existiert. Und so haben auch Schüler die Möglichkeit, virtuell am Unterricht teilzunehmen, wenn eine physische Anwesenheit nicht unbedingt erforderlich ist.

Die Hauptfigur der Geschichte heißt Juan, der gemeinsam mit Miriam an einem Offline-Projekt für die Schule arbeitet, bei dem sie keinen Kontakt mit dem Internet haben dürfen. Das ist eine große Herausforderung für die beiden, da sie die Vernetzung als selbstverständlich ansehen. Obendrein soll das Projekt, bei dem es sich um den Torrey Pines State Natural Reserve Park dreht, der Schule eine Einkommensquelle eröffnen. Doch schließlich finden Juan, Miriam und ihr Großvater in diesem Park intelligente Mäuse. Was hat es damit auf sich?

Im Grunde handelt es sich bei dieser langen Erzählung um eine Art Vorgeschichte zu dem Roman Rainbows End (siehe Hugo 2007), in dem der Leser viele Themen und auch einige Personen, wie zum Beispiel Miriam Gu oder die Fairmont High, wiedertrifft und in dem der Autor mehr Raum zur Verfügung hat, um die Themen Augmented Reality und Virtual Reality unter diversen Aspekten zu beleuchten.

Weitere Nominierungen:

Allen Steele: »Stealing Alabama«

(Januar 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Brenda W. Clough: »May Be Some Time«

(April 2001 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Andy Duncan: »The Chief Designer«

(Juni 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Jack Dann: »The Diamond Pit«

(Juni 2001 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Novelette

Ted Chiang: »Hell Is the Absence of God«

(2001 in Patrick Nielsen Hayden [Hrsg.]: Starlight 3, Tor; dt. »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« in Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes, Golkonda)

Die Geschichte ist in einer Welt angesiedelt, die zwar unserer Gegenwart ähnelt, in der jedoch die Existenz Gottes durch regelmäßige Engelserscheinungen erwiesen ist. Man kann die Seelen der Verstorbenen beobachten, wie sie zum Himmel oder zur Hölle fahren, und immer wieder geschehen Wunder, bei denen Menschen von Leiden erlöst oder schweren Prüfungen unterzogen werden. So stirbt die Frau der Hauptfigur Neil Fisk qualvoll an den Folgen einer Engelserscheinung, als der lodernde Flammenmantel des Engels die Fensterscheiben zerbersten lässt und die Scherben der Frau tödliche Wunden zufügen, an denen sie verblutet. Kurz darauf fährt sie zum Himmel auf. Obendrein verursacht das Erscheinen des Engels einen Sachschaden von mehr als acht Millionen Dollar, für die keine Versicherung aufkommt. Neil Fisk hat keinen besonders gefestigten Glauben; um nach seinem Tod wieder mit seiner Frau Sarah im Himmel vereint zu sein, möchte er aber nun ein frommer Mann werden.

Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser auch von den Schicksalen anderer Personen, zum Beispiel von Janice Reilly, die statt mit Beinen mit delfinartigen Flossen zur Welt gekommen ist und durch ein himmlisches Wunder im Erwachsenenalter Beine erhalten hat. Ein anderer Mann verlor durch ein Wunder seine Augen, sodass sein Gesicht aussieht, als hätte er niemals Augen gehabt. Die Menschen unternehmen immer wieder Wallfahrten zu den Orten, wo man die nächste Engelserscheinung vermutet, auch wenn es mehr als gefährlich ist und Menschen eher durch Unglücke zu Tode kommen, als dass sie Wunder erleben. Neil Fisk findet schließlich den Weg zur wahren Frömmigkeit, aber wird er zum Himmel auffahren?

Erschütternd ist an dieser Erzählung, dass alle göttlichen Erscheinungen und Wunder vollkommen willkürlich und zufällig geschehen, absolut unabhängig von Taten oder vom Glauben der Menschen. Ebenso zufällig ist es, ob die Seele eines Menschen nach dem Ableben zum Himmel oder zur Hölle fährt. Und so lässt die Erzählung zwei Interpretationen zu, nämlich dass »die Wege des Herrn unergründlich« sind oder dass es sich bei Gott und seinen Völkerscharen lediglich um eine blinde Naturgewalt handelt.

Mit dieser Erzählung gewann Chiang nach vier Nominierungen seit 1991 nicht nur seinen ersten Hugo, sondern auch den Nebula Award, den Locus Award sowie den Seiun Award und war für den Theodore Sturgeon Award nominiert.

Nachdem 2011 der gleichnamige Erzählungsband von Ted Chiang in Deutschland bei Golkonda erschienen war, rezensierte Denis Scheck das Buch in der ARD-Sendung DRUCKFRISCH und bezeichnet Chiang als den »derzeit besten Verfasser von Science-Fiction- und Fantasy-Erzählungen«.

Weitere Nominierungen:

Allen Steele: »The Days Between«

(März 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

James Patrick Kelly: »Undone«

(Juni 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Charles Stross: »Lobsters«

(Juni 2001 in ASIMOV’S; enthalten in Accelerando, H 52195)

Shane Tourtellotte: »The Return of Spring«

(November 2001 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Short Story

Michael Swanwick: »The Dog Said Bow-Wow«

(Oktober/November 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick hatte für seine Erzählungen bereits zweimal den Hugo gewonnen (siehe 1999 und 2000). Obwohl er auch einige sehr interessante Romane geschrieben hat – zum Beispiel den Nebula-Award-Gewinner Stations of the Tide (1991; dt. In Zeiten der Flut) –, erregen seine Erzählungen für gewöhnlich mehr Aufmerksamkeit, und das nicht nur wegen der großartigen Ideen, sondern vor allem wegen des geschliffenen Stils.

»The Dog Said Bow-Wow« spielt in nicht allzu ferner Zukunft nach einem Krieg zwischen den Menschen und den von ihnen geschaffenen künstlichen Intelligenzen. Zwar haben die Menschen den Krieg gewonnen, doch sind dabei auch zahlreiche technische Errungenschaften vernichtet worden. In vielerlei Hinsicht befindet sich die Gesellschaft auf dem Niveau der viktorianischen Zeit, vor allem was die Kommunikation anbelangt. Protagonist der Geschichte ist Sir Blackthorpe Ravenscairn de Plus Precieux, der kurz Sir Plus oder auch »Surplus« genannt wird, ein genetisch veränderter sprechender Hund mit menschlicher Intelligenz. Gemeinsam mit seinem Komplizen Darger schmiedet er einen Plan, um mehrere Würdenträger im Buckingham Palast um ihre Reichtümer zu betrügen. Dabei ist »Surplus« nicht die einzige skurrile Figur. Die englische Königin, Gloriana die Erste, ist bereits über hundert Jahre alt, die Ladys tragen biolumineszierende Kleider, und die Herren tragen Schuhe und Handschuhe, die aus ihrer eigenen Haut geklont wurden.

Die interessante stilistische Mischung aus Post-Cyberpunk und Steampunk führte dazu, dass die Erzählung in entsprechenden Anthologien nachgedruckt wurde, wie zum Beispiel in Beyond Singularity (2005 bei Ace, herausgegeben von Jack Dann und Gardner Dozois) und Rewired: The Post-Cyberpunk Anthology (2007 bei Tachyon, herausgegeben von James Patrick Kelly und John Kessel). Swanwick ließ seiner Erzählung bis 2014 noch drei weitere Geschichten um Darger und Surplus folgen.

Weitere Nominierungen:

Ursula K. Le Guin: »The Bones of the Earth«

(2001 in Tales from Earthsea, Harcourt; dt. »Die Gebeine der Erde« in Le Guin: Das Vermächtnis von Erdsee, H 9153)

Mike Resnick: »Old MacDonald Had a Farm«

(September 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Stephen Baxter: »The Ghost Pit«

(Juli 2001 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Michael A. Burstein: »Spaceships«

(Juni 2001 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Related Book

Ron Miller & Frederick C. Durant III zusammen mit Melvin H. Schuetz: The Art of Chesley Bonestell

(2001 bei Paper Tiger; nicht auf Deutsch)

Der US-Amerikaner Chesley Bonestell (1888–1986) wird immer wieder »Father of Modern Space Art« genannt und war zweifellos der wichtigste Künstler auf dem Gebiet der Weltraummalerei. Bekannt wurde er 1944 für seine fotorealistischen Gemälde des Saturn, und zwar von dessen Monden aus betrachtet, die in LIFE erschienen. Danach wurden in den führenden amerikanischen Zeitschriften immer wieder Bilder mit astronomischen Motiven gedruckt und schließlich in einem ersten Buch, The Conquest of Space (1949, mit Texten von Willy Ley), gesammelt. Bonestell arbeitete auch für Hollywood an den Produktionen von George Pal mit, zum Beispiel bei Destination Moon, When Worlds Collide, The War of the Worlds und Conquest of Space. Ab 1947 erschienen seine Arbeiten auf den Covern von führenden SF-Magazinen. Wernher von Braun beauftragte Bonestell mit der Visualisierung des Konzeptes für die US-amerikanische Raumfahrt. Diese Bilder wurden in dem Buch Conquest of the Moon (1953, Autoren Wernher von Braun, Fred Lawrence Whipple und Willy Ley) verwendet. Bis Mitte der 70er-Jahre erschienen rund zehn weitere wichtige und weitverbreitete Bücher zu den Themen Astronomie und Raumfahrt, die von Bonestell illustriert waren.

In The Art of Chesley Bonestell ist zunächst ein Vorwort von Arthur C. Clarke zu finden, der unter anderem darüber schreibt, welchen großen Einfluss die Bilder auf seine Vorstellungskraft und sein Denken über die Raumfahrt hatten. Auf den ersten rund 100 Seiten widmen sich die beiden Herausgeber dem Leben und Werk des Künstlers, illustriert mit zahlreichen Fotos und Abbildungen. Danach folgt eine umfangreiche Galerie, die Werke aus allen Schaffensphasen Bonestells abbildet. Die Association of Science Fiction and Fantasy Artists vergibt seit 1985 den weltweit wichtigsten Preis für SF-Malerei, der zunächst ASFA Award hieß und nach Bonestells Tod 1986 ihm zu Ehren in ›Chesley Award‹ umbenannt wurde.

Weitere Nominierungen:

Michael Swanwick: Being Gardner Dozois

(2001 bei Old Earth Books; nicht auf Deutsch)

Tom Shippey: J. R. R. Tolkien: Author of the Century

(2001 bei HarperCollins und Houghton Mifflin; dt. J. R. R. Tolkien. Autor des Jahrhunderts, Klett-Cotta)

Karen Haber (Hrsg.): Meditations on Middle-Earth

(2001 bei St. Martin’s Press/A Byron Preiss Book; dt. Tolkiens Zauber, H 9228)

Jane Frank: The Art of Richard Powers

(2001 bei Paper Tiger; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: I Have This Nifty Idea … Now What Do I Do With It?

(2001 bei Wildside Press; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation

The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring

(New Line Cinema; Drehbuch Fran Walsh & Philipa Boyens & Peter Jackson; Regie Peter Jackson; basiert auf dem Buch The Fellowship of the Ring von J. R. R. Tolkien; dt. Der Herr der Ringe: Die Gefährten)

Der Herr der Ringe galt jahrzehntelang aufgrund seines Umfangs, der Vielzahl der Figuren und der Exotik der Schauplätze als unverfilmbar. Trotzdem hatte Ralph Bakshi im Jahr 1978 den ersten Versuch unternommen und war damit sogar für den Hugo 1979 nominiert gewesen. Bakshi drehte dazu mit realen Schauspielern und verwendete das Rotoskopie-Verfahren, bei dem die Figuren nachgezeichnet werden, sodass eine Art Zeichentrickfilm entstand, der von Fans und Kritikern sehr unterschiedlich bewertet wird.

Knapp zwanzig Jahre später begann der neuseeländische Regisseur und Produzent Peter Jackson mit den Vorbereitungen für eine neue Verfilmung. Bei den ersten Nachrichten über dieses Projekt hatten viele Fans Zweifel daran, dass Jackson ein solch riesiges Unterfangen erfolgreich zu Ende führen könnte. Jackson war zuvor hauptsächlich Horrorfans durch mehrere Splatterfilme bekannt, die mit eher geringem Budget gedreht wurden. Doch das fulminante Ergebnis überwältigte Zuschauer und Kritiker gleichermaßen. Die Filmtrilogie kam in drei aufeinanderfolgenden Jahren in die Kinos (2001 bis 2003), wurde für insgesamt 30 Oscars nominiert und errang 17 Oscars. Peter Jackson war plötzlich zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten Filmemacher der Gegenwart geworden.

Die Filme halten sich weitgehend an die Buchvorlage, obwohl aufgrund der filmischen Dramaturgie einige kleinere Änderungen vorgenommen werden mussten. Entscheidend ist jedoch, dass die Filme dem Geist von Tolkiens Büchern entsprechen und diese in zuvor niemals auf der Leinwand gesehene Bilder umsetzen. Jacksons größtes Verdienst ist es, dass er den Herrn der Ringe auch einem allgemeinen Publikum zugänglich machte, das sonst kaum Fantasy-Literatur liest. Die Filmtrilogie löste einen Boom für Fantasy-Filme und -Bücher aus, ähnlich wie es den Star Wars-Filmen über zwanzig Jahre zuvor für die Science Fiction gelungen ist.

Weitere Nominierungen:

Shrek

(DreamWorks SKG/Pacific Data Images; Drehbuch Ted Elliott & Terry Rossio & Joe Stillman & Roger S. H. Schulman; Story Edmund Fong & Ken Harsha; Regie Andrew Adamson & Vicky Jenson; dt. Shrek – Der tollkühne Held)

Harry Potter and the Sorcerer’s Stone

1492 Pictures/Heyday Films/Warner Brothers; Drehbuch Steven Kloves; Regie Chris Columbus; dt. Harry Potter und der Stein der Weisen)

Monsters, Inc.

(Pixar Animation/Disney; Drehbuch Dan Gerson & Andrew Stanton; Story Jill Culton & Peter Docter & Ralph Eggleston & Jeff Pidgeon; Regie Pete Docter & David Silverman & Lee Unkrich; dt. Die Monster AG)

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: »Once More, With Feeling«

(Fox Television Studios/Mutant Enemy, Inc.; Drehbuch und Regie Joss Whedon; dt. »Noch einmal mit Gefühl«)

Professional Editor

Ellen Datlow

Ellen Datlow (*1949) war bereits seit Jahren eine erfahrene Herausgeberin, und seit 1990 war sie bereits achtmal für den Hugo nominiert. Sie war von 1981 bis 1995 Co-Herausgeberin von OMNI, betreute von 1995 bis 1998 OMNI ONLINE und übernahm von 2000 bis 2005 die Herausgebertätigkeit für SCI FICTION (SciFi.com). Seit 2013 ist sie für TOR.COM tätig. Von 1988 bis heute hat sie über achtzig Anthologien zusammengestellt. Besonders wichtig war dabei die Reihe THE YEAR’S BEST FANTASY AND HORROR, die mit 21 Bänden von 1988 bis 2008 erschien (St. Martin’s Press) und seit 2009 THE BEST HORROR OF THE YEAR heißt (Night Shade Books).

2001 brachte sie in 38 Online-Ausgaben von SCI FICTION Erzählungen von neuen Autoren, aber auch einige Klassiker aus früheren Jahrzehnten (Robert Sheckley, Bob Shaw, John Wyndham, James Blish). Gemeinsam mit Terri Windling stellte sie THE YEAR’S BEST FANTASY & HORROR: FOURTEENTH ANNUAL COLLECTION (St. Martin’s Press) zusammen, in der u. a. Autoren wie Harlan Ellison, Charles de Lint, Ramsey Campbell, Nalo Hopkinson, Kelly Link, Susanna Clarke, Stewart O’Nan, Jonathan Carroll, Jack Ketchum, John Crowley, Jeffrey Thomas und Neil Gaiman zu finden sind.

Weitere Nominierungen:

Gardner Dozois | Stanley Schmidt | Patrick Nielsen Hayden | Gordon Van Gelder

Professional Artist

Michael Whelan

Den bislang letzten Hugo, insgesamt war es sein fünfzehnter, erhielt Michael Whelan trotz weniger Veröffentlichungen auf Buchcovern. 2001 erschienen seine Bilder auf den Büchern Otherland: Sea of Silver Light von Tad Williams, der Anthologie Sword and Sorceress XVIII, herausgegeben von Marion Zimmer Bradley, und Kingdom of Cages von Sarah Zettel. Im Magazin REALMS OF FANTASY erschien in der Oktoberausgabe eine Galerie von Whelan, begleitet durch ein Essay von Karen Haber. Auch in Spectrum 8: The Best in Contemporary Fantastic Art, herausgegeben von Cathy und Arnie Fenner, erschienen mehrere Bilder Whelans.

Weitere Nominierungen:

Bob Eggleton | Frank Kelly Freas | Donato Giancola | Jim Burns

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

2001 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von je 72 bis 88 Seiten. Interviewt wurden Vernor Vinge, Wil McCarthy, Lois McMaster Bujold, Terry Brooks, Frank Kelly Freas, Ellen Datlow, Bruce Sterling, John Crowley, Steven Erikson, Thomas M. Disch, Kathleen Ann Goonan, Harlan Ellison, Bob Eggleton, Andy Duncan, Ursula K. Le Guin, Joe Haldeman, Nalo Hopkinson, Lucius Shepard, Jack Zipes, Shaun Tan und Walter Mosley. Neben den aktuellen Marktberichten aus den USA gab es Informationen über SF in England, China, Kuba, Finnland, Tschechien, Brasilien und arabische Staaten. Umfangreichere Nachrufe würdigten Gordon R. Dickson, Richard Laymon, Jenna Felice, Douglas Adams, Poul Anderson, Josh Kirby und Fred Hoyle. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden von Jonathan Strahan, Mark R. Kelly, Faren Miller, Russell Letson, Gary K. Wolfe, Edward Bryant, Carolyn Cushman und Karen Haber geschrieben.

Weitere Nominierungen:

INTERZONE (David Pringle)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
SPECULATIONS (Susan Fry, published by Kent Brewster)
ABSOLUTE MAGNITUDE (Warren Lapine)

Fanzine

ANSIBLE (Dave Langford)

Seit 1979 bringt Langford mit seinem Fanzine ANSIBLE Nachrichten und Neuigkeiten aus der SF-Welt zu den Fans. Im Jahr 2001 erschienen zwölf Ausgaben (Nummer 162 bis 173), in denen es auch einen Conkalender, die Geeks’ Corner und private Informationen über Autoren gab. Die alten Ausgaben kann man bis heute im Internet unter der Adresse http://news.ansible.uk nachlesen.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
MIMOSA (Nicki & Richard Lynch)
PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)
CHALLENGER (Guy Lillian, III)

Fan Writer

Dave Langford

Neben ANSIBLE und dem »Ansible Link« in INTERZONE schrieb Langford auch eine gelegentliche Kolumne für F&SF über »Curiosities« sowie Rezensionen für ^ITHE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION. Nach inzwischen über zwanzig Jahren Tätigkeit im Fandom wurde Langford nicht müde, über Neuigkeiten und interessante Bücher zu berichten.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer | Steven H Silver | Bob Devney | John L. Flynn | Jeff Berkwits

Fan Artist

Teddy Harvia

In diesem Jahr erhielt Teddy Harvia alias David Thayer seinen vierten und bisher letzten Hugo (siehe 1991, 1995 und 2001). Seine Cartoons erscheinen allerdings weiterhin, und das nicht nur in Fanzines, sondern auch online.

Weitere Nominierungen:

Brad Foster | Sue Mason | Frank Wu | Sheryl Birkhead

Web Site

Locus Online (www.locusmag.com), Mark R. Kelly

2002 wurde erstmals ein Hugo für die beste Internetpräsenz vergeben. Inzwischen war es durchaus üblich, dass Magazine eigene Websites hatten, und insbesondere LOCUS lebte davon, schnell über Neuigkeiten vom Buchmarkt zu berichten. Mark R. Kelly, der vom LOCUS-Team als »Electronic Editor-in-Chief« bezeichnet wird, hatte bereits 1997 den Internetauftritt des Magazins konzipiert und gestaltet. Seit 2000 betreute er den »Locus Index to Science Fiction Awards«, die erste systematische Übersicht zu allen wichtigen Genrepreisen im Internet. Später baute er auch die umfangreiche Online-Bibliographie mit auf. www.locusmag.com ist bis heute eine der wichtigsten Nachrichtenseiten für Science Fiction im Internet.

Weitere Nominierungen:

SciFi.com (www.scifi.com), Craig Engler
SF Site (www.sfsite.com), Rodger Turner
Strange Horizons (www.strangehorizons.com), Mary Anne Mohanraj
Tangent Online (www.tangentonline.com), Dave Truesdale & Tobias Buckell

John W. Campbell Award

Jo Walton

Jo Walton (*1964) wurde in Wales geboren und besuchte nach der schulischen Ausbildung die Universität von Lancaster. Seit 2002 lebt sie in Kanada und ist inzwischen auch kanadische Staatsbürgerin.

Bereits in der Kindheit hat sie mit dem Schreiben begonnen. Später war sie im Online-Science-Fiction-Fandom sehr aktiv. Ihr Debüt war die Erzählung »At the Bottom of the Garden« (November/Dezember 1998 in ODYSSEY). Ab 2000 erschienen einige Kurzgeschichten im Magazin STRANGE HORIZONS. Ihr Romandebüt ist der Fantasy zuzurechnen: The King’s Peace (2000 bei Tor) war der erste Band einer Trilogie, die mit The King’s Name (2001 bei Tor) und The Prize in the Game (2002 bei Tor) abgeschlossen wurde.

Die Wähler hatten den richtigen Riecher, denn nachdem Walton den Campbell Award erhalten hatte, stellten sich größere Erfolge ein. Der Roman Tooth and Claw (2003 bei Tor; dt. Der Clan der Klauen) handelt von sprechenden Drachen, die sich wie Menschen benehmen und wie Figuren in den Romanen von Anthony Trollope reden, und gewann den World Fantasy Award. Farthing (2006 bei Tor; dt. Die Stunde der Rotkehlchen, Golkonda) ist der erste Band einer Alternativwelt-Trilogie, in der sich England mit Hitler-Deutschland verbündet hat und Kommissar Carmichael politisch motivierte Morde aufklären muss. Der Roman wurde für sechs Preise nominiert und mit den Bänden Ha’penny (2007 bei Tor; dt. Der Tag der Lerche, Golkonda) und Half a Crown (2008 bei Tor; dt. Das Jahr des Falken, Golkonda) fortgesetzt.

Darüber hinaus schrieb Walton mehrere in sich abgeschlossene Romane. Lifelode (2009 bei NESFA) gewann den Mythopoeic Fantasy Award, Among Others (2011 bei Tor; dt. In einer anderen Welt, Golkonda) wurde für den World Fantasy Award nominiert und gewann den Hugo, Nebula und Robert Holdstock Award, My Real Children (2014 bei Tor) gewann den Tiptree Award.

2015 und 2016 erschien die Trilogie THESSALY mit den Roman The Just City, The Philosopher Kings und Necessity (alle bei Tor).

Walton hat auch zahlreiche Gedichte mit phantastischen Inhalten, Artikel und Rezensionen veröffentlicht. Besonders bemerkenswert ist ihr Buch What Makes This Book So Great (2014 bei Corsair), in dem ihre Online-Kolumne (seit 2008) auf TOR.COM in Auswahl versammelt ist. In den unterhaltsamen Texten schreibt Walton über »Re-reads«, also ältere Bücher, die sie zum zweiten oder dritten Mal gelesen hat.

Weitere Nominierungen:

Alexander C. Irvine | Ken Wharton | Wen Spencer | Tobias S. Buckell

 

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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