Wie steht es um die deutsche Phantastik? Ein Interview mit Lena Falkenhagen von PAN

© Clker-Free-Vector-Images, monicore - pixabay

INTERVIEW

Wie steht es um die deutsche Phantastik? Ein Interview mit Lena Falkenhagen von PAN


Am 25. April trifft sich die deutschsprachige Phanatstikszene zum professionellen Austausch in Köln. Wir haben im Vorfeld des Branchentreffens mit Lena Falkenhagen, stellvertretende Vorsitzende des PAN e.V., gesprochen, wie es um die Science-Fiction- und Fantasyliteratur hierzulande steht.

Lena, du bist zweite Vorstandsvorsitzende des Phantastik-Autoren-Netzwerks. Was ist eure Mission?

Die Mission des Phantastik-Autoren-Netzwerks ist es, die Weltherrschaft zu übernehmen – im Namen der Phantastik. Nein, Scherz beiseite: wir wollen das Ansehen der Phantastik in der Gesellschaft und in der Literatur verbessern. Auf Fantasy und SF wird in Deutschland nach wie vor sehr heruntergeschaut, man schiebt solche Werke gern in die Schmuddelecke. Unterhaltung kann in der Einstellung vieler Literaten eben keine echte Literatur sein. Im Anglo-Amerikanischen Raum gibt es das nicht: Da werden in der Science Fiction Menschheitsfragen diskutiert und Gesellschaftsentwürfe ausgetestet – und in der Fantasy ganz große Identitätsfragen gestellt. Und mal ehrlich – wo wäre die deutsche Literatur ohne Michael Ende, der nun ohne Zweifel phantastische Bücher (im doppelten Wortsinn) geschrieben hat?

Wie viele Mitglieder seid ihr derzeit und wie groß ist euer Netzwerk momentan?

PAN hat zum dritten Geburtstag im November 2018 die zweihundert Mitgliedermarke gerissen. Wir sind schnell gewachsen und tun das noch weiter – jeden Monat haben wir drei bis sechs neue Anträge. Unser Netzwerk geht aber darüber hinaus. Im Vorstand haben wir gute Kontakte in die meisten großen Phantastik-Verlage und viele Agenturen. Wir halten uns auch über die kleinen Verlage gut informiert, denn hier geschehen oftmals die spannenderen Experimente. Wir haben auch zu den meisten anderen deutschen Genre-Vereinen und Verbänden Kontakt und haben daher das Netzwerk Autorenrechte mitgegründet, in dem wir den Austausch der Vereine stärken, um eine gemeinsame Politik machen zu können. Einzelinteressen gehen dabei nicht unter: alles kann, nichts muss.

Phantastik made in Germany: Wie steht es aktuell um die deutschsprachige Phantastik-Literatur (z.B. im Vergleich zu den englischsprachigen Kollegen)?

Leider verkaufen die Verlage – besonders die Großen – noch immer viele übersetzte Werke aus dem Englischen auf dem deutschen Markt. Wir wünschen uns hier mehr Mut zu deutschen KollegInnen – und das ist einer der Gründe, warum das PAN-Branchentreffen so wichtig ist: Es bringt AutorInnen und Verlage zusammen und stellt eine Sichtbarkeit her.

Euch gibt es seit 3 Jahren. Konntest du bereits Veränderungen in der Wahrnehmung der deutschsprachigen Phantastik bei Presse und Publikum feststellen und wenn ja, woran genau macht ihr das fest?

Ja, es gibt Veränderungen. Man wird als Verein eindeutig anders wahrgenommen als als EinzelkämpferIn. Bei Messen und Publikum sieht man Bewegung: 2018 konnte PAN mit der Frankfurter Buchmesse die erste große SF-Veranstaltung präsentieren: die Ursula-Lounge im Pavillon. 2019 hat die Leipziger Messe einen großen Festakt mit Klett-Cotta zu 50 Jahre Übersetzung des Herrn der Ringe veranstaltet. Die Phantastik kommt mehr und mehr auch im Mainstream der Buchbranche an und wird salonfähig.

Eine gute Fee erfüllt dir einen Wunsch für PAN. Und der wäre ... ?

... dass sich große LiteratInnen wie Juli Zeh nicht mehr dafür schämen, dass die Bücher, die sie schreiben, eben auch phantastische Bücher sind, und dass Deutschland begreift, dass sich die Begriffe Unterhaltung und gute Literatur nicht gegenseitig ausschließen. Waren das jetzt zwei Wünsche? Egal. Siehe Weltherrschaft weiter oben. 

Liebe Lena, vielen Dank für das Gespräch!

Über Lena Falkenhagen

Lena Falkenhagen

Lena Falkenhagen wurde 1973 in Celle geboren. Im echten Leben studierte sie Germanistik und Anglistik an der Universität Hannover und arbeitet seitdem als freischaffende Autorin, Lektorin, Übersetzerin und Computerspiele-Designerin. Lena ist Mitgründerin und als Schatzmeisterin Mitglied im Vorstand des Phantastik-Autoren-Netzwerks (PAN) e.V. Für PAN zeichnet sie auch verantwortlich für die politische Ausrichtung und gründete u.a. mit Nina George und Eva Leipprand 2016 das Netzwerk Autorenrechte.

Share:   Facebook