John Sinclair: Alles über den Geisterjäger John Sinclair

Dark, Jason: John Sinclair - Der Geisterjäger und seine Freunde. Bastei Lübbe 1996. Illustrator: Vicente B. Ballestar

BUCH

Die John-Sinclair-Story (2/2): Alles, was du über den Geisterjäger wissen musst


Sascha Vennemann und Florian Hilleberg
24.01.2019

Nachdem es im ersten Teil unseres großen John-Sinclair-Überblicks um Waffen, Verbündete und Erzfeinde des Geisterjägers ging, wagen wir jetzt einen Blick hinter die Kulissen: Welche Autoren haben die Serie geprägt, welche Bände gehören zu den Must-reads?

Die Figur John Sinclair: Wer hat’s erfunden?

So der Untertitel, der auf jedem der mittlerweile über 2100 Romanen der Erstauflage steht, und auch auf jeder Ausgabe, der zweiten, dritten und vierten Auflage. Diente dieser Name anfangs noch als Sammelpseudonym, unter dem auch Autoren wie Friedrich Tenkrat (A. F. Morland), Richard Wunderer, Martin Eisele und Walter Appel Romane zur Serie besteuerten, so schrieb ab Band 184 nur noch ein Einziger unter diesem Alias: der Erfinder der Figur John Sinclair: Helmut Rellergerd.

Der gelernte Chemotechniker ist ein Kind des Ruhrpotts. Geboren am 25. Januar 1945 in Dahle im Saarland, wuchs er später in Dortmund auf. Seine ersten Romane veröffentlichte er während seiner Zeit bei der Bundeswehr. Es handelte sich um Krimis für die Serie „Cliff Corner“. Es folgten Veröffentlichungen bei „Jerry Cotton“, „Kommissar X“, „John Cameron“ und „Lassiter“. Auch zu den Serien „Professor Zamorra“, „Damona King“ und den „Hexenhammer“ steuerte er einzelne Romane bei. Später kamen noch andere Romane hinzu, so wie die Kinderbuchserie „Das Schloss-Trio“, die Mystery-Serie „Psycho-Cop Don Harris“ und „Die Hexerin“. Die verfasste er nebenbei, während er für Sinclair monatlich vier Heftromane und ein Taschenbuch schrieb. Dies tat er über 25 Jahre lang auf einer alten mechanischen Olympia-Schreibmaschine. Bis im Jahr 2007 die Taschenbuchserie mit Band 312 „Ein Engel aus der Hölle“ eingestellt wurde. Die Hefte aber schrieb er unermüdlich weiter. Bis am 30. Dezember 2013 nach 31 Jahren erstmals wieder ein Roman von einem Co-Autoren erschien. Aufgrund fortgeschrittenen Alters und Drängen seiner Frau beschloss Jason Dark schweren Herzens, fortan kürzer treten zu wollen. Und so unterstützt ihn mittlerweile ein Team von knapp einem Dutzend Co-Autoren, zu denen Stefan Albertsen, Alfred Bekker, Michael Breuer, Logan Dee (Uwe Voehl), Marc Freund, Oliver Fröhlich, Ian Rolf Hill (Florian Hilleberg), Rafael Marques, Timothy Stahl, Daniel Stulgies und Oliver Müller gehören.

Das "John Sinclair"-Universum - Vom Heft-Helden zum Franchise

Eine überaus erfolgreiche Heftroman-Serie, beliebte Hörspiele in verschiedenen Editionen, Taschenbücher ... Es war nur eine Frage der Zeit, bis man im Hause Bastei Lübbe erkannte, dass sich aus dem Geisterjäger ein multimediales Franchise formen ließ. Die Resultate der Lizenzvergaben waren dann allerdings nicht immer ganz im Sinne des Erfinders. Was es sonst noch Schönes und Schauriges zum Geisterjäger gibt, haben wir hier in einer umfassenden, wenngleich wahrscheinlich unvollständigen und subjektiven Auswahl zusammengetragen.

Das "John Sinclair"-Artbook

Unter dem Titel "Der Geisterjäger und seine Freunde" erschien im Oktober 1996 ein Paperback-Artbook im Comic-Album-Stil, in dem nicht nur die Charaktere der Serie in kleinen Porträts und Artikeln vorgestellt wurden, sondern auch 30 Titelbilder des beliebten Sinclair-Cover-Malers Vicente B. Ballestar (1929 - 2004) versammelt waren. Der Künstler hat das Gesicht der Serie bis heute geprägt. Viele Fans sehen seine Figureninterpretationen vor Augen, wenn sie die Serie lesen oder hören. Eine Neuauflage des vergriffenen Bandes gab es als weitgehend inhaltgleiches Bonusheft zum Band 2000 der Erstauflage.

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Spin-offs und Reboot

Das Prinzip ist bekannt – man nimmt eine Idee oder Figur aus der laufenden Serie und verpasst ihr eine eigene. So geschehen im Zuge des Jubiläums zu Band 2000. Die Figur Johnny Conolly verschlug es auf der Suche nach dem Mörder seiner Mutter durch einen Dimensionsspalt in eine andere Realität, wo er sich fortan für 42 Bände in der 14-tätig erscheinenden Heftromanserie "Dark Land" bizarren Abenteuern stellen musste. Die Serie wurde von einem aus den neuen "Sinclair"-Autoren bestehenden Team verfasst, erreichte allerdings nicht ausreichend Leser für eine Fortführung.

Von 2016 bis 2017 erschien mit "Sinclair Academy - Die neuen Geisterjäger" ein 13 Bände umfassendes Ebook-Spin-off, das sich vor allem an jugendliche Leser wandte. Darin wurden die Abenteuer von vier angehenden Geisterjägern geschildert, die sich nach ersten Erfahrungen mit dem Übersinnlichen dem Kampf gegen die dunklen Mächte verschreiben wollen. Die Geschichten erschienen auch als Hörbücher auf CD und als Download.

Der neuste Ableger "Johnny Sinclair" ist eine im März 2017 gestartete eigenständige Kinder- und Jugendbuchserie, die sich lose an der Heftvorlage orientiert. Bis auf den Namen hat die Hauptfigur Johnny Sinclair nicht viel mit seinem Vorbild gemeinsam. Der Junge, der auf einem schottischen Schloss wohnt, muss sich zusammen mit seinen Freunden mit den Geistern in dem Gemäuer und anderen Gefahren herumschlagen. Hilfe bekommt er dabei von einem sprechenden Schädel, den er im Moor gefunden hat. Bislang gibt es drei Romane, die alle von der Autorin Sabine Städing verfasst wurden. Die Bücher erscheinen als Hardcover in dem zu Bastei Lübbe gehörenden Baumhaus-Verlag.

Erwähnenswert ist außerdem das englischsprachige Ebook-Reboot "John Sinclair - Demon Hunter", das 2015 und 2016 auf insgesamt 12 Episoden kam. Darin ist John Sinclair ein Afghanistan-Veteran und erlebt eine Neuinterpretation seiner ersten "Gespenster-Krimi"-Abenteuer. Zu dieser Serie sind auch englische Hörbücher als Download erschienen.

Neuauflagen und neue Taschenbücher

Die frühen Romane von John Sinclair eignen sich hervorragend, um den aktuellen Retro-Trend bei Gruselheften zu bedienen. Aus diesem Grund legt der Bastei-Lübbe-Verlag auch in diesem Format die allerersten Romane, die noch im "Gespenster-Krimi" erschienen, aktuell in den 14-tägig erhältlichen "John Sinclair Classics" wieder auf. In der seit 2015 laufenden "Sonderedition" werden zudem die frühen Taschenbücher, ebenfalls im zweiwöchentlichen Rhythmus, als 80-seitige Romanhefte wiederveröffentlicht.

Ebenfalls zum Serienjubiläum mit Band 2000 belebte der Bastei Lübbe-Verlag seine "Sinclair"-Taschenbücher neu. Waren zuvor 312 Romane in monatlichen, dünnen Büchern oder als zusätzliche thematische Sammelbände erschienen, holte man nun mit Mark "Dr. Made" Benecke und Wolfgang Hohlbein zwei namhafte Gastautoren mit ins Boot, um neue und umfangreichere Geisterjäger-Abenteuer zu schreiben. Zusammen mit Florian Hilleberg schrieb Benecke den Roman "Brandmal", Hohlbein verknüpfte in seinem Zweiteiler "Oculus" seine eigene "Hexer"-Serie mit dem "Sinclair"-Kosmos. 2018 folgte der erste Taschenbuchroman von Jason Dark nach der Einstellung der Taschenbuchserie mit dem Titel "Engel?".

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Video- und Pen & Paper-Rollenspiele

1998 kam das PC-Spiel "John Sinclair - Evil Attacks" auf den Markt. Es bot zwar eine gewisse Atmosphäre und eine ansprechende Story, leider lief der verquere Mix aus 3D-Adventure, Minispiel-Parade und Shooter nur auf wenigen Rechnern fehlerfrei und erntete entsprechend schlechte Kritiken. Auch ein 2004 erschienenes Spiel für Handys war als 3D-Shooter angelegt, erwies sich aber als ebenso großer Rohrkrepierer wie "Evil Attacks". Besser lief es für das 2009 erschienene Pen & Paper-Rollenspiel: Das Regelwerk und die erschienenen Abenteuer werden von Fans der Serie durchaus geschätzt, wenn das Rollenspiel insgesamt auch keinen großen Bekanntheitsgrad erlangte und im Folgejahr nur zwei weitere Abenteuerspielbücher folgten.

TV-Filme und –Serie

Kommen wir zum dunkelsten Kapitel des Franchise, und das sind die bisherigen Versuche, den Geisterjäger für das Fernsehen zu adaptieren. Nachdem RTL sich 1997 mit dem TV-Film "Die Dämonenhochzeit" nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte, dachte man, es würde bei diesem einzigen Versuch bleiben. Hölzerne Schauspieler, selbst für TV-Produktionen miese Effekte und unfreiwillige Komik sind alles, was davon im Gedächtnis blieb. Trotzdem traute sich der Kölner Privatsender 1999 mit komplett ausgetauschtem Schauspielerensemble eine weitere neunteilige Serie zu produzieren, die man mit viel Augenzwinkern gerade noch als amüsanten Trash bezeichnen kann. Selbst "Sinclair"-Erfinder Jason Dark findet diese Produktionen unglücklich – wenn er nicht sogar stärkere Ausdrücke dafür findet. Das vergessen wir also mal ganz schnell wieder ...

Conventions

Die 1. "John Sinclair"-Convention fand mit rund 1000 Gästen am 5. November 2016 in Köln statt. Anlass war unter anderem das Erscheinen des 2000. Bandes der Heftroman-Erstauflage. Das Programm bestand aus verschiedenen Panels, bei denen die Hörspiel-Macher und -sprecher, die Autoren und Verlagsvertreter über die Hintergründe und Pläne für die Serie sprachen. Highlight war natürlich der Auftritt von Helmut Rellergerd alias Jason Dark. Aufgrund des Erfolgs entschied man sich seitens des Bastei Verlags, die Convention alle zwei Jahre zu wiederholen. Im September 2018 fanden sich dann auch fast doppelt so viele Gäste wie bei der ersten Veranstaltung auf der 2. "John Sinclair"-Convention ein und feierten nicht nur das 40-jährige Jubiläum der eigenständigen Serie sondern auch das Erscheinen eines neuen Sinclair-Taschenbuchs aus der Feder von Jason Dark. Die nächste Convention soll 2020 stattfinden.

John Sinclair 2.0? - "Dead Zone" als spannendes Reboot-Experiment

Am 23. Januar 2019 erscheint bei Fischer TOR der erste Roman eines aufregenden Sinclair-Reboots aus der Feder von Dennis Erhardt. In "Dead Zone" erzählt der Autor, der sich als aktueller Skriptautor und Regisseur der Sinclair-Hörspiele bestens mit dem Geisterjäger auskennt, die Geschichte um John Sinclair aus einem ganz anderen, neuen Blickwinkel. Die Grundidee dazu war, sich zu überlegen, wie es dem Geisterjäger ergangen wäre, würde er heute als Detective Inspector ganz normaler Polizeiarbeit nachgehen. Auch andere Figuren des Franchise werden neu interpretiert. Aus Suko wird beispielsweise Gan Zuko - und der muss gleich mit dem Tod seines Partners Sinclair klarkommen und sich mit seiner neuen Kollegin Shāo Sadako arrangieren. Kenner des Originals bemerken natürlich gleich die Parallelen zu Figuren der Mutterserie. Erste Details zu "Dead Zone" verrieten Dennis Erhardt und Sebastian Breidbach im Rahmen ihres Panels auf der 2. John Sinclair-Convention im September 2018.

"Dead Zone" versteht sich als moderner und düsterer Thriller, der sich weitgehend vom Vorbild lösen möchte. Zum Tragen kommt dabei, dass sich zu Beginn des Reboots noch gar keine übersinnlichen Elemente in der Handlung befinden, sondern die klassische Polizeiarbeit im heutigen London im Vordergrund steht. Als Vorbilder nennen die Macher dabei aktuelle TV-Serien wie "True Detective" oder "Sherlock". Erst nach und nach werden die Mystery-Elemente in den Plot eingeführt, ganz, wie man es von einer modernen und weniger plakativen Entwicklung einer Serie erwarten würde. Dennoch sollen genug Anhaltspunkte für Gemeinsamkeiten mit der Vorlage geboten werden, wobei man diese in einen völlig anderen Kontext setzt. Man stelle sich nur einmal eine Glenda vor, die überhaupt nicht Kaffee kochen kann! Das ist wirklich gruselig ...

Seit mehreren Jahren arbeiten Dennis Ehrhardt und Soundtechniker Sebastian Breidbach schon an der Idee, die Welt von John Sinclair noch einmal neu zu starten und zu schauen, was dabei herauskommt. "Dead Zone" war dabei zunächst nur als sechsteilige Hörspiel-Serie angedacht, entwickelte sich aber bald zu einem größeren Projekt, das eben auch eine Romanumsetzung der Ideen vorsah. Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Romans, der die 1. Hörspielstaffel mit drei Folgen begleitet, wird auch die erste Episode der akustischen Umsetzung veröffentlicht. Ein zweiter Roman und eine weitere dreiteilige Hörspiel-Staffel sind bereits fest geplant. Ob und wie die Reise danach weitergeht, kann man jetzt noch nicht absehen.

Fest steht: John Sinclair hat auch 45 Jahre nach dem ersten Erscheinen eines Romans mit dem gleichnamigen Geisterjäger nichts von seiner Faszination verloren. Ganze Generationen von Horror- und Mystery-Lesern sind mit ihm groß geworden. Die Hörspiele begeistern tausende Fans immer wieder aufs Neue, und mit den aktuellen Erweiterungen, Spin-offs und Neuinterpretationen ist der Weg des Sohn des Lichts noch lange nicht zu Ende - und bietet vom Retro-Grusel bis zum modernen Thriller für jeden Geschmack etwas. Was gäbe es für ein besseres Argument dafür, mal einen Blick zu riskieren?

Über die Autoren

Sinclair-Autor: Florian Hilleberg

Florian Hilleberg wurde 1980 in Uelzen geboren. Zum Studium der Forstwirtschaft zog es ihn nach Göttingen, wo er auch heute noch lebt. Nur Förster ist er nie geworden. Stattdessen hat er nach dem Studium eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht, die ihn in die Psychiatrie gebracht hat. Dort arbeitete er insgesamt fünfzehn Jahre, bevor man ihm zutraute auf eigenen Beinen zu stehen.  Nebenbei hat er seine Liebe zum Schreiben wiederentdeckt und ist inzwischen einer der neuen Autoren für die Heftromanserien JOHN SINCLAIR und MADDRAX, für die unter dem Pseudonym Ian Rolf Hill tätig ist. 

Autor: Sascha Vennemann

Sascha Vennemann, Jahrgang 1981, liest seit fast 20 Jahren alle Heftromane, die er in die Finger bekommen kann. 2008 erschien in der Bastei-Science Fiction-Serie STERNENFAUST sein erster eigener Roman. Seit 2010 gehört er zu den Stammautoren des postapokalyptischen  Genre-Mix MADDRAX - DIE DUNKLE ZUKUFT DER ERDE aus dem selben Verlag. Darüber hinaus ist er seit der ersten Ausgabe als Redakteur für das GEEK!-Magazin (Panini) tätig, bei dem er sich um die Rubriken Hörspiele, Sachbücher und - natürlich - Heftromane kümmert. Auch im VIRUS-Magazine (raptor publishing) erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm.

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