Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1998?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1998 während der Bucconeer in Baltimore statt.

Toastmaster: Charles Sheffield

Novel

Joe Haldeman: Forever Peace

(1997 bei Ace; dt. Der ewige Friede, H 6340; Soldierboy, Mantikore, auch in Haldeman: Der ewige Krieg. Gesamtausgabe, Manticore)

Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner

Auch wenn der Titel des Roman es suggerieren mag: Forever Peace ist keine Fortsetzung von Haldemans Roman Forever War (Hugo 1976), es gibt lediglich einige Parallelen in der Thematik.

Die Handlung spielt auf der Erde Mitte des 21. Jahrhunderts. Protagonist ist der Physiker Julian Class, der zum einen an der Harvard-Universität unterrichtet, an zehn Tagen im Monat aber auch als Soldat dient und dabei einen ›Soldierboy‹, ein Infanterie-Kampfaggregat, fernsteuert. Diese Steuerung erfolgt durch eine operativ eingesetzte direkte Steckverbindung ins Gehirn des Soldaten, durch die er nicht nur Steuersignale an die humanoide, zehn Millionen Dollar teure Kampfmaschine senden, sondern auch mit den anderen Soldaten seiner Kampfeinheit kommunizieren kann. Die Gegner im sogenannten Ngumi-Krieg sind Aufständische und Revolutionäre in Südamerika und Afrika, die durch Terroranschläge bereits Atlanta mittels einer Atombombe zerstört haben. Im Gegenzug haben die Amerikaner Sao Paolo und Mandelaville dem Erdboden gleichgemacht und gehen gegen jeglichen Widerstand vor. Dabei werden jedoch nichttödliche Waffen eingesetzt, und als Julian durch einen unglücklichen Umstand einen Amok laufenden Gegner tötet, leidet er sehr darunter und trägt sich sogar mit Selbstmordgedanken.

Die USA ist im Gegensatz zur dritten Welt ein sehr moderner Staat geworden, nicht zuletzt dank einer hochentwickelten Nanotechnologie und sauberer Atomenergie, die im Überfluss zur Verfügung steht. Der Lebensstandard der US-Amerikaner ist sehr hoch. Das soziale Gefälle zu den südamerikanischen und afrikanischen Ländern ist daher der ausschlaggebende Faktor für die Ngumi-Krieg.

Julian Class führt eine glückliche Beziehung zu der fünfzehn Jahre älteren Amelia »Blaze« Harding, die am Jupiter-Projekt arbeitet. Im Rahmen dieses Projektes soll in der Jupiterumlaufbahn ein gigantischer Teilchenbeschleuniger gebaut werden, mit dessen Hilfe man die Entstehung des Universums und den Urknall erforschen will. Doch Amelia findet mit einigen Kollegen heraus, dass das Jupiter-Projekt eine tödliche Gefahr birgt: Unter entsprechenden physikalischen Bedingungen könnte ein neuer Urknall ausgelöst werden, der nicht nur die Erde, sondern das gesamte bekannte Universum vernichtet. So schnell wie möglich versuchen Julian, Amelia und ein weiterer Physiker ihre Erkenntnisse im Astrophysical Journal zu veröffentlichen, um das Projekt zu verhindern. Doch da taucht eine ganz andere Gefahr auf. Anhänger der Endzeit-Sekte, die fest an das Ende der Welt glauben und deren Verbindungen bis in Regierungskreise reichen, wollen in den Physikern ihren Erzfeind erkannt haben und setzen mehrere Killer darauf an, Julian, Amelia und die Gruppe ihrer Freunde zu töten.

Doch Marty Larrin hat eine Möglichkeit entdeckt, die gesamte Menschheit zu »humanisieren« und damit jegliche Kriege und Aggressionen für alle Zeit zu beenden. Sein Ziel ist der »ewige Friede«, und die Physiker helfen ihm nach Kräften dabei, diese Friedensvision in die Tat umzusetzen.

Haldeman wählt ein interessantes Stilmittel für den Roman. Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel zwischen Julian und einem neutralen Erzähler, wodurch es dem Autor möglich wird, nicht nur Julians subjektive Erlebnisse zu schildern, sondern auch Ereignisse, die an anderen Orten geschehen oder Julians Umfeld betreffen. Dennoch steht Julian immer im Zentrum der Handlung, was es dem Leser ermöglicht, auch den komplizierteren Abschnitten der Handlung zu folgen. Allerdings wirkt der Roman thematisch unentschlossen. Während anfangs die Kriegsaktivitäten eine wesentliche Rolle spielen, verliert der Autor diesen Konflikt bald aus den Augen und konzentriert sich schließlich nur noch auf die Physiker.

Joe Haldeman erhielt für diesen außergewöhnlichen Roman nicht nur den Hugo, sondern auch den Nebula Award und den John W. Campbell Memorial Award.

Weitere Nominierungen:

Walter Jon Williams: City on Fire

(1997 bei HarperPrism; nicht auf Deutsch)

Dan Simmons: The Rise of Endymion

(1997 bei Bantam Spectra; dt. Endymion – Die Auferstehung, G 43352 und H 31517)

Robert J. Sawyer: Frameshift

(1997 bei Tor; nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick: Jack Faust

(1997 bei Avon; nicht auf Deutsch)

 

Novella

Allen Steele: »… Where Angels Fear To Tread«

(October/November 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Allen Steele (*1958) hatte einmal verkündet, dass er keine Zeitreisegeschichten schreiben wolle, weil Zeitreisen nicht möglich seien. Dann schrieb er dennoch eine und gewann damit prompt den Hugo Award.

Die Erzählung hat zunächst zwei Zeitebenen. Wir lernen anfangs Dr. Zack Murphy kennen, der im Jahr 1998 für das Office of Paranormal Sciences arbeitet. Mit seinen Kollegen unterhält er sich unter anderem darüber, dass das Fermi-Paradox auch auf Zeitreisen anwendbar sei: Wenn Zeitreisen möglich wären, wo sind dann all die Zeitreisenden?

Die zweite Zeitebene beginnt am 6. Mai 1937, als der Zeppelin LZ-129 Hindenberg von seiner Fahrt aus Frankfurt am Main in Lakehurst, New Jersey eintrifft. An Bord befinden sich auch John und Emma Pannes, die laut Passagierliste aus Manhasset, Long Island stammen. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen jedoch um die Zeitreisenden Franc und Lea aus dem Jahr 2314, die im Auftrag des Chronospace Research Centers einen gewissen Eric Spehl beobachtet haben, der plante, mit einer Bombe die Hindenberg zu vernichten. Doch die Bombe explodiert nicht zum vorhergesagten Zeitpunkt, sondern erst eine gute Stunde, nachdem alle Passagiere das Luftschiff verlassen haben, und Lea und Franc haben dafür keine Erklärung. In rund dreihundert Kilometern Höhe ist das untertassenförmige Zeitschiff Oberon, das von Captain Vasili Metz gesteuert wird, in einem Orbit in Warteposition. Er holt die beiden Reisenden ab, doch unvorhergesehene Störungen treten ein, und Captain Metz verliert die Kontrolle über die Oberon. Das Zeitschiff stürzt ab, und die Reisenden wissen noch nicht einmal, in welcher Zeit sie gelandet sind.

Dr. Zack Murphy wird alarmiert und mit einem Spezialistenteam zum Center Hill Lake am Cumberland Plateau in Tennessee geschickt, weil dort angeblich eine Fliegende Untertasse gesichtet wurde. Taucher suchen nach der Untertasse, können jedoch nicht wissen, dass das Zeitschiff eine Art Tarnschirm hat, der es unsichtbar werden lässt. Die Spezialisten des Office of Paranormal Sciences sind in heller Aufregung, denn sie wissen zwar, dass etwas gelandet ist, können es jedoch nicht finden.

Die Zeitreisenden sind inzwischen eilig mit der Raparatur ihres Schiffs beschäftigt, denn sie haben herausgefunden, dass ihre Notlandung bemerkt wurde. Außerdem sind sie davon überzeugt, dass durch die verspätete Explosion der Hindenberg eine neue Zeitlinie geöffnet wurde, in der sie nun vielleicht gefangen sind.

Dr. Murphy begibt sich am Abend in das nahegelegene Dorf und trifft dort auf einen Fremden, der sich merkwürdig benimmt, einen fremdartigen Akzent spricht und nicht der Jahreszeit gemäß gekleidet ist. Irgendwann wird Murphy klar, dass es sich um einen Zeitreisenden handeln muss, doch als er den Mann zur Rede stellt, schlägt ihn dieser nieder und flieht. Kurze Zeit später erfährt Murphy von seinem Vorgesetzten, dass das unbekannte Flugobjekt wieder gestartet und im Weltraum verschwunden ist. Nur Murphy hat eine Ahnung, worum es sich dabei gehandelt haben mag …

Der Autor gibt gleich am Anfang der sehr unterhaltsamen Geschichte einen Hinweis darauf, dass nicht nur eine neue Zeitlinie erschaffen wird, sondern bereits der Anfang der Erzählung in einer alternativen Zeitlinie spielen muss. Nicht nur die Schreibweise des Zeppelinnamens (Hindenberg) differiert leicht von unserer Realität, sondern auch einige andere Details der Handlung.

Die Erzählung erschien 1997 ausschließlich in ASIMOV’S und wurde in keiner Anthologie nachgedruckt. Der Grund dafür ist, dass Allen Steele den Text zu dem Roman Chronospace (2001 bei Ace) erweiterte.

Weitere Nominierungen:

Adam-Troy Castro: »The Funeral March of the Marionettes«

(Juli 1997 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Geoffrey A. Landis: »Ecopoeisis«

(Mai 1997 in SF AGE; nicht auf Deutsch)

Paul Levinson: »Loose Ends«

(Mai 1997 in ANALOG, nicht auf Deutsch)

Robert Reed: »Marrow«

(Juli 1997 in SF AGE; nicht auf Deutsch)

 

Novelette

Bill Johnson: »We Will Drink A Fish Together …«

(Mai 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Der Erzähler der Geschichte heißt Tony und erhält von seinem Bruder einen Anruf, dass Sam gestorben sei und dass sie sich um die Beerdigung kümmern müssen. Sam war ein alter Mann, der wie ein Großvater für die ganze Familie gesorgt hatte und der von allen sehr geliebt wurde. Tony sucht seine Vorgesetzte namens Carole auf und bittet um ein paar Tage Urlaub, doch sie lehnt ab. Daraufhin kündigt er fristlos.

Das ist besonders problematisch, denn vor einiger Zeit ist ein riesiges Raumschiff nahe der Erde aufgetaucht. Die Außerirdischen, die Traders genannt werden, sind fremdartig genug, dass die Kommunikation schwierig ist, aber nicht so fremdartig, dass eine Zusammenarbeit unmöglich wäre. Zum Glück konnte man Feindseligkeiten vermeiden und nun ziehen sich die Verhandlungen bereits seit Längerem hin. Tony ist jedoch die Vertrauensperson des außerirdischen Botschafters Foremost. Trotzdem ist ihm seine Familie wichtiger, und er reist nach Summit in South Dakota, um gemeinsam mit seinem Bruder Sams Beerdigung vorzubereiten. Zwei Tage später taucht plötzlich der außerirdische Botschafter Foremost in dem kleinen Dorf auf, denn er ist auf der Flucht vor einem Attentäter aus seinem eigenen Schiff. Die Hintergründe für diesen Umstand behält Foremost allerdings für sich. Tony nimmt den Außerirdischen in seiner Familie auf, macht ihn mit den Gepflogenheiten in South Dakota vertraut, lässt ihn an der Beerdigung teilnehmen und schafft es sogar, den Botschafter vor dem Attentäter zu beschützen.

Am Ende der Geschichte vertraut ihm der Botschafter an, dass sein riesiges Schiff die Erde wieder verlassen und nie wieder zurückkehren wird. Er könne anbieten, einige Menschen mit auf die Reise durchs Universum zu nehmen.

Der Titel der Geschichte bezieht sich auf ein traditionelles Getränk, das ein alter Mann namens Oly in Summit herstellt. Dabei wird ein Fisch zusammen mit Gewürzen, etwas Essig und starkem Alkohol in einem Glas eingelegt, was nach längerer Lagerzeit ein ungewöhnliches, aber wohlschmeckendes Getränk ergibt. Daher trinken die Protagonisten gemeinsam mit dem Außerirdischen einen »Fisch«.

Bill Johnson wurde in den späten 1950er Jahren geboren und hat seit Ende der 1970er Jahre gut zwanzig SF-Erzählungen veröffentlicht, die überwiegend in seiner Heimat South Dakota spielen, wie auch die hier vorliegende Geschichte. Elf seiner Geschichten liegen in dem Sammelband Dakota Dreamin’ (1999 bei Cascade Mountain Publishing) vor.

Weitere Nominierungen:

James Alan Gardner: »Three Hearings on the Existence of Snakes in the Human Bloodstream«

(Februar 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Stephen Baxter: »Moon Six«

(März 1997 in SF AGE; nicht auf Deutsch)

Michael A. Burstein: »Broken Symmetry«

(Februar 1997 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

William Sanders: »The Undiscovered«

(März 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

 

Short Story

Mike Resnick: »The 43 Antarean Dynasties«

(Dezember 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Der Erzähler heißt Hermes und ist ein insektoider Einwohner des Planeten Antares III, der einer menschlichen Touristenfamilie die Sehenswürdigkeiten seiner Heimat zeigt. Antares III und vor allem seine Hauptstadt Kalimetra hatten viele Tempel, Paläste und Kulturschätze, die während dreiundvierzig Herrscherdynastien in 38.000 Jahren gebaut und zusammengetragen wurden. Doch davon ist nur noch ein blasser Abglanz übrig, nachdem im Laufe der letzten Jahrhunderte die Außerirdischen, vor allem Menschen, gekommen sind und die Schätze geplündert haben. Vieles wurde zerstört oder auf andere Planeten verschleppt. Der Fremdenführer Hermes versucht den Touristen zu erläutern, wie großartig die Kultur der Antareaner gewesen ist, ohne dabei Kritik an den Invasoren zu üben, weil er sein Trinkgeld nicht gefährden will. Doch die Mitglieder der Menschenfamilie benehmen sich wie ekelhafte Touristen. Sie beschenken ein bettelndes Kind mit lächerlichen Kleinigkeiten und erkundigen sich, wo im Palast die Toiletten gewesen sind. Die Frau fordert Hermes auf, seine Geschichte noch einmal zu wiederholen, weil sie vergessen hat, ihren Recorder einzuschalten. Der Mann nennt Hermes immer wieder Herman, und als er nach der Hälfte der Führung keine Lust mehr hat und lieber im Hotel eine Sportsendung anschauen möchte, zahlt er Hermes nur die Hälfte seines Honorars.

Mike Resnick thematisiert in seiner Erzählung nicht nur das empörende Verhalten (US-amerikanischer) Touristen gegenüber vergangenen Kulturen, sondern auch die Auswirkungen des Kolonialismus. Die Geschichte gehört, wie fast die Hälfte von Resnicks Gesamtwerk, zum BIRTHRIGHT UNIVERSE, das die Besiedelung und Eroberung der Milchstraße durch die Menschheit – oft mit fatalen Folgen – zum Thema hat.

Weitere Nominierungen:

James Patrick Kelly: »Itsy Bitsy Spider«

(Juni 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Gene Wolfe: »No Planets Strike«

(Januar 1997 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Robert J. Sawyer: »The Hand You’re Dealt«

(1997 in Free Space, Tor; nicht auf Deutsch)

Karen Joy Fowler: »Standing Room Only«

(August 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Andy Duncan: »Beluthahatchie«

(März 1997 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

 

Non-Fiction Book

John Clute & John Grant (Hrsg.): The Encyclopedia of Fantasy

(1997 bei St. Martin’s Press; nicht auf Deutsch)

Die Bedeutung des Wortes ›Fantasy‹ unterscheidet sich im englischen und im deutschen Sprachraum. Eine sinngemäße Übersetzung des Wortes ›Fantasy‹ ins Deutsche wäre das Wort ›Phantastik‹, und genau darum geht es in der von John Clute und John Grant herausgegebenen Enzyklopädie, die nicht allein von den beiden verfasst wurde, sondern von einer Gruppe von 76 Spezialisten, wobei die Science Fiction weitgehend ausgeklammert wurde, denn zu diesem Thema erschien bereits 1993 die Encyclopedia of Science Fiction (siehe Hugo 1994). Auf 1049 Seiten sind mehr als 4000 Stichworte versammelt, die auf fundierte Weise Phantastik in Literatur, Film, Fernsehen, Musik, Kunst und Comics vorstellen. Einzelne Autoren werden ebenso behandelt wie Themengebiete, Magazine und Anthologiereihen. Auch die Phantastik einzelner Länder und Regionen wird vorgestellt. Inhaltlich reicht die Spanne von Märchen über Gothic Novels, übernatürlichem Horror, High Fantasy, Sword & Sorcery bis zur Urban Fantasy. Bis heute gilt die Encyclopedia of Fantasy in Buchform als Standardwerk auf ihrem Gebiet. 2011 schließlich erschien eine erweiterte Fassung im Internet, die beide von John Clute mitherausgegebene Enzyklopädien zusammenfügte (siehe Hugo 2012).

Weitere Nominierungen:

Vincent DiFate: Infinite Worlds

(1997 bei Penguin Studio; nicht auf Deutsch)

Ben Bova & Anthony R. Lewis: Space Travel

(1997 bei Writer’s Digest Books; nicht auf Deutsch)

Robert Silverberg: Reflections and Refractions: Thoughts on Science-Fiction, Science and Other Matters

(1997 bei Underwood Books; nicht auf Deutsch)

Cathy Fenner & Arnie Fenner zusammen mit Jim Loehr (Hrsg.): Spectrum IV: The Best in Contemporary Fantastic Art

(1997 bei Underwood Books; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

Contact

(SouthSide Amusement/Warner Brothers; Drehbuch James V. Hart & Michael Goldenberg; Regie Robert Zemeckis; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Carl Sagan; dt. Contact)

Carl Sagan war einer der bekanntesten Wissenschaftler der USA, der durch seine leicht verständlichen Publikationen auch ein Laienpublikum erreichte. Er bereitete den Weg für die Exobiologie sowie für die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI). Ende der 1970er Jahre kam er auf die Idee, dass man durch einen Spielfilm die Suche nach Außerirdischen noch mehr popularisieren könnte. So schrieb er bereits 1979 gemeinsam mit seiner späteren Frau Ann Druyan ein Treatment für einen Film. Doch Filmleute neigen dazu, Drehbücher immer und immer wieder umzuschreiben, und so begann Sagan seine Idee ab 1982 zu dem Roman Contact auszuarbeiten, der dann 1985 erschien und zu einem Bestseller wurde. Robert Zemeckis war vermutlich der richtige Regisseur, um den Romanstoff in einen Film umzusetzen. Carl Sagan arbeitete zwar an dem Film mit, erlebte dessen Premiere jedoch nicht mehr.

Hauptfigur des Films ist die ehemalige Funkamateurin Ellie Arroway, die sich der Suche nach außerirdischem Leben verschrieben hat. Bei ihrer Arbeit im Arecibo-Observatorium mit einem Team außergewöhnlicher Wissenschaftler stößt sie jedoch an Grenzen, weil ihr wegen fehlender Ergebnisse der Arbeit die Finanzmittel gestrichen werden. Erst durch die Hilfe des Großindustriellen S. R. Hadden kann sie die Arbeit fortsetzen und empfängt in New Mexico mit den gekoppelten Radioteleskopen des Very Large Array ein Signal aus Richtung der Wega. Dieses ist offensichtlich künstlichen Ursprungs, denn es enthält eine Folge von Primzahlen, alte Fernsehbilder von der Erde und den Bauplan einer Maschine. Die erste Maschine, die die Reise eines Menschen zu den Außerirdischen ermöglichen soll, wird von einem religiösen Selbstmordattentäter zerstört. Mit der zweiten Maschine jedoch reist Ellie zum Wega-System und erfährt dort, dass es in der Milchstraße viele weitere Zivilisationen gibt, die alle das gleiche Transportsystem nutzen, das offenbar schon seit Milliarden von Jahren existiert. Als Ellie zur Erde zurückkehrt, sind dort nicht 18 Stunden, sondern nur Sekundenbruchteile vergangen, weshalb man ihren Schilderungen keinen Glauben schenkt. Allerdings hat die mitgeführte Videokamera 18 Stunden aufgezeichnet, doch auf den Aufnahmen ist angeblich nichts zu sehen.

Im Film sind eine ganze Reihe von Personen des öffentlichen Lebens zu sehen, wie zum Beispiel Bill Clinton, der Pressesprecher des Weißen Hauses, Reporter des Senders CNN und Jay Leno, wohl um die Handlung authentischer wirken zu lassen. Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Fakten für den Film verarbeitet wurden, zählt er zwar zu den bedeutsamsten, aber nicht unbedingt zu den spannendsten und unterhaltsamsten SF-Filmen der 1990er Jahre.

Weitere Nominierungen:

Men in Black

(Amblin/Columbia/McDonald/Parkes; Drehbuch Ed Solomon; Story Ed Solomon; Regie Barry Sonnenfeld; basiert auf dem gleichnamigen Comic von Lowell Cunningham; dt. Men in Black)

Gattaca

(Columbia/Jersey; Drehbuch Andrew Niccol; Regie Andrew Niccol; dt. Gattaca)

The Fifth Element

(Gaumont/Columbia; Drehbuch Luc Besson & Robert Mark Kamen; Story und Regie Luc Besson; dt. Das fünfte Element)

Starship Troopers

(Touchstone/TriStar; Drehbuch Edward Neumeier; Regie Paul Verhoeven; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert A. Heinlein; dt. Starship Troopers)

Professional Editor

Gardner Dozois (ASIMOV’S)

Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1998: Das waren die Gewinner

Ein weiteres Jahr hatte Gardner Dozois einen guten Riecher, was Erzählungen betrifft. In allen drei Rubriken für Kurztexte haben Geschichten aus ASIMOV’S gewonnen: Allen Steeles »… Where Angels Fear To Tread«, Bill Johnsons »We Will Drink A Fish Together …« und Mike Resnicks »The 43 Antarean Dynasties«. Interessanterweise waren unter den Nominierten aus ASIMOV’S auch ein paar weniger bekannte und neue Namen: James Alan Gardner, William Sanders, James Patrick Kelly, Karen Joy Fowler und Andy Duncan.

Neben ASIMOV’S stellte Gardner Dozois wieder einige Anthologien zusammen: The Year’s Best Science Fiction: Fourteenth Annual Collection (St. Martin’s Press), Timegates (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann), Isaac Asimov’s Moons (Ace Books, gemeinsam mit Sheila Williams), Dying For It: More Erotic Tales of Unearthly Love (HarperPrism) und Modern Classics of Fantasy (St. Martin’s Press).

Weitere Nominierungen:

Stanley Schmidt (ANALOG)
David Hartwell (Tor; Year’s Best SF)
Gordon Van Gelder (F&SF)
Scott Edelman (SF AGE)

 

Professional Artist

Bob Eggleton

Eggelton hatte Michael Whelan in der Gunst der Fans nun (fast) endgültig abgelöst. Weiterhin erschienen zahlreiche, hervorragende Titelbilder von ihm auf über zwanzig Büchern und Magazinen. Besonders zu erwähnen sind Think Like a Dinosaur and Other Stories von James Patrick Kelly, Titus Crow von Brian Lumley, In the Ocean of Night von Gregory Benford und The New Hugo Winners, Volume IV, herausgegeben von Gregory Benford; darüber hinaus die Titelbilder der Magazine ABSOLUTE MAGNITUDE (Herbst/Winter 1997), ANALOG (Oktober 1997), THE MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION (Juli 1997) und ASIMOV’S (Januar 1997).

Weitere Nominierungen:

Michael Whelan
David Cherry
Don Maitz
Jim Burns
Thomas Canty

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

1997 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 68 bis 88 Seiten. Interviewt wurden in diesem Jahr Connie Willis, Bradley Denton, Linda Nagata, Larry Niven, David Brin, Michael Kandel, Poul Anderson, Garth Nix, Dan Simmons, Sean Russell, Daniel Keyes, John Kessel, Joe Haldeman, Eric S. Nylund, Jane Yolen, Steven Gould & Laura J. Mixon, Kim Stanley Robinson, Elizabeth A. Lynn, Jonathan Lethem, Michael Moorcock, Algis Budrys, Gardner Dozois und Boris Strugatzki. Über internationale SF berichtete man aus England, China, Australien, Tschechien, Neuseeland, Simbabwe, Malawi, Brasilien und Skandinavien. Es gab wieder viele Nachrufe, insbesondere auf Carl Sagan, Martin Caidin, Sam Moskowitz, George Turner, Amos Tutuola, Judith Merril und Bill Rotsler. Die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Gary K. Wolfe, Edward Bryant, Carolyn Cushman, Russell Letson, Mark R. Kelly und Shira Daemon geschrieben.

Weitere Nominierungen:

THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, Ariel Haméon, David G. Hartwell & Kevin Maroney)
SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
INTERZONE (David Pringle)
SPECULATIONS (Kent Brewster)

 

Fanzine

MIMOSA (Dick & Nicki Lynch)

Der Hugo ging inzwischen zum fünften Mal an MIMOSA und verwies ANSIBLE auf den zweiten Platz. Im Mai 1997 erschien als Ausgabe 20 ein Themenheft mit dem Titel »Food«, worin es unter anderem um die Ernährungsgewohnheiten der SF-Fans ging.

Weitere Nominierungen:

ANSIBLE (Dave Langford)
FILE 770 (Mike Glyer)
TANGENT (David Truesdale)
ATTITUDE (Michael Abbott, John Dallman & Pam Wells)

 

Fan Writer

Dave Langford

1998 erhielt Langford bereits seinen fünfzehnten Hugo. Neben seiner beständigen Tätigkeit als ANSIBLE-Herausgeber und Fanzineautor startete er die Kolumne CRITICAL MASS in dem neuen und mit nur sieben Ausgaben leider sehr kurzlebigen Magazin ODYSSEY, das von Liz Holliday herausgegeben wurde.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Evelyn Leeper
Bob Devney
Andy Hooper
Joseph T. Major

 

Fan Artist

Joe Mayhew

Der US-Amerikaner Joe Mayhew (1942–2000) war sein Leben lang SF-Fan und Mitglied der Washington Science Fiction Association. Er war sechsmal für den Hugo nominiert und gewann ihn 1998 und 2000. Seine Cartoons erschienen in ASIMOV’S, ANALOG, PIRATE WRITINGS und zahllosen Fanzines. Doch er war nicht nur Zeichner, sondern schrieb auch einige Erzählungen und Hörspiele sowie SF-Rezensionen für die WASHINGTON POST. Beruflich war er für die Library of Congress tätig.

Weitere Nominierungen:

Teddy Harvia
Brad Foster
Peggy Ranson
Ian Gunn

 

Campbell Award

Mary Doria Russell

Die US-amerikanische Autorin Mary Doria Russell (*1950) studierte an der University of Illinois und der Northeastern University und promovierte 1983 an der University of Michigan in Anthropologie. Sie schrieb keine Kurzgeschichten, sondern debütierte mit dem Roman The Sparrow (1996 bei Villard/Random House; dt. Sperling), der ihr nicht nur den Campbell Award, sondern auch den Arthur C. Clarke Award, den BSFA Award, den James Tiptree Jr Award, den Gaylactic Spectrum Award und den Kurd-Laßwitz-Preis einbrachte. Der zweite Roman um die Hauptfigur Emilio Sandoz heißt Children of God (1998 bei Villard/Random House; dt. Gottes Kinder). Danach wandte sie sich von der Science Fiction ab und verfasste die historischen Romane A Thread of Grace (2005 bei Random House) und Dreamers of the Day (2008 bei Random House) sowie die Western Doc (2011 bei Random House) und Epitaph (2015 bei Thorndike).

Weitere Nominierungen:

Susan R. Matthews
Andy Duncan
Richard Garfinkle
Raphael Carter

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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