Space Opera: Alles, was du über das Genre wissen musst

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Space Opera: Alles, was du über das Genre wissen musst


Exotische Galaxien, waghalsige Rettungsaktionen und epische Weltraumschlachten: In der Space Opera zeigt sich die Science Fiction von ihrer abenteuerlustigsten Seite. Nicht immer ging es dabei ganz problemlos zu – doch ohne dieses Genre wäre die heutige Popkultur quasi undenkbar.

 

Arien im Weltraum? Das kommt eher selten vor. Der Begriff der Space Opera hat nicht viel mit musikalischem Theater zu tun. Vielmehr wurde er 1941 vom Autoren Wilson Tucker in Anlehnung an die Seifenoper oder „Horse Opera“ (=Western) eingeführt. Damals wie heute gilt es als Hauptmerkmal, dass die Handlung der Space Opera im intergalaktischen Raum stattfindet. Im Zentrum steht darüber hinaus normalerweise die Crew eines Raumschiffes, die Abenteuer erlebt, bei denen sie mit fremden (Alien-)Völkern in Kontakt kommt und in Konflikte verwickelt wird, die sich gleichermaßen zwischen den Crewmitgliedern wie auch zwischen ganzen Galaxien abspielen können. Manchmal steht aber auch nur ein einzelner Held im Mittelpunkt der Geschichten.

Die Pulp-Ära: “Amazing Stories” und “Astounding Science-Fiction”

Die Wurzeln teilt sich die Space Opera beispielsweise mit der Low Fantasy, der Science Fantasy oder frühen Vertretern der Hard SF. Sie alle haben ihren Anfang in der Pulp-Magazin-Ära genommen. Prägend für die Space Opera war vor allem das ab 1926 unter Herausgeberschaft von Hugo Gernsback angelaufene „Amazing Stories“. Eigentlich verfolgte dieses Magazin einen pädagogisch-wissenschaftlichen Zweck, der in vielen Veröffentlichungen allerdings eher vernachlässigt wurde – im Vordergrund standen Abenteuer und Unterhaltung. In „Amazing Stories“ und vergleichbaren Titeln etablierten sich die ersten Reihen der Space Opera, beispielsweise die „Skylark“- und „Lensmen“-Zyklen von Edward E. „Doc“ Smith.

1937 wurde John W. Campbell, selber Autor von Space Operas, zum Herausgeber des Pulp-Magazins „Astounding Stories“ (ab 1938 „Astounding Science-Fiction“), das vielen späteren Schwergewichten der Space Opera  wie Robert A. Heinlein („Raumjäger“) oder Isaac Asimov („Foundation“-Zyklus) eine erste Plattform bot.  Die Grenzen zu anderen SF-Genres wie der Hard oder Military Science Fiction waren in dieser Zeit noch weitgehend undefiniert und entsprechend fließend.

Der Sprung ins Taschenbuch-Geschäft gelang der Science Fiction ab den 1940er Jahren, wenngleich viele Klassiker des Genres wie Edmond Hamiltons „Captain Future“ oder Leigh Brackets „Eric John Stark“-Reihe zunächst weiterhin den Weg über die Pulp-Magazine wählten.

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Die Ausdifferenzierung des Genres

Die frühe Space Opera war, um es höflich auszudrücken, keine anspruchsvolle Literatur, im Zentrum stand – auch wenn manche Herausgeber sich das gerne anders gewünscht hätten – die Unterhaltung. Ungleich problematischer war aber, dass viele der ersten Space Operas kolonialistische, rassistische kriegsverherrlichende oder misogyne Untertönte aufwiesen bzw. krude Technokratie-Ideologien und Verschwörungstheorien bedienten.

Spätestens ab den 60er Jahren – ohnehin eine Zeit des Umbruchs, auch für die SF – wurden diese problematischen Inhalte aber auch innerhalb des Genres zum Gegenstand für Kritik und Diskussionen. Schon in den 1950ern begann sich die Space Opera  auszudifferenzieren.  Beliebt wurden beispielsweise Parodien und Satiren, die 1978 mit Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ einen der zeitlosesten Klassiker des Genres hervorbrachten. Zudem politisierte sich die Space Opera, es entstanden linksgerichtete Spielarten wie James Blishs „Die fliegenden Städte“ und schließlich komplexe Genreklassiker wie Samuel R. Delanys „Nova“, Arthur C. Clarkes „Rama“  oder Isaac Asimovs „Foundation“-Zyklus. Mitte der 1960er Jahre machte zudem Frank Herbert mit „Dune“ eine Form von Space Opera wieder populär, die den Bogen zur – damals ebenfalls sehr erfolgreichen – Fantasyliteratur schlug. Eine Mischung, die sich auch ein Jahrzehnt später mit „Star Wars“ als sehr erfolgreich erwies.

Längst ein intermediales Phänomen

Apropos „Star Wars“: In der Literatur und im Comic hat die Space Opera ihren Anfang genommen, doch inzwischen ist sie längst auch in anderen Medien zuhause. Vor allem Film und Fernsehen haben die Popularität des Genres international noch einmal deutlich angehoben und ihm durch die Jahrzehnte hindurch neue Impulse entlockt. Zu nennen sind hier Titel wie „Babylon 5“, „Firefly“, „Battlestar Galactica“ oder natürlich „Star Trek“, das selbst in den 1960ern und angesichts der kritikfreudigen britischen New Wave noch die klassischen Muster der Space Opera bediente. Wie kaum ein anderes Genre bringen TV-Space-Operas noch immer treue Fangemeinden hervor.

Da wundert es nicht, dass das Genre auch im internationalen Literaturgeschäft ein Dauerbrenner bleibt. Die Liste von Autoren, die mit Space Operas moderne Klassiker geschaffen haben, ist lang und reicht von Alastair Reynolds („Revelation Space“-Zyklus) über Dan Simmons („Hyperion“) bis hin zu Orson Scott Card („Ender’s Game“) oder Hugo-Rekordhalterin Lois McMaster Bujold („Vorkosigan-Saga“). Zu den aktuellsten Genre-Vertretern gehören etwa John Scalzi („Kollaps – Das Imperium der Ströme“), James S. A. Corey („The Expanse“-Reihe), Becky Chambers („Wayfarer“), Christopher Ruocchio („Das Imperium der Stille“) oder Catherynne M. Valente, die mit „Space Opera – Der metagalaktische Grand Prix“ klar an die satirische Tradition des Genres anknüpft.

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Space Opera in Deutschland: Von „Perry Rhodan“ bis „Hyperdrive“

Auch im deutschsprachigen Raum blickt die Space Opera auf eine lange Tradition zurück. Als Frühwerk kann hier beispielsweise Friedrich Wilhelm Maders „Wunderwelten“ gesehen werden. Populär wurde das Genre aber vor allem in den 1950er Jahren – dank Heften wie „Utopia“ oder „Galaxis“. 1961 startete mit „Perry Rhodan“ schließlich die langlebigste Space Opera überhaupt: Bis heute erscheint einmal wöchentlich ein Heftroman zur Reihe, zudem existieren erfolgreiche Ableger wie die „Atlan“- oder die „Perry Rhodan Neo“-Reihe.

Auch außerhalb von „Perry Rhodan“ hat die Space Opera hierzulande weiterhin eine treue Fangemeinde. In Szeneverlagen wie Wurdack, Begedia oder Atlantis erscheinen populäre Reihen wie „Rettungskreuzer Ikarus“, „D9E – Die neunte Expansion“ oder Dirk van den Booms „Tentakel“-Zyklus. Und mit Namen wie Andreas Brandhorst („Graken“- und „Diamant“-Trilogien), Andreas Eschbach („Die Haarteppichknüpfer“) oder zuletzt auch Kai Meyer („Die Krone der Sterne“) und Judith Vogt („Roma Nova“) existieren auch in den Publikumsverlagen einige deutschsprachige Genre-Vertreter. Zudem weiß das Genre die Möglichkeiten der E-Books für sich zu nutzen: Vielfach erscheinen Space-Opera-Reihen wie Horus W. Odenthals „Hyperdrive“ oder Thilo Corzilius‘ „Forgone“, die mit E-Only-Novellen an die Tradition der Heftromane anknüpfen.

Immer wieder neu und doch traditionsbewusst

Nicht zuletzt anhand dieser E-Reihen zeigt sich, dass das Genre sich seiner Heftroman-Vergangenheit nicht nur erinnert, sondern sie weiter zelebriert. Zugleich hat es sich aber wie kaum ein zweites Subgenre ausdifferenziert und immer wieder neue Spielarten hervorgebracht. Man darf gespannt sein, wohin die Space-Reise in Zukunft noch geht. 

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