Manuskripte, Ideen und Stolpersteine: Dennis Ehrhardt und Sebastian Breidbach im Interview

BUCH

Nächte des Wahnsinns: Über die Arbeit an der neuen Mystery-Horror-Serie "Sinclair - Dead Zone"


Dennis Ehrhardt und Sebastian Breidbach
18.02.2019

Mit „Sinclair – Dead Zone“ hat der gestandene Geisterjäger eine gründliche Generalüberholung erfahren. Dennis Ehrhardt und Sebastian Breidbach, die beiden Köpfe hinter dieser Neukonzeption, geben einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans.

JOHN SINCLAIR ist ein Held, eine Ikone. JOHN SINCLAIR kennt jeder. Seit 45 Jahren jagt der beste Beamte von Scotland Yard unermüdlich Geister, Hexen, Vampire, Werwölfe und jede andere Art von dämonischem Kroppzeug über die Heftromanständer des Bahnhofsbuchhandels. Über 2.100 (!) Romanhefte sind seitdem erschienen, dazu 320 Taschenbücher, zwei Paperbacks, zwei Hörspielserien mit insgesamt fast 300 Folgen, ein TV-Film, eine TV-Serie, eine englische Hörspielausgabe und, und, und ……

Zeit für einen Reboot!

Dabei verbindet uns beide einiges mit dem Original. Seit 2011 produzieren wir für Lübbe Audio die Hörspielserien JOHN SINCLAIR, JOHN SINCLAIR Classics und seit kurzem auch die Kinderserie JOHNNY SINCLAIR für Universal Music.

In dieser Zeit haben wir uns natürlich intensiv mit den Romanvorlagen von Jason Dark beschäftigt und immer wieder Entscheidungen gefällt, welche Romane wir vertonen und welche wir lieber auslassen möchten, welche Storylines aus den Vorlagen wir in die Hörspielserie aufnehmen wollen und welche wir doch lieber auf das Jahr 3098 verschieben, in der Hoffnung, dass das Schicksal uns genug Lebensjahre schenken möge, diese Unmenge an Geschichten zu vertonen.

Und immer wieder kamen auch eigene Ideen auf. Was wäre eigentlich, wenn John Sinclair ……

… ein bodenständiger, cooler, harter, aber letztendlich ganz gewöhnlicher Scotland-Yard-Beamter wäre, der, ohne von den Mächten der Finsternis zu wissen, in einen Fall hineinstolpert, der ihn buchstäblich an die Grenzen seines Verstandes führt …… und darüber hinaus?

… die Stadt London, die in der Serie immer eine recht beliebige Kulisse war, zum Leben erwacht, mit echten Menschen, Abgründen, sozialen Brennpunkten, mit sicht- und hör- und spürbarem Elend, aus dem unbegreiflich finstere und bösartige Kreaturen ihre Energie ziehen…?

… wenn der Hauptgegner nicht zu Beginn eines Romans feststeht, sondern sich eine Storyline voller Rätsel und Mystery-Elemente über mehrere Bücher erstreckt und damit Charakterzeichnungen, Handlungsebenen und Plotwendungen ermöglicht, die an moderne TV-Serien à la „True Detective“, „Lost“ und „American Horror Story“ erinnern?

… wenn Glenda Perkins beim Yard keinen guten Kaffee kocht, sondern so schlechten, dass jeder ihn hinter ihrem Rücken in die Blumentöpfe schüttet?

Das Autorenduo Sebastian (links) und Dennis (rechts) im Tonstudio.

Okay, der letzte Punkt stand bei unseren Planungen nicht im Vordergrund, sondern hat sich später einfach so ergeben. Doch tatsächlich entspann sich aus diesen Grundideen eine Geschichte, die in Dutzenden durchwachten Nächten und endlosen Telefonaten zwischen uns beiden immer mehr Gestalt annahm. Uns wurde klar, dass diese Idee groß war … und damit auch großartig. Entsprechend fertigten wir ein Grundkonzept an, in dem wir so ziemlich jedes Element der Urserie auf Herz und Nieren prüften, manches auf den Kopf stellten oder verwarfen, anderes veränderten und neu zusammensetzten … bis wir am Ende eine völlig neuartige, düstere, moderne Mystery-Horror-Serie entworfen hatten, die sich bei Namen, Handlung, Schauplätzen doch unübersehbar vom Original inspirieren lässt.

Name: SINCLAIR.

Sechs CDs sollte die erste Staffel namens „Dead Zone“ umfassen, und sie sollten allesamt an einem Tag erscheinen. Weitere Staffeln in halbjährlichem Abstand denkbar. Ach was, denkbar. Zwingend!

Lübbe sagte zu.

Und damit hatten wir das Problem.

Denn SINCLAIR wuchs in unserer Phantasie wie auch auf dem Papier weiter, bis sich die Handlung bereits über fünf bis sieben Hörspielstaffeln erstreckte. Und weil das noch nicht reichte, kam uns außerdem die absurde Idee, die Geschichte gleichzeitig noch in Buchform zu verarbeiten. Bernhard Hennen gab uns den Tipp, das Konzept bei FISCHER Tor vorzustellen. Der Verlag war begeistert. Eine Kooperation wurde vereinbart: Die Hörspiele bei Lübbe Audio, die Bücher bei FISCHER Tor. Und wir bei der Arbeit. Rund um die Uhr und vornehmlich nach Sonnenuntergang, da wir tagsüber ja weiter an der regulären Hörspielserie arbeiten mussten. Über drei Jahre zogen sich die Vorarbeiten hin – und dennoch reichte die Zeit nicht aus, den Stoff zu bewältigen. Buch 1 ist jetzt mit einem Jahr Verspätung erschienen. Die erste Hörspielstaffel, die nicht etwa sechs einfache, sondern vermutlich sechs Doppel-CDs umfassen wird, startet im März.

Und wir sitzen bereits an der zweiten Staffel und spinnen sämtliche Handlungsbögen um Detective Chief Inspector John Sinclair und seine Partner Detective Sergeant Zuko Gan und Detective Constable Sadako Shao weiter. Denn das Böse schläft nie und SINCLAIR ist für uns allgegenwärtig geworden. Wir können es längst kaum mehr abwarten, jede Nacht aufs Neue abzutauchen in Londons Abgründe, die dunklen Hinterhöfe von Newham, in den finsteren Wald um die Abteiruine von Abbey Wood, wo etwas lauert, das so unerklärlich und so fremdartig ist, dass …

Tja, aber das ist dann wirklich eine Geschichte, die ihr selber lesen oder hören solltet!

Viel Spaß dabei wünschen
Dennis und Sebastian!

Dennis Ehrhardt

Skriptautor und Regisseur der JOHN SINCLAIR-Hörspiele,

Autor von SINCLAIR „Dead Zone“

Sebastian Breidbach

Sounddesigner der JOHN SINCLAIR-Hörspiele,

Sounddesinger und Co-Autor bei SINCLAIR „Dead Zone“

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