Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Fight Club

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Fight Club


Exklusivität hat durchaus ihre Vorteile. Sicher hattet ihr mal eine Lieblingsband, mit der ihr durch dick und dünn gegangen seid – bis sie den unverzeihlichen Fehler beging, zu bekannt zu werden. Oder denkt mal an euren Lieblingsfilm, den ihr irgendwann nur noch hassen konntet, weil plötzlich jeder aus ihm zitierte? Verlor nicht auch Facebook etwas von seinem Glanz, als euch die Freundschaftsanfrage von Großtante Polly erreichte? Der Fight Club, der im Mittelpunkt von Chuck Palahniuks Buch und David Finchers Film steht, ist nicht so sehr eine Protestbewegung, als vielmehr so etwas wie eine Hardcore-Indie-Band, deren Ausverkauf man lieber nicht miterleben möchte. Dieses Problem hat aber jede Sache, die die Gesellschaft nachhaltig beeinflusst: Mit dem Erfolg macht sie sich irgendwann selbst überflüssig. Falls Geschichte uns etwas lehrt, dann dies: Die Rebellen von heute sind zwangsläufig das Establishment von morgen – ob das nun Fidel Castro ist, Kurt Cobain oder Mark Zuckerberg. Kann man es Tyler Durden also verdenken, wenn er den Fight Club unter Verschluss halten will?

 

Mit dem Roman Fight Club (1996) festigte Chuck Palahniuk seinen Ruf als großer, verstörender Autor. Dass er bei den Zuhörern seiner Lesungen eine Ohnmacht auslösen kann, ist spätestens seit seiner Kurzgeschichte Vorfall bekannt. Sie handelt von tragischen Masturbationsunfällen.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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