Neuerscheinungen Science Fiction im November: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

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Neuerscheinungen Science Fiction im November: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder Büchernachschub aus der Science Fiction. Hier sind die aktuellen Lesetipps von der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Dietmar Dath - Neptunation

Mit Neptunation knüpft Dietmar Dath an seinen zuletzt erschienen Roman Der Schnitt durch die Sonne an - wir erfahren, wie es mit einigen der Sonnenreisenden weitergeht und auch Cordula Späth, die geheimnisvolle Frau von der Küste, taucht wieder auf. Allerdings ist Neptunation deutlich fetziger geschrieben als der Vorgänger, und auch die Beschreibungen der Mahlzeiten fallen deutlich kürzer aus. Neptunation ist zugleich eine spannende Space Opera, tiefsinnige politische Abhandlung über den Zustand des Kommunismus nach seinem scheinbaren Verschwinden und Schlüssel für eine Reihe älterer Dath-Romane. (geschrieben von Sarah)

Julian Gough - Connect

Der autistische Jugendliche Colt lebt mit seiner Mutter in Nevada, hält sich aber hauptsächlich in einer virtuellen Gaming-Welt auf. Als Mutter Naomi ein wissenschaftlicher Durchbruch gelingt (es geht um das Nachwachsenlassen von Gliedmaßen basierend auf Raupen-Studium), wird ihr Exmann, Colts Vater, hellhörig. Er arbeitet im Verteidigungsministerium und hofft, diesen technologischen Durchbruch für militärische Zwecke im großen Stil nutzen zu können.

Spannender Thriller, die tiefen Fragen der Menschheit, Coming of Age, Technology-Stuff… Anspruchsvoller Stil, aber voller Zitate, die man sich am liebsten rausschreiben möchte … Ich habe mich (bei goodreads) umgeschaut, wie die Leser dieses Buch finden: von manchen wird es bereits jetzt als Kult gefeiert, andere kritisieren bizarre Sexszenen, plot-irrelevante Seitenstränge, seltsame religiöse Ideen und eine unglaubwürdige Mutter-Sohn-Beziehung. Tja, das kommt ja manchmal vor, dass einen sowohl das Lob als auch die Kritik für ein Buch einnehmen! Ich werde mir das auf jeden näher Fall anschauen. (geschrieben von Caro)

Dietmar Dath - Neptunation
Tagebuch eines Killerbots von Martha Wells bei Amazon bestellen
Julian Gough - Connect

Martha Wells - Tagebuch eines Killerbots

Als ein ausgemusterter Killerbot, der eine wissenschaftliche Truppe auf ihrer Mission beschützt, sein Bewusstsein erlangt und sich selbst frei hackt, öffnen sich die Türen einer ganz neuen Welt für diese seelenlose Maschine - eine Welt voller unerklärlicher Emotionen und noch viel mehr.

Dieses Buch entzückt! Ich kann es nicht genug loben - dieser bezaubernde Roboter… der sachliche, ebenso seelenlose Stil der Autorin, der einen krassen Kontrast zum ziemlich bunten und teils rührenden Inhalt darstellt… Und dennoch kommen auch Hard-SF-Fans auf Ihre Kosten! Alle alle alle sollten Murderbot lesen, und zwar immer öfter!

Übrigens: Bitte einen großen Applaus für heyne! Während so manch anderer noch mit der Taktik “häppchenweise für teures Geld zufüttern” den internationalen Lesern Novelle für Novelle erst in Hardcover und dann in Paperback das Geld aus der Tasche zu ziehen versucht, geht der deutsche SF-Riese auf die Bedürfnisse seiner Leser*innen ein und zeigt der Welt wie es geht. Zack! Alle vier Novellen zusammen, gute Übersetzung, zum nicht-dystopischen Preis! Bravo! (geschrieben von İnci)

Emma Braslavsky - Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten ist ein typischer Zeitgeist-Roman, der sich literarisch mit den Fragen der nahen Zukunft auseinandersetzt ohne sich selbst dabei zur Science Fiction zu zählen. Das kennen wir ja schon von Margaret Atwood, die auch mal verneinte, Science Fiction zu schreiben. Nun gut, soll so sein. Lustig dabei ist aber, dass viele Bücher wie  Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten Themen aufgreifen, die die Science Fiction schon seit Anbeginn bearbeitet - doch plötzlich scheint es ein neues Genre zu sein. Etwa in der Besprechung aus der Zeit taucht der Begriff Science Fiction kein einziges Mal auf, obwohl es um nichts anderes als das klassische Science Fiction-Thema Mensch-Maschine geht.

Also: ein Berlin SF-Krimi mit der Frage, ob Maschinen vielleicht doch die besseren Menschen sind.Emma Braslavsky hat auf ihrer FB-Seite Interviews und Rezensionen gesammelt. Und dann gibt's noch die Suhrkamp-Website mit Leseprobe. (geschrieben von Wolf)

Dietmar Dath - Niegeschichte

Dietmar Dath funkt ja meistens auf mehreren Kanälen gleichzeitig, aber zwei nicht grade dünne Bücher innerhalb weniger Wochen zu veröffentlichen (ein weiteres ist für Anfang November angekündigt), grenzt schon an gezielte Überforderung der Leserin. Niegeschichte ist eine Abhandlung über Sci-Fi als "Kunst- und Denkmaschine", in der wir, wie zu erwarten, einer Reihe mehr oder weniger bekannten Koryphäen des Genres begegnen.

Judith C. und Christian Vogt - Wasteland

Die Vogts gehören derzeit zu den kreativsten und produktivsten deutschsprachigen Fantasy- und SF-Autor*innen und mixen und re-mixen mit spürbarem Vergnügen Genreelemente. Nach römischer Space Opera folgt nun klassische mad-maxige Postapokalypse mit dem einen oder anderen Twist. Darunter auch: Die Vogts haben ihren Roman konsequent in geschlechtergerechter Sprache verfasst, und das haben sie hingekriegt, ohne, dass es besonders auffällt - so müssen Sternchenverächter*innen auch keine Angst haben, mit derartigen Sonderzeichen behelligt zu werden. Hier schreibt Judith Vogt mehr darüber. Abgesehen davon liefern die Vogts wie gewohnt Tempo, Humor und schöne, wilde Settingideen! (geschrieben von Jakob)

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