»Ich liebe auch die Arschgeigen«: Interview mit Thariot

INTERVIEW

»Ich liebe auch die Arschgeigen«: Interview mit Thariot


In der neuen Space Opera »Exodus 2727 – die letzte Arche« steckt Thariot seine Figuren in ein beklemmendes Kammerspiel im Weltall. Im Interview spricht der Autor über Zahlenspiele, Facetten von Sprache und konsequentes Schreiben.

TOR ONLINE: In der Selfpublisher-Szene bist du als Autor von über zwei Dutzend Büchern ja kein unbeschriebenes Blatt. Aber für alle, die dich nicht kennen: Wer ist Thariot? Und was bedeutet dein Pseudonym?

Thariot: Thariot heißt im echten Leben Martin Langner, hat bereits die Fünfziger-Marke überschritten und lebt mit Frau und Hund auf Malta. Zwei erwachsene Kinder studieren Jura bzw. Maschinenbau. In grauer Vorzeit habe ich BWL studiert und war als Berater und Projektleiter in der Softwarebranche tätig.

Thariot war seit den frühen 90ern meine Kennung in Chatportalen. Lange bevor es Facebook gab und auch lange bevor ich 2009 angefangen habe, »Ninis« zu schreiben.

Warum hast du dich entschieden, dein neues Buch „Exodus 2727“ in einem traditionellen Verlag zu veröffentlichen?

Um damit den Buchhandel und neue Leser zu gewinnen. Nicht alle mögen die großen Anbieter im Netz.

Mit »Exodus 2727 – Die letzte Arche« reihst du dich, wie der Titel schon verrät, in die Tradition der Arche-Romane ein. Hast du schriftstellerische Vorbilder? Gab es für dieses Buch bestimmte Inspirationsquellen, und wie hast du recherchiert?

Ich liebe Bilder, weswegen ich mehr Filme sehe als Bücher lese. Regisseure wie Steven Spielberg, Peter Jackson, J. J. Abrams und James Cameron verbinden gute Unterhaltung mit Action und intelligenter Handlung. Wenn also Leser meine Bücher filmisch empfinden, ist das kein Zufall.

Auf der "USS London" passieren ziemlich schnell ziemlich abgedrehte Dinge. Was hat dir beim Schreiben am meisten Spaß daran gemacht?

Viele Dinge. Ich bin mitgeflogen. Schreiben ist für mich, wie einen interaktiven Film zu sehen und dabei Notizen zu machen.

Dem Nerd in mir haben besonders die Zahlenspiele Spaß gemacht, um herzuleiten, wie aus einem Staubkorn, wenn es recht flott unterwegs ist, eine Atombombe wird.

Für welche deiner Figuren brennst du heimlich am meisten – und warum?

Die eine Figur gibt es nicht. Ich liebe sie alle. Wirklich alle. Auch die Arschgeigen. Einige von denen sogar besonders. Ich liebe ambivalente Menschen, die sind real, die gibt es wirklich. Zudem hat mein Humor teilweise ziemlich dunkle Aussetzer.

Jazmin ist klasse. Stark, intelligent und dennoch verletzlich. Der perfekte Mensch. Sie kann Dinge, zu denen wir nicht in der Lage sind.

Denis ist alles andere als perfekt, aber er ist ambitioniert und schafft Jazmin zu ergänzen. Er ist dort, wo sie nicht sein kann.

Scott, eine Figur aus Solarian, ist hingegen ein liebenswertes Arschloch mit wenig Skrupel, sein Gegenüber zuerst flachzulegen und später zu töten.

Du hast deinen vorigen Job als IT-Manager an den Nagel gehängt, um als Vollzeit-Autor zu leben. Gibt es Dinge aus dem IT-Beruf, die dir jetzt noch zugute kommen?

Bildung schadet nie. In meinen Büchern gibt es unzählige Stellen, bei denen mir mein IT-Wissen geholfen hat. Wichtiger waren allerdings meine Erfahrungen mit Managern großer deutscher Unternehmen und die Sprache, die in diesen Kreisen gesprochen wird.

Deutsch hat viele Facetten: Deutsch in der Familie/unter Freunden, Deutsch auf der Straße, Gaming-Deutsch, Deutsch im Berufsleben, Deutsch unter Juristen, Management- und Marketingdeutsch, Deutsch in der Politik. Jeder Dialekt klingt anders. Die komplette Bandbreite von Ordinär und Sprachlich Deformiert über Hochdeutsch bis zu Verlogen, Indirekt und Korrupt.

Du veröffentlichst unglaublich viele Bücher in wahnsinnig kurzer Zeit. Kannst du beschreiben, wie dein Arbeitsalltag aussieht? Was ist dein Geheimnis für solche Produktivität? Kreative Prozesse sind ja manchmal schwer zu bändigen …

Einfach morgens anfangen und später aufhören. Ich möchte an dieser Stelle schnell schreiben mit konsequent schreiben ersetzen.

Die Motivation macht den Unterschied. Ich muss mich nicht zwingen, zu schreiben und Ideen zu entwickeln. Schreiben gehört zu meinem Leben, genauso wie meine Familie, mein Hund und meine Motorräder.

Einige Bücher hast du gemeinsam mit anderen Autoren verfasst (»Pheromon« mit Rainer Wekwerth, die »Echtzeit«-Serie mit Sam Feuerbach). Was reizt dich am Schreiben im Doppelpack?

Neue Ideen, eine andere Sprache, mit guten Freunden Projekte zu stemmen. Beides sind Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Hey, die Bücher sind klasse geworden. Lest sie einfach :-)

Kannst du schon etwas über die Fortsetzung, »Exodus 9414 – Neue Ufer« (Sommer 2020) verraten?

Das schreibe ich gerade. Nun, es geht weiter mit Jazmin. Sie erfährt ihre Grenzen, bei denen ihr auch Denis oder die KI-Mutter nicht weiterhelfen können.

Ihrem Bruder Max ergeht es nicht besser. Die USS Boston erreicht sogar ihr Ziel, Max tut es nicht.

Die beiden Erzählstränge liegen 6.000 Jahre auseinander und sind dennoch dicht miteinander verwoben.

 

Danke für das Interview!

Tolle Überraschungen ...

... erwarten dich in unserem Newsletter. Preisaktionen, exklusive Gewinnspiele, die besten Neuerscheinungen. Bestelle jetzt unsere Raketenpost!

Bestelle jetzt unseren Newsletter
Share:   Facebook