Die Hugo Awards 1992: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1992: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1992?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1992 während der MagiCon in Orlando statt.

Toastmaster: Spider Robinson

Novel

Lois McMaster Bujold: Barrayar

(4 Teile, Juli bis Oktober in ANALOG; Buchausgabe 1991 bei Baen; dt. Barrayar, H 5061)

Die Hugo Awards 1992: Das waren die Gewinner

Barrayar ist zwar Bujolds siebenter Roman, füllt jedoch die Handlungslücke zwischen ihren ersten beiden Romanen Shards of Honor (1986; dt. Scherben der Ehre) und The Warrior’s Apprentice (1986; dt. Der Kadett), die beide zum BARRAYAR-Zyklus gehören. Es ist angeraten, zumindest Shards of Honor vorher gelesen zu haben.

Die Handlung beginnt, nachdem Cordelia Naismith, Kapitänin eines Schiffs der Beta-Kolonie, den ehemaligen Feind und barrayaranischen Vor-Lord Aral Vorkosigan kennen und lieben gelernt hat. Beide haben geheiratet und leben gemeinsam auf Barrayar, wobei Cordelia ein Kind erwartet. Doch die politische Situation ist mehr als angespannt. Als der alte Kaiser Ezar Vorbarra stirbt, wird der erst fünfjährige Gregor sein Nachfolger, und Aral Vorkosigan wird zu seinem Vormund und Regenten ernannt. Bald darauf ereignen sich die ersten Attentate, hinter denen man die Cetagandaner vermutet, die das politische Chaos auf Barrayar ausnutzen wollen, um sich Vorteile bei den galaktischen Reiserouten zu verschaffen. Während die ersten Attentate noch glimpflich abgehen, wird ein Anschlag mit dem Giftgas Soltoxin beinahe zu Cordelias und Arals Verhängnis. Sie bekommen rechtzeitig ein Gegenmittel verabreicht, das jedoch ein starkes Teratogen enthält, das wiederum schädlich für die Knochenentwicklung des heranwachsenden Fötus ist. Cordelia entscheidet sich dafür, den Fötus entnehmen zu lassen, um ihr Kind zu retten. Zwar steht ein Uterusreplikator zur Verfügung, um das ungeborene Kind aufzunehmen, doch die kaiserlichen Ärzte weigern sich, den Eingriff durchzuführen, weil sich diese Technologie auf Barrayar noch in einem Experimentalstadium befindet. Als schließlich ein wagemutiger Arzt gefunden wird, muss alles sehr schnell gehen. Sogar Arals Vater Piotr Vorkosigan ist gegen den Eingriff, weil schon zu diesem Zeitpunkt feststeht, dass das Kind deformiert sein wird und er keinen »Mutanten« in seiner Familie dulden will. Behinderte oder deformierte Kinder fallen auf Barrayar für gewöhnlich der Euthanasie zum Opfer, selbst verstümmelte Soldaten bringen sich oft selbst um, damit sie nicht die Verachtung ihrer Kameraden zu spüren bekommen.

Graf Vidal Vordarian nutzt das Chaos nach den Anschlägen zu einem Putsch. Die Vorkosigans müssen fliehen und sich vor den Streitkräften Vordarians in den Bergen verstecken, können jedoch den kleinen Kaiser Gregor mit sich nehmen. Während Aral und sein Vater Piotr den Widerstand organisieren, macht sich Cordelia mit zwei Begleitern auf in die Hauptstadt, um den Replikator mit ihrem ungeborenen Sohn zu retten. Bei dieser abenteuerlichen Rettungsaktion kommt Kareen, die Mutter des kleinen Kaisers, zu Tode, doch Cordelia ist erfolgreich und kann sogar den aufständischen Grafen Vordarian töten. Die politischen Verhältnisse werden wiederhergestellt, und schließlich kommt auch Arals und Cordelias Sohn Miles zur Welt.

Das zentrale Thema dieses sehr handlungsreichen und spannenden Romans ist die Mutterschaft, und das nicht nur, weil Cordelia im Mittelpunkt der Erzählung steht. Während des Romans werden Miles und Ivan geboren, Kaiser Gregor und weitere Figuren, die in später handelnden Romanen wichtige Rollen spielen, sind Kleinkinder. Während Shards of Honor noch die Vorgeschichte erzählt, nimmt in Barrayar alles seinen Anfang, was in den nachfolgenden Romanen Bedeutung erlangt. Dieser Roman ist für das Verständnis der politischen Verhältnisse, die in allen BARRAYAR-Romanen eine Rolle spielen, besonders wichtig.

Barrayar hat nicht nur den Hugo, sondern auch den Locus Award gewonnen und war für den Nebula Award nominiert.

Weitere Nominierungen:

Emma Bull: Bone Dance

(1991 bei Ace; nicht auf Deutsch)

Anne McCaffrey: All the Weyrs of Pern

(1991 bei Del Rey; dt. Die Weyr von Pern, H 5135)

Joan D. Vinge: The Summer Queen

(1991 bei Warner Questar; dt. Die Sommerkönigin, in 2 Bänden als H 5070/71)

Orson Scott Card: Xenocide

(1991 bei Tor; dt. Xenozid, B 24153)

Michael Swanwick: Stations of the Tide

(2 Teile, Dezember 1990 bis Januar 1991 in ASIMOV’S, 1991 bei William Morrow/SFBC; dt. In Zeiten der Flut, H 5890)

 

Novella

Nancy Kress: »Beggars in Spain«

(April 1991 in ASIMOV’S; dt. »Bettler in Spanien« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Die Menagerie von Babel, H 4920)

Die Gentechnologie ist weit genug fortgeschritten, dass man die Eigenschaften von Neugeborenen vor der Zeugung beeinflussen kann. Die neueste Entdeckung wird jedoch noch geheim gehalten: Man kann die genetische Disposition so beeinflussen, dass die Kinder keinen Schlaf mehr benötigen und sich stattdessen im Wachzustand regenerieren. Das hat zur Folge, dass die sogenannten »Schlaflosen« viel mehr lernen und arbeiten können als die »Schläfer«. Der superreiche Roger Camden hat davon erfahren und erzwingt von den Ärzten, dass seine Tochter auch eine Schlaflose werden soll. Durch einen Zufall entwickeln sich zwei Föten, von denen jedoch nur eines verändert wurde. So werden die zweieiigen Zwillinge Leisha und Alice geboren. Die sehr komplexe Erzählung konzentriert sich hauptsächlich auf das Aufwachsen der beiden Mädchen und ihre unterschiedlichen Lebenswege. Leisha weiß sehr früh, dass sie eine Art Genie ist und wird von ihrem Vater entsprechend gefördert und gefordert. Alice ist eifersüchtig auf ihre Schwester. Gleichzeitig erfährt der Leser aber auch von den gesellschaftlichen Entwicklungen in den nächsten Jahrzehnten, vor allem wie die Schläfer den Schlaflosen mit Argwohn und Hass begegnen. Die Entwicklungen münden darin, dass die Schlaflosen gezwungen sind, sich eine abgeschlossene Enklave zu schaffen, in der sie sich vor der Umwelt schützen können; insbesondere als klar wird, dass auch die Kinder der Schlaflosen schlaflos sein werden. Ein evolutionärer Sprung in der Entwicklung der Menschheit deutet sich an.

Die Erzählung hat übrigens weder mit Bettlern noch mit Spanien etwas zu tun, der Titel bezieht sich auf ein moralisches Gedankenspiel: Einem Bettler gibt man einen Dollar, aber was geschieht, wenn hundert Bettler gleichzeitig vor einem stehen?

Nancy Kress (*1948) hat aus dieser Erzählung eine umfangreiche Trilogie entwickelt: Beggars in Spain (1993 bei bei AvoNova/William Morrow; dt. Bettler in Spanien), Beggars & Choosers (1994 bei Tor; dt. Bettler und Sucher) und Beggars Ride (1996 bei Tor; dt. Bettlers Ritt).

Weitere Nominierungen:

Kristine Kathryn Rusch: »The Gallery of His Dreams«

(September 1991 in ASIMOV’S; dt. »Die Galerie seiner Träume« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1992, H 4865)

Connie Willis: »Jack«

(Oktober 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick: Griffin’s Egg

(Einzelausgabe bei St Martin’s; dt. Eines Greifen Ei, H 5094)

Nancy Kress: »And Wild for to Hold«

(Juli 1991 in ASIMOV’S; dt. »Und zügellos wird« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 41. Folge, H 5018)

 

Novelette

Isaac Asimov: »Gold«

(September 1991 in ANALOG; dt. »Gold« in Asimov: Gold, B 24206)

Die neue Kunstform des Compu-Dramas wurde bisher nur für Klamauk und reine Unterhaltung genutzt, doch der Regisseur Willard plant nun ein Kunstwerk zu erschaffen: die perfekte Aufführung von Shakespeares König Lear. Es soll möglichst originalgetreu und doch mit allen Mitteln der modernen Technik inszeniert werden. Das Werk wird ein Erfolg und der Regisseur weltberühmt.

Ein Jahr später spricht ein junger Romanautor namens Laborian bei Willard vor und bietet ihm einhunderttausend Dollar in Goldstücken an, wenn der Regisseur Laborians Science-Fiction-Roman verfilmt. Willard ist skeptisch und liest das Buch zunächst. Laborian ist eine Art jüngeres Alter Ego von Asimov, denn der Stil des Romans Drei-Einigkeit erinnert sehr an den von Asimov: Es gibt kaum Emotionen, Sex wird nur angedeutet, wo er unerlässlich ist, und der größte Teil des Buches besteht aus Dialogen. Obendrein wird keine der handelnden Figuren in irgendeiner Weise beschrieben. Willard hat somit die größtmögliche künstlerische Freiheit in seinem Medium und schon bald macht er sich an die Arbeit.

Der größte Teil der Geschichte beschreibt die Umsetzung des schwierigen Stoffes. Am Ende jedoch wird der Film ein Meisterwerk. Denn es ist offenbar schwieriger, den SF-Roman eines jungen Autors zu verfilmen als ein Werk von Shakespeare, der bereits so gut wie alle Details vorgegeben hat. Laborian hat sein Ziel erreicht und ist nicht nur zu Lebzeiten ein erfolgreicher Autor, sondern wird durch Willards Werk Unsterblichkeit erlangen.

Vielleicht war das auch ein heimlicher Wunsch Asimovs. Obwohl zu seinen Lebzeiten schon mehrfach eine große Hollywood-Produktion eines seiner Romane im Gespräch war, kam es nie dazu. Erst nach seinem Tod wurden einige seiner Werke in größerem Maßstab verfilmt – wenn auch nicht so erfolgreich, wie in dieser Geschichte beschrieben.

Neben der eigentlichen Handlung gelingt es Asimov übrigens in der Geschichte auch, die Unterschiede zwischen den Medien Buch und Film sehr gut herauszuarbeiten, vor allem durch die Argumentationen und die Vorgehensweise des Regisseurs Willard.

»Gold« war die letzte wirklich große Erzählung Asimovs, der am 6. April 1992 verstarb.

Weitere Nominierungen:

Pat Cadigan: »Dispatches from the Revolution«

(Juli 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Connie Willis: »Miracle«

(Dezember 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Howard Waldrop: »Fin de Cycle«

(Dezember 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Ted Chiang: »Understand«

(August 1991 in ASIMOV’S; dt. »Verstehen« in Chiang: Das wahre Wesen der Dinge, Golkonda)

 

Short Story

Geoffrey A. Landis: »A Walk in the Sun«

(Oktober 1991 in ASIMOV’S; dt. »Mit der Sonne um die Wette« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Die letzten Bastionen, H 5880)

Das Raumschiff Moonshadow sollte eigentlich nur den Mond umrunden, aufgrund einer Fehlfunktion müssen die Astronauten jedoch notlanden. Zwei der drei Besatzungsmitglieder kommen bei der Notlandung, die man eher Absturz nennen sollte, ums Leben – lediglich Patricia »Trish« Mulligan überlebt nahezu unversehrt. Das Schiff ist zerstört, aber Trish hat in ihrem Raumanzug ausreichend Nahrungskonzentrate und Sauerstoff. Sie kontaktiert mit dem unhandlichen Funkgerät die Erde und erfährt, dass eine Rettungsmission frühestens in dreißig Tagen auf dem Mond ankommen kann. Doch um genug Sauerstoff für diesen langen Zeitraum zu recyclen, benötigen die Solarzellen ihres Raumanzugs viel Licht. Die lunare Tag-Nacht-Grenze nähert sich, sodass Trish das Funkgerät zurücklassen muss und sich zu Fuß auf die Reise begibt. Um zu überleben, muss sie ständig in Bewegung und im Sonnenlicht bleiben. Sie leidet Schmerzen und beginnt nach einiger Zeit zu halluzinieren, dass ihre tote Schwester sie begleitet. Als die Rettungsmission endlich eintrifft, hat Trish zu Fuß den gesamten Mond umrundet.

Ob nun die rund 11.000 Kilometer Mondumfang bei einem Sechstel Erdanziehungskraft für einen sportlichen Menschen innerhalb von dreißig Tagen zu bewältigen sind und ob in einem Raumanzug tatsächlich konzentrierte Lebensmittel für einen Monat zu finden sein können, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Die Grundidee der Geschichte ist jedoch faszinierend.

Geoffrey A. Landis (*1955) hat bis heute knapp einhundert Erzählungen verfasst, jedoch nur einen einzigen Roman. Da er selbst Wissenschaftler ist und für die NASA arbeitet, haben seine Erzählungen meist wissenschaftliche Themen oder beschäftigen sich mit astronomischen Gegebenheiten. Er verfasste auch Wissenschaftsartikel, die in ANALOG, ASIMOV’S und SCIENCE FICTION AGE zu finden sind.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick: »One Perfect Morning, With Jackals«

(März 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Connie Willis: »In the Late Cretaceous«

(Dezember 1991 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »Winter Solstice«

(Oktober/November 1991 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Terry Bisson: »Press Ann«

(August 1991 in ASIMOV’S; dt. »Drück auf Ann« in Bisson: Die Bären entdecken das Feuer, H 5994)

John Kessel: »Buffalo«

(Januar 1991 in F&SF; dt. »Buffalo« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: Ebenbilder, H 5004)

Martha Soukup: »Dog’s Life«

(März 1991 in AMAZING; nicht auf Deutsch)

 

Non-Fiction Book

Charles Addams: The World of Chas Addams

(1991 bei Knopf; dt. in zwei Bänden: Die Welt des Chas Addams, Band 1: Häusliche Höllen, Band 2: Störfall im Paradies, Schirmer-Mosel)

Der US-Amerikaner Charles Addams (1912–1988), kurz Chas genannt, war ab 1938 regelmäßiger Cartoonist für das Magazin THE NEW YORKER, für das er die inzwischen aus vielen Medien bekannte »Addams Family« erfand. In den fünfzig Jahren zwischen 1938 und seinem Tod 1988 zeichnete er rund 150 Cartoons mit der beliebten Horror-Familie. John Russell, Kunstkritiker der NEW YORK TIMES, nannte ihn »ein Wahrzeichen Amerikas«. Der Klappentext der deutschen Ausgabe bringt die Inhalte der Cartoons auf den Punkt: »Menschliche Monster und monströse Menschen bevölkern die Welt des Chas Addams; heimtückische Mütter beispielsweise, minderjährige Ausgeburten an Boshaftigkeit, zwielichtige Gestalten, die Gutes tun, und biedere Ehemänner, die ihrer Gattin den Wagenschlag am Rande des Abgrunds öffnen.

Mit seinem Zeichenstift dachte dieser Meister des schwarzen Humors jede menschliche Schwäche und Schlechtigkeit gnadenlos zu Ende. Er ließ Albträume wahr werden und fromme Wünsche in Erfüllung gehen, nahm das Unsägliche beim Wort und verschaffte allen stummen Flüchen dieser und der anderen Welt Gehör.« Das sehr gelungene Vorwort von Wilfred Sheed bringt dem Leser den Menschen Addams näher, erzählt von seinen Vorlieben, Eigenheiten und Lieblingsschriftstellern.

Die Werkschau in diesem Buch mit den besten Arbeiten des Meisters beginnt bei sehr frühen Cartoons von 1933 und geht bis zu Addams Tod 1988. Und man kann öfter laut lachen oder schmunzeln, als man beim ersten, schnellen Durchblättern vermutet.

Übrigens: Die bekannten Mitglieder der Addams Family (Gomez, Morticia, Pugsley, Wednesday, Onkel Fester und Granny) hatten in den Cartoons noch gar keine Namen. Diese bekamen sie erst später in der Fernsehserie, die ab 1964 über die Bildschirme flimmerte. Der erste Spielfilm um die Addams Family kam 1991 in die Kinos und wurde für den Hugo nominiert.

Weitere Nominierungen:

Everett Bleiler: Science Fiction: The Early Years

(1991 bei Kent State University Press; nicht auf Deutsch)

Jack L. Chalker & Mark Owings: The Science Fantasy Publishers: A Critical and Bibliographic History

(1991 bei Mirage Press; nicht auf Deutsch)

Jeanne Gomoll, Diane Martin: The Bakery Men Don’t See Cookbook

(1991 bei SF3; nicht auf Deutsch)

Stephen Jones: Clive Barker’s Shadows in Eden

(1991 bei Underwood/Miller; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

Terminator 2: Judgement Day

(Carolco/Lightstorm/Pacific Western; Drehbuch James Cameron & William Wisher jr.; Regie James Cameron; dt. Terminator 2 – Tag der Abrechnung)

James Cameron hatte die Science-Fiction-Welt bereits mit den Filmen Terminator (1984) und Aliens – Die Rückkehr (1986) beeindruckt. Während er bei Terminator mit einem vergleichsweise niedrigen Budget von 6,4 Millionen Dollar auskommen musste, so war die Fortsetzung weltweit der erste Film, der bei den Produktionskosten die 100-Millionen-Dollar-Grenze durchbrach.

Die Handlung des Films folgt einem ähnlichen Muster wie der erste Teil. Der zukünftige Rebellenführer John Connor soll getötet werden. Dazu wird ein Cyborg aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Doch diesmal ist der T-800-Terminator (verkörpert von Arnold Schwarzenegger) zur Stelle, um John vor dem gefährlichen T-1000 zu schützen. Johns Mutter Sarah Connor sitzt in einer Irrenanstalt, weil ihr niemand die Geschichten über mordende Roboter aus der Zukunft glaubt, doch John wird klar, dass ihre irrwitzige Geschichte den Tatsachen entsprechen muss. Sarah wird befreit, und die drei fliehen vor dem mörderischen T-1000, der sogar in der Lage ist, seine Gestalt zu ändern. Was folgt, ist eines der bemerkenswertesten Action-Spektakel der 90er Jahre, das für seine Special Effects oscarprämiert wurde.

Der Film war so erfolgreich, dass er weltweit mehr als das fünffache seiner exorbitanten Produktionskosten einspielte.

Weitere Nominierungen:

Beauty and the Beast

(Silver Screen/Disney; Drehbuch Linda Woolverton; Regie Gary Trousdale & Kirk Wise; dt. Die Schöne und das Biest)

Star Trek VI: The Undiscovered Country

(Paramount; Drehbuch Nicholas Meyer & Denny Martin Flinn; Story Leonard Nimoy & Lawrence Konner & Mark Rosenthal; Regie Nicholas Meyer; dt. Star Trek VI: Das unentdeckte Land)

The Addams Family

(Orion Pictures/Paramount; Drehbuch Caroline Thompson & Larry Wilson; Regie Barry Sonnenfeld; basiert auf den Figuren von Charles Addams; dt. Die Addams Family)

The Rocketeer

(Gordon/Silver Screen/Touchstone/Disney; Drehbuch Danny Bilson & Paul De Meo; Story Danny Bilson & Paul De Meo & William Dear; Regie Joe Johnston; basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Dave Stevens; dt. Rocketeer)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1992: Das waren die Gewinner

Dozois hatte seinen fünften Hugo in Folge weiterhin der Herausgeberschaft von ASIMOV’S zu verdanken. 1991 brachte er zum Beispiel Nancy Kress’ »Beggars in Spain« (dt. »Bettler in Spanien«), Kristine Kathryn Ruschs »The Gallery of His Dreams« (dt. »Die Galerie seiner Träume«), Connie Willis’ Erzählungen »Jack«, »In the Late Cretaceous« und »Miracle«, Ted Chiangs »Understand« (dt. »Verstehen«), Geoffrey A. Landis’ »A Walk in the Sun« (dt. »Mit der Sonne um die Wette«) und Terry Bissons »Press Ann« (dt. »Drück auf Ann«). Außerdem stellte Dozois die Anthologien Little People! und Magicats II (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann), The Year’s Best Science Fiction: Eighth Annual Collection (St. Martin’s Press) und The Legend Book of Science Fiction (Legend) zusammen. Er startete eine neue Anthologienreihe mit Erzählungen aus ASIMOV’S: Isaac Asimov’s Aliens, Isaac Asimov’s Mars und Isaac Asimov’s Robots (alle drei bei Ace Books, letzterer gemeinsam mit Sheila Williams). Gemeinsam mit Ian Randal Strock, Tina Lee, Stanley Schmidt und Sheila Williams schrieb er das Sachbuch Writing Science Fiction and Fantasy (St. Martin’s Press).

Weitere Nominierungen:

Kristine Kathryn Rusch
Ellen Datlow
Stanley Schmidt
Edward L. Ferman

 

Professional Artist

Michael Whelan

Vermutlich benötigte Whelan inzwischen einen gesonderten Schrank für seine vielen Trophäen. Die Anzahl der von ihm geschaffenen Titelbilder nahm jedoch langsam ab, denn 1991 zierten nur sieben Bücher die Bilder des Künstlers, so zum Beispiel The Singers of Time von Frederik Pohl und Jack Williamson, die deutsche Ausgabe Das Buch Corum von Michael Moorcock und The Summer Queen von Joan D. Vinge.

Weitere Nominierungen:

Don Maitz
Bob Eggleton
David Cherry
Tom Canty

 

Original Artwork

Cover of The Summer Queen (written by Joan D. Vinge) by Michael Whelan

Joan D. Vinges Roman The Snow Queen (dt. Die Schneekönigin) war 1980 erschienen und hatte den Hugo gewonnen. Als schließlich 1991 die Fortsetzung The Summer Queen (dt. Die Sommerkönigin) erschien, schuf Michael Whelan für die Ausgaben beider Bände neue Titelbilder, die auch auf den deutschen Ausgaben bei Heyne aus dem Jahr 1993 zu sehen sind.

Weitere Nominierungen:

Cover of Asimov’s, January 1991 by Bob Eggleton (illustrating »Stations of the Tide«)
Cover of White Mists of Power by Tom Canty (Roc Fantasy)
Cover of Heavy Time by Don Maitz (Warner/Questar)
Cover of Lunar Descent by Bob Eggleton (Ace)

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

1991 erschienen wie in den Jahren zuvor zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 72 bis 82 Seiten. Interviewt wurden Jane Yolen, Samuel R. Delany, Terry Pratchett & Neil Gaiman, Charles de Lint, Ben Bova, Gordon R. Dickson, Dan Simmons, William Gibson & Bruce Sterling, Gene Wolfe, Andre Norton, Sheri Tepper, Brian Stableford, Alan Dean Foster, Elisabeth Vonarburg, Roger Zelazny, Tom Maddox, S. P. Somtow und andere. Über internationale SF berichtete man aus England, China, Bulgarien, Albanien, Jugoslawien, Australien und der Sowjetunion. Fritz Leiber veröffentlichte weiterhin seine Kolumne, und es gab einige Nachrufe, insbesondere auf Arkadi Strugatzki und Gene Roddenberry. Die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Edward Bryant, Tom Whitmore, Scott Winnett, Carolyn Cushman und Dan Chow geschrieben, und wieder gab es Briefe von prominenten Autoren wie Arthur C. Clarke, William Gibson, Gregory Benford, Brian Stableford, Robert Silverberg, Anne McCaffrey und Orson Scott Card.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
INTERZONE (David Pringle)
PULPHOUSE (Dean Wesley Smith)
NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (David G. Hartwell, Kathryn Kramer, Gordon van Gelder)

 

Fanzine

MIMOSA (Dick & Nicki Lynch)

Das US-amerikanische Fanzine MIMOSA erschien von 1982 bis 2003 und hatte jeweils einen Umfang zwischen 34 und 108 Seiten. Nach der ersten Nummer gab es eine Pause von fünf Jahren, danach erschienen für gewöhnlich zwei Ausgaben pro Jahr. Inhaltlich ging es um die Geschichte des Fandoms. So gab es Artikelserien von Sharon Farber mit dem Titel »Tales of Adventure and Medical Life« sowie eine Artikelserie von David Thayer (der unter seinem Pseudonym Teddy Harvia als ›Fan Artist‹ ebenfalls Hugo-Preispräger ist) über SF-Fans in der Army während des Vietnam-Krieges. Aber auch ältere Fans, die das Fandom mitbegründet oder seine Anfangstage erlebt hatten, kamen zu Wort, wie zum Beispiel Forrest J. Ackerman und Dave Kyle. Ron Bennett schrieb über britische Conventions in den 50er Jahren, Mike Resnick berichtete von vergangenen Worldcons und Walt Willis über das irische Fandom während der 50er Jahre. Zahlreiche bekannte Fans und Autoren schrieben für MIMOSA, so unter anderem Mike Glicksohn, Bob Shaw, Vincent Clarke, Terry Jeeves, Wilson Tucker, Jack Chalker, Roger Sims, John Berry, Robert »Buck« Coulson, Bob Madle, Harry Warner jr., David Langford und Gregory Benford.

Weitere Nominierungen:

LAN’S LANTERN (George »Lan« Laskowski)
FILE 770 (Mike Glyer)
FOSFAX (Janice Moore & Timothy Lane)
TRAPDOOR (Robert Lichtman)

 

Fan Writer

David Langford

Langfords Fanzine ANSIBLE erschien nach der Unterbrechung ab 1991 wieder, sodass er die Fans nicht nur in diversen Fanzine und Magazinen wie SF COMMENTARY, THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION und INTERZONE mit Informationen und fundierten Kritiken versorgte, sondern auch wieder mit seinem eigenen Medium ANSIBLE, das von vielen schmerzlich vermisst worden war.

Weitere Nominierungen:

Harry Warner jr.
Mike Glyer
Avedon Carol
Evelyn Leeper
No Award
Andrew Hooper

 

Fan Artist

Brad W. Foster

Der vierte Hugo für Foster (siehe 1987, 1988 und 1989) basiert nicht nur auf seinen beliebten Zeichnungen in diversen Fanzines, sondern auch auf seinen Arbeiten für Jim Valentinos Comic SHADOWHAWK bei Image Comics. Von 1987 bis 1991 hat Foster auch regelmäßig Illustrationen für AMAZING geliefert.

Weitere Nominierungen:

Teddy Harvia
Peggy Ranson
Stu Shiffman
Diana Harlan Stein

 

Campbell Award

Ted Chiang

Der US-Amerikaner Ted Chiang (*1967) studierte an der Brown University und arbeitet in einem Software-Unternehmen. Sein Debüt war die Erzählung »Tower of Babylon« (November 1990 in OMNI; dt. »Der Turmbau zu Babel« in Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes, Golkonda), mit der er den Nebula Award gewann und für den Hugo nominiert wurde. Zwei weitere Erzählungen erschienen 1991: »Division by Zero« (1991 in Lou Aronica, Amy Stout & Betsy Mitchell [Hrsg.]: Full Spectrum 3; dt. »Geteilt durch Null«) und »Understand« (August 1991 in ASIMOV’S; dt. »Verstehen«). Letztere Geschichte wurde wiederum für den Hugo nominiert. Die bildhafte und doch komplexe Erzählweise seiner Geschichten überzeugte die Wähler, Chiang mit den Campbell Award auszuzeichnen. Dass sie durchaus richtig lagen, zeigt die weitere Entwicklung des Autors. Seit 1992 sind weniger als ein Dutzend weiterer Erzählungen erschienen, für die er insgesamt vier Hugo Awards, drei weitere Nebula Awards, vier Locus Awards, einen Theodore Sturgeon Memorial Award und rund ein Dutzend weiterer Preise erhalten hat. 2002 erschien sein Erzählungsband Stories of Your Life and Others. Chiang gehört zu den wichtigsten SF-Autoren der letzten beiden Jahrzehnte. Sämtliche Erzählungen, die er bis 2013 geschrieben hat, liegen auf Deutsch in den beiden Erzählungsbänden Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes und Das wahre Wesen der Dinge (beide Golkonda) vor.

Weitere Nominierungen:

Laura Resnick
Barbara Delaplace
Michelle Sagara
Greer Gillman

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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