Das sind die besten Fantasy-Bücher des Jahres 2018

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Das sind die besten Fantasy-Bücher des Jahres 2018


Dieses Jahr erschienen so einige Fantasy-Bücher, auf deren Übersetzung deutschsprachige Fans lange warten mussten, aber noch andere Highlights. Hier ist sie, unsere definitive Top-Liste der besten Fantasy-Bücher von 2018.

Einhornflüsterer: In Kalabrien von Peter S. Beagle

Deutsch von Oliver Plaschka • Klett-Cotta, Hardcover, 164 Seiten • 16 Euro

Mit seinem weltberühmten Roman „Das letzte Einhorn“ prägte Peter S. Beagle dieses phantastische Geschöpf 1968 praktisch auf ewig, den Rest besorgte 1982 der Animationsfilm, dessen Drehbuch Beagle ebenfalls verfasste. Im Verlauf seiner großen Karriere schrieb der Amerikaner immer wieder über Einhörner – zuletzt den Kurzroman „In Kalabrien“, ein wahres Kleinod. Beagle beweist mit der Geschichte aus dem heutigen Italien nicht nur, dass er noch immer ein brillanter Stilist und Erzähler ist. Zudem schenkt uns der Einhornflüsterer und Fantasy-Altmeister ein neues magisches Einhornbuch, das zugleich zeitlos und modern daherkommt und eindrucksvoll unterstreicht, wie gut Peter S. Beagle kurz vor seinem 80. Geburtstag noch immer ist.

Rassisten & Okkultisten: Lovecraft Country von Matt Ruff

Deutsch von Anna Leube • Hanser, Hardcover, 431 Seiten • 24 Euro

Mit Werken wie „Fool on the Hill“ und „Bad Monkeys“ schrieb sich der Amerikaner Matt Ruff in die Herzen von Lesern und Kritikern. 2018 kam endlich sein jüngster Roman „Lovecraft Country“ auf Deutsch heraus. Der Titel lässt einen Pastiche oder Remix zum Schaffen von Weird-Fiction-Altmeister H. P. Lovecraft vermuten, doch der neue Ruff ist letztlich etwas ganz anderes. Opferrituale, Monster, Zauberbücher, Geisterhäuser, Gestaltwandler und fremde Dimensionen gehören zwar zum Konzept des auf Pulp getrimten Episodenromans, in erster Linie geht es jedoch um die Geschichte des Rassismus in den USA, und damit um ein brandaktuelles Thema. Eine Adaption als HBO-Fernsehserie ist bereits in Arbeit.

Tausendundeine  Nacht 2.0: Alif der Unsichtbare von G. Willow Wilson

Deutsch von Julia Schmeink • FISCHER Tor, Taschenbuch, 524 Seiten • 9,99 Euro

Noch ein Werk, auf das deutschsprachige Leser länger als gedacht warten mussten: In ihrem mit dem World Fantasy Award ausgezeichneten Roman „Alif der Unsichtbare“ wirft die Amerikanerin G. Willow Wilson einen aufgrund ihrer langen Aufenthalte im Nahen Osten kenntnisreichen Blick auf den Alltag und die Kultur im arabischen Raum. In ihren besten Momenten ist ihre Science-Fantasy-Geschichte über den Hacker Alif und die Welt der Djinn eine fulminante Mischung aus den Werken von Cory Doctorow, Mohsin Hamid, Salman Rushdie und China Miéville - und den Märchen aus tausendundeiner Nacht.

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Erschütternd innovativ: Zerrissene Erde von N. K. Jemisin

Deutsch von Susanne Gerold • Knaur, Paperback, 494 Seiten • 14,99 Euro

2018 war wirklich das Jahr, in dem das Warten auf Übersetzungen ein Ende hatte. Immerhin fand auch der erste der gefühlt jedes Jahr mit dem Hugo Award-prämierten Romane von US-Autorin N. J. Jemisin als „Zerrissene Erde“ seinen Weg nach Deutschland. Das Buch ist perspektivisch, stilistisch und strukturell ungeheuer reizvoll – und absolut gekonnte, innovative Science Fantasy über eine Welt, die regelmäßig die endzeitliche Fünftzeit durchlebt, und in der Magier besondere Erdbebenkräfte haben, die an ihre Gefühle gekoppelt sind. Ein erschütternd guter Genre-Mix.

Horrorhaus: Slade House von David Mitchell

Deutsch von Volker Oldenburg • Rowohlt, Hardcover, 240 Seiten • 20 Euro

Der Engländer David Mitchell erfreute Genre-Liebhaber schon mit Werken wie „Die Knochenuhren“ und „Der Wolkenatlas“, die auch abseits der phantastischen Szene und der Buchseiten großen Anklang fanden. Sein 2018 erschienener Kurzroman „Slade House“, ursprünglich mal ein Twitter-Projekt, dreht sich um ein zyklisch in Raum und Zeit auftauchendes Spukhaus, in dem seelenfressende Vampire lauern – mit Anleihen bei Ray Bradbury, Neil Gaiman und Clive Barker. Ein starkes, verspieltes Buch dieses exzellenten und fabulierfreudigen Autors, und eine gute Tür in sein Schaffen. 

Diebisch gut: Das Gold der Krähen von Leigh Bardugo

Deutsch von Michelle Gyo • Knaur, Paperback, 558 Seiten • 16,99 Euro

Leigh Bardugos in 35 Länder verkaufter Verkaufsschlager „Das Lied der Krähen“ findet in „Das Gold der Krähen“ seine Fortsetzung – und der Zweiteiler über Dirtyhands und seine Diebescrew einen Abschluss. Man muss Bardugos vorangegangene „Grischa“-Serie, die in einer anderen Ecke derselben, von den historischen Versionen Russlands und Hollands inspirierten Welt angesiedelt war, nicht kennen, um mit den Protagonisten der Krähen-Miniserie zu bangen. Erfreulicherweise hat die in Jerusalem geborene, in L.A. lebende Bardugo die Rachegeschichte im zweiten Band genauso süffig und packend hinbekommen wie den literarische Fantasy-Heist-Movie-Vorgänger.

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Klassiker deluxe: Erdsee von Ursula K. Le Guin

Deutsch von H.-U. Möhring, S. Riffel & K. Nölle • Fischer TOR, Hardcover, 1103 Seiten • 58 Euro

Ursula K. Le Guins „Erdsee“-Zyklus gehört zu den großen, wunderschönen Klassikern des Genres, und besser als in der vorliegenden Ausgabe kann man so einen Evergreen nicht präsentieren: Der dicke Hardcover-Prachtband enthält alle Romane und Erzählungen der zeitlosen und vielfältigen Saga, illustriert von Ausnahmekünstler Charles Vess und achtsam übersetzt. Fans und Sammler sind erstmals wunschlos glücklich, und Neuleser kommen gleich in den Genuss der definitiven Ausgabe. Und natürlich ist dieser Band auch etwas für Leute, die sich einfach an wunderschönen, außergewöhnlichen Büchern erfreuen können und wollen.

Historisch: Die letzte Reise der Meerjungfrau von Imogen Hermes Gowar

Deutsch von Angela Koonen • Bastei Lübbe, Hardcover, 556 Seiten • 20 Euro

Bei „Die letzte Reise der Meerjungfrau oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde“ (schnauf!) handelt es sich um das beachtliche Romandebüt von Imogen Hermes Gowar. Die junge Britin lässt den Großraum London zur Zeit von König George III. zwischen Schick und Schmutz auferstehen, während sie das Schicksal eines verwitweten Kaufmannes und eines ehrgeizigen Freudenmädchens verknüpft und die Doppelmoral der Epoche beleuchtet. Kein Meerjungfrauen-Roman, wie man ihn erwartet: Historisch, nicht klassisch, nicht märchenhaft, aber dennoch phantastisch.

Chinesisch angehaucht: Die Götter von Dara von Ken Liu

Deutsch von Katharina Naumann • Knaur, Taschenbuch, 480 Seiten • 10,99 Euro

Ken Lius Kurzgeschichten sind das Nonplusultra, doch auch seine Romane weisen eine große stilistische und erzählerische Qualität auf. Der zweite stilsichere Band der „Seidenkrieger“-Serie des in China geborenen, in den USA aufgewachsenen und lebenden Liu dürfte auch Lesern gefallen, die den Auftakt und den Anbeginn der Löwenzahn-Dynastie verpasst haben. Schließlich erinnert die chinesisch angehauchte High Fantasy mit ihrer Politik, ihren Intrigen und ihren Göttern an George R. R. Martin und Dave Eddings. Die Formatumstellung lässt vermuten, dass die Serie auf Deutsch nicht gut läuft – schade und unverdient.

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Postmodernes Puzzle: Mörderische Renovierung von Edgar Cantero

Deutsch von Thomas Görden • Golkonda, Hardcover, 415 Seiten • 19,90 Euro

Ein altes Spukhaus, das einem entfernt verwandten Okkultisten gehörte, der wiederum Mitglied einer Geheimgesellschaft war und Selbstmord beging, kann ein belastendes Erbe sein, wie A. und seine stumme Begleiterin Niamh herausfinden. Perfekt ist der darauf aufbauende Geisterhaus-Krimi des Spaniers Edgar Cantero nicht, aber wer verspielte, postmoderne Bücher schätzt, die stilistische Vielseitigkeit und Experimentierfreude, gestalterische Abwechslung sowie die eine oder andere geradezu interaktive Stelle bieten, der kommt bei der mörderischen Renovierung voll auf seine Kosten.

Nonnen und Kriegerinnen: Waffenschwestern von Mark Lawrence

Deutsch von Frank Böhmert • FISCHER Tor, Paperback, 640 Seiten • 16,99 Euro

Viele, viele Seiten, die sich der Ausbildung einer unerfahrenen Antiheldin widmen, in diesem Fall in einem Kloster kriegerischer Nonnen, die keinen Richter und keinen Adeligen fürchten, trotzdem gibt es viel Ärger und auf die Mütze – das klingt, betrachtet man sich die Fantasy-Erfolge der letzten Jahre, nach einer der obligatorischen „Assassinen-Varianten“. Der in den USA geborene, in England lebende Mark Lawrence peppt die Sache allerdings dadurch auf, dass er häufig regelrecht kühn erzählt und seine Welt des Ahnen, seine Figuren und seine Sprache mit Ecken und Kanten ausstattet. Für alle, die Coming-of-Age-Fantasy in diesem Subgenre und diesem Umfang mögen, genau das Richtige.

Fein beobachtet: Aus der Tastatur gefallen von Terry Pratchett

Deutsch von G. Jung & R. Rawlinson • Goldmann, Paperback, 400 Seiten • 14 Euro

Dieser Band sammelt alle möglichen Non-Fiction-Texte aus der Feder des schmerzlich vermissten Scheibenwelt-Erfinders Terry Pratchett: Reden voller Abschweifungen, Zeitungsartikel aus verschiedenen Epochen seiner Laufbahn, Einleitungen für Con-Programmhefte, Vorworte für Bücher anderer Autoren, Lesereiseberichte aus Australien sowie Gedanken zu seiner Krankheit und der Sterbehilfe. Hin und wider ein bisschen redundant, aber nichtsdestoweniger ein weiterer Beweis dafür, dass Sir Terry ein großer Menschenkenner war. Während man „Aus der Tastatur gefallen liest“, kann man für ein paar Augenblicke vergessen, dass die Rundwelt inzwischen ohne den Vater der Scheibenwelt auskommen muss.

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