Neue Fantasy-Bücher im November: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

© kellepics - pixabay

BUCH

Neue Fantasy-Bücher im November: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Ihr sucht neuen Lesestoff aus dem Fantasy-Genre? Hier sind frische Buchtipps und Fantasy-Highlights aus der Berliner Fantasy- und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland.

Ursula K. LeGuin - Erdsee - Die illustrierte Gesamtausgabe

Ich bin ja gar nicht so schrecklich bibliophil, aber manche Schmuckausgabe tut es mir dann doch an … insbesondere, wenn sie von einem Buch ist, mit dem ich so intensive Erinnerungen verbinde. Für mich ist Erdsee immer noch vor allem die Geschichte des jungen Ged, der bei seiner Ausbildung zum Zauberer einen folgenschweren Fehler begeht und fortan einem von ihm freigesetzten Schatten nachjagt, sich Drachen und Ängsten und schließlich, am Ende der Welt, einer erschütternden Erkenntnis stellt. Das alles ist nur der Anfang von LeGuins Fantasy-Klassiker, der über die Jahrzehnte hinweg aus seinen Jugendbuch-Wurzeln gewachsen ist und ihnen dabei immer die Treue gehalten hat.

Die wunderbaren Illustrationen dieser Ausgabe, die alle fünf Erdsee-Romane und alle Erdsee-Erzählungen umfasst, stammen von Charles Vess, und insbesondere die prachtvollen Farbtafeln werden von einem Hauch Miyazaki durchweht - eine Verbindung, die mir seit jeher einleuchtend erscheint. Ein Wunder der Fantasy, ein Wunder der Buchkunst.

John Crowley - Ka - Das Reich der Krähen

John Crowley gehört selbst bei der englischsprachigen Leserschaft zu jenen Autoren, die allzu leicht übersehen werden – zu unrecht! Schenkt eure wertvolle Lesezeit einer unsterblichen Krähe, die ihre Geschichte einem Menschen erzählt, eine Geschichte von Verlust und Tod. Beginnend im Eisenzeitalter, berichtet Dar Oakley von seinen verschiedenen Reinkarnationen, von Ereignissen aus zweitausend Jahren menschlicher Geschichte. Und von Erlebnissen in Ka, dem Reich der Krähen. Und immer wieder muss er hinunter ins Totenreich, seine Unsterblichkeit mehr Fluch als Segen.

Wunderschöne Prosa, Meditationen über Leben und Tod, über das Erzählen, über Realität und Legende. Und alles rankt sich um das Lebewesen, das wie kein anderes mit dem Mythos verknüpft ist: die Krähe.

Gebt John Crowley eine Chance! Er hat sie so verdient.

Ka - Das Reich der Krähen von John Crowley bei Amazon bestellen
Wild Cards - Die Cops von Jokertown von George R. R. Martin & Melinda Snodgrass bei Amazon bestellen

George R. R. Martin & Melinda Snodgrass (Hg.) - Wild Cards: Die Cops von Jokertown

Ich erinnere mich leider nicht mehr an alle Einzelheiten, denn es ist lange her, dass ich die frühen Wild-Cards-Romane gelesen habe, aber ich weiß noch gut, dass ich die Episoden in Jokertown, dem Ghetto der Joker im Süden Manhattans immer besonders mitreißend fand. Joker sind die glücklichen Menschen, die vom Wild-Card-Virus zwar angesteckt wurden, aber nicht gestorben sind -- nur mutiert. Die Mutationen machen sie nur in den allerseltensten Fällen zu Wild Cards, weitgehend normal aussehenden Menschen mit übermenschlichen Fähigkeiten, sondern zu verunstalteten Freaks. 

Die Cops von Jokertown dreht sich um das dortige Polizeirevier, in dem zur Hälfte Normalos, zur Hälfte Joker arbeiten und ermitteln, und es ist ein spannender, gut gebauter Krimi mit einer erstaunlichen Menge zu Herzen gehender Figuren und Szenen, voller Tragik und Humor, schrulligen Eskapaden und fiesen Wendungen. Die Autoren rund um George R. R. Martin lassen sich eine Menge genialer Sachen einfallen, die aus dem Buch weit mehr als ein (Pseudo-)Superheldenabenteuer machen. Dieser Roman hat mir wirklich fantastisch gefallen, und er eignet sich tatsächlich bestens, um in die Welt von Wild Cards einzusteigen.

Antoine de Saint-Exupéry - ta’puq mach (Der kleine Prinz auf Klingonisch)

Auch wenn es auf den ersten Blick wunderlich erscheinen mag, dass gerade der Kleine Prinz, DAS Märchen über Freundschaft und Menschlichkeit schlechthin, ins Klingonische, in DIE Sprache der stärksten Militärmacht, der temperamentvollen, aggressiven, stolzen und furchtlosen Krieger, übersetzt wurde, so mag das doch daran liegen, dass in jeder klingonischen Schale ein weicher Kern stecken könnte… oder es war ganz einfach eins der wenigen Bücher, die in die Sprache mit einem Wortschatz von gerade mal 1700 Wörtern praktisch übersetzbar sind. Was auch immer der Grund für die Entstehung dieser eigenartigen Kombination sein mag; jetzt ist es passiert und der zeitlose Klassiker ist nun auch für Klingonen zu lesen da!

ta’puq mach - Der kleine Prinz auf Klingonisch von Antoine de Saint-Exupéry bei Amazon bestellen
Die Powder-Mage-Chroniken 1 - Blutschwur von Brian McClellan bei Amazon bestellen

Brian McClellan - Die Powder-Mage-Chroniken 1: Blutschwur

Feldmarschall Tamas putscht gegen seinen König, die Köpfe des korrupten Adels rollen! Das Volk bekommt endlich zu Essen, aber nix Friede, Freude, Eierkuchen – ein Krieg mit den Neun Nationen entbrennt, royalistische Fanatiker planen Attentate und ehemalige Verbündete haben auf einmal ganz andere Pläne. Tamas und seine Powder Mages – Magier, die vor allem Schießpulver und Kugeln magisch beeinflussen können – haben alle Hände voll zu tun. Und immer diese Steine im Weg: Tamas‘ fremdelnder Sohn, (ein echter Kick-ass-Magier), Loyalitätsprüfung durch Erpressung, und dann gibt’s da noch diesen Verräter, wo ihn keiner vermutet.

Erstmal viele Charaktere und bamm bamm bamm, fliegen einem lauter Sachen um den Kopf. Aber das Dranbleiben lohnt sich! All das entwirrt sich nach und nach. McClellan ist ein exzellenter Charakter-Erschaffer, seine Figuren sind nicht nur großartig gezeichnet, sie interagieren auch so ungekünstelt wie man es sonst kaum erlebt. Mühelos spinnt er Intrigen und schlingt Erzählstränge umeinander; und dabei ist er auch noch witzig: wenn du einen deiner Gunpowder-Mages eine Schießpulver-Line ziehen lässt, zeugt das schon von sehr abgefahrenem Humor.


Geschrieben von den Otherlandern von Jakob, Caro und Inci.

Share:   Facebook