Interview mit Jakob Keudel

© Jakob Keudel

NERD TALK

Interview mit Jakob Keudel zum Stålenhag-Videoprojekt THE VOID


Das äußerst sehenswerte Videoprojekt THE VOID basiert auf dem illustrierten Roman "The Electric State" von Autor und Illustrator Simon Stålenhag. Ein Blick hinter die Kulissen mit 3D-Artist Jakob Keudel.

THE VOID | UE4 Cinematic

TOR ONLINE: Jakob, du hast das Videoprojekt THE VOID für deine Studienabschlussarbeit konzipiert und umgesetzt. Es basiert auf den Illustrationen aus Simon Stålenhags Roman "The Electric State" basiert. Wie bist du auf die Werke von Stålenhag aufmerksam geworden?

Jakob Keudel: Ich habe Stålenhag indirekt über 3D Environment Art Projekte kennengelernt, im Spezifischen über Projekte Wiktor Öhmans. Wiktor ist Lead Artist bei der Firma Quixel, bei der ich neben meinem Studium als Customer Support Agent gearbeitet habe (und die dieses Projekt äußerst zuvorkommend unterstützt haben). Mit seiner Affinität zu Stålenhags Werken hat er beeindruckende, direkte zitierende Echtzeit-Szenen in Unreal Engine 4 aufgesetzt, die mich sowohl technisch als auch bildlich gefesselt haben. Von da bin ich also quasi rückwärts auf den originalen Autor gestoßen und habe mich sofort in dessen retro-futuristischen, teils fast abstrahierten Stil verliebt. 

Wie kam es zu der Idee, Stålenhags Bilder für deine Abschluss-Arbeit zu verwenden? 

Die Idee, sich auf Stålenhags Illustrationen zu stützen, kam mit einem der ersten Game-Engine-Projekte in meinem Studium, kurz nachdem ich auf die Originale gestoßen bin. Ich fand das Material und Wiktor Öhmans 3D Interpretation so spannend, dass ich ebenfalls versuchen wollte, etwas in die Richtung aufzubauen und mich stilistisch an diesen Vorbildern zu orientieren. Das fertige Projekt war in erster Linie ziemlich langweilig, technisch recht unbeeindruckend und hatte kaum erkennbare Ähnlichkeit zu den gegebenen Referenzen. Es blieb also der Wunsch, richtig in Stålenhags Welten einzutauchen und ein bisschen meine eigenen Ideen und Interpretationen mit einzubringen. Bereits vor Abschluss dieses ersten Versuches war mir klar, dass ich für meine Abschluss-Arbeit eine (für mich) wesentlich größer angelegte Produktion starten möchte, in der ich mich im Rahmen der Referenzen kreativ ausleben, mich technisch fordern und den Originalen gerecht werden kann.

Von der Idee bis zum fertigen Projekt: Wie lange hast du an THE VOID gearbeitet?

Die wirklich erste Idee kam um 2017 mit Wiktors Interpretationen. Ab da wurde ich den Gedanken an ein richtiges Stålenhag-Projekt nicht mehr los. Ernsthaft angefangen hat es aber erst im September 2018, zwischen zwei Curriculum-Modulen, also noch vor Beginn der eigentlichen Bachelorausarbeitung. Ich habe mir als erstes ein paar enge Freunde (Robert Hunecke, Shana Vandercruysse, Alexander Delagrange, Anton Aklin, David Grundmann) und einen guten Voice-Actor (S Sid Ahmed) gesucht, woraufhin in der Vorproduktion Skripts geschrieben und Deadlines geplant wurden. Januar 2019 lief die Produktion an, eingereicht wurde alles Ende September 2019. Insgesamt also ein Jahr Laufzeit von Anfang bis Ende. 

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Mit welchen Tools und Techniken ist THE VOID entstanden?

Hauptsächlich stützt sich THE VOID auf die Game Engine Unreal Engine 4. Darüber hinaus haben wir uns stark auf PBR-kalibrierte Photogrammetrie- und Photometrie-Assets der Firma Quixel gestützt. Insgesamt kamen sicherlich über 10 unterschiedliche Softwarepakete zum Einsatz, jeweils mit Fokus auf gesonderte Aufgaben wie 3D Modeling, Texturing, Foliage Creation, Motion Graphics, Schnitt, Grading, etc.

Welche Arbeiten/Künstler magst du sonst noch gerne?

Viele. Es gibt alleine in der Games-Industrie so viele unglaublich gute Artists, egal ob 3D, Illustration, Concept Art oder Film. Einzelne zu nennen ist bei der Menge an Talent fast schon unfair den anderen gegenüber. Und man entdeckt täglich neue. Wiktor Öhman ist für mich jedoch nach wie vor eine riesen Inspiration im Bereich 3D Environment Art (besonders in UE4), er verbindet technisches Know-How mit Effizienz und unglaublich gutem Auge für Licht, Farbe, Komposition und Details. Illustrationen von Peter Polach, Piotr Jabłoński oder Greg Rutkowski faszinieren mich über Tage hinweg. Aber das ist wirklich nur ein winziger Ausschnitt. Also... ja, viele!

Danke für das Gespräch, Jakob!

Interview mit Künstler Jakob Keudel


Jakob Keudel, geboren 1995 in Kiel, studierte an der SAE Berlin Game Art mit Schwerpunkt Real-Time Environment Art und Hardsurface Asset Creation. Er arbeitet momentan als 3D Environment Artist. Website: artstation.com/jakobkeudel

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