Die Hugo Awards 2001

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2001?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2001 während Millennium Philcon in Philadelphia statt.

Toastmaster: Esther Friesner

Novel

J. K. Rowling: Harry Potter and the Goblet of Fire

(2000 bei Bloomsbury; dt. Harry Potter und der Feuerkelch, Carlsen)

Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner

Als 1997 mit Harry Potter and the Philosopher’s Stone (bei Bloomsbury; dt. Harry Potter und der Stein der Weisen) der erste Roman von J. K. Rowling erschien, ahnte noch niemand, was für ein Phänomen sich daraus entwickeln sollte. Mit Erscheinen des vierten Bandes Harry Potter and the Goblet of Fire gelang der Serie der weltweite Durchbruch, und plötzlich begannen auch Erwachsene, die Romane um den jungen Zauberer zu lesen. Die Startauflage des Romans betrug in den USA 3,8 Millionen, in Deutschland eine Million Exemplare.

Da jeder der Romane von einem Lebens- bzw. Schuljahr von Harry Potter handelt, geht es im vierten Roman also auch um das vierte Schuljahr an der Zauberschule Hogwarts. Die Handlung setzt allerdings noch in den Sommerferien ein, als Harry zusammen mit seinen Freunden das Endspiel der Quidditch-Weltmeisterschaft besuchen darf. Doch die Begeisterung wird empfindlich gestört, als die Todesser – Anhänger von Harrys Gegenspieler Lord Voldemort – in der Öffentlichkeit auftauchen und eine Panik auslösen.

Als das Schuljahr in Hogwarts beginnt, lernen die Schüler einen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste kennen, »Mad-Eye« Moody, der als Gegner von Voldemort durch Vermittlung des Schuldirektors Dumbledore nach Hogwarts gekommen ist. Von ihm erfährt Harry, wie Voldemort damals seine Eltern getötet hat.

Besonders aufgeregt sind die Schüler von Hogwarts, weil das Trimagische Turnier, bei dem sich die Zauberlehrlinge von drei Schulen aus Bulgarien, Frankreich und England messen, in diesem Jahr auf ihrem Schulgelände stattfindet. Überraschenderweise wird auch Harry ausgewählt, am Wettkampf teilzunehmen, obwohl er dafür eigentlich noch zu jung ist. Trotz vieler Schwierigkeiten schlägt er sich recht gut. Doch bei der letzten Aufgabe des Turniers wird es gefährlich. Harry erreicht gemeinsam mit seinem Konkurrenten Cedric den Pokal, und beide berühren ihn gleichzeitig. Er erweist sich als Portschlüssel, und beide werden auf einen dunklen Friedhof versetzt, wo Cedric auf Geheiß des finsteren Lord Voldemort vor Harrys Augen getötet wird und Lord Voldemort wieder aufersteht. Harry wird gefangen genommen und gefoltert, doch als er ebenfalls getötet werden soll, kommt ihm ein Fluchumkehrzauber zu Hilfe, und ihm gelingt die Flucht zurück auf das Schulgelände. Ein späterer Angriff auf Harrys Leben durch Voldemorts Helfer kann mithilfe einiger Hogwarts-Lehrer abgewendet werden. Harry erfährt schließlich weitere Geheimnisse über seine Familie, die allerdings nicht alle Verwicklungen mit Voldemort erklären.

Am Ende will Harry das Preisgeld, das er für den Sieg beim Trimagischen Turnier erhalten hat, nicht behalten und schenkt es den Brüdern seines Freundes Ron, nämlich Fred und George Weasley, die es dazu verwenden, einen Scherzartikelladen zu eröffnen.

Im Vergleich mit den ersten drei Romanen der Serie ist Harry Potter and the Goblet of Fire deutlich düsterer und gewalttätiger. Spätestens jetzt haben auch Erwachsene erkannt, dass es sich bei den Romanen um den kleinen Zauberlehrling mit der runden Brille nicht um Kinderbücher handelt, sondern um eine Geschichte mit einer äußerst faszinierenden, komplexen Handlung, die auch ältere Leser begeistert.

Trotzdem verwundert es in der Rückschau, dass die Science-Fiction-Fans ebenso wie Heerscharen von Teenagern vom Potter-Fieber erfasst wurden. Ich wage zu behaupten, dass viele der Wahlberechtigten aus heutiger Sicht ihre Stimme für George R. R. Martins dritten Band der Saga DAS LIED VON EIS UND FEUER abgegeben hätten.

Weitere Nominierungen:

George R. R. Martin: A Storm of Swords

(2000 bei Voyager & Bantam Spectra; dt. zwei Bände: Sturm der Schwerter, G 24733, BV 26846, Die Königin der Drachen, G 24734, BV 26847; in einem Band: Hört mich brüllen, Penhalion; Schwertgewitter, FanPro)

Robert J. Sawyer: Calculating God

(2000 bei Tor; nicht auf Deutsch)

Ken MacLeod: The Sky Road

(2000 bei Orbit; nicht auf Deutsch)

Nalo Hopkinson: Midnight Robber

(2000 bei Warner Aspect; nicht auf Deutsch)

Novella

Jack Williamson: »The Ultimate Earth«

(Dezember 2000 in ANALOG; dt. »Die ultimative Erde« in Williamson: Die Endzeit-Ingenieure, B 24330)

Auf dem Mond existiert die automatische Tycho-Station, in der ein Mastercomputer in großen zeitlichen Abständen, sobald die Erde von kosmischen Katastrophen heimgesucht wird, Klone heranzüchtet, damit diese die Erde wieder bewohnbar machen, also »terraformen«, und neu besiedeln. Dies ist im Laufe der Jahrmillionen bereits mehrfach geschehen.

Nun wächst eine neue Generationen von Klonen in der Mondstation auf und bekommt in unregelmäßigen Abständen Besuch von Sandor Pen von der Erde. Die Kinder möchten die Wunder der neuen Erde sehen, doch Onkel Pen sagt: »Ihr wurdet geklont, damit ihr hier eure Aufgabe erfüllt, um den Himmel nach Gefahren für die Erde abzusuchen und das Leben dort im Fall einer Bedrohung wiederherzustellen.«

Allerdings stellt sich heraus, dass der Erde gar keine Gefahren mehr drohen. Die Menschheit hat sich so weit entwickelt, dass sie bereits andere Sterne erreicht und dort Kolonien gegründet hat. Eine kleinere Katastrophe hatte im Laufe der Jahrtausende auch den Mond ereilt und die Tycho-Station in Mitleidenschaft gezogen, doch sie konnte von Robotern vollständig restauriert und ihre genetischen Vorräte gerettet werden.

Da die Menschen in der Lage sind, jegliche Bedrohung für die Erde durch kosmische Körper abzuwenden, sind die Klone auf dem Mond nichts anderes als Museumsstücke, Relikte aus der Zeit vor dem ersten großen Impakt, der alles Leben auf der Erde vernichtet hatte. Die neue Erde ist viel schöner als jemals zuvor, es gibt keine Wüsten und Polkappen mehr, durch tief greifende Umgestaltungen wurde der ganze Planet zu einer grünen Oase. Obwohl den Klonen verboten wurde, zur Erde zu reisen, setzen sie sich über das Verbot hinweg.

Zufällig landen sie bei einem großen Park, in dem bedeutende Baudenkmäler neu errichtet wurden, welche nun von Touristen besichtigt werden können. Die Klone haben Probleme, sich mit den Menschen zu verständigen, treffen aber auf Tling, die Tochter von Sandor Pen. Diese erklärt ihnen, dass die Menschen durch die Verwendung von halb künstlichen, halb biologischen Mikrobots für immer gesund und unsterblich geworden sind.

Kurz darauf kehrt ein Kolonistenschiff, das einen fernen Planeten erreichen sollte, zur Erde zurück, doch sämtliche Kolonisten sind noch an Bord. Sie mussten umkehren, weil eine unbekannte Ursache alle bisherigen Siedler auf dem viele Hundert Lichtjahre entfernten Zielplaneten getötet hat. Sandor Pen startet, um die Ursache zu erforschen, und nimmt die Mondklone mit auf die Reise. Es stellt sich heraus, dass eine Art mutierter Mikrobot sich nach und nach über alle Kolonien ausbreitet und die Menschen tötet, was auf längere Sicht das Leben in der gesamten Milchstraße bedroht.

Überraschend treffen die Reisenden jedoch Sandors Bruder, der eine Art Gegenmittel entdeckt hat, das die Menschen retten könnte. Sandor und die Klone eilen zur Erde zurück, um die Menschheit vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Der Autor hat insgesamt fünf lange Erzählungen über die Klone in der Mondstation und ihre Bemühungen um die Rettung der Menschheit geschrieben und sie zu dem Roman Terraforming Earth (2001 bei Tor; dt. Die Endzeit-Ingenieure) zusammengefasst. Es handelt sich dabei um Williamsons ehrgeizigstes Buchprojekt zum Ende seiner Schriftstellerkarriere.

Jack Williamson (1908–2006) hatte bereits einen Hugo für seine Autobiografie Wonder’s Child (siehe Hugo 1985) erhalten. Für »Terraforming Earth« erhielt er auch den Nebula Award und den John W. Campbell Memorial Award. Für sein Lebenswerk wurde er in die Science Fiction Hall of Fame (1996) aufgenommen und mit dem SFWA Grand Master Award (1976), dem World Fantasy Award (1994), dem Bram Stoker Award (1998) und dem World Horror Grandmaster Award (2004) ausgezeichnet.

Und nur am Rande: Das Oxford English Dictionary nennt Williamson als Erfinder der Wörter »Genetic Engineering« und »Terraforming«.

Weitere Nominierungen:

Catherine Asaro: »A Roll of the Dice«

(Juli/August 2000 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Kristine Kathryn Rusch: »The Retrieval Artist«

(Juni 2000 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Greg Egan: »Oracle«

(Juli 2000 in ASIMOV’S; dt. »Orakel«, Jeschke [Hrsg.]: Reptilienliebe, H 6354)

Ted Chiang: »Seventy-Two Letters«

(2000 in Vanishing Acts: A Science Fiction Anthology, Tor; dt. »Zweiundsiebzig Buchstaben« in Chiang: Das wahre Wesen der Dinge, Golkonda)

Lucius Shepard: »Radiant Green Star«

(August 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Novelette

Kristine Kathryn Rusch: »Millennium Babies«

(Januar 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Die dreißigjährige Broke Delacroix wird von einem Professor Franke kontaktiert, weil er eine Studie über die Besonderheiten der »Millennium Babies« anfertigen will. Broke wurde nämlich am 1. Januar 2000 geboren, fünf Minuten nach Mitternacht. Franke hat die Theorie aufgestellt, dass die meisten der »Millennium Babies« besonders glücklich und erfolgreich sein müssten, da es sich bei ihnen um genau geplante Wunschkinder handelt. Frankes vorherige Studie hatte bewiesen, dass glückliche Kinder aus glücklichen Familien auch zum überwiegenden Teil zu glücklichen Erwachsenen werden. Broke ist davon nicht überzeugt, lässt sich aber schließlich zur Teilnahme an der Studie überreden.

Die Geschichte erzählt Brokes Erlebnisse in den folgenden Wochen, thematisiert das gestörte Verhältnis zu ihrer Mutter ebenso wie neue Freundschaften zu anderen Teilnehmern der Studie. Bei der Erzählung handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um Science Fiction, wenn man von der Tatsache absieht, dass sie im Jahr 2030 spielt. Dabei hat die Autorin das Thema nicht aus der Luft gegriffen, tatsächlich gab es – insbesondere in den USA – sehr viele Mütter, die ein Kind entsprechend geplant haben. Noch heute gibt es Berichte im Internet, was aus den »Millennium Babies« geworden ist.

Rusch erhielt für diese Erzählung bereits den zweiten Hugo, den ersten erhielt sie 1994 für ihre Herausgebertätigkeit bei THE MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION.

Weitere Nominierungen:

Stephen Baxter: »On the Orion Line«

(Oktober/November 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Allen Steele: »Agape Among the Robots«

(Mai 2000 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Stanley Schmidt: »Generation Gap«

(Frühjahr 2000 in ARTEMIS; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »Redchapel«

(Dezember 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Short Story

David Langford: »Different Kinds of Darkness«

(Januar 2000 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Die Erzählung gehört zusammen mit »Blit« (September/Oktober 1988 in INTERZONE), »What Happened at Cambridge IV« (1990 in David V. Barrett [Hrsg.]: Digital Dreams, NAL) und »Comp.Basilisk FAQ« (2. Dezember 1999 in NATURE) zu einer Serie von bisher vier Kurzgeschichten.

In der Zukunftswelt der Erzählungen existieren Bilder, die »Basilisks« genannt, mit denen die Wahrnehmung verändert und sogar das Denken ausgeschaltet werden kann. Eine Gruppe von Schulkindern, die sich Shudder Club nennt, ist in den Besitz einiger dieser Bilder gelangt und trifft sich regelmäßig im finsteren Schulkeller, um in einer Art Mutprobe die gefährlichen Bilder anzuschauen, wobei derjenige gewinnt, der es die längste Zeit aushält. Jonathan, die Hauptfigur der Erzählung, beschreibt die Wirkung wie einen Schock, den man bei der Berührung eines Stromkabels erhält, und man macht die Erfahrung einer neuen Art von Dunkelheit. Von ihrer Mathematiklehrer Mr. Whitcutt erfahren die Kinder, dass es Terroristen gibt, die sogenannte BLITs benutzen. Die Abkürzung steht für »Berryman Logical Imaging Technique«. Dabei handelt es sich um die gleiche Art Bilder, die auch die Kinder für ihre Mutproben benutzen: grafische Strukturen auf mathematischer Grundlage, die das Hirn wie ein Computervirus beeinflussen können. Terroristen benutzen die Bilder für eine Art Informationskrieg als Äquivalent zur Neutronenbombe.

Eines Tages taucht ein äußerst gefährliches BLIT in der Schule auf und tötet sogar einen Lehrer. Khalid, einer der Jungen aus dem Shudder Club, kann das BLIT zerstören und die Schüler retten. Zwar wird er dabei auch in Mitleidenschaft gezogen, war jedoch durch die »Mutproben« im Schulkeller bereits darauf trainiert, die Wirkung der BLITs für eine gewisse Zeit auszuhalten.

Eine ähnliche Idee wie die BLITs verwendeten auch andere Autoren wie zum Beispiel Greg Egan oder Charles Stross in ihren Werken, aber auch Neal Stephenson in Snow Crash (1992; dt. Snow Crash) und Peter Watts in Blindsight (2006; dt. Blindflug). 2004 erschien der Erzählungsband Different Kinds of Darkness bei Cosmos Books, der neben der Titelgeschichte noch 35 weitere Erzählungen von David Langford enthält.

Langford erhielt in diesem Jahr gleich zwei Hugo Awards (siehe ›Best Fan Writer‹). Der Hugo für »Different Kinds of Darkness« war bereits sein zwanzigster, allerdings der erste außerhalb der Fan-Kategorien.

Weitere Nominierungen:

Michael A. Burstein: »Kaddish for the Last Survivor«

(November 2000 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick: »Moon Dogs«

(in Moon Dogs, NESFA Press; März 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »The Elephants on Neptune«

(Mai 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Stephen Baxter: »The Gravity Mine«

(April 2000 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Related Book

Bob Eggleton & Nigel Suckling: Greetings from Earth: The Art of Bob Eggleton

(2000 bei Paper Tiger; nicht auf Deutsch)

Bob Eggleton (*1960) ist ein äußerst profilierter SF- und Fantasy-Künstler. Er war einunddreißig Mal für den Hugo nominiert und hat ihn neunmal gewonnen. Damit ist er nach Michael Whelan und Frank Kelly Freas der dritterfolgreichste Künstler in der Geschichte des Hugos.

Der Bildband, der eine Werkschau des Künstlers über viele Jahre hinweg darstellt, umfasst 112 Seiten, auf denen über hundert Bilder zu finden sind. Zu jedem Bild gibt es kurze Angaben wie Titel, Jahr, Originalgröße und für welches Medium es verwendet wurde. Dabei reicht die thematische Bandbreite der Motive von Robotern über Außerirdische, Dinosaurier und Monster bis hin zum klassischen Fantasy-Drachen. Es gibt sogar einige surrealistische Bilder, was für einen SF-Bildband eher ungewöhnlich ist.

Weitere Nominierungen:

James Gifford: Robert A. Heinlein: A Reader’s Companion

(2000 bei Nitrosyncretic Press; nicht auf Deutsch)

Anthony R. Lewis: Concordance to Cordwainer Smith, Third Edition

(2000 bei NESFA Press; nicht auf Deutsch)

Andrew M. Butler, Edward James and Farah Mendlesohn (Hrsg.): Terry Pratchett: Guilty of Literature

(2000 bei The Science Fiction Foundation; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: Putting It Together: Turning Sow’s Ear Drafts Into Silk Purse Stories

(2000 bei Wildside Press; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation

Crouching Tiger, Hidden Dragon

(China Film; Drehbuch Wang Hui-Ling & James Schamus & Tsai Kuo Jung; Regie Ang Lee; basiert auf dem Buch von Wang Dulu; dt. Tiger and Dragon)

Bei Tiger and Dragon handelt es sich um den ersten international erfolgreichen Wuxia-Film. Wuxia ist eine sehr populäre chinesische Volkskultur, die chinesische Schwertkämpfer, Schlachten, Soldaten- und Reiterkämpfe beschreibt, die überwiegend an historischen oder pseudohistorischen Schauplätzen spielen. Fantasy ist dabei ein sehr wichtiges Element, so können die Protagonisten mit blitzartiger Geschwindigkeit kämpfen, Waffen mit unwahrscheinlicher Präzision handhaben, an Wänden hochlaufen oder auch fliegen. Die Erzähltradition geht bereits auf Geschichten aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. zurück, die ersten eigentlichen Wuxia-Romane entstanden während der Ming-Dynastie (1368–1644). Wang Dulu wurde in den 1930er-Jahren bekannt und schrieb über 30 Wuxia-Romane, darunter auch die Romanvorlage für Tiger and Dragon.

Erfolgsregisseur Ang Lee (auch Brokeback Mountain und Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger) nahm sich des Genres an und erzählt eine große, für westliche Zuschauer etwas fremdartig anmutende Liebesgeschichte zur Zeit der Qing-Dynastie, während des 43. Jahres der Herrschaft des Kaisers Qianlong, also des Jahres 1779. Ein großes Märchen, mit »Bildern von beeindruckender Schönheit und Anmut« (SPIEGEL ONLINE). Der Film war in zehn Kategorien für den Oscar nominiert und hat vier davon gewonnen: bester fremdsprachiger Film, beste Filmmusik, beste Kamera und beste Ausstattung.

Weitere Nominierungen:

Chicken Run

(Aardman Animations/Allied/DreamWorks SKG; Drehbuch Kary Kirkpatrick; Story Peter Lord & Nick Park & Randy Cartwright; Regie Peter Lord & Nick Park; dt. Chicken Run – Hennen rennen)

Frank Herbert’s Dune

(Fernsehmehrteiler; New Amsterdam; Drehbuch John Harrison; Regie John Harrison; basiert auf dem Roman von Frank Herbert; dt. Frank Herbert’s Dune – Der Wüstenplanet)

X-Men

(20th Century Fox/Marvel; Drehbuch David Hayter; Story Tom DeSanto & Bryan Singer; Regie Bryan Singer; dt. X-Men)

Frequency

(New Line Cinema; Drehbuch Tony Emmerich; Regie Gregory Hoblit; dt. Frequency)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 2001: Das waren die Gewinner

Auch wenn ASIMOV’S bei den Fans noch immer sehr beliebt war, so bildeten doch Texte aus dem Magazin nicht mehr die überwältigende Mehrheit auf den Nominierungslisten des Hugo, wie noch in den Jahren zuvor. Gardner Dozois als Herausgeber konnte sich immerhin über den Gewinn der ›Best Novelette‹ freuen, Kristine Kathryn Ruschs »Millennium Babies«. Seine Stammautoren Greg Egan, Lucius Shepard und vor allem Mike Resnick sorgten darüber hinaus für die entsprechende Aufmerksamkeit für ASIMOV’S. Neben seiner Arbeit am Magazin stellte Gardner Dozois wieder einige Anthologien zusammen: The Year’s Best Science Fiction: Seventeenth Annual Collection (St. Martin’s Press), Isaac Asimov’s Mother’s Day und Isaac Asimov’s Utopias (Ace Books, gemeinsam mit Sheila Williams), Explorers: SF Adventures to Far Horizons (St. Martin’s Griffin) sowie Aliens Among Us (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann).

Weitere Nominierungen:

Ellen Datlow | Stanley Schmidt | David G. Hartwell | Gordon Van Gelder

Professional Artist

Bob Eggleton

Rund zwei Dutzend Titelbilder erschienen 2000 von Bob Eggleton. Besonders schön waren auch hier wieder die Magazincover für ANALOG (März und Mai 2000), ARTEMIS (Herbst 2000), ASIMOV’S (Dezember 2000) und das Chicon 2000 Souvenir Program. Genauso sehenswert sind die Bilder zu Major Ingredients: The Selected Short Stories of Eric Frank Russell, Vast von Linda Nagata, The Ultimate Mallworld von S. P. Somtow und The Spirit Ring von Lois McMaster Bujold.

Weitere Nominierungen:

Frank Kelly Freas | Michael Whelan | Jim Burns | Donato Giancola

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

2000 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 72 bis 84 Seiten. Interviewt wurden Gregory Benford, Geoffrey A. Landis, Greg Bear, Robert Jordan, Leo & Diane Dillon, Guy Gavriel Kay, Sean McMullen, David Zindell, Octavia E. Butler, Nancy Kress, David Marusek, Brian Aldiss, Candas Jane Dorsey, Laurel K. Hamilton, Terry Bisson, Frederik Pohl, Ken MacLeod, Ben Bova, Linda Nagata, George R. R. Martin und Philip Pullman. Neben den aktuellen Marktberichten aus den USA gab es Informationen über SF in England, Russland und Tschechien. Umfangreichere Nachrufe erinnerten an A. E. van Vogt, John Sladek, Karel Thole, David R. Bunch, Keith Roberts und L. Sprague de Camp. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Gary K. Wolfe, Edward Bryant, Carolyn Cushman, Karen Haber und Russell Letson geschrieben.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
INTERZONE (David Pringle)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
SPECULATIONS (Denise Lee & Susan Fry)

Fanzine

FILE 770 (Mike Glyer)

Auch im neuen Jahrtausend war die Kategorie ›Fanzine‹ fest in der Hand der altgedienten Fans. FILE 770 brachte nach wie vor interessante Berichte und Kommentare zum Fandom, zu Conventions, einzelnen Fanprojekten und allem anderen, was die Fans so interessiert. Mike Glyer erhielt bereits den achten Hugo.

Weitere Nominierungen:

MIMOSA (Nicki & Richard Lynch)
CHALLENGER (Guy Lillian III)
PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)
STET (Dick Smith & Leah Zeldes Smith)

Fan Writer

Dave Langford

2001 war ein besonderer Triumph für Langford, da er nicht nur als bester Fanautor ausgezeichnet wurde, sondern auch in der Profi-Kategorie ›Best Short Story‹, und das bereits mit seinem zwanzigsten Hugo. Langford war allerdings schon seit langer Zeit kein reiner Fan mehr, auch wenn der überwiegende Teil seiner Texte in Fanzines erschien. Ein hervorragender Spezialist auf dem Gebiet der Science Fiction, werden seine Texte auch in professionellen Magazinen sehr geschätzt.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer | Evelyn Leeper | Steven H. Silver | Bob Devney

Fan Artist

Teddy Harvia

In diesem Jahr erhielt Teddy Harvia alias David Thayer seinen dritten Hugo, den er seinen witzigen Cartoons zu verdanken hat (siehe 1991 und 1995). Die Cartoons erschienen in preisgekrönten Fanzines wie zum Beispiel MIMOSA.

Weitere Nominierungen:

Brad Foster | Sue Mason | Sheryl Birkhead | Taral Wayne

John W. Campbell Award

Kristine Smith

Die US-Amerikanerin Kristine Smith wurde mit ihrer Space-Opera-Romanserie um die Hauptfigur Jani Kilian bekannt. Als Debüt erschien der erste Band dieser Serie, Code of Conduct (1999 bei Avon Eos). Seither folgten vier weitere Bände der Serie im selben Verlag: Rules of Conflict (2000), Law of Survival (2001), Contact Imminent (2003) und Endgame (2007). Die fünf Bände erschienen 2007 auch in zwei Sammelbänden. Darüber hinaus verfasste Smith vier Kurzgeschichten, die in Anthologien erschienen sind. Sie schreibt auch übernatürliche Thriller unter dem Pseudonym Alex Gordon. Bisher wurde keiner ihrer Romane ins Deutsche übersetzt.

Weitere Nominierungen:

Jo Walton | Thomas Harlan | Douglas Smith | James L. Cambias

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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