Die Hugo Awards 1990: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1990: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1990?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1990 auf der ConFiction in Den Haag statt.

Toastmaster: Chelsea Quinn Yarbro

 

Novel

Dan Simmons: Hyperion

(1989 bei Doubleday Foundation; dt. Hyperion, H 01/8321, H 06/8005, enthalten in Simmons: Die Hyperion-Gesänge, H 06/8216, H 52978)

Die Hugo Awards 1990: Das waren die Gewinner

Dan Simmons hat mit Hyperion einen modernen Klassiker der Science-Fiction-Literatur geschaffen, der zahlreiche Themen und Grundmuster klassischer Literatur aufgreift. Formal handelt es sich um eine Novellensammlung mit einer Rahmenhandlung, nämlich den Erzählungen von sechs Pilgern. Die Struktur des Buches wird immer wieder mit den Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer aus dem 14. Jahrhundert verglichen, die Parallelen zwischen beiden Werken reichen bis in die Figurenkonstellationen hinein.

Im 28. Jahrhundert hat die Menschheit große Teile der Milchstraße besiedelt. Man nutzt für den interstellaren Transport schnelle Raumschiffe mit einem Hawking-Antrieb sowie sogenannte Farcaster, eine Art Teleportationstore. Sobald ein Schiff auf einem neuen Planeten ein Farcasterportal errichtet hat, ist dieser Planet an das sogenannte Weltennetz angeschlossen, und die weitere Besiedelung kann durch die Portale erfolgen. Die Gemeinschaft der von Menschen besiedelten Planeten wird Hegemonie genannt. Die Erde allerdings gehört nicht mehr zur Hegemonie, denn sie wurde von einem Schwarzen Loch vernichtet. Die neue Regierungswelt der Hegemonie heißt Tau Ceti Center. Die technologische Weiterentwicklung findet vor allem durch einen Verbund zahlreicher Künstlicher Intelligenzen, dem TechnoCore, statt. Die Hegemonie wird von den Ousters angegriffen, eine Art galaktische Barbaren, deren Motivation zunächst nicht erkennbar ist.

Im Zentrum der Handlung steht der Planet Hyperion, auf dem die geheimnisvollen Zeitgräber existieren, die sich rückwärts in der Zeit bewegen und von einem Wesen namens Shrike bewacht werden, das sich frei in Raum und Zeit bewegen kann. Das Shrike besteht hauptsächlich aus rotierenden Klingen und wird auch als »Herr der Schmerzen« bezeichnet. Zitat: »Ein Gesicht teils Stahl, teils Chrom und teils Schädel, Zähne wie die eines mechanischen, mit einer Planierraupe gekreuzten Wolfs, Augen wie Laser, die sich durch Edelsteine voll Blut brannten, die Stirn von einem gekrümmten Dorn geteilt, der dreißig Zentimeter von dem Quecksilberschädel abstand, und ein von ähnlichen Stacheln umkränzter Hals.« Das Shrike erscheint auf Hyperion unvermittelt an unterschiedlichen Orten, um Tod und Leiden zu bringen.

Die Kirche des Shrike hat für eine letzte Pilgerfahrt zu den Zeitgräbern eine Gruppe von sieben Menschen ausgewählt, die sich auf die beschwerliche und lange Reise begeben. Um die Gemeinsamkeit herauszufinden, die ihre Schicksale verbindet, erzählen sie sich während der Reise ihre Lebensgeschichten. Einer der Pilger kommt unterwegs ums Leben, ohne seine Geschichte erzählen zu können, sodass der Leser insgesamt sechs Erzählungen präsentiert bekommt, eine faszinierender als die andere.

Pater Lenar Hoyt berichtet über die Leidensgeschichte des Priesters Paul Duré, der in den von Außerirdischen erbauten Höhlensystemen auf Hyperion auf eine Lebensform getroffen ist, die ihm in gewisser Weise zur Unsterblichkeit verholfen hat. Oberst Fedmahn Kassad erzählt von seiner atemberaubenden militärischen Laufbahn und seiner großen Liebe zu einer Frau, die ihn schon früher einmal nach Hyperion geführt und mit dem Shrike konfrontiert hat. Der Dichter Martin Silenus erklärt, welcher Leidensweg ihn zum bekanntesten Schriftsteller der Hegemonie gemacht und wie er nach seinem Absturz schließlich für den traurigen König Billy das bedeutende »Hyperion Cantos« geschrieben hat. Der Gelehrte Sol Weintraub, der seine Tochter Rachel als Säugling bei sich hat, erzählt, wie Rachel als erwachsene Frau bereits vor vielen Jahren die Zeitgräber erforschte und sich seither ihr Alterungsprozess umkehrte, sodass sie immer jünger wird. Die Detektivin Brawne Lamia berichtet von ihrem Zusammentreffen mit dem Cybrid Johnny, einem geklonten menschlichen Körper, der von einer KI gesteuert wird und der über die Persönlichkeiten und die Erinnerungen des schon vor Jahrhunderten verstorbenen Dichters John Keats verfügt. Der Konsul erzählt von der Liebe seines Großvaters Merin Aspic zu einer jungen Frau namens Siri, wobei die beiden sich nur wenige Male getroffen haben, weil der Großvater als junger Mann viele Weltraumreisen unternommen hat und daher kaum gealtert ist, während Siri, die auf dem Planeten Maui-Covenant zurückblieb, bei jedem Wiedersehen ein Jahrzehnt älter wurde.

Am Ende des Buches erreichen die Pilger ihr Ziel, die Zeitgräber. Und es stellt sich heraus, dass der Konsul ein Doppelagent ist, der nicht nur mit der Regierung der Hegemonie zusammenarbeitet, sondern auch mit den Ousters …

Obwohl Hyperion ein beeindruckendes Werk ist, bildet es im Grunde die Vorgeschichte zu den Ereignissen des nachfolgenden Buchs The Fall of Hyperion (1990 bei Doubleday Foundation; dt. Das Ende von Hyperion, bzw. Der Sturz von Hyperion), weshalb die beiden Romane auch später zusammengefasst in einem Band erschienen sind: Hyperion Cantos (1990 bei GuildAmerica Books/SFBC; dt. Die Hyperion-Gesänge). Einige Jahre später verfasste Simmons zwei Fortsetzungen, die nicht umsonst Jack Vance gewidmet sind, erinnern die Abenteuer der Protagonisten doch an mancher Stelle an die Bücher von Simmons’ Vorbild: Endymion (1996 bei Bantam Spectra; dt. Endymion bzw. Pforten der Zeit) und The Rise of Endymion (1997 bei Bantam Spectra; dt. Endymion – Die Auferstehung).

Der US-Amerikaner Dan Simmons (*1948) hatte bereits durch seinen ersten Roman Song of Kali (dt. Göttin des Todes) auf sich aufmerksam gemacht und auf Anhieb den World Fantasy Award gewonnen. Sein zweiter Roman, die sehr umfangreiche Horrorgeschichte Carrion Comfort (dt. Kraft des Bösen) konnte den Locus Award, den Bram Stoker Award und den British Fantasy Awards erringen. Heute gehört Simmons zu den großen Erzählern des Genres, der regelmäßig mit Preisen bedacht wird.

Weitere Nominierungen:

George Alec Effinger: A Fire in the Sun

(1989 bei Doubleday Foundation; dt. Ein Feuer auf der Sonne, H 4843)

Orson Scott Card: Prentice Alvin

(1989 bei Tor; dt. Der Magische Pflug, B 20141)

Poul Anderson: The Boat of a Million Years

(1989 bei Tor; dt. Zeitfahrer, H 4832)

Sheri S. Tepper: Grass

(1989 bei Doubleday Foundation; dt. Gras, H 5918)

 

Novella

Lois McMaster Bujold: »The Mountains of Mourning«

(Mai 1989 in ANALOG; dt. »Die Berge der Trauer« in Bujold: Grenzen der Unendlichkeit, H 5452 und Bujold: Der junge Miles, H 52014)

Lois McMaster Bujold (*1949) hat mit ihrem BARRAYAR-Zyklus eine der erfolgreichsten Serien der modernen Science Fiction geschaffen und wurde dafür mit zahlreichen Hugo-Nominierungen und -Gewinnen belohnt, ganz zu schweigen von anderen Preisen wie Nebula und Locus Award. Beim Campbell Award belegte sie 1987 den zweiten Platz. Die einzelnen Bände landeten bei der Hugo-Verleihung immer auf den vorderen Plätzen: Falling Free (3. Platz 1989), The Vor Game (Gewinner 1991), Barrayar (Gewinner 1992), Mirror Dance (Gewinner 1995), Memory (2. Platz 1997), A Civil Campaign (2. Platz 2000), »Winterfair Gifts« (4. Platz 2005), Cryoburn (3. Platz 2011) und Captain Vorpatril’s Alliance (2. Platz 2013).

»The Mountains of Mourning« spielt chronologisch zwischen den Romanen The Warrior’s Apprentice (dt. Der Kadett) und The Vor Game (dt. Der Prinz und der Söldner). Miles Vorkosigan ist zwanzig Jahre alt, hat die Ausbildung zum Offizier erfolgreich hinter sich gebracht und kehrt nach Hause zurück. Eine junge Frau namens Harra aus einem isolierten Dorf im Silvy-Tal erscheint und klagt ihren Ehemann Lern an, die gemeinsame Tochter Raina getötet zu haben. Graf Vorkosigan sendet seinen Sohn Miles nur in Begleitung eines Arztes und eines Leibwächters aus, um den angeblichen Mordfall zu untersuchen. Es stellt sich heraus, dass das Baby mit einer Hasenscharte geboren worden war, die leicht zu operieren wäre. Einige Dorfbewohner haben sie trotzdem als Mutation angesehen. Nach einer Obduktion stellt der Arzt fest, dass dem Kind das Genick gebrochen wurde. Miles geht bei seinen Ermittlungen äußerst klug vor, findet heraus, dass der Kindesvater unschuldig ist und bestraft den wahren Täter auf ungewöhnliche Weise.

Die lange Erzählung, die im Grunde eine Kriminalgeschichte ist, gibt Einblicke in die Denkweise und den Charakter von Miles Vorkosigan sowie in die gesellschaftlichen Verhältnisse seines Heimatplaneten und ist daher für das Verständnis der Romanserie sehr hilfreich. Bujold beweist erzählerische Meisterschaft und zeigt schon sehr früh, dass sie nicht nur handlungsreiche Space Operas und verwickelte politische Intrigenspiele zu schreiben in der Lage ist.

Weitere Nominierungen:

Lucius Shepard: »The Fathers of Stones«

(September 1989 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Megan Lindholm: »A Touch of Lavender«

(November 1989 in ASIMOV’S; dt. »Ein Hauch von Lavendel« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 36. Folge, H 4742)

Connie Willis: »Time-out«

(Juli 1989 in ASIMOV’S; dt. »Auszeit« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 39. Folge, H 4906)

Judith Moffett: »Tiny Tango«

(Februar 1989 in ASIMOV’S; dt. »Tiny Tango« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Die Menagerie von Babel, H 4920)

 

Novelette

Robert Silverberg: »Enter a Soldier. Later: Enter Another«

(Juni 1989 in ASIMOV’S; dt. »Erster Auftritt: Soldat. Darauf: Ein anderer« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1991, H 4770)

Francisco Pizarro, Gouverneur und Oberbefehlshaber von New Castile, kommt in einer ihm völlig unbekannten Umgebung zu sich. Er hält es zunächst für den Himmel, zumal er einfach nur in der Luft schwebt. Er weiß nicht, dass er eine holographische Projektion ist, die die beiden Programmierer Tanner und Richardson geschaffen haben. Die ersten holographischen Programme wurden in Frankreich im Jahr 2119 vom Centre Mundial de la Computation in Lyon entwickelt, ursprünglich um historische Persönlichkeiten mit einer Künstlichen Intelligenz neu erstehen zu lassen; zum Beispiel zur Erheiterung von Touristen, die sich von Picasso durch die Galerien führen lassen könnten. Doch die Programme funktionierten nicht richtig und so wurde das Projekt nach seiner Einstellung an die Amerikaner verkauft. Jetzt, im Jahr 2130, ist der Durchbruch nach vielen Fehlversuchen gelungen. Tanner lässt ein Abbild von sich in den Holotank projizieren, um sich mit Pizarro zu unterhalten, der eine erschreckend schnelle Auffassungsgabe hat.

Der nächste Schritt ist die Erschaffung einer weiteren virtuellen Person, mit der sich Pizarro unterhalten kann. Die Programmierer entscheiden sich für Sokrates. Der faszinierende Dialog zwischen den beiden lässt erkennen, dass die Programme zu eigenständigem Denken fähig sind, das über die Programmierung ihrer Persönlichkeiten hinaus geht. Die Programmierer stellen Vermutungen an, was sich aus ihren Schöpfungen entwickeln könnte.

Neben der eigentlichen Thematik der Erzählung, also den Künstlichen Intelligenzen, finden wir hier ein Motiv der Science Fiction, das wir bereits von Philip José Farmers FLUSSWELT und Silverbergs Erzählung »Gilgamesh in the Outback« kennen, nämlich das Aufeinandertreffen von Persönlichkeiten, die ursprünglich in unterschiedlichen Zeitaltern gelebt haben. Nur dass es diesmal im virtuellen Raum des Computers stattfindet. Robert Silverberg erhielt für diese Erzählung seinen vierten Hugo.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick: »For I Have Touched the Sky«

(Februar 1989 in F&SF; nicht auf Deutsch)

George Alec Effinger: »Everything But Honor«

(Februar 1989 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Connie Willis: »At the Rialto«

(Oktober 1989 in OMNI; nicht auf Deutsch)

Nancy Kress: »The Prince of Oranges«

(April 1989 in ASIMOV’S; dt. »Der Preis der Orangen« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 39. Folge, H 3906)

Orson Scott Card: »Dogwalker«

(November 1989 in ASIMOV’S; dt. »Kristallhirn« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 9, B 24132)

 

Short Story

Suzy McKee Charnas: »Boobs«

(Juli 1989 in ASIMOV’S; dt. »Möpse« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 35. Folge, H 4690)

Kelsey ist das erste Mädchen in ihrer Schulklasse, die schon Brüste bekommen hat, und der blöde Billy macht sich über sie lustig, schlägt sie sogar. Zur gleichen Zeit, als Kelsey ihre erste Periode bekommt, verwandelt sie sich zum ersten Mal in einen Werwolf. Das verunsicherte Teenagermädchen gewinnt neue Selbstsicherheit durch ihre nächtlichen Abenteuer als wildes Tier. Zunächst tötet und frisst sie nur Hunde aus der Nachbarschaft, doch dann schmiedet sie einen Plan, um sich an dem furchtbaren Billy zu rächen. Sie verabredet sich mit ihm unter einem Vorwand bei Vollmond in einem einsamen Park. Und frisst ihn schließlich beinahe auf.

Obwohl die Kurzgeschichte gut geschrieben ist, liest sie sich dennoch wie die Rachephantasie eines pubertierenden Mädchens. Dazu gehört sicher auch schriftstellerische Kunstfertigkeit. Ob die Geschichte tatsächlich besser als die anderen Nominierten ist, bleibt jedoch fraglich.

Suzy McKee Charnas (*1939) ist zuvor durch einige Fantasy- und Horrorromane mit oft feministischen Themen in Erscheinung getreten, zum Beispiel Walk to the End of the World (1974 bei Ballantine; dt. Tochter der Apokalypse).

Weitere Nominierungen:

Orson Scott Card: »Lost Boys«

(Oktober 1989 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Eileen Gunn: »Computer Friendly«

(Juni 1989 in ASIMOV’S; dt. »Computerfreundlich« in ALIEN CONTACT 9 und in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 37, H 4795)

Larry Niven: »The Return of William Proxmire«

(1989 in What Might Have Been Vol. 1, nicht auf Deutsch)

Michael Swanwick: »The Edge of the World«

(1989 in Full Spectrum 2, dt. »Der Rand der Welt« in Swanwick: Engel der Schwerkraft, H 5971)

Bruce Sterling: »Dori Bangs«

(September 1989 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Anmerkung: Kim Stanley Robinsons Erzählung »Remaking History« (dt. »Remaking History« in ALIEN CONTACT 35) erhielt ausreichend viele Nominierungen, wurde jedoch nicht zugelassen, weil der Text bereits 1988 erstveröffentlicht wurde.

 

Non-Fiction

Alexei & Cory Panshin: The World Beyond the Hill: Science Fiction and the Quest for Transcendence

(1989 bei Tarcher; nicht auf Deutsch)

Alexei Panshin (*1940) ist seit den 1960er Jahren aktiv im Fandom tätig und hat auch eine Reihe von Erzählungen und Romane publiziert, darunter den mit dem Nebula Award ausgezeichneten und für den Hugo nominierten Roman Rite of Passage (1968 bei Ace; dt. Welt zwischen den Sternen). Wichtiger sind jedoch seine Aufsätze und Sachbücher über Science Fiction. So veröffentlichte er die kritische Analyse Heinlein in Dimension (1968) und die Artikelserie SCIENCE FICTION IN DIMENSION (Juni 1970 bis Juli 1973 in FANTASTIC, zum Teil bereits mit seiner Frau Cory verfasst, die er 1969 geheiratet hatte). Diese Artikel waren bereits Vorarbeiten für ihr großes Sachbuch The World Beyond the Hill, eine 685 Seiten umfassende Geschichte der Science Fiction, die von John Clute als »vorbildlich« bezeichnet wurde. Im ersten Teil »Before Science Fiction« geht es zunächst um Proto-SF wie die Gothic Novels, Poe und Shelley bis hin zu Verne. In »Science Fiction Emerges« geht es um die Zeit von 1870 bis 1927 unter Berücksichtigung der Dime Novels, von Bellamy, Bulwer, Haggard, Burroughs, Wells und der frühen Gernsback-Autoren. Der dritte Teil, »Modern Science Fiction«, ist der weitaus umfangreichste und auch interessanteste des Buches. Er beschäftigt sich mit der Zeit von 1928 bis zum Ende des Golden Age Mitte der Vierziger Jahre. Besondere Berücksichtigung finden hier die Autoren, die sonst oft von der SF-Kritik vernachlässigt werden, jedoch großen Einfluss auf das Genre hatten, wie E. E. Smith, John W. Campbell, Jack Williamson, Edmond Hamilton und A. E. van Vogt. Aber auch die frühen Texte von Heinlein und Asimov sowie vieler anderer Magazinautoren werden einer Betrachtung unterzogen.

Interessant sind dabei nicht nur die Inhaltsangaben der einzelnen Texte, sondern vor allem die Analysen und Schlussfolgerungen der beiden Autoren. The World Beyond the Hill ist ein Sachbuch, bei dem den Fans der frühen US-amerikanischen Science Fiction Freudentränen in den Augen stehen.

Weitere Nominierungen:

Robert A. Heinlein, hrsg. von Virginia Heinlein: Grumbles from the Grave

(1989 bei Del Rey; nicht auf Deutsch)

Ursula K. Le Guin: Dancing at the Edge of the World

(1989 bei Grove; nicht auf Deutsch)

Arthur C. Clarke: Astounding Days

(1989 bei Gollancz und Bantam Spectra; nicht auf Deutsch)

Harlan Ellison: Harlan Ellison’s Watching

(1989 bei Underwood Miller; nicht auf Deutsch)

Greg Thokar (Hrsg.): Noreascon Three Souvenir Book

(1989 bei MCFI Press; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

Indiana Jones and the Last Crusade

(Lucasfilm/Paramount; Drehbuch Jeffrey Boam; Story George Lucas & Menno Meyjes; Regie Steven Spielberg; dt. Indiana Jones und der letzte Kreuzzug)

Dieser Film ist bereits der dritte in der INDIANA JONES-Reihe, in dem sich diesmal Dr. Henry Jones jr. (Harrison Ford) und Dr. Henry Jones (Sean Connery) ein Rennen mit den Nazis um den Heiligen Gral liefern. In diesem atemberaubenden Abenteuerfilm dreht Regisseur Steven Spielberg die Schraube noch etwas weiter als in den vorangegangenen Filmen: Die Handlung ist einfallsreich, voller spektakulärer Bilder und witziger Dialoge, das Tempo ist durchweg rasant.

Filmhistorisch bemerkenswert ist, dass es sich um den ersten Film handelt, bei dessen visuellen Effekten digitales Compositing großflächig eingesetzt wurde, das heißt einzelne Bildelemente, die vor Bluescreen aufgenommen wurden, konnten im Computer miteinander kombiniert werden. Heute ist das natürlich eine gängige Praxis, doch 1989 waren die Computer eben noch nicht so leistungsfähig wie heute.

Weitere Nominierungen:

The Adventures of Baron Munchausen

(Allied/Columbia/Laura/Prominent; Drehbuch Terry Gilliam & Charles McKeown; Regie Terry Gilliam; basiert auf dem Buch von Rudolph Erich Raspe/Gottfried August Bürger; dt. Die Abenteuer des Baron von Münchhausen)

Batman

(Guber-Peters/PolyGram/Warner Brothers; Drehbuch Sam Hamm & Warren Skaaren; Story Sam Hamm; Regie Tim Burton; basiert auf den Figuren von Bob Kane; dt. Batman)

Field of Dreams

(Gordon/Universal; Drehbuch Phil Alden Robinson; Regie Phil Alden Robinson; basiert auf dem gleichnamigen Roman von W. P. Kinsella; dt. Das Feld der Träume)

The Abyss

(20th Century Fox/Lightstorm/Pacific Western; Drehbuch James Cameron; Regie James Cameron; dt. Abyss – Abgrund des Todes)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1990: Das waren die Gewinner

Dozois erhielt seinen dritten Hugo in Folge hauptsächlich für seine Herausgebertätigkeit bei ASIMOV’S. Wichtige Erzählungen im Jahr 1989 waren Megan Lindholms »A Touch of Lavender« (dt. »Ein Hauch von Lavendel«), Connie Willis’ »Time-out« (dt. »Auszeit«), Robert Silverbergs »Enter a Soldier. Later: Enter Another« (»Erster Auftritt: Soldat. Darauf: Ein anderer«) Nancy Kress’ »The Price of Oranges« (dt. »Der Preis der Orangen«), Orson Scott Cards »Dogwalker« (dt. »Kristallhirn«), Suzy McKee Charnas’ »Boobs« (dt. »Möpse«) und Eileen Gunns »Computer Friendly« (dt. »Computerfreundlich«).

Außerdem stellte Dozois die Anthologien Seaserpents! (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann), The Year’s Best Science Fiction: Sixth Annual Collection (St. Martin’s Press), Transcendental Tales from Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine (Starblaze) und Time Travelers from Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine (Ace Books) zusammen.

Weitere Nominierungen:

Ellen Datlow
David G. Hartwell
Beth Meacham
Edward L. Ferman
Stanley Schmidt
Charles C. Ryan

 

Professional Artist

Don Maitz

Der Amerikaner Don Maitz (*1953) ist seit 1976 regelmäßig als Coverkünstler für unterschiedliche Verlage tätig. Bis Ende der 80er Jahre hatte er rund 150 Titelbilder für Fantasy-, SF- und Horrorbücher gemalt. 1989 erschienen mindestens neun neue Titelbilder, unter anderem auf den Büchern Rimrunners und Cyteen von C. J. Cherryh und The Sunset Warrior von Eric Van Lustbader. Außerhalb des Genres zeichnet Maitz übrigens auch die Piraten-Illustrationen für die Rum-Marke »Captain Morgan«.

Weitere Nominierungen:

Thomas Canty
Michael Whelan
Jim Burns
David Cherry
Tom Kidd
James Gurney

 

Original Artwork

Cover of Rimrunners by Don Maitz

(Warner Questar)

Don Maitz hat bereits in diesem Jahr den Hugo als ›Best Professional Artist‹ gewonnen. Mit dem comicartigen, sehr farbigen und dynamischen Titelbild für C. J. Cherryhs Roman Rimrunners (1989 bei Warner; dt. Yeager, H 4824) brachte er durch seinen eigenwilligen Stil frischen Wind in die SF-Malerei. Schaut man sich die Bilder von Maitz aus dieser Schaffensperiode an, wird man feststellen, dass Rimrunners nicht unbedingt typisch für seinen Stil ist.

Weitere Nominierungen:

Cover of Hyperion by Gary Ruddell (Doubleday/Foundation, Bantam Spectra)
Cover of Paradise by Michael Whelan (Tor)
Cover of The Renegades of Pern by Michael Whelan (Del Rey)
Cover of Quozl by James Gurney (Ace)
Cover of The Stress of Her Regard by James Gurney (Ace)

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

Der Erfolg von LOCUS in dieser Rubrik war ungebrochen. 1989 erschien jeden Monat eine Ausgabe mit einem Umfang von je 80 bis 92 Seiten. Interviewt wurden unter anderem Peter Dickinson, James P. Hogan, Terry Pratchett, Jonathan Carroll, Diana Wynne Jones, Mary Gentle, Joe Haldeman, George Alec Effinger, Brian W. Aldiss, Greg Bear, Lois McMaster Bujold, Connie Willis, Lucius Shephard, C. J. Cherryh, Frederik Pohl und David Brin. Über internationale SF berichtete man hauptsächlich aus England, Japan, Ungarn, der Sowjetunion, Frankreich, Deutschland, der CSSR, Australien, Brasilien und Griechenland. Fritz Leiber publizierte wieder in jeder Ausgabe die Rubrik »Moons & Stars & Stuff«. Es gab einige Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten und die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Dan Chow, Scott Winnett, Mark R. Kelly, Tom Whitmore und Carolyn Cushman geschrieben. Außerdem gab es Briefe von Bruce Sterling, Arthur C. Clarke, Paul Preuss, Alan Dean Foster, Brian Stableford und vielen anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew Porter)
INTERZONE (David Pringle)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Kramer, David G. Hartwell, Gordon Van Gelder)
THRUST (D. Douglas Fratz)

 

Fanzine

THE MAD 3 PARTY (Leslie Turek)

THE MAD 3 PARTY erschien erstmals 1984 als Bidzine für »Boston in ’89«; das bedeutet, es war ein Fanzine, das dafür warb, dass die wahlberechtigten Fans sich für Boston als Austragungsort des Worldcons 1989 entscheiden. Als der Bid 1986 erfolgreich war und Boston den Noreascon 3 als Worldcon ausrichten durfte, wurde das Fanzine zur Conventionplanung genutzt. Es gab insgesamt 38 Ausgaben. Der Name des Fanzines leitet sich vom Thema des Bid ab, bei dem es sich um »Alice in Wonderland« handelte.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
LAN’S LANTERN (George Laskowski)
PIRATE JENNY (Pat Mueller)
FOSFAX (Timothy Lane)

 

Fan Writer

Dave Langford

Wie in den Jahren zuvor war Dave Langford sehr aktiv. Er schrieb weiterhin Erzählungen, die in Anthologien abgedruckt wurden. Außerdem erschien immer noch die Kolumne CRITICAL MASS sowie Kritiken und Artikel in Magazinen und Fanzines wie THRUST, VECTOR, THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION und anderen.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Leslie Turek
Arthur D. Hlavaty
Evelyn Leeper

 

Fan Artist

Stu Shiffman

Der US-Amerikaner Stu Shiffman (1954–2014) war insgesamt vierzehn Mal für den Hugo nominiert (1979 bis 1986 und 1989 bis 1994) und hat ihn einmal gewonnen. Er war seit den 70er Jahren im Fandom aktiv und veröffentlichte seine Grafiken über Jahrzehnte hinweg in Fanzines und Convention-Publikationen. 2010 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Rotsler Award, einem Fan-Preis, ausgezeichnet. Er schrieb auch Erzählungen und sein besonderes Interesse galt Alternativweltgeschichten. Daher war er auch von 1999 bis 2012 in der Jury für den Sidewise Award. Shiffman war Ehrengast auf zahlreichen Conventions.

Weitere Nominierungen:

Teddy Harvia
Taral Wayne
Merle Insinga
Joe Mayhew
Steve Fox

 

Campbell Award

Kristine Kathryn Rusch

Die US-Amerikanerin Kristine Kathryn Rusch (*1960) debütierte mit der Erzählung »Sing« (Februar/März 1987 in ABORIGINAL SCIENCE FICTION).

Im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit Dean Wesley Smith den Verlag Pulphouse Publishing, wo sie von 1988 bis 1993 insgesamt zwölf Ausgaben von PULPHOUSE: THE HARDBACK MAGAZINE herausgab. 1989 erhielt sie zusammen mit Smith den World Fantasy Award für PULPHOUSE. Bis Ende 1989 erschienen insgesamt elf Erzählungen, vor allem in AMAZING, ABORIGINAL, F&SF und ASIMOV’S, deren herausragende Qualität ihr den Campbell Award einbrachte.

Im Dezember 1990 veröffentlichte sie das Sachbuch Science Fiction Writers of America Handbook: The Professional Writer’s Guide to Writing Professionally (gemeinsam mit Dean Wesley Smith, bei Pulphouse), mit dem die beiden den Locus Award gewannen, und im Juli 1991 wurde sie Herausgeberin von THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION, bis sie diesen Job im Mai 1997 an Gordon Van Gelder abgab.

Seit 1991 hat sie mehr als fünfzig Romane geschrieben, unter ihrem eigenen Namen oder unter den Pseudonymen Kris DeLake, Kristine Grayson und Kathryn Wesley. Für Romane, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Dean Wesley Smith verfasst, benutzt sie das Pseudonym Sandy Schofeld. Der größte Teil der Romane gehört zu Media-Serien wie X-MEN UNIVERSE, PREDATOR, QUANTUM LEAP, ROSWELL, STAR TREK oder STAR WARS. Auf Deutsch liegen rund dreißig Romane von ihr vor, zum Beispiel ihre eigene Serien DAS BUCH DER FEY (5 Bände, auf Deutsch 10 Bände) und RETRIEVAL ARTIST/MILES FLINT (6 Bände) sowie einige STAR TREK- und STAR WARS-Romane. Sie war dreizehn Mal für den Hugo nominiert und hat ihn zweimal gewonnen (1994 und 2001).

Weitere Nominierungen:

Allen Steele
Nancy A. Collins
John Cramer
Katherine Neville

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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