Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1997?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1997 während der LoneStarCon 2 in San Antonio statt.

Toastmaster: Neal Barrett Jr.

Novel

Kim Stanley Robinson: Blue Mars

(1996 bei Bantam Spectra; dt. Blauer Mars, H 5363, H 31698)

Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner

Der dritte Roman der Mars-Trilogie hat einen Handlungszeitraum von rund hundert Jahren, beginnend im Jahr 2127. Das Terraforming ist so weit fortgeschritten, dass Atmosphärendruck und Temperatur immer weiter ansteigen. Inzwischen gibt es auf der Planetenoberfläche flüssiges Wasser in Form von Flüssen und Seen. Während sich der Mars langsam zu einem angenehmen Lebensraum entwickelt, werden die Verhältnisse auf der Erde immer schwieriger. Die Eiskappe der Antarktis ist weitgehend abgeschmolzen, was zu einem starken Anstieg des Meeresspiegels und somit großflächigen Überflutungen geführt hat. Die Wirtschaftsmacht der transnationalen Konzerne verliert immer weiter an Kraft und Bedeutung, was zu neuen politischen Konstellationen führt. Und so erlangt der Mars im Jahrhundert nach der zweiten Revolution auch für die Erdbewohner eine immer größere Bedeutung, zumal es den Marsianern sehr gut geht: Es gibt ein umfassendes Gesundheitssystem, kostenlose Bildung und Nahrung im Überfluss. Um einer weiteren Überbevölkerung des Mars durch den Strom der illegalen Immigranten von der Erde zu begegnen, bauen die Wissenschaftler und Ingenieure die kleinen Planeten des Asteroidengürtels zu Städten aus, indem sie die Himmelskörper aushöhlen und sie in Rotation versetzen, um eine künstliche Gravitation zu schaffen. Eine immer schnellere Entwicklung der Wissenschaft und Technologie setzt ein, insbesondere auf dem Gebiet der Raumfahrt, um das restliche Sonnensystem zu erobern und vielleicht sogar das Sonnensystem zu verlassen, damit neue Lebensräume für die Menschheit erschlossen werden können. Einige Monde des Jupiter und Saturn sowie der Neptunmond Triton werden kolonisiert. Am Ende des Romans startet Jackie Boone, Enkelin von John Boone aus dem ersten Band, mit einem zu einem Raumschiff umgebauten Asteroiden zu einem zwanzig Lichtjahre entfernten Sternensystem, um die dortigen Planeten und Monde als Lebensraum zu erobern.

Robinsons Visionen der Zukunft der Menschheit – sowohl die wissenschaftlichen als auch die politischen – sind oftmals überwältigend und atemberaubend, auch wenn dabei die Unterhaltsamkeit – wie schon in Red Mars und Green Mars – leider zuweilen auf der Strecke bleibt. Doch mit seinem rund dreitausend Seiten umfassenden Opus hat er sich einen festen Platz in der Ruhmeshalle der Science Fiction erschrieben.

Den drei Mars-Romanen folgte der Erzählungsband The Martians (1999 bei Voyager/Harper Collins; dt. Die Marsianer), der dreißig Erzählungen, Gedichte und Sachtexte vereint, die mit der Trilogie im Zusammenhang stehen und einige inhaltliche Aspekte weiter vertiefen. In Robinsons mit dem Nebula Award ausgezeichneten Roman 2312 (2012 bei Orbit; dt. 2312) gibt es viele Parallelen zur Mars-Trilogie, wie zum Beispiel das Terraforming und die Langlebigkeit der Protagonisten.

Übrigens gibt es in den USA die am 15. August 1998 gegründete Mars Society, eine Non-Profit-Organisation, die sich für die Erforschung und Besiedlung des Planeten Mars engagiert. Von ihr wurde unter anderem die Flashline Mars Arctic Research Station (FMARS) gebaut, der erste von zwei abgeschlossenen Lebensräumen, in denen Wissenschaftler menschliches Leben auf dem Mars simulieren und trainieren können. Auf der Station ist die Marsflagge gehisst, eine Trikolore mit den Farben Rot, Grün und Blau, nach den drei Bänden der Mars-Trilogie von Kim Stanley Robinson.

Weitere Nominierungen:

Lois McMaster Bujold: Memory

(1996 bei Baen; dt. Viren des Vergessens, H 6352, auch in Bujold: Die Revolte, H 31450)

Elizabeth Moon: Remnant Population

(1996 bei Baen; dt. Die letzte Siedlerin, B 24242)

Robert J. Sawyer: Starplex

(1996 bei Ace; nicht auf Deutsch)

Bruce Sterling: Holy Fire

(1996 bei Bantam Spectra; dt. Heiliges Feuer, H 6361)

 

Novella

George R. R. Martin: »Blood of the Dragon«

(Juli 1996 in ASIMOV’S; enthalten in Die Herren von Winterfell, Goldmann Fantasy 24729 und Blanvalet Fantasy 26774 und Das Erbe von Winterfell, Goldmann Fantasy 24730 und Blanvalet Fantasy 26781; in Martin: Eisenthron, Fantasy Productions, in Martin: Der Winter naht, Penhalion)

Bei dieser langen Erzählung handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung einiger Teile von George R. R. Martins berühmtem Fantasy-Roman A Game of Thrones, der zwei Monate nach dieser Erzählung erschienen ist. Genauer gesagt handelt es sich um die Daenerys-Kapitel daraus. Daenerys ist eine der Figuren, die sich weit entfernt vom Handlungsmittelpunkt des Romans befindet, sodass ihre Geschichte vollkommen eigenständig funktioniert und für den Leser verständlich ist.

In der Stadt Pentos fassen Magister Illyrio Mopatis und Viserys Targaryen, der Sohn des ermordeten Königs, den Plan, Viserys dreizehnjährige Schwester dem Dothraki Khal Drogo zur Frau zu geben. Im Gegenzug soll ihm Drogo mit seinen wilden Dothraki helfen, den Thron zurückzuerobern. Illyrio schenkt dem Mädchen drei steinerne Dracheneier zur Hochzeit. Obwohl die Ehe aus politischen Gründen arrangiert wurde und Daenerys noch sehr jung ist, entdecken Khal Drogo und das Mädchen ihre Liebe, und bald darauf erwartet Daenerys ein Baby. Äußerst dramatische Ereignisse nehmen ihren Lauf.

Auch wenn es sich bei Daenerys’ Geschichte nicht um den Haupthandlungsfaden des Romans handelt, so zeigt sie doch die erzählerische Meisterschaft von George R. R. Martin, der mit seinem Zyklus DAS LIED VON EIS UND FEUER eine weltweite Fangemeinde für sich gewinnen konnte, nicht zuletzt durch die überaus erfolgreiche Adaption als Fernsehserie. Seltsamerweise hat Martin trotzdem bisher mit keinem der Bände einen der drei großen Phantastik-Preise Hugo, Nebula oder World Fantasy Award gewonnen, wohl aber viermal den Locus Award. Der Qualität seiner Bücher tut das jedoch keinen Abbruch.

Weitere Nominierungen:

Jack McDevitt: »Time Travelers Never Die«

(Mai 1996 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Gregory Benford: »Immersion«

(März 1996 in SCIENCE FICTION AGE; nicht auf Deutsch)

Jerry Oltion: »Abandon in Place«

(Dezember 1996 in F&SF; dt. »Der Geist der Hoffnung« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 100. Folge: Die Marsprinzessin, H 6330)

Mary Rosenblum: »Gas Fish«

(Februar 1996 in ASIMOV’S; dt. »Gasfische« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 49. Folge, H 5666)

Maureen F. McHugh: »The Cost to Be Wise«

(1996 in Starlight 1; dt. »Der Preis der Weisheit« in GOLKONDA  GAZETTE, Ausgabe 1, April 2010)

 

Novelette

Bruce Sterling: »Bicycle Repairman«

(1996 in John Kessel, Mark L. Van Name & Richard Butner [Hrsg.]: Intersections: The Sycamore Hill Anthology, Tor; Oktober 1996 in ASIMOV’S; dt. »Der Fahrradmechaniker« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Winterfliegen, H 5970)

»Bicycle Repairman« ist eine Postcyberpunkgeschichte, in der zwar Technologie eine wesentliche, aber nicht die ausschlaggebende Rolle spielt. Im Jahr 2037 betreibt Lyle Schweik in einer anarchistischen Zone eine Fahrradreparaturwerkstatt. Der junge Mann hat durch Medikamente seinen Sexualtrieb ausgeschaltet, weil er davon überzeugt ist, dadurch kostbare Zeit für wichtigere Dinge als Partnersuche zu gewinnen. Durch seinen ehemaligen Mitbewohner, der schon seit Längerem auf Reisen ist, kommt er in den Besitz eines technischen Geräts, dessen Bedeutung ihm anfangs nicht klar ist. Kurze Zeit darauf taucht eine junge Frau namens Kitty in der Werkstatt auf, um ihr Fahrrad reparieren zu lassen. Sie ist daran interessiert, das leer stehende Zimmer des ehemaligen Mitbewohners zu beziehen, doch Lyle lehnt ab. Als sie einen Einbruch versucht, wird sie von Lyle überwältigt und gefangen genommen. Er ruft Freunde zu Hilfe und es stellt sich heraus, dass Kitty eine bestens ausgerüstete Agentin eines Senators ist, die das geheimnisvolle Gerät zurückholen soll.

Der größte Teil der Erzählung besteht aus Dialogen zwischen Lyle und der gefangen genommenen Kitty, durch die der Leser viele Details über die Beschaffenheit der politischen und technologischen Verhältnisse in Sterlings Zukunftswelt erfährt. So spielen Mooks eine wesentliche Rolle, eine Art Computerassistent mit Künstlicher Intelligenz. Der Senator, in dessen Auftrag Kitty handelt, ist beispielsweise über hundert Jahre alt und in einem beklagenswerten medizinischen Zustand, wird in der Öffentlichkeit jedoch durch seinen Mook repräsentiert. Eines der wichtigen Themen, die Sterling in dieser Erzählung anspricht, ist das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik.

Der US-Amerikaner Bruce Sterling (*1954) war bereits achtmal für den Hugo nominiert, bevor er ihn in diesem Jahr erstmals gewann. Sein Debüt erschien 1976. Er ist einer der Mitbegründer der Cyberpunkbewegung und publizierte ab Anfang der Achtzigerjahre nicht nur zahlreiche dem Cyberpunk zugehörige Erzählungen und Romane, wie zum Beispiel die SHAPER/MECHANIST-Erzählungen oder den Roman Schismatrix (1985 bei Arbor House; dt. Schismatrix), sondern veröffentlichte auch viele theoretische Arbeiten und Kampfschriften zum Cyberpunk. Weitere wichtige Romane sind Islands in the Net (1988; dt. Inseln im Netz), The Difference Engine (mit William Gibson, 1990; dt. Die Differenzmaschine) und Holy Fire (1996; dt. Heiliges Feuer). Sterling wurde auch durch sein Sachbuch The Hacker Crackdown (1992) bekannt und ist einer der führenden Köpfe hinter der Viridian-Design-Bewegung.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick: »The Land of Nod«

(Juni 1996 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Ursula K. Le Guin: »Mountain Ways«

(August 1996 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Suzy McKee Charnas: »Beauty and the Opéra or The Phantom Beast«

(März 1996 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

William Barton: »Age of Aquarius«

(Mai 1996 in ASIMOV’S; dt. »Das Zeitalter des Wassermanns« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 50. Folge, H 5921)

 

Short Story

Connie Willis: »The Soul Selects Her Own Society: Invasion and Repulsion: A Chronological Reinterpretation of Two of Emily Dickinson’s Poems: A Wellsian Perspective«

(April 1996 in ASIMOV’S; dt. »Die Seele wählt sich ihre Gesellschaft selbst: Invasion und Aversion« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 54. Folge, H 6345)

Bei diesem Text handelt es sich nicht um eine Erzählung, sondern vielmehr um einen akademischen Aufsatz. Dessen vollständiger deutscher Titel lautet: »Die Seele wählt ihre Gesellschaft selbst: Invasion und Aversion. Chronologische Neuinterpretation zweier Gedichte Emily Dickinsons unter besonderer Berücksichtigung von H. G. Wells«. Die fiktive Verfasserin des Textes bezieht sich auf zwei Dickinson-Gedichte, die erst 1991 entdeckt wurden, und interpretiert den Text dahingehend, dass die Wellsschen Marsianer vermutlich 1897 auch in Amherst gelandet sein müssen, durch die Worte der exzentrischen Dichterin aber offensichtlich vertrieben wurden. Die Tatsache, dass Dickinson zu diesem Zeitpunkt bereits elf Jahre tot war, wird geschickt weginterpretiert.

Connie Willis macht sich in ihrer herrlichen Satire auf zehn Buchseiten (gefolgt von vierzig Endnoten) nicht nur über hanebüchene akademische Interpretationen lustig, die oft nur vorangegangene Interpretationen kommentieren und in absurde Zusammenhänge stellen, sondern auch über die Unkenntnis und fehlende Recherche der Interpretatoren. Hier ein Zitat: »Nehmen Sie zum Beispiel Shelley, der seine erste Frau verließ (die sich daraufhin im Teich des Hyde Parks ertränkte), damit er eine Frau heiraten konnte, die Drehbücher für Monsterfilme schrieb.«

Dieser großartige Text, der ganz zurecht den Hugo gewonnen hat, zeigt ein weiteres Mal die Vielseitigkeit der vielfach mit Preisen ausgezeichneten Connie Willis.

Weitere Nominierungen:

James White: »Un-Birthday Boy«

(Februar 1996 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick: »The Dead«

(1996 in Starlight 1; dt. »Die Toten« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Das Proust-Syndrom, H 5999)

Robert Reed: »Decency«

(Juni 1996 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

John Crowley: »Gone«

(September 1996 in F&SF; dt. »Fort« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 96. Folge: Der Lincoln-Zug, H 5892)

 

Non-Fiction Book

L. Sprague de Camp: Time & Chance

(1996 bei Grant; nicht auf Deutsch)

Autobiografien von Autoren aus dem Golden Age der Science Fiction waren und sind bei den Fans sehr beliebt, erfährt man doch aus ihnen nicht nur Details über Leben und Werk der Autoren selbst, sondern auch vieles über deren Schriftstellerkollegen, die Herausgeber ihrer Werke und oftmals auch Anekdoten über das Leben im Fandom. Da de Camp eine besonders schillernde Persönlichkeit war, stieß seine Autobiografie auf reges Interesse (siehe auch Gandalf Award 1976).

Im ersten Viertel des Buches erzählt de Camp (1907–2000) in aller Ausführlichkeit über die Herkunft seines Namens und seiner Familie, seine Kinder- und Jugendjahre, diverse Auslandsreisen (u. a. nach China und Frankreich) und seine Schulausbildung. Man erfährt, dass er mit vier Jahren Lesen und Schreiben gelernt hat, dass seine Mutter früh verstorben ist, dass er lebenslang ein Fan der Romane von P.  G. Wodehouse war und dass er Deutschkurse belegt hat. Besonders interessant wird es, wenn der Autor über seine Begegnungen mit dem ASTOUNDING-Herausgeber John W. Campbell jr. oder mit anderen Autoren berichtet. Mit dem Raketenpionier und Publizisten Willy Ley verband ihn eine lange Freundschaft. Ab 1950 beschäftigte sich de Camp intensiver mit den Erzählungen und dem Nachlass von Robert E. Howard, wodurch die ersten Buchausgaben der CONAN-Erzählungen entstanden. Später dann überarbeitete er, oft in Zusammenarbeit mit Lin Carter, unveröffentlichte Erzählungsfragmente und schrieb sogar eine Biografie des Texaners Howard. Der Leser erfährt auch von de Camps Besuch bei Tolkien und von einer ausgedehnten Reise durch Deutschland.

Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine Bibliographie der belletristischen Werke und Sachtexte des Autors.

Weitere Nominierungen:

Diana Wynne Jones: The Tough Guide to Fantasyland

(1996 bei Gollancz/Vista; nicht auf Deutsch)

John Clute: Look at the Evidence

(1996 bei Serconia Press; nicht auf Deutsch)

Dave Langford: The Silence of the Langford

(1996 bei NESFA Press; nicht auf Deutsch)

Patti Perret: The Faces of Fantasy

(1996 bei Tor; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

BABYLON 5: »Severed Dreams«

(Babylonian Productions; Drehbuch J. Michael Straczynski; Regie David Eagle; dt. »Die Strafaktion«)

BABYLON 5 begeisterte offenbar auch 1997 mehr Wahlberechtigte als die Konkurrenzserie STAR TREK:DEEP SPACE NINE, und das im zweiten Jahr in Folge (siehe 1996). »Severed Dreams« ist die zehnte Folge der dritten Staffel, in der eine Vielvölker-Allianz gegen die Bedrohung durch die Schatten gebildet wird.

Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, doch einige Menschenkolonien, insbesondere der Mars, weigern sich, den Befehlen des Präsidenten Folge zu leisten, so auch Babylon 5. Der Kommandant der Station, Captain Sheridan, nimmt einige Abtrünnige auf, woraufhin der Präsident eine Streitmacht aussendet, die den Gehorsam erzwingen soll.

Die spannende Folge ist ein eindrückliches Beispiel dafür, welch komplexe Handlung eine Fernsehserie aufbauen kann, wenn sie durchgehend erzählt wird. Damit ist BABYLON 5 eines der ersten Beispiele für moderne Erzähltechniken im Fernsehen, die wir heute, Jahrzehnte später, von Serien wie GAME OF THRONES gewohnt sind. Ein Grund dafür war, dass der Serienerfinder J. Michael Straczynski nicht nur den Haupthandlungsbogen überwachte, sondern auch 91 der insgesamt 110 Folgen der Serie selbst schrieb.

Zwei weitere Folgen von BABYLON 5, nämlich »War Without End« und »Z’Ha’Dum«, erreichten in diesem Jahr ausreichend viele Stimmen für eine Hugo-Nominierung, aber Straczynski zog sie selbst zurück.

Weitere Nominierungen:

Star Trek: First Contact

(Paramount; Drehbuch Brannon Braga & Ronald D. Moore; Story Rick Berman & Brannon Braga & Ronald D. Moore; Regie Jonathan Frakes; dt. Star Trek: Der erste Kontakt)

Star Trek – Deep Space Nine: »Trials and Tribble-ations«

(Paramount; Drehbuch Ronald D. Moore & René Echévarria; Story Ira Steven Behr & Hans Beimler & Robert Hewitt Wolfe; Regie Jonathan West; dt. »Immer die Last mit den Tribbles«)

Independence Day

(20th Century Fox/Centropolis; Drehbuch Dean Devlin & Roland Emmerich; Regie Roland Emmerich; dt. Independence Day)

Mars Attacks!

(Warner Brothers; Drehbuch Jonathan Gems; Story Jonathan Gems; Regie Tim Burton; dt. Mars Attacks!)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1997: Das waren die Gewinner

Die Erfolgswelle für ASIMOV’S riss nicht ab. Allein in der Rubrik ›Novelette‹ waren ausschließlich Texte aus ASIMOV’S nominiert, in den anderen Erzählungsrubriken war das Magazin ebenfalls überdurchschnittlich gut vertreten, und alle drei Gewinnertexte sind in ASIMOV’S erschienen: George R. R. Martins »Blood of the Dragon«, Bruce Sterlings »Bicycle Repairman« (dt. »Der Fahrradmechaniker«) und Connie Willis’ »The Soul Selects Her Own Society …« (dt. »Die Seele wählt sich ihre Gesellschaft selbst: Invasion und Aversion«). Bemerkenswert waren aber auch Jack McDevitts »Time Travelers Never Die«, Ursula K. Le Guins »Mountain Ways«, Michael Swanwicks »The Dead« (dt. »Die Toten«) und John Crowleys »Gone« (dt. »Fort«)

Neben ASIMOV’S stellte Gardner Dozois wieder einige Anthologien zusammen: The Year’s Best Science Fiction: Thirteenth Annual Collection (St. Martin’s Press), Hackers (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann) und Isaac Asimov’s Vampires (Ace Books, gemeinsam mit Sheila Williams).

Weitere Nominierungen:

Kristine Kathryn Rusch (F&SF)
Stanley Schmidt (ANALOG)
Scott Edelman (SF AGE)
Patrick Nielsen Hayden (Tor)

 

Professional Artist

Bob Eggleton

Eggleton mauserte sich zu einem Liebling der SF-Fans. Bereits seinen dritten Hugo erhielt er für seine stimmungsvollen Bilder, die 1996 auf über dreißig Büchern und Magazinen zu sehen waren – so zum Beispiel Encounter with Tiber von Buzz Aldrin und John Barnes, Home is the Hangman von Roger Zelazny, Houston, Houston, Do You Read? von James Tiptree jr., Pirates of the Universe von Terry Bisson, der Anthologie Year’s Best SF, Ring von Stephen Baxter, The Moon is a Harsh Mistress von Robert A. Heinlein und Ill Met in Lankhmar von Fritz Leiber. Auch zwei sehr schöne Magazintitelbilder sind von ihm: ANALOG (September 1996) und THE MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION (May 1996).

Weitere Nominierungen:

Michael Whelan
David Cherry
Don Maitz
Thomas Canty

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

1996 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 76 bis 88 Seiten. Interviewt wurden in diesem Jahr C. J. Cherryh, Paul J. McAuley, Alexander Jablokov, Kim Stanley Robinson, Stephen Baxter, Robert Holdstock, Bruce Sterling, Sharon Shinn, William Tenn, K. W. Jeter, Michael Bishop, Patricia A. McKillip, John Barnes, Ray Bradbury, Walter Jon Williams, Nicola Griffith, Frederik Pohl, Jack Williamson, Robert Silverberg, Paul Preuss und Joan D. Vinge. Über internationale SF berichtete man aus England, Finnland, Bulgarien, Australien, Slowenien, Russland, Brasilien, Schweden, Tschechien, Portugal, Kroatien und Israel. Es gab wieder viele Nachrufe, insbesondere auf Bob Shaw, Elsie Wollheim, Margaret St. Clair und Horace Gold. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Gary K. Wolfe, Edward Bryant, Carolyn Cushman, Russell Letson und Shira Daemon geschrieben.

Weitere Nominierungen:

INTERZONE (David Pringle)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, Tad Dembinski, Ariel Haméon, David G. Hartwell and Kevin Maroney)
SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
SPECULATIONS (Kent Brewster)

 

Fanzine

MIMOSA (Dick & Nicki Lynch)

MIMOSA erhielt in diesem Jahr zum vierten Mal den Hugo (siehe 1992 bis 1994) für die Artikel zur Geschichte des Fandoms, wobei nicht nur das US-amerikanische Fandom berücksichtigt wurde.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
ANSIBLE (Dave Langford)
TANGENT (Dave Truesdale)
NOVA EXPRESS (Lawrence Person)

 

Fan Writer

Dave Langford

1997 wurde Langfords fannische Arbeit ein weiteres Mal gewürdigt. Aber nicht nur in seinem eigenen Fanzine ANSIBLE und diversen anderen erschienen seine Texte, sondern auch gesammelt in dem von Ben Yalow und Anthony R. Lewis herausgegebenen Buch The Silence of the Langford (1996 bei NESFA Press), das ebenfalls für den Hugo nominiert war.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Evelyn C. Leeper
Sharon Farber
Andy Hooper

 

Fan Artist

William Rotsler

Nach 22 Nominierungen erhielt Bill Rotsler (1926–1997) den vierten Hugo (siehe auch 1975, 1979 und 1996) für seine Tätigkeit im Fandom und die zahlreichen Cartoons und Zeichnungen. Nur einen Monat nach der Verleihung starb Rotsler. Ihm zu Ehren wurde der ›Rotsler Award‹ ins Leben gerufen, er wird für »long-time wonder-working with graphic art in amateur publications of the science fiction community« verliehen. Die erste Verleihung fand 1998 statt; der auf 300 Dollar dotierte Preis wird jährlich im November während der Los Angeles SF Convention von einer Jury vergeben.

Weitere Nominierungen:

Peggy Ranson
Joe Mayhew
Ian Gunn
Sherlock

 

Campbell Award

Michael A. Burstein

Der US-Amerikaner Michael A. Burstein (*1970) studierte am Harvard College und der Boston University bis 1993 Physik, wandte sich aber schon bald dem Schreiben zu und studierte 1995 an der School of Visual Arts in Manhattan. Seine erste SF-Veröffentlichung war die Erzählung »TeleAbsence« (Juli 1995 in ANALOG), die auch gleich für den Hugo nominiert und von den Lesern des Magazins ANALOG zur besten Kurzgeschichte des Jahres gewählt wurde. Bisher veröffentlichte er keine Romane, jedoch über vierzig zum Teil sehr erfolgreiche Erzählungen. So war er neunmal für den Hugo, zweimal für den Nebula und mehrfach für weitere Preise nominiert. Sein Erzählungsband I Remember the Future: The Award-Nominated Stories of Michael A. Burstein (2008 bei Apex) enthält seine fünfzehn wichtigsten Geschichten.

Weitere Nominierungen:

Sharon Shinn
Richard Garfinkle
Raphael Carter
Katya Reimann

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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