Das sind die besten Science-Fiction-Bücher des Jahres 2019

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Das sind die besten Science-Fiction-Bücher des Jahres 2019


Beeindruckendes aus China, Kanada und Schweden, das Buch zum Brexit, eine Amazon-Dystopie, preisgekrönte Cyborg-Novellen und die Rückkehr nach Gilead: Das ist unsere Auslese der besten internationalen Science-Fiction-Romane 2019.

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China-Import: Die wandernde Erde von Cixin Liu

Deutsch von Marc Hermann, Karin Betz u. a. • Heyne, Paperback, 688 Seiten • 14,99 Euro

Cixin Liu öffnete der chinesischen Gegenwarts-Science-Fiction den Weg nach Westen. „Jenseits der Zeit“ war dieses Jahr nicht bloß ein würdiger Abschlussband, sondern sogar der beste Roman seiner viel gerühmten „Trisolaris“-Trilogie – ganz große, ja regelrecht epische Ideenliteratur. Noch gefälliger und repräsentativer für aktuelle chinesische Science-Fiction war 2019 nur Lius Kurzgeschichtensammlung „Die wandernde Erde“, die High-SF neben Social-SF über Ameisen und Saurier oder greise Götter stellt und Lius gesamte schriftstellerische Palette zeigt. Ein Buch, das für die chinesische Fantastik begeistert, und eine der stärksten Storysammlungen der letzten Jahre.

Das Buch zum Brexit: Die Mauer von John Lanchester

Deutsch von Dorothee Merkel • Klett-Cotta, Hardcover, 348 Seiten • 24,00 Euro

„Die Mauer“ von John Lanchester war am Ende vom Plot her nicht perfekt, aber 2019 dennoch ohne Zweifel das Science-Fiction-Buch zur Stunde, das durch den anhaltenden Rechtsruck in Gesellschaft und Politik sowie das Brexit-Hickhack immer weiter an Brisanz, Aktualität und Vorstellbarkeit gewinnt. Lanchesters schwer dystopisches Großbritannien ist von einer 10.000 km langen Mauer aus Beton eingefasst, auf der junge Männer und Frauen ihren Wehrdienst leisten und die Insel vor Flüchtlingen beschützen sollen, die über das Meer kommen. Lanchester erwartet allerdings von seinem Leser, dass er selbst seine Lehren aus dieser Geschichte ziehen kann, und ihre Motive nicht falsch interpretiert.

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Generationenraumschiffe: Die Reise von Marina Lostetter

Deutsch von Irene Holicki • Heyne, Taschenbuch, 560 Seiten • 11,99 Euro

In ihrem ersten Roman widmet sich die Amerikanerin Marina J. Lostetter einem Konvoi aus Generationenraumschiffen, dessen Besatzung von Generation zu Generation geklont wird und so die mehrere tausend Jahre dauernde Reise meistert. Die führt die riesigen Schiffe, die von einer künstlichen Intelligenz behütet werden, durch die Subdimension zu einem fernen Stern, wobei es zu Dramen, Aufständen, Revolutionen und Wundern kommt. Lostetter überzeugt mit souveränen Charakterisierungen und einer episodenhaften Mosaikform samt Kurzgeschichten-Charakter, dank der sie die verschiedensten Themen interessant beleuchten und behandeln kann. Ein bemerkenswertes Debüt.

Endzeit mit Stil: Der Gott am Ende der Straße von Louise Erdrich

Deutsch von Gesine Schröder • Aufbau, Hardcover, 360 Seiten • 22,00 Euro

Louise Erdrich, die 1954 als Tochter eines Deutsch-Amerikaners und einer Ojibwe geboren wurde, ist eine der besten amerikanischen Schriftstellerinnen der Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher zeichnen sich durch die Verarbeitung ihrer indigenen Wurzeln, einen großartigen Stil, eine gehörige Portion magischen Realismus und herrlich makelhafte Figuren aus. Eine gute Gelegenheit für Genre-Leser, in Erdrichs Erzählkosmos einzutauchen, stellte 2019 „Der Gott am Ende der Straße“ dar. Im Roman wird die schwangere Cedar Hawk Songmaker mit Endzeit-Chaos, einer rückwärts laufenden Evolution, faschistischen Entwicklungen in der Gesellschaft und ihrer Familie konfrontiert.

Überraschend anders: Unter uns die Nacht von Becky Chambers

Deutsch von Karin Will • Fischer TOR, Taschenbuch, 464 Seiten • 9,99 Euro

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“, Becky Chambers erster Roman, präsentierte eine sympathische Space Opera. Das Sequel „Zwischen zwei Sternen“ machte Chambers zu einer der besten neuen Autorinnen des SF-Genres. Der dritte eigenständige „Wayfarer“-Roman „Unter uns die Nacht“ entpuppte sich im ablaufenden Kalenderjahr als ungewöhnliches SF-Buch. Nicht unbedingt zum Erstkontakt mit Chambers’ Werk geeignet, aber eine beachtliche Demonstration dessen, was sie sich stilistisch, inhaltlich und dramaturgisch zutraut. Man freut sich auf jedes ihrer Bücher.

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Amazon-Dystopie: Der Store von Rob Hart

Deutsch von Bernhard Kleinschmidt • Heyne, Hardcover, 592 Seiten • 22 Euro

Cory Doctorows Novelle „Wie man einen Toaster überlistet“ muss man 2019 definitiv gelesen haben, wenn einem auch nur ein kleines Bisschen an literarischem Liberalismus gelegen ist – oder einem der Einfluss von Firmen auf unseren Alltag aus gutem Grund Anlass zur Sorge gibt. Noch mehr gilt das für Rob Harts unterhaltsamen dystopischen Mainstream-SF-Roman „Der Store“, in dem ein drohnenbasierter Online-Shopping-Gigant mit konzeptionellen Anleihen bei Amazon, Apple und Google unser Leben beeinflusst – angefangen bei den dauer-überwachten Angestellten in den riesigen Versandzentren, die eigene Städte sind. Dass das Buch ein Amazon-Bestseller wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Bildgewaltig: The Electric State von Simon Stålenhag

Deutsch von Stefan Pluschkat • Fischer TOR, Hardcover, 144 Seiten • 34 Euro

Der Schwede Simon Stålenhag ist ein echtes Multitalent. Er malt, schreibt und macht sogar Musik. Sein erstes auf Deutsch veröffentlichtes Werk „The Electric State“ ist eine Mischung aus Roman und Artbook, wobei Nostalgie auf Dystopie trifft. Stålenhag erzählt in stimmungsvollen Texten und staunenswerten Digitalgemälden im üppigen Breitwandformat eine bildgewaltige SF-Geschichte über eine USA nach dem Drohnenkrieg – über Menschen, Roboter, Abhängigkeit, Zerfall und Evolution. Besonders interessant und faszinierend ist die wechselhafte Symbiose aus Bildern und Prosa. Eine Verfilmung scheint nur noch Formsache, die Russo-Brüder stehen angeblich bereit. 2020 kommen zwei weitere Stålenhag-„Bilderbücher“ bei Fischer TOR.

Feministische Fortsetzung: Die Zeuginnen von Margaret Atwood

Deutsch von Monika Baark • Berlin Verlag, Hardcover, 576 Seiten • 22,99 Euro

Lange hat es gedauert, 2019 wurde es Wirklichkeit: Margaret Atwood, die frisch mit dem Bookerpreis ausgezeichnete Altmeisterin und Grand Dame der Science-Fiction-Literatur (und so viel mehr), hat mit „Die Zeuginnen“ tatsächlich eine Fortsetzung ihres Klassikers „Der Report der Magd“ aus dem Jahre 1985 vorgelegt. Die 80-jährige Kanadierin hat bekanntlich ein kompliziertes Verhältnis zum Feminismus, trotzdem oder gerade deswegen ist ihr neuerlicher Beitrag so wichtig und gut. Fest steht außerdem: Nie kehrte man mit mehr Freude, Sorge und Schaudern zugleich in eine totalitären Staat zurück …

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Cyborg-Novellen: Tagebuch eines Killerbots von Martha Wells

Deutsch von Frank Böhmert • Heyne, Paperback, 573 Seiten • 15,99 Euro

Der Ich-Erzähler von Martha Wells ist eine Cyborg-Kampfmaschine, die sich ihren freien Willen erhackt, ohne zu ahnen, was das für moralische Probleme oder Interaktionshürden mit Menschen und anderen Bots nach sich zieht. Der deutsche Sammelband enthält alle vier preisgekrönten Erzählungen, die ursprünglich von Tor.com veröffentlicht wurden, und Wells u. a. den Hugo und den Nebula Award einbrachten. Die episodenhafte Reise ihres autistisch anmutenden Killerbots glänzt durch dezentes Worldbuilding mit guten Details, viele Cyberpunk-Elemente und einem unverbrauchten Ansatz für Military-Science-Fiction und das Thema künstliches Leben bzw. künstliche Intelligenz.

wütend und witzig: Rejoice von Steven Erikson

Deutsch von Andrea Decker • Piper, Paperback, 520 Seiten • 18 Euro

Den kanadischen Bestsellerautor Steven Erikson kennt man vor allem für seine epische Fantasy-Serie „Das Spiel der Götter“. Mit „Rejoice – Die letzte Entscheidung“ hat er jetzt einen Science-Fiction-Einzelroman geschrieben. Hochentwickelte Aliens, die nur einer SF-Autorin trauen, kommen für eine handfeste Intervention in den Orbit der Erde, die wegen der Menschheit zum Untergang verdammt ist. Erikson schwingt in seinem groben Gedankenexperiment den Holzhammer gegen die Missstände und Macher unserer Gesellschaft, die ihn wütend machen. Das ist nie subtil oder fein und nicht mal große Ideenliteratur oder etwas in der Art, aber ausgesprochen witzig und unterhaltsam. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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