Fünf Bücher ohne Drachen, Elfen & Zwerge

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Fünf Bücher ohne Drachen, Elfen & Zwerge


Was wäre die Fantasy-Literatur ohne Drachen, Elfen oder Zwerge. Hier zur Abwechslung mal ein paar Fantasybücher ohne Orks, Feen und andere magische Kreaturen.

Kaum eine epische Fantasy-Saga, in der Vertreter dieser mythischen Wesen nicht auftauchen. Game of Thrones wird dafür gelobt, dass es auf vergleichsweise wenig Magie und magische Kreaturen setzt. Aber selbst George R. R. Martin kam nicht ohne Drachen, Untote und die Kinder des Waldes aus. Wer nach Fantasy ohne Orks und Feen Ausschau hält, fühlt sich mitunter wie auf der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Die nachfolgenden fünf Titel sind allesamt phantastisch, kommen aber ohne die klassischen magischen Fantasyfiguren aus.

Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo

In Leigh Bardugos Das Lied der Krähen gibt es nicht nur keine Drachen, Elfen und Zwerge. Statt des üblichen Hochmittelalter-Settings entführt uns die Autorin in eine Welt, die an das Dänemarkt des 17. Jahrhunderts erinnert. In der florierenden Hafenstadt Ketterdamm bekriegen sich unterschiedliche Diebesbanden. Das Sagen hat allerdings die profitgierige Gilde der Händler. Was das Buch so intensiv macht, ist allerdings nicht nur sein frisches Setting, sondern die packende Schreibe von Bardugo. Sechs sehr unterschiedliche Protagonisten navigiert sie in alternierenden Kapiteln durch einen gemeinsamen Handlungsstrang, was zu einem hohen Erzähltempo führt. Die titelgebenden Krähen sind eine jugendliche Diebesbande. Sie werden von einem korrupten Händler dazu gezwungen, in ein Hochsicherheitsgefängnis einzubrechen, um einen gefährlichen Magier herauszuschmuggeln. Obwohl dieser Coup vordergründig die Handlung bestimmt, wächst einem Das Lied der Krähen aufgrund seiner lebendigen und trotz ihrer Fehler liebenswerten Figuren ans Herz. Eine Serienumsetzung ist bei Netflix gerade in Arbeit.

Am Fluss der Sterne von Guy Gavriel Kay

Viele Romane des kanadischen Autors Guy Gavriel Kay sind drachen- und elfenfreie Zonen. Seine im fiktiven Reich Kitai angesiedelten Geschichten bestechen zudem noch durch ihre ungewöhnlichen, vom historischen China inspirierten Schauplätze. Dabei recherchiert der Autor so genau, dass alles beim Lesen fast schon „historisch“ wirkt. Am Fluss der Sterne

verortet Kay in der Zeit der Jin/Song-Dynastie des 12. Jahrhunderts.  Im über 700 Seiten starken Einzelroman droht das einst so stolze Imperium Kitai zu kollabieren. Statt Schönheit regiert die Angst. Ausgerechnet ein ehemals Geächteter sieht sich dazu auserkoren, seine Heimat zu alter Größe zurückzuführen. Kay erzählt uns von Ren Daiyans steinigem Weg vom einfachen Mann zum Kriegshelden, unterstützt von einer Frau, die ebenso bemerkenswert ist wie seine Hauptfigur. Lin Shan ist gebildeter als die anderen Frauen ihrer Welt und eckt deshalb in der Gesellschaft an. Hier verbinden sich zwei ungewöhnliche Lebenspfade zu einer Geschichte, die sicher nicht durch ein hohes Tempo überzeugt, dafür aber durch Komplexität.

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Guy Gavriel Kay - Am Fluss der Sterne
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Der Schwarze Thron von Kendare Blake

Auf dem Inselkönigreich Fennbirn liegt die Macht in den Händen der Frauen. Angeführt wird das Volk von einer Königin – die den Thron aber nicht einfach erbt, sondern sich diesen bitter erkämpfen muss. Seit jeher werden dem Königshaus in jeder Generation Drillingsmädchen geboren: Schwestern, die über unterschiedliche magische Gaben verfügen. Getrennt wachsen sie auf bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag. Dann beginnt der unerbittliche Kampf um die Krone. Ein Jahr lang haben sie Zeit, sich gegenseitig zu töten. Nur die Siegerin wird herrschen …

Der Schwarze Thron ist keine feministische Utopie. Man kann ihn als eine Art Game of Thrones mit starken jugendlichen Protagonistinnen bezeichnen. Die Reihe mag weniger opulent und ausufernd sein als Martins ambitioniertes Epos. Aber dafür erscheint der abschließende vierte Band schon diesen Herbst. Kendare Blake, die die Handlung abwechselnd aus der Sicht der Schwestern erzählt, gelingt, es, Sympathien für alle drei Prinzessinnen zu wecken. Das macht die Prämisse umso bitterer. Es ist eine dunkle Saga mit vielen menschlichen Emotionen, dunkler Magie und hohem Suchtpotential

Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch

An ein Venedig zur Renaissance erinnert der Stadtstaat, in der Scott Lynchs beliebte Gentlemen Bastards-Reihe spielt. Der Adel hat mit den Anführern der kriminellen Unterwelt Camorrs eine perfide Übereinkunft geschlossen. Solange die Aristokratie von Überfällen verschont bleibt, dürfen die Diebesbanden tun und lassen, was sie wollen. Einer, der sich an dieses ungeschriebene Gesetz nicht hält, ist Locke Lamora, der schlitzohrige Anführer einer Bande Kleinganoven. Bereits als Kind wurde er zum Dieb ausgebildet. Er plant seine Überfälle minutiös und sorgfältig – und alles geht gut, bis ein neuer Spieler auf dem Plan erscheint und die Macht über die Unterwelt des Herzogtums an sich reißt. Die Lügen des Locke Lamora ist eine augenzwinkernde, spannende Gaunergeschichte.

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Schatten über Elantel von Brandon Sanderson

Das Alleinstellungsmerkmal, das man sofort mit Brandon Sanderson verbindet, sind die ungewöhnlichen, durchdachten Magiesysteme, auf denen er seine Fantasywelten aufbaut.

Den Feuereifer, den einige seiner Kollegen beim Entwerfen andersweltlicher Rassen und phantastischer Wesen an den Tag legen, steckt er in die Konzeption der Magie. In seiner Nebelgeborenen-Reihe, zu der auch Schatten über Elantel gehört, gibt es die Fähigkeit der Allomantie. Durch den Einsatz und Verbrauch bestimmter Metalle können einige Menschen bestimmte Kräfte freizusetzen: Man kann Emotionen beeinflussen, seine physischen Stärke verändern und sogar einen Blick in die Zukunft oder die Vergangenheit werfen. Während die ersten Bände der Reihe in einem klassischen Mittelalter-Setting angesiedelt sind, springt der Autor ab Band 4 in eine andere Epoche, die an eine Fantasy-Version des Wilden Westens erinnert: Saloons, Revolverhelden, eine Stadt, die unter der Last der Industriellen Revolution ächzt und stöhnt. Manchmal genügt eine unerwartete Genre-Kombination, um ein Fantasybuch zu etwas Ungewöhnlichem zu machen.

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