Die 100 besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten (4 von 4)

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Die 100 besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten (Teil 4 von 4)


Und hier der letzte Teil 4 der 100 besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten (Titel 76 bis 100). Die Liste stellt kein Ranking dar. Weitere Teile der Serie hier: 

Zur Auswahl von "Die 100 besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten" auf Tor Online: Innerhalb von zwei Wochen reichten 219 Teilnehmer 1099 Nominierungen ein, die sich auf insgesamt 450 verschiedene Titel verteilten. Aus diesen 450 Bücher hat eine sechsköpfige Jury (drei Frauen, drei Männer) ihre 100 Favoriten ausgewählt. 

Die Nummern vor den Titeln stellen keine Platzierungen und kein Ranking dar, sondern dienen nur zur Orientierung!

#76 Als es noch Menschen gab - Clifford Simak (City, 1952)

Auch als City-Zykus bekannte Kurzgeschichtensammlung von Robotern, die Raumschiffe bauten; Ameisen, die riesige Gebäude über den Ruinen der Menschheit errichten und Hunden, die die Weltherrschaft übernehmen. Auch wenn Kurzgeschichten meist in Magazinen erschienen, gibt es Sammlungen, die so einflussreich waren wie Romane und ihre Autoren berühmt machten, dabei schrieb Simak auch nicht gerade wenige Romane.

#77 Andymon - Angela und Karlheinz Steinmüller (1982)

Einer der großen Science-Fiction-Romane der DDR, des bis heute aktiven Autorenehepaars, über ein Generationenraumschiff und die Mühsal der Gründung einer neuen Kolonie auf einem fremden Planeten namens Andymon. Aus heutigem Gesichtspunkt dürfte vor allem der ostdeutsche Blick auf die Themen Terraforming, Besiedelung des Alls und utopische Gesellschaftsformen interessant sein. Dabei legt die Geschichte wert darauf, aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen und lässt auch die Kinder, sowie die technischen und sozialen Aspekte nicht zu kurz kommen. Kein Wunder, Karlheinz Steinmüller ist Zukunftsforscher, Angela Mathematikerin. In Berlin ist das Buch auch heute allgegenwärtig, gibt es doch den nach ihm benannten SF-Club Andymon immer noch.

#78 Commander Perkins - H. G. Francis (1979, Hörspiele 1976)

Irgendjemand sagte einmal: "The golden age of Science Fiction is twelve". Und Commander Perkins ist eine jener SF-Serien, die man in genau diesem Alter mit staunenden Augen gelesen hat, die einen vom Kinderzimmer aus auf große Abenteuer im Weltraum und fremden Planeten führte, an Seite von Commander Randy Perkins und Major Peter Hoffmann. Autor H. G. Francis war einer der großen Granden des Hörspiels, unter anderem verfasste er die ersten Hörspielskripte für Die drei Fragezeichen. Commander Perkins schrieb er sowohl als Hörspiel als auch in Romanform. Sicher keine Meisterwerke der Literaturgeschichte, aber einer jener Stoffe, die dafür sorgen, dass Kinderherzen höher schlagen und dem Genre ein Leben lang treu bleiben (so wie bei unserer Jurorin Nadine Boos).

Als es noch Menschen gab
Andymon
Commander Perkins

#79 Cyberabad - Ian McDonald (River of Gods, 2004)

Mit Cyberabad entwirft Ian McDonald ein komplexes aber nicht sperriges Near-Future-Szenario aus indischer Perspektive mit hochtechnisierten, pulsierenden Metropolen, voller faszinierender Ideen, aber auch einiges an Action. Kein Roman für zwischendurch, sondern einer, für den man sich Zeit nehmen muss, um sich die vielen Handlungsstränge zu erarbeiten.

#80 Dämmerung - Octavia Butler (Dawn, 1987)

Dämmerung ist der erste Teil von Butlers Xenogenisis-Trilogie, in der Lilith lyapo nach Jahrhunderte währendem Schlaf an Bord eines außerirdischen Raumschiffes erwacht, das den Tentakelwesen Oankali gehört, die die Überlebenden einer sterbenden und untergegangenen Erde gerettet haben. Was sich nach einem phantastischen Weltraumabenteuer anhört, ist aber auch und vor allem eine Reflexion über das Menschsein, über vermeintliche Konventionen und Annahmen über Geschlecht, Hautfarbe, Spezies aber auch Wissenschaftsethik.

#81 Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf - Doris Lessing (The Marriages Between Zones Three, Four and Five, 1980)

Den Preis für den sperrigsten Titel auf dieser Liste geht an die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, die aus drei von insgesamt sechs metaphysischen Zonen erzählt, die den Planeten Shikasta umkreisen. Ausgangsperspektive ist Zone 3, eine matriarchalische Utopie - während Zone 4 eine patriarchalische ist -, über den Zusammenbruch von Geschlechtergrenzen und den Konflikt zwischen den Geschlechtern. Ist der Auftaktband von Lessing Canopus in Argos-Serie und eine meisterhaft geschriebene Reflexion über Geschlecht und Identität im Gewand einer Science-Fiction-Erzählung.

Cyberabad
Dämmerung
Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf

#82 Es stirbt in mir - Robert Silverberg (Dying Inside, 1972)

Über den Telepathen David Selig, der die Gedanken anderer Menschen lesen kann und diese Fähigkeit vor allem für sein eigenes Wohl einsetzt, dessen Kräfte mit der Zeit aber immer schwächer werden. Eine eindrucksvolle Charakterstudie eines Mannes mit besonderen Fähigkeiten und was er aus ihnen macht und machen könnte. Aus einer Zeit, in der das Thema Telepathie noch fester Bestandteil der Science Fiction war. Ein Roman, der zeigt, dass sich Science Fiction auch auf eine einzelne Person und ihr Innenleben konzentrieren kann, ohne dabei langweilig zu werden.

#83 Der ewige Krieg - Joe Haldeman (The Forever War, 1974)

Mit Der ewige Krieg verarbeitet Joe Haldeman (ähnlich wie einst Kurt Vonnegut) seine Erlebnisse aus dem (Vietnam-) Krieg im Gewand eines Science-Fiction-Romans. Da die Reisen zu den Kriegsschauplätzen mit beinahe Lichtgeschwindigkeit stattfinden, kehren jene Soldaten, die überleben, in eine Welt zurück, die ihnen fremd ist. Denn dort sind - anders als für sie selbst - dank der Zeitdilletation viele Jahre vergangen, und das, wofür sie gerade erst kämpften, ist schon längst verschwunden, weshalb es ihnen schwerfällt, sich in der veränderten Gesellschaft zurechtzufinden. So wie es auch vielen Rückkehrern aus Vietnam erging. Haldeman schildert eindrucksvoll die Entfremdung, die Soldaten erleben, die aus dem Krieg zurück in das normale Leben kehren. Die großen Zeitspannen und futuristischen Veränderungen, die im Roman stattfinden, stehen stellvertretend für die Entfremdung jener, die Krieg erlebt haben, von jenen, die ihn nur aus dem Fernsehen und der Zeitung kennen.

#84 Die Frau des Zeitreisenden - Audrey Niffenegger (The Time Traveler's Wife, 2003)

Wer im Jahr 2003 glaubte, zum Thema Zeitreisen sei bereits alles in allen möglichen Variationen erzählt, der wurde durch Audrey Niffenegger eines Besseren belehrt. Der Zeitreisende ist Henry DeTamble, der durch einen genetischen Defekt immer wieder unfreiwillig und ohne Vorankündigung durch die Zeit springt, nie wissend, wo er landen wird. Die Frau des Zeitreisenden ist Clare Abshire, der ihr zukünftiger Mann durch seine Zeitsprünge bereits in früher Jugend begegnet. Die Begegnungen laufen nicht chronologische ab, es ist immer wieder ein anderer Henry, der einer anderen Claire begegnet, manchmal ein Henry, der schon mit der erwachsenen Claire verheiratet ist - die Kombinationsmöglichkeiten sind schier unendlich und von der Autorin sehr clever und komplex konstruiert. Ein äußerst origineller Zeitreiseroman, der im Kern vor allem aber eine herzergreifende Geschichte zweier Menschen erzählt, die sich lieben und die durch die Wirren des Schicksals auf tragische Weise miteinander verbunden sind.

Es stirbt in mir
Der ewige Krieg
Die Frau des Zeitreisenden

#85 Gateway - Frederik Pohl (1977)

Nachdem die Menschheit das intergalaktische Transportsystem einer verschwunden außerirdischen Rasse gefunden hat, bricht Goldgräberstimmung aus und zahlreiche Glücksritter stürzen sich ins Abenteuer, in der Hoffnung, mit fetter Beute zurückzukehren. Der Haken: Niemand weiß, wo einen das Transportsystem hinbringt, wie gefährlich es dort ist und man überhaupt zurückkehren wird, mit den kostbaren außerirdischen Artefakten, die es nicht überall zu bergen gibt. Was sich nach klassischer Abenteuer-SF anhört, wird als Therapiegespräch inszeniert, dass der ehemalige Glücksritter Robinette Broadhead mit einem computerisierten Psychotherapeuten führt, was dem Roman zusätzliche Ebenen und Tiefe verleiht, die für 1970er Jahre eher noch ungewöhnlich waren, weshalb das Buch durchaus als Meilenstein der Science-Fiction anzusehen ist.

#86 Herland - Charlotte Perkins Gilman (1915)

Erzählt von einer Dschungelexpedition, die auf eine vollkommen aus Frauen bestehende Gesellschaft stößt, die sich auf asexuelle Weise fortpflanzt und eine harmonische, friedliche Gesellschaft ohne Kriege und Machtproben bildet. Damit fällt der Text unter die Kategorien der räumlichen und gesellschaftlichen Utopie. Die Expedition wird, wie damals üblich, von Männern durchgeführt - mit dabei der Soziologiestudent Vandyck Jennings -, so dass sich diese matriarchalische Gesellschaft - die sicher von den Amazonen der griechischen Mythologie inspiriert wurde (nur ohne den kriegerischen Aspekt), aber auch von der Suffragettenbewegung - ganz aus männlicher Perspektive erschließt. Ein für seine Zeit ungewöhnlicher und bahnbrechender Roman, der sich mit den vermeintlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern zu einer Periode auseinandersetzt, als Frauen noch massiv unterdrückt und in ihren Rechten eingeschränkt wurden (also noch mehr als heutzutage).

#87 Hyperion - Dan Simmons (1989)

Komplexes, poetisches und aufregendes Drama über die Zukunft der Menschheit im Kampf gegen Künstliche Intelligenzen, die mysteriöse Shrike und sich selbst; kunstvoll erzählt anhand von sechs Einzelschicksalen, die sich stilistisch stark unterscheiden, aber alle ineinandergreifen. Hob die Science Fiction 1989 auf eine neue Ebene, wie einst Frank Herberts Der Wüstenplanet. Ein Gesamtwerk ergibt Hyperion aber nur mit dem zweiten Band The Fall of Hyperion, der nahtlos die Handlung aus dem ersten Teil fortsetzt. Stark beeinflusst von Chaucer’s Canterbury Tales und der Dichtung von John Keats.

Gateway
Herland
Hyperion

#88 Die Insel des Dr. Moreau - H. G. Wells ( The Island of Dr. Moreau, 1869)

Wells war nicht nur in Hinblick auf Zeitreisen und Alieninvasionen Pionier, sondern auch was Genetik und deren möglichen grausamen Folgen angeht (wenn auch im Roman noch deutlich grober mittels chirurgischer Eingriffe dargestellt). Edward Prendick erleidet Schiffbruch und landet auf einer abgelegenen Insel, auf der der Biologie Dr. Moerau sein Unwesen treibt und versucht, Tiere in menschliche Wesen zu transformieren, was zum sogenannten Tiervolk führt.

#89 Krieg mit dem Molchen - Karel Čapek (Válka s mloky, 1936)

Über ein Kolonialschiff (kein Raumschiff, sondern so richtig auf dem Wasser), das in der Südsee auf intelligente Molche stößt, mit ihnen einen Tauschhandel beginnt und somit für die Ausbreitung dieser Art auf der Erde sorgt. Werden sie zunächst noch als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, passen sie sich ihrer Umgebung an, lernen die Sprache und fordern einen angemesseneren gesellschaftlichen Status ein, bis es schließlich zum Krieg kommt. In Form einer schwarzen Satire hat Čapek in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg eine Allegorie auf die damalige Gesellschaft geschrieben, darüber, wie Ausbeutung und Ungerechtigkeit zum Krieg führen können. Ein Roman, den man nicht in Hinblick auf technische Errungenschaften der Science Fiction zuordnen kann, aber in Bezug auf gesellschaftliche und evolutionäre Entwicklungen.

#90 Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten - Becky Chambers (The Long Way to a Small, Angry Planet, 2015)

Die Wayfarer ist ein Tunnelbauschiff mit kauziger und liebenswürdiger Besatzung, was die junge Marsianerin Rosmary, die gerade auf dem Schiff angeheuert hat, aber erst noch rausfinden muss. Da wäre Captain Ashby, der gerne mal ein Auge zudrückt, wenn seine Besatzungsmitglieder die Regeln mal wieder recht kreativ interpretieren. Oder seine Pilotin Sissix, vom echsenartigen Volk der Andrassik, das interessante familiäre Verhältnisse pflegt und seine Zuneigung gerne durch zärtliche Berührungen ausdrückt. Herz und Seele des Raumschiffs ist der sechsbeinige Dr. Koch (im Original Dr. Chef), der Arzt und Koch zugleich ist, und für jede Gemütslage das richtige Gewürz parat hält. Für die ausgelassene Stimmung sorgen die menschlichen Mechaniker Jenks – der eine innige Beziehung zur Schiffs-KI führt – und die junge und freche Kizzy – ein weiblicher McGyver im Weltraum. Dafür, dass die Crew auch immer den richtigen Weg findet, sorgen die Navigatoren Ohan, die aus einem Volk stammen, das auch die Welt hinter dem sichtbaren Weltraum sehen kann (wie es dazu kam, ist auch eine interessante und herzzerreißende Geschichte) und irgendwie mehr als nur eine Person sind. Und selbst das Quotenarschloch an Bord hat seine Daseinsberichtigung: "Artis Corbin war zweierlei: ein begabter Algaeist und ein komplettes Arschloch." (S. 11)

Ein Buch, das die Herzen seiner LeserInnen durch seinen optimistischen und hoffnungsvollen Blick in die Zukunft und das konfliktreiche aber auch liebevolle Miteinander der oben erwähnten Figuren erobert hat. Mit einer Grundatmosphäre, die in Zeiten dystopischer Schreckensszenarien selten geworden ist.

Die Insel des Dr. Moreau
Krieg mit den Molchen
Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten

#91 Der letzte Tag der Schöpfung - Wolfgang Jeschke

Über temporalen Öldiebstahl durch globale Supermächte. Als den USA Anfang der 1980er-Jahre das Öl knapp wird, kommen sie auf die Idee, 60.000 Jahre in die Vergangenheit zu reisen, um den arabischen Ölförderstaaten das schwarze Gold unter dem noch lange nicht geborenen Hintern wegzustehlen. What could possibly go wrong ...

Wolfgang Jeschke verpackt die geniale Idee des temporalen Öldiebstahls in eine spannende und kurzweilige Geschichte. Es gelingt ihm, das – wissenschaftlich gesehen – schwierige Thema der Zeitreise glaubhaft zu erklären, ohne dabei in langweilige Details zu gehen. Er zeigt uns, dass die Menschheit trotz wissenschaftlichen Fortschritts und dem Aufbau einer sogenannten Zivilisation immer noch nicht in der Lage ist, ihre Aggressionen in den Griff zu bekommen. Aus Habgier, Neid und anderen Gründen, riskiert der Mensch gerade durch den wissenschaftlichen Fortschritt den weiteren Fortbestand seiner eigenen Art.

#92 Neuromancer - William Gibson (1984)

"Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war", hießt es 1984 im ersten Satz von Neuromancer (in der Übersetzung von Reinhard Heinz), und plötzlich war alles anders. Cyberpunk heißt das Genre, das den Geist der 1980er-Jahre in einer düsteren, von Computern, Hackern geprägtenn virtuellen Realität widerspiegelte und die Science Fiction auf eine neue Ebene beförderte. Nicht die Story um den Hacke Case, der zwischen die Fronten einer undurchsichtigen Künstlichen Intelligenz und zwielichtiger Konzerne gerät, ist das Besondere, sondern die Ideen rund um den von Gibson geprägten Cyberspace und die Sprache, mit der er diese umsetzt, sind es, die diesen Roman zu einem zeitlosen Klassiker machen, auch wenn die Technik überholt ist und niemand mehr weiß, wie ein "toter Kanal" auf einem Fernseher aussah.

#93 Spin - Robert Charles Wilson - (2005)

Erzählt von drei Freunden, die als Kinder beobachten, wie plötzlich die Sterne vom Himmel verschwinden und nicht wiederkehren. Im Weiteren erleben wir als LeserInnen, wie sich die Leben der Drei im Zeichen dieses kosmischen Ereignisses verändern, wie es die Welt verändert und sie aus den Fugen gerät und zu tragischen Entwicklungen bei Tyler, Jason und Diane führt. Es ist ein großes, kosmisches Konzept, das Wilson hier entwirft, die Besonderheit seiner Geschichte liegt darin, dass sie charakterzentriert erzählt wird und die Schicksale der drei Freunde trotz der faszinierenden SF-Ideen im Mittelpunkt stehen; und genau deswegen hinterließ das Buch bei vielen LeserInnen einen so bleibenden Eindruck. Spin ist der Auftakt zu einer Trilogie, kann aber auch für sich alleine stehend gelesen werden.

Der letzte Tag der Schöpfung
Neuromancer
Spin

#94 Was aus den Menschen wurde - Cordwainer Smith (2011, umfasst Kurzgeschichten von 1928 bis 1966)

Cordwainer Smith schrieb nur drei Romane unter Pseudonym, die kaum bekannt sind. Doch so seine Kurzgeschichten sind so einflussreich und bahnbrechend, dass man für diese nur auf Deutsch erschienene umfangreiche Sammlung seiner besten Werke hier auf der Liste ein Auge zudrücken kann. Wie Alice B. Sheldon arbeitete er während des Zweiten Weltkriegs für den US-Geheimdienst und später für die daraus entstandene CIA. Seine Geschichten, die vor allem in den 1950er- und 60-Jahren entstanden, erzählen von einer ferne Zukunft der Menschheit, in der viele auch heute noch aktuelle Themen vorkommen, oft in einem Stil erzählt, der sich an der chinesischen Literatur orientiert.

#95 Wer fürchtet den Tod - Nnedi Okorafor (Who Fears Death, 2010)

Mitreißende und erschütternde Geschichte aus einem postapokalyptischen Afrika voller Mythen und Magie in Verbindung mit moderner Technik, die aber nur am Rande vorkommt. Über ein Mädchen, das zur Frau heranwächst, bei einem Magier in die Lehre geht und ihren eigenen Tod voraussieht. Kraftvoller Afrofuturismus, der eine afrikanische Sichtweise auf eine Realität voller Geister und Magie mit westlichen Erzählkonventionen mischt. Dieses Buch legte den Grundstein für die aktuell anhaltende Welle an Afrofuturismus, die unter anderem auch zum Kinoerfolg von Black Panther führte.

#96 Das Wort für Welt ist Wald - Ursula K. Le Guin (The Word For World Is Forest, 1972)

Nach Freie Geister und Die rechte Hand der Dunkelheit ein weitere Roman Le Guins aus dem Hainish-Zyklus, der es unter die besten 100 geschafft hat. Erhielt 1973 den Hugo Award für die beste Novelle und konzentriert sich auf den ökologischen Aspekt der Zukunftsvision im Hainish-Zyklus. Spielt auf Welt 41, ein Planet, der von den Menschen New Tahiti genannt wird und fast vollständig bewaldet ist. Was die menschlichen Kolonisten mit dem Wald und seinen Ureinwohnern machen, kann man sich denken. Neben dem Umgang des Menschen mit der Natur und ihren Bewohnern geht es auch um die Freundschaft zwischen dem Menschen David Selvers, der gegen seine Vorgesetzten rebelliert, und einem Athsheaner. Ein Roman, ohne des es James Camerons Avatar so sicher nicht gegeben hätte.

Was aus den Menschen wurde
Wer fürchtet den Tod
Das Wort für Welt ist Wald

#97 Der Wüstenplanet von Frank Herbert (Dune, 1965)

Zunächst als Fortsetzungsgeschichte in Analog erschienen, zeigte der Hugo-Gewinner von 1966 dem Genre mit seiner Geschichte um den Auserwählten Muadib Paul Atreidis im Kampf für die Freiheit der Fermen und gegen die Intrigen der Harkonen und des Kaisers, was mit theologischem, philosophischem und mythologischem Hinterbau in einer modernen Space Opera über feudale Strukturen alles möglich ist. Mit 44 Nominierungen steht Der Wüstenplanet an der Spitze der Nominierungsliste (gefolgt von Hyperion mit 38) und zeigt, welchen Einfluss der 1963 erstmal veröffentlichte Roman bis heute hat, worüber sich auch alle fünf Juroren einig sind. Dieser Erfolg steht übrigens in krasser Diskrepanz zur geringen Aufmerksamkeit, die Frank Herberts fünf Fortsetzungen erhalten haben, die immer komplexer, theologischer und philosophischer wurden. Nach dem gescheiterten Alejandro Jodorowsky, dem Film von David Lynch und einer TV-Produktion versucht sich nun Denis Villeneuve an einer Neuverfilmung.

#98 Die Zeitmaschine - H. G. Wells (The Time Machine, 1895)

Der Zeitreiseklassiker schlechthin, aus dem Jahr 1895, über den namenlosen Zeitreisenden, der aus dem viktorianischen England in ferne Zukünfte reist und einer Menschheit begegnet, die sich in die oberirdisch lebenden Eloi und die unterirdisch hausenden Morlocks weiter (oder zurück?) entwickelt hat und einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt. Ein durchaus gesellschaftskritischer Roman über Unterdrückung und Klassenunterschiede. Vielfach adaptiert, zuletzt in mehreren empfehlenswerten Hörspielversionen, da die Rechte am Buch 2018 gemeinfrei geworden sind.

Der Wüstenplanet
Die Zeitmaschine

#99 Zerrissene Erde - N. K. Jemisin (The Fifth Season. 2015)

Mit ihrem Broken-Earth-Zyklus schrieb N. K. Jemisin Geschichte, gewann sie doch mit allen drei Teilen drei Jahre in Folge jeweils den Hugo Award für den besten Roman. Und vor allem für den Auftaktband Zerrissene Erde ist das mehr als verdient. Der spielt auf einem Planeten, der dem Untergang geweiht ist - ständig gebeutelt durch Erdbeben und andere katastrophische Kataklysmen - dessen Bewohner sich durch die Evolution an die widrigen Bedingungen angepasst haben. Science Fiction im Gewand einer Fantasy-Saga, meisterhaft und höchst ungewöhnlich erzählt. "Das ist kein Roman, über den man einfach mal so schnell drüberlesen kann", schreibt Juror Josefson in seiner Besprechung, " – was ohnehin schade wäre, denn dafür hat Jemisin sprachlich zu viel auf dem Kasten."

#100 1984 - George Orwell (1949)

Die allseits bekannte Dystopie über einen totalen Überwachungsstaat, deren Warnungen leider wirkungslos verklungen sind, und dessen düstere Zukunftsvision von der Realität längst nicht nur in Bezug auf die Überwachung, sondern auch in Hinblick auf Neusprech bzw. Alternative Fakten überholt wurden. Oder wäre alles schon viel schlimmer, hätte es den ikonischen Ausspruch Big Brother is watching you und den vergeblichen Kampf von Winston Smith gegen das System und die Gehirnwäsche nicht gegeben?

Zerrissene Erde
1984
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