The Witcher - Die Welt der Hexer-Saga

© Netflix

FILM

The Witcher: Eine Einführung in die Welt der "Hexer-Saga" von Andrzej Sapkowski


Klassische High Fantasy trifft auf osteuropäische Mythen: Am 20. Dezember startet mit „The Witcher“ die langerwartete Serienumsetzung von Andrzej Sapkowskis „Hexer-Saga“ auf Netflix. Eine Einführung in die abenteuerliche Welt des Geralt von Riva.

Die „Hexer-Saga“ besteht aus zwei Kurzgeschichtenbänden, die für das Verständnis der darauf aufbauenden zentralen Romanpentalogie und des bahnbrechenden Spiels „Witcher 3“ sehr hilfreich sind, sowie mit „Zeit des Sturms“ einem ergänzenden Einzelroman. Die fünf Kernromane sind gerade in einer neuen Schmuckausgabe bei DTV erschienen, die drei Einzelbände folgen Anfang des kommenden Jahres.

Die Welt, die der Saga von Andrzej Sapkowski zugrunde liegt, kann – wie so viele Weltentwürfe der High Fantasy – grob mit dem europäischen Spätmittelalter bzw. der Frühen Neuzeit verglichen werden. Während es in der Welt von Geralt noch kein Schießpulver gibt, ist man hinsichtlich anderer zivilisatorischer und technologischer Entwicklungen allerdings bereits weiter fortgeschritten, als dies im vergleichbaren irdischen Zeitraum der Fall war (z.B. in der Medizin).

Eine weitere Besonderheit gegenüber angelsächsischen Weltentwürfen, die ja in der Fantasy traditionell vorherrschen, stellt der Bezug zur osteuropäischen Geschichts- und Sagenwelt dar. Sapkowski bediente sich bei allem, was die Mythenwelt von Mitteleuropa bis zum Baltikum hergab, adaptierte diese mal mehr, mal weniger in einen Fantasykontext oder präsentiert augenzwinkernd und fast schon parodistisch Wesen und Begebenheiten, die ebenso gut den Märchensammlungen der Grimms oder Afanasievs entspringen könnten.

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Rassismus und Krieg

Sapkowskis Welt ist von Magie erfüllt, allerdings erst seit etwa eineinhalb Jahrtausenden. Zu diesem Zeitpunkt ereignete sich die sogenannte „Sphärenkonjunktion“, ein magischer Kataklysmus, der die bekannte Welt mit verschiedenen anderen Welten und Daseinsebenen verband. Diese brachte nicht nur die Magie auf die Welt, sondern auch unzählige übernatürliche Wesenheiten und Monster.

Dass die Menschen in etwa zum selben Zeitpunkt auftauchten, sehen nicht nur die Gelehrten der Elfen als Beweis dafür an, dass sie aus einer anderen, chaotischen Daseinsebene entsprungen sind. Die Menschen breiteten sich in den folgenden Jahrhunderten schnell aus, drängten die sogenannten „Älteren Völker“ wie Elfen (die selbst erst tausend Jahre vorher auf den Kontinent gekommen waren), Zwerge oder Gnome zurück und errichteten die Nördlichen Königreiche.

Diverse Kriege gegen alle nichtmenschlichen Kulturen, die von den Menschen „Anderlinge“ genannt werden, folgten und endeten fast immer damit, dass diese in unwirtliche Gebiete zurückgedrängt und beinahe ausgerottet wurden. In vielen Reichen des Nordens herrschen nach wie vor Abneigung und Hass gegenüber den Anderlingen, die größtenteils ausgegrenzt und unterdrückt werden, weshalb sich manche von ihnen zu den „Scoia'tael“ zusammengeschlossen haben, um aus dem Untergrund heraus gegen die Unterdrücker zu kämpfen.

Im selben Zeitraum entstand im Süden mit dem Imperium von Nilfgaard das größte Reich, das die Welt je gesehen hat. Nach und nach entwickelte es sich zur vorherrschenden Macht des Südkontinents und überfiel bald seine nördlichen Nachbarn.

Trotz der natürlichen geographischen Barrieren wie den Amellbergen und dem Fluss Joruga, die eine Expansion erschwerten, nahmen die „Nördlichen Kriege“ ihren Anfang, der zentrale Konflikt, der die Welt der Hexers Geralt von Riva bestimmt. Nilfgaards Kaiser Emhyr var Emrais machte sich dabei unter anderem die Scoia'tael zunutze und verbündete sich mit ihnen. Hass und rassistische Vorurteile auf beiden Seiten führten zu Massakern und Verwüstungen, von denen sich viele der Nördlichen Königreiche nicht mehr erholten.

Cintra, Heimat von Roman- und Serienprotagonistin Ciri, war eines der ersten Königreiche des Nordens, die erobert wurden. Die junge Prinzessin konnte fliehen und wuchs fortan aufgrund eines alten Versprechens, das Ciris Großmutter dem Hexer für einen Dienst an der Krone (nachzulesen in der Anthologie „Der letzte Wunsch“) gegeben hatte, als „Überraschungskind“, behütet von Geralt und der Zauberin Yennefer, auf. Um ihre Abkunft und ihre Vorhersehung als „Kind des Schicksals“, das selbst die Mächte des Chaos bezwingen kann, dreht sich die Romanreihe im Wesentlichen.

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Magie und Pogrome

Die Nördlichen Königreiche, deren wichtigste Vertreter Redanien, Temerien, Verden und Lyrien-Rivien darstellen, versuchen sich den stetigen Expansionsbestrebungen Nilfgaards zu widersetzen. Dieses wurde erstmals in der Schlacht von Sodden in die Schranken gewiesen, unter anderem dank der Hilfe des Rats der Magier. Doch in der Folge zeigte sich, dass der teuer erkaufte Sieg nicht von Dauer sein würde. Zu Beginn der Romanreihe befinden wir uns kurz vor Ausbruch des Zweiten Nilfgaardischen Krieges und die Königreiche des Nordens sind in dieser Zeit nicht nur damit beschäftigt, eine gemeinsame Front gegen die Invasoren zu etablieren, sondern sich auch den inneren Konflikten zu stellen und Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Magier und Zauberinnen, die den Potentaten als Berater/innen zur Seite stehen, allerdings mitunter ganz eigene Ziele verfolgen. Die für Geralts und Ciris Geschichte wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe sind natürlich vor allem Geralts Geliebte Yennefer von Vengerberg und die loyale Triss Merigold, aber auch Philippa Eilhart und nicht zuletzt der Zauberer Vilgefortz spielen in den Romanen eine entscheidende Rolle.

Der Einfluss der Magier auf die Herrscher/innen des Nordens wird von Volk und Fürsten argwöhnisch beäugt, da sie als Strippenzieher hinter allen Plänen und Vorhaben der Nördlichen Königreiche gelten. Auch die Tatsache, dass sie über mächtige Magie verfügen, die von der Kirche als Werk des Chaos und des Bösen angesehen wird, führt nicht nur zu Misstrauen und offener Abneigung, sondern in den Folgejahren auch zu Verfolgungen und Pogromen an Zauberkundigen und Anderlingen durch offizielle sowie selbst ernannte Hexenjäger.

Trailer: The Witcher

Monster und Monsterjäger

Wenngleich die meisten Magier und Zauberinnen nicht mit den Mächten des Chaos im Bunde stehen, sondern allenfalls durch Machtgelüste angetrieben werden, bei denen nie ganz klar wird, auf welcher Seite im politischen Intrigenspiel sie sich eigentlich befinden, gibt es durchaus eine ganze Reihe finsterer Gestalten, die alles andere als Gutes im Sinn haben.

Sapkowski rekurriert dabei vor allem in seinen Kurzgeschichten auf die heimische Sagenwelt: In Wäldern abseits der Dörfer hocken Hexen und bringen Tod und Verderben über die einfältige Bauernschaft, humanoide Nekrophagen laben sich an den Opfern des Krieges, niedere und höhere Vampire versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken, selbst die Tochter des Königs von Temerien wurde dazu verflucht, sich in eine Stryge (ein verdammtes dämonisches Wesen) zu verwandeln, bevor sich Geralt ihrer Sache annahm. Allerorten sind besonders in abgelegeneren Gebieten Wesen zu finden, die nur von erfahrenen Experten verjagt oder getötet werden können, seien es nun Trolle, Waldschrate, Kikimoras, Geistererscheinungen, Greife oder gar Drachen.

Hexer wie Geralt von Riva sind solche Experten, meist Menschen, die einer speziellen Mutation unterliegen und mit magischen Substanzen genetisch verändert wurden. Man begegnet ihnen wahlweise mit Angst, Respekt oder Verachtung, denn schließlich wissen viele um die Kräfte der „Mutanten“. Werden diese benötigt, bezahlt man sie für ihre Dienste und ist froh, einen umherreisenden Hexer getroffen zu haben. Ist das jedoch nicht der Fall, verjagt man sie wie jeden anderen Anderling oder Magiebegabten – ein Schicksal, das Geralt mehr als einmal widerfährt und letztlich zu seiner Verbitterung und Heimatlosigkeit beiträgt.

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