Neue Science-Fiction-Bücher im April: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

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BUCH

Neue Science-Fiction-Bücher im April: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder einige frische Neuerscheinungen aus der Science Fiction. Hier sind die Buchtipps von der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Angela & Karlheinz Steinmüller - Sphärenklänge - Geschichten von der relativistischen Flotte

Mein Lieblingsbuch diesen Monat!

In zwölf kurzen Geschichten wird hier die Expansion der Menschheit im Sonnensystem über einen Zeitraum von 2000 Jahren beschrieben: Von den ersten Experimenten mit Kälteschlaf und neuen Antriebssystemen für Raumschiffe über die Erforschung und Besiedelung neuer Himmelskörper bis zur Kooperation mit Künstlichen Intelligenzen und Begegnungen mit extraterrestrischen Lebensformen ist alles dabei, was das SF-Herz begehrt.

Die Sprache ist nüchtern, präzise und lässt daher viel Raum für eigenes Kopfkino. Die Steinmüllers beherrschen die Kunst der kurzen Form so gut, dass es ihnen gelingt, auf wenigen Seiten ganze Romane aufzufalten, ohne dass die Geschichten überladen wirken.

Acht Texte erscheinen hier erstmals, so dass der Band auch für langjährige Fans des Autorenduos Neues bietet. Für diese dürfte insbesondere die angehängte Chronologie von Interesse sein, welche die hier veröffentlichten Geschichten zu den weiteren Werken Andymon, Spera usw. in Bezug setzt. Für mit dem Steinmüllerschen Werk nicht so Vertraute ist Sphärenklänge der ideale Einstieg, von dem aus sich die anderen Texte erkunden lassen.

Und wer nach dem Lesen noch nicht genug hat, kann am 18. April ins Otherland kommen - dann sind die beiden ab 19:30 bei uns zu Gast! (geschrieben von Sarah)  

Sphärenklänge - Geschichten von der relativistischen Flotte von Angela und Karlheinz Steinmüller bei Amazon bestellen
Die Geschichte der schweigenden Frauen von Bina Shah bei Amazon bestellen
Lit von Dennis Kamm bei Amazon bestellen

Bina Shah - Die Geschichte der schweigenden Frauen

Die Geschichte der schweigenden Frauen ist der neueste Roman in der Riege der Handmaid’s Tale-inspirierten Dystopien, die sich mit der Versklavung von Frauen aufgrund ihrer Reproduktionsfähigkeit befassen. Bina Shahs Roman spielt nach einer Reihe verheerender Kriege in Green City, einem Stadtstaat in Südwestasien - also ungefähr dem Gebiet des heutigen Iran, Afghanistan und Pakistan. Ein Virus geht um, der Frauen umbringt, die allerdings für die Reproduktion der stark dezimierten Bevölkerung von unschätzbarem Wert sind - weshalb man sie zwingt, mehrere Männer zu heiraten und auf Verhütung oder Abtreibung die Todesstrafe steht.

Im Untergrund lebt eine Gruppe von Frauen, unter ihnen die Hauptfigur Sabine, die ihr geheimes Leben außerhalb des Systems damit bestreiten, den mächtigsten und reichsten Männern der Stadt beim Einschlafen die Hand zu halten - bis Sabine eines Tages nach dem Besuch bei einem ihrer Kunden ohnmächtig zusammenbricht…

Ich war leider ziemlich enttäuscht von dem Buch - die Geschichte erschien mir unlogisch und die Welt zu wenig ausgestaltet. Wer aber auf Geschichten wie das letztes Jahr erschienene Vox oder das oben schon erwähnte Report der Magd steht, kommt mit der Geschichte der schweigenden Frauen bestimmt auf seine oder ihre Kosten. (geschrieben von Sarah)

Dennis Kamm - Lit

Auf dem von einer menschenähnlichen Spezies bewohnten Planeten Lit wird der Konzernmanager Voreschka auf eine Strafmission geschickt, weil er seine Entlassungsquoten nicht erfüllt - er muss ein praktisch unmögliches Bauprojekt umsetzen. Gleich zu Beginn kommt es zu einer erschreckenden Begegnung mit einem Mann in Schwarz, der Vereschkas Arbeiter abschlachtet …

Lit zeichnet gleich auf den ersten Seiten des Bild einer ins Absurde gesteigerten Leistungsgesellschaft - in dieser von den Konzernen beherrschten Welt werden überflüssige Arbeiter nicht einfach rausgeschmissen, sondern fallen durchschaubaren Unfällen zum Opfer, die Bewohner des Slums werden ganz einfach abgeschlachtet … und im Hintergrund geht ein düsterer Mysterienkult um, der trotz seiner Berufung auf uralte Geheimnisse offenbar fleißig beim gnadenlosen Fortschritt mitmischt.

Liest sich schon mal flüssig und atmosphärisch und ist überraschend derb - ein abschließendes Urteil kann ich noch nicht gegen, auf jeden Fall gehört Lit aber auf die Liste interessanter Indie-Titel! (geschrieben von Jakob)

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