Superheld oder Superschurke? Interview mit V. E. Schwab

© Jenna Maurice

INTERVIEW

Superheld oder Superschurke? Interview mit V. E. Schwab


Die neue Fantasy-Serie „Vicious & Villains“ hinterfragt das Konzept von Gut, Böse und Super-Böse. Wir haben mit der Autorin V. E. Schwab über Macht, Comics und ihre eigene Superkraft gesprochen.

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Auf den ersten Blick könnte man deinen Roman "Vicious" als Buch über Superhelden bezeichnen, aber das stimmt nicht ganz, oder?

V.E. Schwab: Es geht in dem Buch um Superkräfte, aber nicht um Helden. Die Idee ist, dass einen solche Kräfte nicht zwangsläufig zu einem besseren Menschen machen. Im Gegenteil, der plötzliche Machtgewinn macht die Menschen schlechter.

Müssen Figuren denn "gut" sein, damit sie sympathisch sind? Und welche von deinen Hauptfiguren liegt dir am meisten am Herzen?

Das ist die Frage, die bei dieser Serie im Mittelpunkt steht. Und ich würde sagen, man kann sie klar mit "Nein" beantworten. Letzten Endes beurteilen wir andere Menschen nicht nach dem, was sie tun, sondern, warum sie es tun. Es geht also nicht nur um Gut und Böse, sondern darum, wie komplex und nachvollziehbar eine Figur ist. Meist liegen uns diejenigen am meisten am Herzen, deren Handeln wir verstehen.

Deine Bücher weisen immer wieder einen bewundernswerten Einfallsreichtum auf. Was hat dich zur "Vicious & Vengeful"-Serie inspiriert?

Vielen Dank! Meine Inspiration stammt aus Comics, vor allem aus den Origin Stories. Die Serie fing als eine solche Ursprungsgeschichte von Victor und Eli an, die erklären sollte, warum diese beiden jungen Männer einander so sehr hassen. Von da ging es zu einer Betrachtung von Held und Bösewicht und der Willkürlichkeit dieser beiden Wörter. Der Konflikt der Hauptfiguren dreht sich nicht darum, wer gut und wer böse ist, es geht um rein persönliche Motive.

Beim Lesen von "Vicious" fällt auf, dass es tatsächlich sehr comic-haft geschrieben ist. Wie hast du das geschafft? Hast du eine spezielle Schreibtechnik verwendet?

Ha ha, ich habe mich jedenfalls bemüht. Ich glaube, es liegt vor allem an der Struktur. "Vicious" besteht aus vielen kurzen Kapiteln mit schnellen Abblenden, sodass sich beim Lesen eine ähnliche Wirkung ergibt, wie sie Comic-Zeichnungen erzeugen. Außerdem habe ich versucht, in Sprache und Schreibstil die Schnelligkeit und Knappheit eines Comics einzufangen, damit der Leser die visuellen Lücken füllen kann.

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Wenn du eine ExtraOrdinäre wärst, welche Superkraft besäßest du?

Darüber habe ich lange nachgedacht. Ich hätte gern die Fähigkeit, die Zeit zu beeinflussen, aber nur in Bezug auf die Zukunft. In die Vergangenheit zurückzugehen, bringt bloß Probleme mit sich, aber ich hätte gern die Gabe, die Zeit anzuhalten, zu verlangsamen oder zu beschleunigen.

Eli und Victor werden nach ihren gemeinsamen medizinischen Experimenten zu erbitterten Erzfeinden. Warum hast du die beiden dieses Abenteuer gemeinsam erleben lassen? Sind sie jemals wirklich Freunde gewesen?

Wie gesagt, anfangs waren sie in meiner Vorstellung Feinde, und ich habe begonnen, ihre Hintergrundgeschichte zu schreiben, um herauszufinden, wie es dazu gekommen ist. Ich glaube, Feindschaft ist etwas sehr Komplexes, und eine der Grundideen in meinen Geschichten ist, dass unsere Vergangenheit untrennbar mit unserer Gegenwart verbunden ist. Mir war von Anfang an klar, dass die beiden eine schwierige Beziehung zueinander hatten.

In Deutschland bist du mit deiner "Weltenwanderer"-Trilogie erfolgreich. Bis jetzt ist sie jedoch das Einzige, was die Leser hierzulande von dir kennen. Dabei hast du noch viele andere Bücher bei unterschiedlichen Verlagen und für unterschiedliche Leser (zum Beispiel auch Kinder- und Jugendbücher) veröffentlicht. Was gefällt dir daran, aus verschiedenen Blickwinkeln zu schreiben?

Das Schreiben ist für mich in erster Linie eine Form der Entdeckung. Wenn ich mich mit einer Idee an den Schreibtisch setze, dann habe ich anfangs noch keine Leserschaft im Kopf, außer mich selbst. Ich will mich herausfordern und Spaß haben. Für verschiedene Leser und aus verschiedenen Blickwinkeln zu schreiben, hat den Vorteil, dass der Akt des Schreibens neu und unverbraucht bleibt. Ich mache niemals das Gleiche zweimal, kann also weiter wachsen, lernen und neue Geschichten entdecken.

Die Trilogie im Überblick

V.E. Schwab: Vier Farben der Magie
V.E. Schwab - Die Verzauberung der Schatten
Schwab: Die Beschwörung des Lichts

Kannst du uns etwas über die Verfilmung der "Weltenwanderer"-Trilogie sagen? Wie stark bist du daran beteiligt?

In der Filmwelt läuft vieles langsamer als im Verlagswesen, aber bislang ist die Verfilmung auf einem guten Weg. Das Studio ist wunderbar, und der Drehbuchautor Derek Kolstad, der für seine John-Wick-Filme bekannt ist, arbeitet fleißig an der Adaption. Ich würde sagen, dass ich recht stark involviert bin, aber gleichzeitig habe ich das große Glück, mit einem Team zusammenzuarbeiten, dessen Ziele sich mit meinen eigenen decken.

Was kannst du uns über "Threads of Power" erzählen, die Fortsetzung der "Weltenwanderer"-Trilogie?

Es wird eine dreibändige Serie, die in derselben Welt angesiedelt ist, sieben Jahre nach dem Ende von "Die Beschwörung des Lichts". Bisher kann ich dazu nur sagen: Es wird ein paar neue Hauptfiguren geben, aber alle, die die "Weltenwanderer"-Trilogie überlebt haben, werden auf jeden Fall auch in der neuen dabei sein.

Dein nächstes Buch wird aber erst einmal ein Roman mit dem Titel "The Invisible Life of Addie La Rue", oder? Klingt ziemlich geheimnisvoll ...

Ist es auch! Aber natürlich nicht für mich. An diesem Buch arbeite ich schon seit ACHT JAHREN. Im Moment steht es kurz vor der Vollendung, und ich bin sehr, sehr gespannt, wie es bei den Lesern ankommt. Ich verrate nur, dass es um die Beziehung eines französischen Mädchens zum Teufel geht, im Verlauf von 300 Jahren.

Und woran arbeitest du derzeit sonst noch?

Im Augenblick bin ich mit der Überarbeitung von "Addie" beschäftigt. Aber ich schreibe auch am dritten Band meiner "City of Ghosts"-Serie und arbeite zugleich noch an einem supergeheimen Projekt, das ich noch nicht bekanntgeben kann!

Vielen Dank!

 

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Deutsch von Sara Riffel

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