Neue Science-Fiction-Bücher im August: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

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Neue Science-Fiction-Bücher im August: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Wie jetzt, dein Science-Fiction-Bücherstapel ist leer?!!? Hier sind die August-Buchtipps von der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Andreas Brandhorst: Eklipse

Rätsel über Rätsel im neuen Brandhorst. Das Raumschiff Eklipse kehrt nach fünfzig Jahren zur Erde zurück, und dort ist nichts mehr, wie es war: kaum noch Menschen; Meere, Berge – alles irgendwie verschoben… Und dann hat man da noch dieses Über-Monster an Bord, das endlich gefunden und vernichtet werden sollte, bevor alles endgültig den Bach runter geht.

Schwimmt und strudelt der Leser am Anfang nur so in Rätseln, fängt er doch bald an, zu spekulieren, was hier passiert sein könnte (Zeitreise? Paralleluniversum??) – und wird am Ende mit der Entknotung und Auflösung der Dinge nicht enttäuscht! Kleiner großer Bonus: das Katzenwesen Kralle, das mit den Menschen unterwegs ist. Will unbedingt kennengelernt sein! (geschrieben von Caro)

Andreas Brandhorst - Eklipse
Rita Indiana - Tentakel
Kim Stanley Robinson - Roter Mond

Rita Indiana: Tentakel

Acilde träumt davon, ein Mann zu sein - ein experimentelles und schweineteures Medikament kann ihr das über Nacht ermöglichen. Das Geld dafür versucht sie als Dienstmädchen zusammenzukratzen. Ihre Arbeitgeberin hängt allerdings einem seltsamen Voodoo-Kult an und hält sich eine Anemone im Keller - ein unglaublich seltenes und wertvolles Geschöpf, seitdem durch ein Missgeschick mit Biowaffen praktisch alles Leben im Meer rund in der Dominikanischen Republik ausgelöscht wurde. Nachdem Acildes Arbeitsverhältnis einen mehr als unglücklichen Ausgang nimmt, wird dann alles ziemlich seltsam …

Öko-Dystopie, Identitätsarbeit, Beschäftigung mit der Gegenwärtigkeit von Geschichte auf drei einander wechselseitig beeinflussenden Zeitebenen (und doch ohne Zeitreise-Kniffe), Voodoo-Mystik ganz ohne Zauberromantik … Tentakel ist ein irre volles, irre tolles Buch, in dem man unter anderem frustrierte Künstlergenies, Korallenretterinnen, mörderische Bukanier und rückwärts durch die Zeit lebende Meeresgeschöpfe antrifft. Indiana scheut sich nicht, ihnen allen eine Stimme und eine Daseinsberechtigung zu geben, und so kann noch das armseligste, homophobe kleine Arschloch ein echter Mensch und nebenbei Schöpfer herausragender Kunst sein. Tentakel pulsiert vor Körperlichkeit und Präsenz seiner Figuren, von einer schwer zu fassenden Erotik. Absoluter Tipp für einfach alle! (geschrieben von Jakob)

Kim Stanley Robinson: Roter Mond

Wenn Kim Stanley Robinson auf den Mond geht, weiß man schon, dass der für ihn in erster Linie eine Aussichtsplattform ist, von der man Erde und Menschheit besonders gut in den Blick nehmen kann. So sehr der neue Robinson also um den Mond geht - und das mit allen wissenschaftlichen Zutaten, die man von ihm kennt und schätzt, angefangen beim Mondsiedlungsbau, über Fragen von Pflanzenwachstum und Schwangerschaft in Niedrig-G und natürlich bis hin zur Raumfahrt zwischen Mond und Erde -, so viel mehr handelt er von und spielt er auf der Erde, genaugenommen in China. Das steht kurz vor gewaltigen Umbrüchen - der Vertrag, der Hongkong zur Sonderverwaltungszone macht, läuft aus (mehr zufällige tagespolitische Aktualität geht wohl kaum), und an allen Ecken und Enden brodelt es im Reich der Mitte. Ein amerikanischer Quantenprogrammierer wird bei einer Reise auf den chinesischen Teil des Mondes in die politischen Wirren verwickelt, eines Mordes bezichtigt und ist fortan mit der schwangeren Chan Qi, ihres Zeichens Tochter eines mächtigen Politikers und Rebellin, auf der Flucht …

Als SF-Thriller ist Roter Mond ein Stück rasanter erzählt, als man es von Robinson gewohnt ist - aber keine Angst, er nimmt sich immer noch die Zeit, an den gesellschaftlichen Konstellationen, technischen Problemen und an der Kunst, Literatur und Geschichte am Wegesrand zu schnuppern. Thematisch knüpft Roter Mond übrigens sehr direkt an die in New York 2140 aufgeworfenen Fragen nach einer anderen Verwaltung der Welt an. Insgesamt fühlt Roter Mond sich damit ein bisschen wie der Abschluss seiner jüngsten Folge von Romanen seit 2312 an, denn jedes Buch greift Themen seiner Vorgänger auf. Das Ende von Roter Mond gehört übrigens zu den schönsten, einfachsten und ausdrucksstärksten, die ich seit langem gelesen habe, spoilert euch nicht, indem ihr auf die letzte Seite spickt! (geschrieben von Jakob)

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