To Boldly Go - Die Romanabenteuer von Captain Jean-Luc Picard

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Die Romanabenteuer von Captain Jean-Luc Picard


Ab dem 24. Januar geht Patrick Stewart mit "Star Trek: Picard" erneut auf Sendung. Wenngleich er als Jean-Luc Picard lange nicht auf dem Bildschirm zu sehen war, hat er seit dem letzten Kinofilm eine ganze Menge Abenteuer erlebt – in vielen spannenden Romanen! Ein Überblick von Henning Mützlitz. 

Abschied von der Familie

Seit „Star Trek: Nemesis“ aus dem Jahr 2002 hat man nichts mehr von Jean-Luc-Picard gesehen. Mehr als 17 Jahre liegen zwischen dem Ende der Crew von „The Next Generation“ im Kino und dem Start von „Star Trek: Picard“ – über 25 Jahre sind sogar seit dem Ende der TV-Serie vergangen, mit der viele von uns aufgewachsen sind.

Noch wissen wir nicht genau, was mon Capitaine seitdem im „Trek“-Universum widerfahren ist, allerdings haben viele „Star Trek“-Fans in der Zwischenzeit eine ganze Menge Abenteuer mit der Ikone auf dem Kapitänssessel der Enterprise erlebt: Seit Ende 2005 sind eine viele Romane erschienen, die sich mit Jean-Luc Picard und der Fortführung der brachliegenden „Trek“-Timeline nach dem Ende der „TNG“-Kinofilme und der Serien „Deep Space Nine“ und „Voyager“ beschäftigen. In Deutschland werden diese Bücher von Cross Cult vertrieben, oft angereichert mit eigens erstellten und sehr lesenswerten Hinweisen und Hintergründen zu den Geschehnissen und der Verknüpfung der verschiedenen „Star Trek“-Romanreihen. Durch die Vielzahl an Veröffentlichungen kann es dabei nämlich schnell etwas unübersichtlich werden.

Anmerken muss man allerdings, dass die Romane zwar einen ohnehin riesigen Kosmos noch einmal deutlich erweitern, für viele Begegnungen mit liebgewonnenen Figuren sorgen und einschneidende Erlebnisse im Universum von „Star Trek“ liefern, darüber hinaus aber nicht kanonisch sind. Alles, was dort in Bezug auf Captain Picard geschildert wird, auf den wir uns bei der Vorstellung der Romane konzentrieren wollen, ist in der TV-Serie „Picard“ (höchstwahrscheinlich) nie so passiert.

Doch kurz ein Blick zurück: Wo hatten wir Picard und die Enterprise damals verlassen? Richtig, am Ende des eher semigut-gelungenen zehnten „Star Trek“-Kinofilms „Nemesis“ im Jahr 2379. Man hatte dort den rachsüchtigen Picard-Klon Shinzon, den usurpatischen Praetor von Romulus (übrigens damals vom jungen Tom Hardy gespielt), und dessen Massenvernichtungswaffe zerstört und somit mal wieder die Erde gerettet.

Doch am Ende des Films war es Zeit, sich von der liebgewonnenen TNG-Crew und der Enterprise-E zu verabschieden: Picards „Nummer Eins“, der ewige Commander Riker, ging nach 15 Jahren an der Seite des Captains gemeinsam mit seiner Gattin Deanna Troi auf die USS Titan. Bereits zuvor hatte sich Data in einem selbstlosen Akt geopfert – allerdings dem Androiden-Prototypen B-4 seine Gedächtnisengramme hinterlassen – ein Hintertürchen zu Datas Rückkehr wurde also offengelassen. Diese werden wir ja nun in „Picard“ erleben. Die Enterprise befand sich in den McKinley-Raumdocks im Erdorbit zur Reparatur, und Picard schien, wenngleich ein wenig melancholisch, bereit dafür zu sein, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Neuanfang mit Hindernissen

Doch was gab es für den guten Captain, der sich nach wie vor auf der Brücke des Flaggschiffs der Föderation sah, anstatt auf einem Schreibtischsessel im Sternenflottenhauptquartier in San Francisco, eigentlich zu tun?

Es war es gar nicht so einfach für die Autoren des amerikanischen Lizenzinhabers Pocket Books rund um Cheflektor Marco Palmieri, geeignete Aufhänger zu finden, denn es existierten bereits Romanreihen, die das Franchise inhaltlich weiterführten: Um die Krise auf Romulus nach „Nemesis“ kümmerten sich der frisch ernannte Captain Riker und seine Frau Deanna beim Start der Romanserie „Titan“ (Bd. 1 „Eine neue Ära“), das Thema Bajor/Cardassia/Dominion und auch ein wenig die globale Föderationspolitik oblagen traditionell der „DS9“-Crew um die ebenfalls neu eingesetzte Captain Kira Nerys (zu „DS9“ existieren eine 8. und 9. Staffel in Romanform, beginnend mit dem Zweiteiler „Offenbarung“), und die Besatzung der Voyager hatte sich ja vorerst das Borg-Thema einverleibt, das Captain Janeway und Seven of Nine auch nach der Rückkehr auf die Erde beschäftigen sollte (später nachzulesen in der Romanreihe zu „Voyager“ ab „Heimkehr“).

Was blieb also für die Rumpfcrew der Enterprise zu tun? Im ersten Roman „Tod im Winter“ kümmern sich Picard und seine langjährige Schiffsdoktorin Beverly Crusher zunächst um ihre persönliche Beziehung. Auch Beverly hatte das Schiff nach „Nemesis“ wieder verlassen wollen, allerdings entschied man bei Pocket Books, dass sie, Chefingenieur Geordi LaForge und auch der zurückgekehrte Worf auf der Enterprise bleiben müssten, um die Familie wenigstens im Kern zusammenzuhalten und dem Reihentitel „The Next Generation“ gerecht zu werden. Und das Wort „Familie“ sollte im Zusammenhang mit Jean-Luc und Beverly bald noch eine deutlich größere Bedeutung erlangen ...

Die erste „richtige“ Mission mit kompletter Crew absolviert Picard dann in „Widerstand“ - ein Vorgeschmack auf die Rückkehr der Borg, die nach wie vor Picards Schicksal dominieren sollen. Ein weiterer alter Bekannter taucht kurz darauf in „Quintessenz“ mit Q auf, und Picard erfährt darin mehr darüber, welche Pläne die gottgleiche Entität eigentlich mit ihm persönlich, der Enterprise und der Menschheit von Anfang an verfolgt hat.

Im vierten „TNG“-Roman „Heldentod“ treffen wir nicht nur Seven of Nine wieder, sondern erfahren vieles über die Neuausrichtung der Borg, die sich nicht mehr auf das bloße Assimilieren verlegen, sondern widerstandsfähige Kulturen künftig lieber auslöschen. Hier und im Folgeband „Mehr als die Summe“ wurde bereits der Bogen zu den Ereignissen in „Destiny“ geschlagen, die das „Star Trek“-Universum prägen sollten wie kein anderes Ereignis davor und danach.

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Destiny – Schicksalskampf gegen die Borg

Die „Destiny“-Trilogie gilt vielen Romanfans als das Beste, was das „Star Trek“-Romanuniversum seit dem Relaunch im Jahr 2005 hervorgebracht hat. David Mack präsentiert darin nicht nur ein Crossover der Reihen „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Titan“, sondern lässt die Borg zurückkehren. Anstatt mit einem einzelnen Kubus suchen sie den Alpha-Quadranten mit rund tausend Raumschiffen heim und beginnen damit, einen Planeten nach dem anderen auszulöschen. Für Picard an der Spitze der Verteidigungsstreitmacht beginnt nicht weniger als der Kampf um das nackte Überleben, der Milliarden Opfer fordern wird und bei dem irgendwann jedes Mittel recht ist.

Gleichzeitig entdecken die USS Aventine unter Captain Ezri Dax und die Crew der Titan ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das unter anderem den Ursprung der Borg beleuchtet und deren Schicksal für immer besiegeln kann. „Destiny“ ist aktuell als schicke Hardcover-Jubiläumsausgabe zu bekommen und eine absolute Empfehlung wert. Wer vielleicht zunächst einen singulären Einblick in das Romanuniversum erlangen möchte, sollte sich diese Trilogie zu Gemüte führen. Auch als Einstieg in andere Reihen wie „Titan“ oder „DS9“ eignet sich die Trilogie, da man auch die Crews von Riker und Dax ausgiebig kennenlernt.

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Der Typhon Pact

Der Angriff der Borg hinterlässt eine geschwächte Föderation, der sich bald der Typhon Pact, bestehend aus Romulanern, Tsenkethi, Breen, Gorn und anderen, gegenüberstellt, was die Konfliktlinien im Alpha- und Beta-Quadranten in den Folgejahren entscheidend prägen und in einen Kalten Krieg münden wird. In der begleitenden Romanreihe muss sich Picard unter anderem um das Schicksal des Planeten Andor bemühen, der schwer unter den Angriffen der Borg gelitten hat.

Doch auch die TNG-Reihe wurde fortgesetzt: Die verheerenden Nachwirkungen entvölkerter Planeten und entwurzelter Sternenflottenoffizier/innen stehen auch in „Den Frieden verlieren“ im Mittelpunkt der Handlung, während die Trilogie „Kalte Berechnung“ eine neue galaxisweite Bedrohung vor dem Hintergrund des Konflikts mit dem Typhon Pact thematisiert.

Auch in der Reihe „The Fall“, dem an „Typhon Pact“ anschließenden Crossover, in dem die Föderation im Mächtespiel der Reiche des Alpha-Quadranten unterzugehen droht, spielt Picard mit seiner Besatzung eine wichtige Rolle. Dort wurde ein Anschlag auf die Präsidentin der Föderation verübt, und es obliegt einmal mehr Picard, Riker und der Besatzung von DS9, das Verbrechen aufzuklären und den Alpha-Quadranten dauerhaft zu befrieden.

Daneben erschienen weiterhin einige Einzelromane: In „Das Licht der Phantastie“ erleben wir die Rückkehr Datas, während Picard in „Jagd“ gegen seinen alten Ersten Offizier Riker in einem Wettstreit zweier taktischer Großmeister antreten muss. Mitte Dezember 2019 kam der neueste Band der „The Next Generation“ mit dem Titel „Herz und Verstand“, in der es um einen nuklear verseuchten Planeten geht, der mit dem Ursprung der Menschheit in Verbindung steht.

Star Trek Picard: The Last Best Hope
Star Trek Picard: Comic

Vorgeschichte zur TV-Serie

Zum guten Schluss: Abseits der unkanonischen Fortschreibung der Storys um Picard und die Crews der Serien erscheint bald die erste offizielle Romanumsetzung des Serienstoff von „Star Trek: Picard“ (ebenfalls bei Cross Cult). Am 13. Februar kommt zeitgleich zur englischen Originalversion „Die letzte und einzige Hoffnung“ von Una McCormack heraus, die bereits diverse Romane innerhalb des Franchises verfasst hat und zum festen Stamm der ST-Autorinnen zählt.

Darin wird die Vorgeschichte zur TV-Serie erzählt und man erfährt mehr darüber, wie Jean-Luc Picard die neuen Charaktere kennenlernt, die in der Serie eine wichtige Rolle spielen. Mehr über die späte Karriere erfährt man auch im Comic-Dreiteiler zu „Star Trek: Picard“, der im November 2019 mit dem Auftakt „Countdown“ gestartet ist und Ende Januar komplettiert wird. Die deutsche Version wird voraussichtlich im Sommer bei Cross Cult als Sammelband erscheinen.

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