Weihnachtsbuch-Tipps der Buchhandlung Otherland

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Weihnachtliche Buchtipps von der Buchhandlung Otherland


Die Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland hat ihre persönlichen Empfehlungen für die weihnachtlichen Festtage zusammengestellt.

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Sarahs Weinachtstipps

Jenny-Mai Nuyen - Die Töchter von Ilian

Jenny war im März mit ihrem neuen Roman bei uns im Otherland und hat mich voll und ganz für sich gewonnen. Für  Die Töchter von Ilian hat sie sich tief in die europäische Kupferzeit eingelesen, in der es innerhalb Mitteleuropas zu tiefgreifenden kulturellen und sozialen Veränderungen und weitreichenden Migrationsbewegungen kam. Was hier nach verstaubter Archäologie klingt, webt sie ein in eine mystische Welt, die im Umbruch begriffen ist und in der unterschiedliche Lebensweisen - nomadische Pferdemenschen, zunehmend auf Sklavenarbeit zurückgreifende Bergbewohner, verstreute Handelsstädte, abgeschiedene, autarke Dörfer - immer häufiger aufeinander prallen. Als dann die drei sagenhaften magischen Artefakte, welche das Gleichgewicht der Welt garantieren, wieder auftauchen, beginnt ein in vieler Hinsicht typischer Fantasy-Plot mit viel Gelatsche, Verrat, Versuchung von Macht und brutalen Kämpfen um das Schicksal der Welt.

Was Ilian für mich aus anderen Fantasyromanen hervorhebt, sind neben der tiefen und ernsthaften Beschäftigung mit moralischen und philosophischen Fragen die Figuren, allen voran die sture Walgreta, die mit ihrem Scheitern an der selbst gewählten Berufung hadert und der Elf Fayanú, der sich nicht nur von seinem Auftrag, sondern vor allem auch von seinem eigenen Körper zu befreien sucht. Die Leichtigkeit und Glaubhaftigkeit, mit der Jenny Transsexualität hier in einem Fantasysetting thematisiert, ohne dabei didaktisch oder formelhaft zu werden, und dass sie dies nicht romantisiert, sondern die damit einhergehenden Gewalterfahrungen nicht ausspart, machen Ilian für mich zu einem herausragenden Werk des Genres.Ich bin beim Lesen immer tiefer in den Roman und die zunehmend fantastische Welt hineingezogen worden, so dass ich mir danach vor allem eins gewünscht habe: Nämlich eine Vorgeschichte von Ilian, in der Jenny mir mehr erzählt über die Lindwürmer, die Elfen, die magischen Artefakte und wie sie verloren gingen, und wie alles so gefährlich schief gehen konnte. Versprochen hat sie mir nichts, aber wer weiß!

Dietmar Dath - Niegeschichte

“Dietmar Dath ist der einzig sinnvolle deutsche Science-Fiction-Schriftsteller” war meine Antwort, als Kollege Marc mich neulich nach einer kurzen, prägnanten Charaktisierung von Daths ausuferndem Werk gefragt hat. Wie richtig ich damit lag, wird mir jetzt beim Lesen der 1000-seitigen Niegeschichte einmal mehr klar, denn hier offenbart Dietmar nicht nur die literarischen Einflüsse, an denen er sich orientiert, sondern vor allem die literarischen und ästhetischen Prinzipien, nach denen er schreibt und welche die Science Fiction ausmachen. Niegeschichte ist ein Buch über Bücher, und allein deshalb schon ein fantastisches Geschenk für an SF Interessierte: Man schenkt damit im Prinzip eine ausführliche Lektüreliste und Orientierung in einem weitverzweigten Genre, begegnet Hunderten von bekannten Namen, die man noch keine Zeit hatte zu lesen und kann sie jetzt immerhin einordnen in die “Kunst- und Denkmaschine” Science Fiction. Das Ganze ist also ein bißchen, wie sich im Otherland von uns beraten zu lassen - nur eben chronologisch aufgebaut und geordneter als bei uns. Sehr lesbar außerdem, Dietmar hat hier einen Erzählton gefunden, der über weite Strecken einfach Spaß macht.

Für alle, die sich in Literatur nicht nur gern versenken, sondern auch darüber nachdenken und reden oder selbst welche schreiben wollen, ist “Niegeschichte” daher ein ideales Geschenk: theoretisch anspruchsvoll, analytisch tief, inhaltlich spannend und unterhaltsam.

Jenny-Mai Nuyen - Die Töchter von Ilian
Dietmar Dath - Niegeschichte

Wolfs Weihnachtstipps

Martha Wells - Tagebuch eines Killerbots

Okay, fragt mich zurzeit jemand im Otherland nach einem Tipp bei den Neuerscheinungen im deutschen SF, dann geh ich ohne Zögern zum Regal und drücke Wells’ Tagebuch eines Killerbots in die Hand. Egal was der/diejenige eigentlich an SF liest und mag, der Bot passt, garantiert. Action, Humor, einzigartige Persönlichkeiten und alles so menschlich, dass man schon nach wenigen Seiten ein T-Shirt mit der Aufschrift: Ich bin Killerbot tragen möchte.

Jens Lubbadeh - Transfusion

Jens Lubbadeh gibt nicht gerne mit seinem Wissen an, aber wenn der Wissenschaftsjournalist dann bei uns zu einem Autorenabend vorbei kommt, um über sein neuestes Buch zu sprechen, beeindruckt er ganz charmant mit Hintergrunddetails um all die wissenschaftlichen Konzepte in seinen Büchern. Unsterblichkeit durch Digitalisierung, Neandertal-Gene und nun in seinem neuesten Thriller Transfusion Lebensverlängerung durch Bluttransfusionen - Lubbadeh lässt seine Geschichten auf dem aktuellen Stand der Forschung basieren und extrapoliert nur ein Stückchen in die Zukunft. Das ist seitenlang beeindruckend, erschreckend und immer spannend-fesselnd. Transfusion ist nichts für schwache Nerven und die perfekte Lektüre, um an den Weihnachtsfeiertagen die Nacht durchzulesen und dann auch noch mit Recht behaupten zu können: ich hab dabei echt was gelernt!

Jens Lubbadeh - Transfusion
Naomi Novik - Das kalte Reich des Silbers
Katherine Arden - Der Bär und die Nachtigall

Naomi Novik - Das kalte Reich des Silbers

Nachdem ich ja die letzten Jahre immer wieder gerne Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik empfohlen habe, freu ich mich jetzt über ihr neues Buch Das kalte Reich des Silbers, das ebenso eine Märchen-Fantasy-Erzählung ist und sogar Das dunkle Herz des Waldes übertrifft. Klassische Märchenerzählung mit Fantasy-Turbo - ich kann mir an dunklen Wintertagen nichts besseres vorstellen: vor oder nach einem Spaziergang, Vorlesen oder mit Tee oder Glühwein auf dem Sofa. Abtauchen, Träumen, Zittern, Freuen und Luft anhalten.

Katherine Arden - Der Bär und die Nachtigall

Katherine Arden hat das perfekte Weihnachtsbuch geschrieben: Russland (das als Nation noch gar nicht existierte) als es noch ein Vasallenstaat der Mongolen war - irgendwo im wilden, nördlichen Niemandsland lebt die Familie von Pyotr Vladimirovich, umgeben von russischen Mythen und Sagen, die sie sich in den langen Winternächten um den Ofen erzählen. Pyotrs Tochter, Vasya, hat die Gabe die Welt und die Wesen der Mythen-und Sagenwelt zu sehen und mit ihnen zu sprechen.

Arden baut ihre Geschichte dicht und sehr persönlich an den Menschen auf, und mit jeder Seite liebt man manche mehr und mag andere gar nicht mehr, ihre Winterbeschreibungen sind perfekt, um sich unter eine Decke zu verkriechen: fast gruselig, spannend und voller Mut und Hoffnung in verzweifelten Momenten. All die russischen Namen und Bezeichnungen geben der Geschichte eine fremde Note und die russischen Sagen ziehen einen sofort in den Bann. Falls ihr Das Dunkle Herz des Waldes oder Das kalte Reich des Silbers mochtet - hier ist mehr davon!

Jakobs Weihnachtstipps

J.R.R. Tolkien - Die Kinder Húrins

Ein Sakrileg, ich weiß: Aber auf ne Art ist das mein Lieblings-Mittelerde-Werk von Tolkien (in posthumer Zusammenarbeit mit seinem Sohn Christopher). Kein anderes Buch Tolkiens vereint so gut die Geschlossenheit eines Beinahe-Romans mit der mythischen Weite Mittelerdes. Vor allem aber ist Turin Turambar eine der spannendsten Heldengestalten, die ich kenne. Ganz im Gegensatz zu den gutherzig-kleinbürgerlichen Hobbits oder einem gerechten Aragorn, der bescheiden die Last seiner Verantwortung schultert, ist Turin der Inbegriff des rücksichtslosen Helden klassischer Mythologie, mehr so ein Beowulf, der Grendels killt, weil’s halt geil ist und weil er halt geil ist, als ein modernes Moralsubjekt. Das er trotzdem zur tragischen Figur taugt, hat viel damit zu tun, dass Tolkien halt doch deutlich mehr Psychologie konnte, als man ihm gemeinhin zugesteht, und dass er eine sehr klare Vorstellung von vormodernen Moralsystemen hatte.Meine Lieblingsfigur ist allerdings der Zwerg Mim. In dessen Behausung dringt Turin, der zwischenzeitlich eine Nebenlaufbahn als Räuberhauptmann eingeschlagen hat, ein und begegnet dem Kleineren und Schwächeren mit offener Verachtung, die Mim ins nur zu verständliche Ränkeschmieden gegen diesen mittelirdischen Obermacker treibt. Wer ist da am Ende der Böse, wer ist der Held? Vielleicht ein und dieselbe Person?

Wie gesagt: Mein Lieblingsmittelerdewerk, und dabei habe ich noch gar nicht von Glaurung, verfluchten Schwertern der Marke Freundestöter und diversen Familientragödien erzählt … hier regiert die mythische Wucht, im Guten wie im Schlechten, und beides haut rein!

Laird Barron - Hallucigenia

Gerne bediene ich mich bei meinen Tipps eigener Übersetzungen auf die ich besonders stolz bin - wobei der Stolz vor allem darin begründet liegt, dass man MICH gefragt hat, ob ich denn nicht jemand so geniales übersetzen möchte wie beispielsweise Laird Barron. Hallucigenia präsentiert eine Auswahl von Texten aus seinen ersten beiden englischsprachigen Storybänden, die von der bissig-ironischen Albtraum-Tour-de-Force “Die Prozession des schwarzen Faultiers” über den kosmischen Body Horror der Titelgeschichte bis hin zu dem subtilen allzumenschlichen Grauen von "Strappado" reicht. In all diesem Geschichten zeigt sich Barron als der Meister der anschwellenden und plötzlich wieder abreißenden Dissonanz, die einen von Anfang an spüren lässt, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt und das Grauen jederzeit voll zum Durchbruch gelangen kann. Was es dann irgendwann tut. Besinnliche Weihnacht wünsche ich!

Die verbotenen Lande - Basibox

(trifft voraussichtlich im Laufe der nächsten zwei Wochen bei uns ein!)

Mit Landkarten hat es eine besondere Bewandtnis für viele Fantasy-Leser und Rollenspieler, sie sind die ideale Projektionsfläche für die Erwartung von Gefahr und Abenteuer. Das Rollenspiel Die verbotenen Lande macht die Karte eines verfluchten Landstrichs zum Kernstück: Dorthin machen sich die Abenteurer auf den Weg - die nicht unbedingt Helden sind, aber gewillt, sich mit List und Gewalt einen Namen zu machen und der Welt ihren Stempel aufzudrücken.

Die verbotenen Lande verbindet originelle und teilweise überraschend böse-ironische Neuinterpretationen des Fantasy-Kanons (wartet, bis ihr erfahrt, in welcher Beziehung Halblinge und Goblins in diesem Setting stehen) mit einem einfachen, modernen Regelsystem und den bewusst old-schoolig aufgezogenen Elementen von Exploration und Base Building. Gedacht ist Die verbotenen Lande für Kampagnen, bei denen sich die Gruppe auf der Suche nach Ruhm, Schätzen und zu ergründenden Geheimnissen frei über die Karte der verbotenen Lande bewegt, sich früher oder später einen Stützpunkt errichtet und sich ein eigenes kleines Reich in der Wildnis unter dem Blutnebel erschafft. Als nostalgisches Spiel bringt Die verbotenen Lande damit so einiges auf den Punkt, was in älteren Systemen nur angelegt war, und als originelles Werk gibt es sowohl den tolkienesken Elementen als auch dem Sword&Sorcery-Grundtenor einen neuen Spin. Bereits in der Basis-Box steckt dabei schon eine Unmenge hervorragend für ein freies Spiel aufbereitetes Kampagnenmaterial.

J.R.R. Tolkien - Die Kinder Húrins
Laird Barron - Hallucigenia
J.R.R. Tolkien - Briefe vom Weihnachtsmann

Charleens Weihnachtstipps 

J.R.R. Tolkien - Briefe vom Weihnachtsmann

Es gibt eine nette Tradition, die ich mir abgeschaut habe. Nämlich die, dass ich mir am Heiligen Abend selbst ein Buch schenke, das ich dann ganz gemütlich abends auf dem Familiensofa lese und dabei heiße Schokolade trinke. Wie jedes Jahr nehme ich mir natürlich wieder etwas von Tolkien. Ich werde es einfach nie müde sein, ihn zu empfehlen und anzupreisen. Briefe vom Weihnachtsmann zeigt ganz wunderbar den Familienmenschen Tolkien. Denn besagte Briefe hat der Professor im Namen des Weihnachtsmannes an seine Kinder geschrieben und illustriert. Es versteht sich von selbst, dass ich mich da auf Weihnachten freue.

Neil Gaiman; Charles Vess - Der Sternwanderer

0Man kann einem Gaiman-Fan wie mir fast kein schöneres Geschenk machen. Stardust ist mit Abstand eines der wundervollsten Märchen, die es gibt. Und diese wunderschön illustrierte Ausgabe macht unterm Weihnachtsbaum so richtig was her.

Stephen King - Das Institut
Shirley Jackson - Wir haben schon immer im Schloss gelebt
Paul Tremblay - Das Haus am Ende der Welt

Incis Weihnachtstipps

Stephen King - Das Institut

Leser*innen, die besorgt waren, dass er sich mit seiner letzten Erzählung “Elevation” sowohl thematisch als auch Seitenzahl-technisch außerhalb seiner Komfortzone bewegt, können erleichtert aufatmen - denn mit Das Institut, einem 768-seitigen Schinken über Kinder gegen das Böse, ist der King wieder voll und ganz in seinem Element!Der zwölfjährige Luke Ellis hat es echt nicht leicht als Figur im jüngsten King-Roman - als ob es nicht tragisch genug wäre als Kind mit einer “paranormalen Veranlagung” zu leben, wird diesem Leben ein abruptes Ende gesetzt, als mitten in der Nacht seine Eltern umgebracht und er entführt werden - ins fern gelegene und perfekt abgeschirmte Institut!!! Das keine Fenster hat… Und dem noch nie jemand entkommen konnte… Was wird dort geschehen? Wird es Luke schaffen???

Jap, die Prämisse ist die von etwa hunderttausend weiteren gegenwärtigen young adult Romanen - aber mit dem gewissen Etwas, dem vertrauten kingschen Touch! Hier trifft Es auf Firestarter, auf unterhaltsamste Weise! Perfekt für Neueinsteiger und ein absolutes Muss für eingefleischte Fans!

Shirley Jackson - Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Weihnachtsfesta für Horror-Fans! Der Festa-Verlag war auch 2019 fleißig und brachte (und bringt weiterhin) seinen Leser*innen die Crème de la Crème des Horrors! Hier einer meiner Lieblingsklassiker: Wir haben schon immer im Schloss gelebt!

Merricat Blackwood, klassisches Creepy-Kid, Königin der unzuverlässigen Erzähler und nur eine von Meisterin Jacksons zahlreichen Alter Egos, schlägt wieder zu! Leider nicht mit neuen Abenteuern - dafür ist es für Jackson, die für verstörende Gruselgeschichten immer gut ist, etwas zu spät - aber im neuen, schaurigen Hardcover von Festa-Verlag, der den tragischen Untergang der Familie Blackwood schon im Mai dieses Jahres neu verlegt hat. Ein wunderbar ambivalenter Klassiker, der in den Bücherregalen keines Horrorfans fehlen sollte und sich auch super zum Verschenken eignet!

Paul Tremblay - Das Haus am Ende der Welt

Apropos ambivalente Klassiker, setzt Paul Tremblay, Senkrechtstarter der neuen Horrorszene, noch einen drauf mit dem Haus am Ende der Welt. Es ist schwierig, genau zu erklären, was dieses Buch mit einem macht: eine Situation, zwei Szenarien zur Erklärung. Richtig oder Falsch gibt es nicht, oder vielleicht doch? Alles rational erklärbar, oder spielt doch das Übernatürliche mit? Das Haus am Ende der Welt bringt seine Leser*innen an ihre Grenzen, in vielerlei Hinsicht, und doch ist dieses Buch eine einzigartige Erfahrung - kein Wunder, dass Tremblay zurzeit geradezu alle Preise der Horrorlandschaft abräumt!

Bijan Moini - Der Würfel
Ian McDonald - Luna
Otfried Preußler - Krabat

Caros Weihnachtstipps 

Bijan Moini - Der Würfel

Die Dystopie von vielleicht schon Übermorgen. Taso hat bei der Abstimmung dagegen gestimmt, doch die Mehrheit war dafür, den Würfel, eine gigantische Algorithmenmaschine und Datenkrake, zu installieren. Er sorgt dafür, dass man gesellschaftlich, beruflich und privat Punkten kann, wenn man in allen Bereichen seines Lebens so vorhersehbar wie möglich ist. Unser Held führt als sogenannter Gaukler den Würfel an der Nase herum, indem er z.B. morgens auswürfelt, welche Klamotten er anzieht. Doch dann brechen unvorhergesehene Ereignisse über Taso herein und es wird Zeit, dass er herausfindet, wer er eigentlich ist, auf welche Art er sein Leben leben will und was er bereit ist, dafür zu geben. Das Buch sieht fantastisch aus, macht krass nachdenklich und ist spannend bis zur letzten Seite!

Ian McDonald - Luna

Mörderische Familienkriege à la Der Pate?Ein gigantisches Wirtschaftsnetz mit all seinen Möglichkeiten und Tücken?

Ein kompliziertes Sozialgefüge, bei dem der Abrutsch einem buchstäblich die Luft zum Atmen nimmt?

Sex, der nicht irgendwie deplatziert wirkt, sondern den die Figuren einfach miteinander haben, wie man ihn halt hat?

Futuristische Cocktails? Abgefahrene Sportarten? Künstliche Killerinsekten?

Vielschichtige und ambivalente Charaktere, im ständigen Struggle, miteinander klar zu kommen oder sich gegenseitig umzubringen?

Ein genialer Schauplatz: der Mond! Auf dem ein einziger falscher Schritt den Tod bedeutet. Zu dem die Reise zwar alltäglich geworden ist, aber ein großes Abenteuer bleibt. Wo das Verweilen die Rückkehr zur Erde unmöglich macht. Aber wer würde sich denn dadurch abschrecken lassen??

All das und vieles mehr: iiiiiiiiiin LUNA!!

Otfried Preußler - Krabat

Könnte ich jedes Jahr wieder lesen und lege ich, als eines meiner zwei großen Lieblings-Kinderbücher, jedem ans Herz, der seine Liebsten noch nicht damit beglückt hat. Als Kind liebte ich den wohligen Schauer, der einem über den Rücken läuft, wenn der Meister in der alten Mühle im Koselbruch, mit einem Totenschädel auf seinem Pult aus dem Koraktor - weiße Schrift in schwarzem Buch – die Zaubersprüche vorliest, die seine Schüler, in Rabengestalt auf der Stange sitzend, lernen sollen. Im Erwachsenenalter vermehrte sich der Schauer zu einer viel übleren, schwelenden Bedrohung und ich denke an die Gräber im Nebel, an den schrecklichen Moment, wenn einem klar wird, wie diese Mühle des Grauens funktioniert und die schmerzliche Melancholie, die die Landschaft geradezu auszuatmen scheint. Aber es ist ein Märchen. Und wie es sich für ein Märchen gehört, gibt’s zum Glück ein Happy End!

Michael Ende - Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Mein zweites Ober-Über-Lieblings-Kinderbuch! Am Silvesterabend müssen der Kater Moritz und der Rabe Jakob die finsteren Machenschaften ihrer Besitzer, dem Schwarzmagier Irrwitzer und der Geld-Hexe Tyrannja durchkreuzen, sonst sieht es wahrlich finster aus für die Welt! Die beiden sind ihrem Vertrag mit dem Teufel nicht gerecht worden und haben das Jahr über nicht genügend Unheil gestiftet. Ihre einzige Rettung besteht in der Herstellung eines magisch-mächtigen Wunschpunsches, der ihnen jeden Wunsch erfüllt, der bis zum Erklingen der Neujahrsglocke geäußert wird. Große Teile vom Wunschpunsch kann ich ja inzwischen auswendig, wie zum Beispiel die Gedichte, die Beelzebub Irrwitzer damals in der Kinderwüste (aka Kindergarten) gelernt hat (Ich bin ein kleines Monsterschwein und stinke vor mich hin. Ich will stets grimm und grauslig sein bis ich ein großes bin) oder der chemisch-wissenschaftliche Teil des Trunk-Rezepts (man nehme kathotyme Phleben und katafalkes Polyglom und lasse beides zyklisch schweben in dramoliertem An-Atom usw.) - und trotzdem freue ich mich jedes Jahr arg auf Weihnachten, wenn entweder aus dem Buch vorgelesen oder das Hörbuch angehört wird!

Hub - Okko 1: Das Buch des Wassers
Simon Weinert - Tassilo der Mumienabrichter
BensWerk & Holger Much (Hg) - Anderswelt

Simons Weihnachtstipps

Hub - Okko 1: Das Buch des Wassers

In einem vergangenen Japan der Legende zieht der Ronin Okko mit seinem kleinen Gefolge durch die Lande und erlebt mysteriöse Abenteuer. Das Gefolge besteht aus einer maskierten Kampfmaschine, einem trinkfreudigen Mönch, der die Naturgeister beschwören -- aber nicht immer beherrschen -- kann, und dessen Lehrling, der der Geschichte die Erzählerstimme verleiht. Die Abenteuer sind alles andere als plump und bieten viel Raum für Kolorit, Nebenfiguren, sense of wonder, Kopffutter. Ich habe die ganze Serie kürzlich mal wieder in einem Rutsch gelesen und war erstaunt von dem zeichnerischen und erzählerischen NIveau. Fantasy-Comics muss mal allzu häufig unter Mumpf oder mit ein wenig Wohlwollen unter guilty pleasure einordnen, Okko jedoch sticht extrem aus der gewohnten Kost heraus .Ein gediegener Hochgenuss.

Simon Weinert - Tassilo der Mumienabrichter

Ich habe mich sehr gefreut, dass das Imprint Memoranda des Golkonda Verlags meinen Tassilo noch einmal in einer wunderschön von benswerk gestalteten Verpackung herausgebracht hat dieses Frühjahr. Nun geht der Golkonda Verlag ja bekanntermaßen neue Wege, weshalb das von Hardy Kettlitz geführte Memoranda Imprint sich ab nächstes Jahr vom Mutterverlag ablösen wird. Was das für die Verfügbarkeit des Mumienabrichters bedeuten wird, ist noch nicht ganz klar. Klar ist aber in jedem Fall, dass da draußen noch viele Leute rumlaufen, die einen Mordsspaß mit dem Buch haben würden, wenn sie es lesen würden. Deshalb traut euch. Der Tassilo kann eine besch**ene Kackbratze sein, und es ist nicht auszuschließen, dass am Ende einer heult, aber he, es ist Weihnachten! Lasst ihn rein in eure gute Stube, den verkorksten Kerl! Fest der Liebe und so, Aktion Sorgenpunk! Gebt euch einen Ruck!

BensWerk & Holger Much (Hg) - Anderswelt

Unseren Veranstaltungsreigen haben wir dieses Jahr mit der Premiere von Anderswelt eingeläutet. Da strömte eine ganze Horde von Autor*innen und Künstler*innen ins Otherland. Denn Anderswelt versammelt Geschichten von 26 Schreibenden und Bilder von 9 Illustrierenden zum Thema Wesen aus anderen Welten (okay, es waren nicht alle Beteiligten bei der Lesung anwesend, aber viele!). Das ist ein Augenschmaus, und die Kurzgeschichten (und Gedichte) zeigen die Diversität in der deutschen Phantastikszene, besonders da die Wortkünstler*innen hier weniger an die (Buchmarkt)Konventionen gebunden sind wie beim in der Fantasy vorherrschenden Format des Romans. Von düster bis ulkig, gedrechselt bis derb, verträumt bis verkopft, esoterisch bis albern, hier finden sich unzählige Tonfälle und Zwischentöne, und die Liste der Beitragenden geht von Stars wie Tobias O. Meißner, Boris Koch und Christian von Aster bis zu unserem Lieblingsquerschläger Jasper Nicolaisen und yours truly, Jakob und mir. Das Ganze ist einfach eine wunderschöne, vielstimmige und vielschichtige Veröffentlichung, die sich bestens als Geschenk eignet.

Tolle Überraschungen ...

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