Neue Science-Fiction-Bücher im Februar: Sci-Fi-Buchtipps aus dem Otherland

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Neue Science-Fiction-Bücher im Februar: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder einige frische Neuerscheinungen aus der Science Fiction. Hier sind die Buchtipps von der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Cixin Liu - Wandernde Erde

Falls ihr euch schon immer mal gefragt habt, wie “Wandernde Erde” auf Chinesisch aussieht: 流浪地球 (Liulang diqiu). 

"Die Wandernde Erde" enthält elf Novellen/Kurzgeschichten von Cixin Liu (die Wandernde Erde-Story ist ja der kommende chinesische Kino-Blockbuster) auf knapp 600 Seiten. Und immer die gleiche Frage: sind die Geschichten so gut wie Die Drei Sonnen? Und immer die gleiche Antwort: Ja! Ich würde sogar vorsichtig den Vergleich mit Ted Chiang heranziehen - manche Storys von Liu sind sicherlich in Chiangs Liga angeordnet. Lesetipp, falls ihr nach mehr Liu hungert. 

Arkady und Boris Strugatzki - Der Montag fängt am Samstag an

Ein Programmierer nimmt mitten in der russischen Einöde zwei Tramper mit und landet aufgrund von deren Dankbarkeit in der “Hüahü” - der Hütte auf Hühnerbeinen, die dann auch prompt von einer kauzigen Alten und einem sprechenden Kater bewohnt wird. Außerdem gibt's einen blinden Spiegel, der aus der Bhagavadgita rezitiert, ein Fünf-Kopeken-Stück, das nach jedem Ausgeben zuverlässig wieder in die Hosentasche zurückkehrt und eine Menge Leute, die durch Wände gehen und sich um ein altes Kanapee streiten. Dieses dient nämlich als “Translator” in einem magischen Experiment, dessen Inhalt offenbar weit weniger existentialistisch ist als das im gleichnamigen Strugatzki-Roman. 

Bisher ist "Der Montag fängt am Samstag an" nämlich ausgesprochen unterhaltsam, indem lustvoll Märchen und realsozialistischer Alltag kombiniert und der staubtrockene sowjetische Materialismus mit einer gehörigen Portion magischer Dialektik aufgekocht werden. Definitiv der lustigste Strugatzki, den ich bisher lesen durfte, und dabei genauso wenig banal wie die schwereren Werke.

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Andreas Brandhorst - Seelenfänger

Andreas Brandhorst ist ein Phänomen an Beständigkeit, knapp jedes halbe Jahr kommt ein Buch von ihm, und jedes davon hat einen Platz in unserem SF-Regal verdient. Das soll ihm mal einer nachmachen!"Seelenfänger" ist eines seiner für mich weniger interessanten Werke, weil ohne Raumschiffe (und damit habe ich mich als objektiven Rezensenten selbst disqualifiziert). 

Zacharias Calm ist in Brandhorsts Seelenfänger ein sogenannter Traveller und kann in die Gedankenwelt anderer Menschen eindringen. Meist werden seine Dienste genutzt, um Verbrechen aufzuklären. Tja, und dann kommt einer seiner Kollegen von so einem Gedanken-Besuch bei einem anderen Menschen nicht mehr zurück, und Zacharias kommt einer Ungeheuerlichkeit auf die Schliche, die nicht nur Traveller, sondern die gesamte Realität bedroht.

Brandhorst halt: saugutes Handwerk, auch ohne Raumschiffe ...

George R.R. Martin - Nightflyers

Irgendwie muss man es ihm ja lassen, dem Martin… Da hat die ganze Welt ihre Augen auf ihn gerichtet und wartet auf das Ende seiner kolossal erfolgreichen Fantasy-Saga, und was macht er? Bringt einen Haufen Nebengeschichten und Novellen aus der Serie heraus, aber eben nicht die Fortsetzung, redigiert eine Reihe Superheldenromane und lässt neuerdings seine uralten (aber guuuuten) SF-Horrorkurzgeschichten von SyFy serialisieren. Ja, man muss ihm lassen - er ist ein Meister der Spannung! Das stellt er nicht nur mit seiner „laisser attendre“-Strategie unter Beweis, sondern auch in der oben erwähnten Geschichtensammlung und in der Novelle, die der Sammlung ihren Namen gibt; "Nightflyers". Es ist aber nicht nur die Hauptnovelle über eine Raumfahrt mit einem mysteriösen Captain hinter noch mysteriöseren Aliens, die das fesselnde Tempo vorgibt; auch die restlichen fünf, wie Black-Mirror-Folgen anmutende Kurzgeschichten sind nicht minder aufregend. Mal sehen, wie die neue Serie wird! Übrigens wird hier auf Netflix ausgestrahlt. 

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Jack Campbell - Ethan Stark - Neue Verbündete

Zweiter Teil der Trilogie um Ethan Stark.

Wir erinnern uns…

Der Mond ist als Ressourcenlieferant ins Visier der USA geraten, das US-Militär soll sich dort oben um die Siedler kümmern, damit bald mit der Ausschöpfung begonnen werden kann. Stark stellt als Sergeant immer wieder die katastrophalen Entscheidungen seiner Vorgesetzten in Frage und meutert schließlich. Er und sein Gefolge verschanzen sich am Ende von Band eins in einer stattlichen Mond-Festung.

Band zwei nun knüpft direkt an: Kritik üben schön und gut, doch jetzt ist es an Stark, seine eigenen Führungsqualitäten in zahlreichen Herausforderungen unter Beweis zu stellen. Verhandlungen mit der Erde und der US-Regierung laufen schlecht, diese fordern nicht weniger als die totale Kapitulation. Und auch die lunare Zivilbevölkerung und ihre Repräsentanten haben eine eigene Agenda. Was sich nach zähen Verhandlungsschilderungen und endlosem Strategieren anhört, entpuppt sich glücklicherweise als ein action-geladenes, schnelles Militär-Weltraum-Abenteuer, bei dem die Charaktere reichlich an Tiefe gewinnen und so einige unerwartete Asse aus den Ärmeln der Teilnehmer dieses Powerplays rutschen! 

Frank Hebben - Im Nebel Kein Wort

aus unserer Indie-Selection

In einer weitgehend menschenleeren, enttechnisierten und traumatisierten Landschaft begegnen sich zwei Frauen, die zu überleben versuchen … "Im Nebel kein Wort" ist eine Alternativweltgeschichte, die von einer stillen, fast schon romantischen Postapokalypse infolge des Ersten Weltkriegs erzählt. Frank Hebben gehört zu den wenigen SF-Autoren, die sich wider alle Gepflogenheiten des Marktes schlicht weigern, dicke Wälzer zu verfassen. Entsprechend sprachlich und inhaltlich dicht sind seine Kurzgeschichten und Novellen. 

 

Geschrieben von den Otherlandern Wolf, Sarah, İnci, Caro und Jakob.

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