Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Highlander

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Highlander


Früher, als Videospiele nur aus Pixelhaufen bestanden, die auf andere Pixelhaufen schossen, war Highlander für uns die ultimative Live-Rollenspiel-Vorlage. Die meisten Figuren des Films und der Fernsehserien waren zwar flach, nicht mehr als Archetypen und Karikaturen – doch sie befriedigten ein instinktives Bedürfnis, eine Sehnsucht nach dem verklärten, schroffen Individualismus der Vormoderne. Deshalb versuchten diese wilden, machohaften und störrisch unzivilisierten Krieger auch nie, sich zu verbünden oder eine Gemeinschaft zu gründen. Ihre Existenz hatte auch keinerlei Auswirkung auf die Gesellschaft – im Gegenteil: Sie blieben auch im Zeitalter der Glocks bei ihren Schwertern und beharrten auf ihren ganz offensichtlich unsinnigen Regeln – zum Beispiel dem Gesetz, nicht auf heiligem Boden zu töten; sie taten das einfach nur deshalb, um nicht als Figur aus ihrer Rolle zu fallen. Letztendlich musste das alles ja auch nicht wirklich Sinn ergeben – wäre es wirklich logisch gewesen, hätte es nur halb so viel Spaß gemacht. Wer bitte schön träumt nicht davon, mal ein echtes Schwert zu schwingen – ob nun in einem inszenierten Gefecht der Society for Creative Anachronism oder an einem schlechten Tag auf (der) Arbeit?

 

Ein Freund von einem Freund hat beim Koitus angeblich einen anderen Highlander-Spruch zitiert: „Die Kraft, die dich durchdringt ... ist die göttliche Energie.“ Gruseliger kann man sein Geek-Dasein nicht zelebrieren – bitte lasst so was einfach sein.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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