Military Science Fiction – Alles was du über das Genre wissen musst

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Military Science Fiction: Alles was du über das Genre wissen musst


Intergalaktische Kriege und Rebellionen sind das Sujet der Military Science Fiction. Zuweilen als kriegsverherrlichend und kolonialistisch gebrandmarkt, geht das Subgenre doch längst kritischer mit seinen Themen um, als es auf den ersten Blick scheint.

Die klassischen Subgenres der Science Fiction, insbesondere Hard Science Fiction und Space Opera, sind von jeher von einem militärischen, zuweilen militaristischen, Unterton geprägt. Die Kolonialisierung fremder Welten und das Befrieden intergalaktischer Auseinandersetzungen sind Hauptbestandteil zahlreicher früher (Pulp-)Werke von Edward E. „Doc“ Smiths „Lensmen“-Zyklus bis hin zu Edmond Hamiltons „Interstellar Patrol“-Storys – und beides bedeutet normalerweise den Einsatz von Militär.

Vom Militär an die Schreibmaschine

Diese Themen setzten sich weiter fort, als die Science Fiction in den 1940er Jahren von den Magazinen zu den Taschenbüchern wechselte. Der „Trend“ wurde auch dadurch am Leben gehalten, dass viele Science-Fiction-Autoren gedient hatten – allein die „großen Drei“ der klassischen Science Fiction, Robert A. Heinlein, Arthur C. Clarke und Isaac Asimov, verfügten alle über militärische Erfahrung. Außerdem orientierten sich Raumschiffe nicht umsonst an tatsächlichen Schiffen, die Verbindung zur Marine war entsprechend naheliegend. Sehr deutlich wird das u. a. in David Webers „Honor Harrington“-Reihe.

Ob das Genre durch seine tropes Leute mit entsprechendem Wissen anzog oder sich die Themen dadurch erst entwickelten, ist eine Henne-oder-Ei-Frage. Allerdings zeigte sich im angloamerikanischen Raum in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts eine besonders enge Verbindung zwischen Militär und Wissenschaft – und damit wiederum zur Science Fiction.

Tapferkeit, Kameradschaft, Traumata

Durch die generell enge Verflechtung der SF mit militärischen Themen, sind die Grenzen zwischen Military SF und Space Opera oder Hard SF bis heute sehr fließend. Als grober Anhaltspunkt gilt: Dort, wo Wert auf realistische militärische Strukturen und die Auseinandersetzung mit Krieg und dessen Folgen gelegt wird, spricht man von Military SF. Eine zentrale Rolle spielen außerdem Werte wie Tapferkeit, Kameradschaft, Pflichtgefühl und Selbstaufopferung. Dient der Krieg nur als „Beiwerk“ der Handlung und stehen beispielsweise stärker die Entdeckung des Weltraums oder die Abenteuer einer Hauptfigur im Vordergrund, bewegen wir uns eher auf dem Boden der Space Opera. 

 

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Teilweise dient die Military SF als Nährboden und Schauplatz neokonservativer bis kriegsverherrlichender bzw. -verharmlosender Ideen. Doch ist das nur eine Seite des Genres: Spätestens seit den 1960er Jahren und unter dem Einfluss des Vietnamkriegs hat sich unter dem Label auch eine kritische Betrachtung von Kolonialkriegen und deren traumatischen Folgen sowohl für die Soldaten als auch die betroffene Zivilbevölkerungen etabliert. Viele Autoren, die ab den 1970er Jahren ins Genre vorstießen, waren wiederum selbst Vietnamveteranen, darunter Joe Haldeman, der für „Der ewige Krieg“ u. a. den Hugo, den Nebula und den Locus Award erhielt, sowie David Drake („Hammer’s Slammers“, „Starhunters“), der anderen Autor*innen als Militärberater zur Seite steht.

Nicht zuletzt dient die Military SF auch dazu, erstens abzuwägen, welche Folgen die Menschheit durch intergalaktische Kriege erleiden könnte, und zweitens zu hinterfragen, welchen Einfluss das auf Selbstverständnis und Zusammenhalt der Menschheit nähme (so z. B. im viel diskutierten „Ender’s Game“). Romane wie Harry Harrisons Reihe um den galaktischen Helden Bill (u. a. „Der unglaubliche Beginn“, „Die Welt der Roboter-Sklaven“) fügten dem Genre darüber hinaus einen satirischen Touch hinzu.

Mit Endlosreihen und Combat SF zum eigenständigen Subgenre

Als eigenständiges Genre etablierte sich die Military Science Fiction in den 1950er Jahren mit Titeln wie „Der Uller-Aufstand“ von H. Beam Piper, Andre Nortons „Weltraum-Ranger greifen an“, Gordon R. Dicksons „Dorsai“-Zyklus (u. a. „Söldner der Galaxis“) oder Robert A. Heinleins „Starship Troopers“ – bis heute der Inbegriff der Military SF. Teilweise wurde das Genre auch als Combat SF bezeichnet, woran ebenfalls Gordon R. Dickson nicht ganz unschuldig sein dürfte, da er eine entsprechende, in den USA sehr beliebte Anthologie herausgab.

In den 1960er starteten mehrere SF-Reihen wie Fred Saberhagens „Berserker“ oder die ursprünglich von Larry Niven ins Leben gerufene Shared-Universe-Reihe „Man-Kzin Wars“, die bis 2014 lief. Auch die Endlos-Space-Opera „Perry Rhodan“ erblickte 1961 das Licht der Heftroman-Welt, wobei sie anfangs noch deutlich stärkere Anleihen an der Military SF nahm als in heutigen Veröffentlichungen.

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Military SF: Fest in US-Hand?

Die zeitgenössische Military Science Fiction wird von Autoren und Autorinnen wie John Scalzi („Old Man’s War“), Michael McCollum („Antares“, „Gibraltar Stars“), Nancy Kress („Propability“-Trilogie), Timothy Zahn („Blackcollar“, „Cobra“) dominiert.

Auffällig – wenngleich nicht wirklich überraschend – ist die selbst im Vergleich zu anderen Subgenres starke US-Dominanz in der Military SF. Doch auch im deutschsprachigen Raum hat die Military SF durchaus ihre Leserschaft und beispielsweise mit dem Österreicher Herbert W. Franke („Die Glasfalle“), mit Stefan Burban („Das gefallene Imperium“, „Skull“) oder dem gleichwohl in die USA ausgewanderten Marko Kloos („Alien Wars“) mehrere Genre-Stars zu bieten.

Auf der Leinwand massentauglich

Heutige Autor*innen der Military SF wie John Scalzi („Krieg der Klone“), Jack Campbell („Ethan Stark“), Nancy Kress („Propability“-Trilogie), Sara King („Zero – Kadett der Sterne“) oder Michael McCollum („Antares“, „Gibraltar Stars“) fühlen sich oft in der Tradition der technisch orientierten Hard SF. Trotzdem bleibt zwischen der Thematisierung moderner Kriegsführung unter Zuhilfenahme futuristischer Waffentechnologie normalerweise auch Platz für nachdenkliche Töne.

Während SF-Romane mit militärischen Themen von der breiten Leserschaft etwas misstrauisch beäugt werden, sieht das auf Fernseher und Leinwand anders aus. Ob „Battlestar Galactica“, „Avatar“ oder die Hiroshi-Sakurazaka-Verfilmung „Edge of Tomorrow“: Hier begeistern sich durchaus auch sonst eher Genre-unaffine Massen für Kolonialisierungen fremder Welten und intergalaktische Kämpfe.

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